Erik Fosnes Hansen Das Löwenmädchen

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Inhaltsangabe zu „Das Löwenmädchen“ von Erik Fosnes Hansen

In einem kleinen Provinznest in Norwegen kommt im Winter 1912 ein Mädchen zur Welt, das über und über behaart ist. Eine seltene Krankheit, ein Gendefekt und ein interessanter Fall für die Wissenschaft. Die Mutter stirbt bei der Geburt, und der Vater will von dem 'Katzenbaby' zunächst nichts wissen. Doch Eva wächst heran. Abgeschottet und versteckt vor der Neugier der Dorfbewohner, erschafft sie sich eine eigene Welt, bis sie den Mut findet, der Enge ihres Zimmers zu entfliehen.

'Opulent, weil Hansen ein leidenschaftlicher Geschichtenerzähler ist.'

Rheinischer Merkur

'Feinfühlig und unterhaltsam, humorvoll und zugleich ernst…' Margarete von Schwarzkopf, NDR 1

Button an Buch: Spiegel-Bestseller

Das Thema hat mich berührt, auch die Umsetzung des Autors, wenngleich man ein bisschen braucht um reinzukommen. Ende wäre ausbaufähig, mE.

— Marjuvin

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  • Trotz Potenzial- enttäuscht

    Das Löwenmädchen

    Selinavo

    09. November 2013 um 13:25

    Leider hat mir die Schreibart des Autors nicht gut gefallen. Das Buch hat mit seiner Geschichte wirklich Potenzial, vor allen DIngen, weil ich mich vorher erkundigt habe und herausgefunden habe, dass Menschen tatsächlich eine solche Krankheit haben können, dass sie stark behaart sind. Oft wurden solche Menschen dann auch als Affenmenschen bezeichnet. Leider war das Buch sehr langatmig und ich hatte das Gefühl, dass sich alles immer nur im Kreis gedreht hat. Aufgrund des interessanten Themas der seltenen Krankheit möchte ich nicht nur einen Stern vergeben- daher 2.

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  • Kolumne: Belletristik ist tot, es lebe die Belletristik

    muchobooklove

    Roman-Kolumne August 2013 von Mareike: Genreliteratur, das sind die Hamburger unter den Büchern Liebe Leser, Was ist eigentlich Belletristik Le belle et le triste – das Schöne und das Traurige – hierin liegt der französische Ursprung des Wortes Belletristik, das heute nicht viel mehr als ein Mysterium zu sein scheint. Dabei umfasst es so viele Aspekte, ohne die Literatur gar nicht zu denken wäre. Werte, Emotionen und die Ästhetik der Sprache sind für mich die wichtigsten Parameter dessen. Natürlich kann man auch etwas unprätentiöser an die Sache herangehen und einfach von „Romanen“ im Allgemeinen sprechen, wie auch der Titel der Kategorie hier auf Lovelybooks lautet. Doch dann geraten wir gleich ein bisschen in die Bredouille, denn Krimis sind ja auch Romane sowie Fantasy-Bücher und Chick-Lit ebenfalls. Von Kriminalromanen, Thrillern, Fantasy, Young Adult Fiction, Chick-Lit und Romantasy Naja, das sind ja eigentlich alles eher Genres, werdet ihr jetzt im Stillen und ganz zu Recht denken. Aber was sind denn überhaupt Genres? Der Versuch, Bücher in Kategorien zu pressen einerseits, eine Strategie des Buchmarktes andererseits, so scheint es mir. Denn was ist das Schreiben für ein bestimmtes Genre eigentlich anderes als der Versuch, seine Zielgruppe besonders im Blick zu haben. Mit bösen Zungen gesprochen ist das die Garantie dafür, beim Veröffentlichungsprozess bereits einschätzen zu können, wer das Buch am Ende kaufen wird. Darum wird auch immer schnell ein neues Genre entworfen, wenn gerade eine innovative Art des Schreibens mit Erfolg belohnt wurde. Eine kleine Geschichte: Ich sitze mit zwei Freunden von mir, nennen wir sie Justus und Gabi, an einem sonnigen Tag wie diesem in einer Eisdiele. Justus ist gerade dabei, sich eine Karriere im Verlagswesen aufzubauen, Gabi hat Journalismus studiert und steht kurz vor dem Mutterschutz. Justus erzählt uns von einem neuen Projekt, von dem er gehört hat und das sich im Bereich „Romantasy“ bewegt. Darauf Gabi: „Romantasy, nie gehört“ Justus: „Das ist ein neues Genre, das sich irgendwo zwischen Romantic Fiction und Fantasy bewegt, so Vampire und so“ wir nicken einstimmig, denn nun ist uns allen klar, dass hier die Nachfolgen von Stephenie Meyers „Twilight“-Saga spürbar werden. Wieder einmal wird ein Markt bedient. Man möchte so schnell wie möglich dabei sein, bevor er übersättigt ist und ein neues Genre gefunden werden muss. Ich seh' den Wald vor lauter Bäumen nicht Damit wird nicht nur die gesamte Belletristik oder alle Romane in logische Kategorien unterteilt, sondern diese werden wieder unterteilt, bis die gesamte Kriminalliteratur in Detektivromane à la Sherlock Holmes, Polizeiromane wie Mankels Wallander, Thriller der Dan Browns dieser Erde und Splatter im Stile von Karin Slaughter zerfällt, und die Fantasy-Literatur in High Fantasy à la Tolkien, Romantasy wie "Twilight", Dark Fantasy der Stephen Kings und Konsorten, Dark Romance im Stile von Edgar Allen Poe und historisch anmutende Fantasy, z.B. von George R.R. Martin. Und bei all diesen spezifischen Genres frag' ich mich wieder, wo denn nun die Belletristik abgeblieben ist? Denn wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich gar nicht immer Genreliteratur lesen. Manchmal erscheint sie mir zu sehr auf ihr Publikum zugeschrieben. Manchmal sehe ich die Zutatenliste, die Autoren und Verlagen im Kopf herumgeschwirrt haben mag, zu deutlich vor mir. Aha, denke ich, hier ist ein bisschen Detektivroman mit den Zutaten verschrobener Ermittler aus zerrütteten Familienverhältnissen, hochintelligenter Täter, der eigentlich nur mit dem Ermittler spielen will, Frau oder wahlweise Kinder oder beides des Detektivs, die plötzlich in den Fall hineingezogen werden, gemischt worden, das Ganze wurde mit einem Hauch arktischer Kälte und einem leichten Hang zur Alkoholabhängigkeit garniert und schon war der skandinavische Kriminalroman in Anlehnung an Henning Mankell, Jo Nesbø oder Arnaldur Indridason fertig. Ich weiß ja, dass die meisten Schriftsteller mit viel Herzblut an ihr Werk herangehen, aber ich frage mich dennoch, woher dieser Hang zum an Fast-Food erinnerndem Literatur-Rezept kommen mag. Möchte denn niemand heute mehr eigene Gourmet-Kreationen entwerfen? Ist die Angst vor dem Scheitern so groß? Mehr Belletristik braucht das Land Ich sag es ganz offen – Ich mag Fastfood. Ein schöner Burger ab und zu ist ein herrliches Vergnügen, ebenso wie ein Krimi mit den oben von mir erwähnten Zutaten wunderbar sein kann. Aber irgendwie wünsche ich mir trotzdem öfter, mit Gourmet-Kreationen verwöhnt zu werden. Ich möchte Schriftsteller haben, die schreiben, weil sie damit das Schöne und das Traurige ausdrücken wollen, weil sie das Gute und das Böse im Menschen zeigen wollen und zwar ohne sich vorher zu überlegen, ob es dafür ein Publikum geben mag. Autoren, die der Wahrheit auf den Grund gehen mögen und mich damit überraschen, wie zum Beispiel Column McCann dies vor einigen Jahren mit „Der Tänzer“ getan hat oder Romane, die einen mit ernsten Themen zum Lachen bringen können wie Matt Ruff mit „Ich und die anderen“, Bücher, die unvergessen bleiben, weil sie anders sind, so wie auch Aravind Adigas „weißer Tiger“ oder Hermann Kochs „angerichtet“, um mal zwei jüngere Beispiele der Literatur zu nennen. Und wenn ihr es euch doch lieber überlegen und kein Risiko eingehen wollt, so rufe ich euch hiermit zu, liebe Autoren, liebe Verleger: Es gibt uns noch, uns Leser, die gerne einmal bis zum Äußersten getrieben werden möchten, die lachen und weinen wollen, die beim Lesen nicht mit Genrestrategien überrascht werden wollen, sondern mit richtig guten Geschichten, mit richtigen 5 Sterne Menüs, wie sie eben nur die immer weniger zu findende Belletristik für uns bereithält! Ja, das rufe ich laut und hinter vorgehaltener Hand wende ich mich fast gleichzeitig zu euch Lesern da draußen und frage euch leiser: Es gibt uns doch noch, die Belletristik-Leser, oder?

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  • Rezension zu "Das Löwenmädchen" von Erik Fosnes Hansen

    Das Löwenmädchen

    erdbeerliebe.

    04. December 2011 um 23:02

    Einfühlsame, poetische und doch teilweise humorvoll-ironische Geschichte eines Mädchens, dass das Glück (oder Pech?) besaß zu viele Haare zu besitzen.. Keine Geschichte, die man auf anhieb verstehen könnte, oder die allzu leichte Kost ist. Aber dennoch berührend und schockierend zugleich. Von mir gibt es fünf Herzen, auch wenn der letzte Teil des Buches ziemlich von den ersten beiden abweicht - Interpretationen am Schluss bleiben nicht aus. Die durchaus symapthische, wortgewandte Protagonistin Eva hat es verstanden, mich in ihren Bann zu ziehen. Ich finde es nur etwas schade, dass der Themenneubeginn zum Ende des Buches (ohne etwas zu spoilern) nicht weiter mit ins Buch aufgenommen wurde. Aber das ist geschmackssache.

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  • Rezension zu "Das Löwenmädchen" von Erik Fosnes Hansen

    Das Löwenmädchen

    LEXI

    15. August 2011 um 18:23

    Die begeisterten Rezensionen und der überschwängliche Klappentext haben mich dazu verleitet, dieses Buch zu kaufen. Umso enttäuschter war ich danach beim Lesen des Inhalts ... nicht nur der völlig spannungsfreie Inhalt, die äußerst nichts sagenden Protagonisten und die unsympathische Hauptfigur Eva, auch der auf mich ziemlich verwirrend wirkende Erzählstil trug nicht gerade dazu bei, mich als Leserin bei der Stange zu halten. Einzelne Kapitel erwecken in mir die Frage nach der Motivation des Autors, sie ausgerechnet in dieses Buch einzufügen ... allzu oft entdeckte ich in mir den Wunsch, eine Erklärung dafür zu erhalten ... die leider ausblieb. Auch das fragwürdige Ende dieses Buches ließ mich inhaltlich unbefriedigt und ratlos zurück ... ich bereue den Kauf dieser HC-Ausgabe zutiefst und somit auch die meiner Meinung nach vergeudete Lesezeit.

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  • Rezension zu "Das Löwenmädchen" von Erik Fosnes Hansen

    Das Löwenmädchen

    Canem

    14. August 2011 um 01:14

    Eine verwirrend, seltsam, schöne Geschichte Tja, was soll ich sagen? Es ist wirklich zu schwer etwas einigermaßen geistreiches zu diesem Buch zu erzählen. Deshalb möchte ich eigentlich nur meine Meinung preisgeben; ich war beim Lesen oft verwirrt, habe vieles nicht sofort verstanden und die Geschichte hat mich traurig gemacht und schockiert. Zum Beispiel wie grausam Kinder manchmal sein können, wenn man nicht "normal" oder "hübsch" ist. Das hat mich oft an meine eigenen Erlebnisse aus meiner Kindheit erinnert, daher war ich emotional deutlich angesprochen und konnte einiges gut nachvollziehen, wenn ich auch (Gott sei Dank) nicht dieselben schrecklichen Probleme habe wie Eva. Dieses Buch wirft viele moralische Fragen auf; man fängt an über die Menschheit im Allgemeinen nachzudenken und wird seltsam melancholisch und traurig. Der Schluss hat mir wirklich den Rest gegeben; was will der Autor mir damit sagen? Über was soll ich mir Gedanken machen? Welche Fragen soll ich mir stellen? Ich saß also da, das Buch in der Hand, und konnte nicht fassen, dass es jetzt vorbei war: ich musste Eva verlassen. Ich fühlte mich leer und seltsam alleingelassen vom Autor, als ob er das ganze Buch über, während der gesamten Geschichte, meine Hand hielt und mich ganz plötzlich loslässt.

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  • Rezension zu "Das Löwenmädchen" von Erik Fosnes Hansen

    Das Löwenmädchen

    Monika Jary

    10. April 2011 um 08:37

    In einem kleinen Provinznest in Norwegen kommt im Winter 1912 ein Mädchen zur Welt, das über und über behaart ist. Eine seltene Krankheit, ein Gendefekt und ein interessanter Fall für die Wissenschaft. Die Mutter stirbt bei der Geburt, und der Vater will von dem »Katzenbaby« zunächst nichts wissen. Doch Eva wächst heran. Abgeschottet und versteckt vor der Neugier der Dorfbewohner, erschafft sie sich eine eigene Welt, bis sie den Mut findet, der Enge ihres Zimmers zu entfliehen. Ein Roman über ein nachdenkliches Schicksal. Über Vorurteile und Ausgrenzung von Menschen, die nicht der "Norm" entsprechen.

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  • Rezension zu "Das Löwenmädchen" von Erik Fosnes Hansen

    Das Löwenmädchen

    rumble-bee

    09. January 2011 um 14:07

    Dies ist eines jener Bücher, bei denen man sich fast scheut, überhaupt eine Rezension zu verfassen. Denn man kann eigentlich nur in eine von zwei Fallen tappen: entweder man konzentriert sich rein auf den Inhalt, man erzählt die Geschichte nach, und verfehlt dabei völlig das pralle und kunstvolle schriftstellerische Handwerk, das hier vor dem Leser ausgebreitet wird. Oder man verfasst eine etwas stolpernde akademische und trockene Abhandlung, im mangelhaften Bemühen, dem Buch wenigstens literarisch gerecht zu werden. Eine Mischung aus beidem müsste es eigentlich sein - doch dabei hätte man so viel zu tun, dass es eigentlich zwei Rezensionen werden müssten. Eine unmögliche Aufgabe? Nein, ein Buch, das mehr bietet als nur Inhalt - und ein literarisches Kunststück, das aus mehr besteht als nur bezauberndem Schreibstil. Der Autor, Erik Fosnes Hansen, war mir schon vom "Choral am Ende der Reise" her bekannt. Auch in jenem Buch geht er von einem tatsächlichen Ereignis aus, um dann eine fiktive Biographie damit zu verknüpfen. Hier ist es ganz ähnlich. Tatsächlich hat es solche Fälle von extremem Hirsutismus, wie es in der medizinischen Fachsprache heißt, gegeben, und im letzten Drittel des Buches werden sie sogar genannt, u.a. Julia Pastrana, die als "Affenfrau" in Varietés auftrat. Erik Fosnes Hansen erdenkt sich jedoch ein kleines Mädchen, Eva, das im ländlichen Norwegen zu Beginn des letzten Jahrhunderts geboren wird. Ihre Mutter stirbt bei der Geburt, und ihr Vater, der schon immer Eigenbrötler war, verkriecht sich noch mehr in seinen Beruf als Stationsvorsteher der Bahn. Diese Ausgangslage ermöglicht es dem Autor, nun frei zu walten und sein Talent voll auszuleben: größtenteils aus Evas Sicht bringt er nun zwei Dinge zuwege, nämlich erstens ein sehr authentisches und teils stark ironisch gefärbtes Zeitporträt, Kleinstadtmentalität inklusive, und zweitens die persönliche Geschichte und Selbsterkundung Evas. Beides ergänzt sich vortrefflich, ja man könnte sogar sagen, dass Eva vielleicht nicht so sehr "sie selbst" geworden wäre, wenn sie nicht vor dieser starren Folie einer rigiden Provinzstadt aufgewachsen wäre. Das Buch ist dabei in drei Abschnitte unterteilt. Im ersten Teil kommt Eva als Erzähler noch nicht vor - es ist eher ihre Vorgeschichte und die ihrer Eltern, die hier geschildert werden.Ein Eröffnungstableau der Stadt sozusagen. Die Perspektiven wechseln dauernd, und gerade auf diese Weise bekommt der Leser genau mit, "woher der Wind weht" in dieser Kleinstadt. Der Kantor, der heimlich in Evas Mutter verliebt war - die Apothekersleute, die eigentlich Kommunisten sind - der Arzt, der viel lieber Karriere machen würde und in Eva eine Chance auf Ruhm sieht - der Vater, der mit Evas Mutter sein einziges Stück Glück in diesem Leben verloren hat - die Amme, die sich als Einzige Eva auch persönlich nähert - und so weiter und so fort. Bewegend, vielschichtig und farbig. Im zweiten Abschnitt haben wir es mit Evas Heranwachsen zu tun, ihrem Alltag. Man erfährt, wie Evas Seele geformt wurde, welche Kräfte auf sie einwirkten. Die Perspektiven wechseln nicht mehr ganz so häufig - dennoch bleibt Eva noch merkwürdig unpersönlich, immerzu heißt es "sie". Manchmal auch: "ich" sehe "sie". Es wird eine eigenartige Distanz zum Erzählten geschaffen, und dadurch wirken eben Evas teils drastische Konfrontationen mit der Wirklichkeit umso bedrückender. Der Autor schafft es, die Erzählung in einer kunstvollen Schwebe zu halten, so dass vom Leser durchaus Denkarbeit verlangt wird, um dem Erzählten zu folgen. Denn woran es an äußeren Erlebnissen vielleicht mangelt, das wird innerlich mehr als wett gemacht. Eva verbringt ihre Zeit häufig eingeschlossen iin ihrem Zimmer über der Bahnstation, wird dadurch aber zum umso unbestechlicheren Beobachter ihrer Umwelt. Gnadenlos seziert sie Heucheleien und Unsicherheiten der Erwachsenen - durch ihr Schicksal früh zum Erwachsenwerden verdammt. Sie zeichnet, morst, und freundet sich heimlich mit dem Funker der Bahnstation an (dies ist die einzige ausführlichere Erzählhandlung in diesem Abschnitt). Und langsam, sehr langsam, tritt sie auch mit ihrer Umwelt in Kontakt - was bei weitem nicht immer erfreulich verläuft. Der dritte Abschnitt, so könnte man sagen, umfasst ihre Pubertät, und ihre Kontaktaufnahme mit der Welt als "Fall". Eva reist mit ihrem Vater nach Kopenhagen, um an einem Weltkongress von Hautärzten teilzunehmen. Dort wird sie "entdeckt", bestaunt, befingert... ja, und wir ahnen es, hier geht es schon los, hier wird ihre Wehrlosigkeit von Erwachsenen zum ersten Mal ausgenutzt. Ich möchte nicht näher ins Detail gehen! In der Folge setzt sich Eva, nach der überstürzten und kommentarlosen Abreise aus Kopenhagen, intensiv mit sich und ihrem eigenen Körper auseinander. Sei es allein, auf ihren häufigen Abwesenheiten von der Schule, oder sei es mit - ja, mit einem Jungen... Arvid ist der einzige ihrer Schule, der sie auch als Mensch zu sehen beginnt. Mit ihm erlebt sie heimliche Momente der Zweisamkeit. Doch auch dieses Glück ist von kurzer Dauer, denn es kann nicht ausbleiben, dass Arvid sich irgendwann für "richtige" Mädchen zu interessieren beginnt... bei der Vorbereitung zu einer weihnachtlichen musikalischen Aufführung, und bei den Proben hierzu, gibt es etliche erotische Verwicklungen, die auch mit einem zugereisten Katecheten zu tun haben, der eine Schwäche für schöne Stimmen hat - und somit auch für Eva... Doch ich bin gerade dabei, in eine der oben beschriebenen Fallen zu tappen. ich will das Buch nicht nacherzählen! Belassen wir es bei dieser abschließenden Zusammenfassung: Im letzten, dem dritten Abschnitt des Buches, erlebt der Leser mit, wie etwas in Eva endgültig versteinert, wie etwas abstirbt, zugunsten eines vielleicht etwas elementareren Triebes - ihrer Körperlichkeit. Das ist scheinbar das Einzige, was auch einem Menschen ihrer Art geblieben ist. Das Ende ist - meiner Meinung nach - angenehm offen gestaltet. Man erfährt nur, dass Eva vom Besuch eines fahrenden Wanderzirkus mit menschlichen Absonderlichkeiten fasziniert ist Damit endet das Buch- und hier schließt sich sozusagen der Kreis, denn es begann mit einem Prolog, der "Marktgeschrei" betitelt war - ein Auszug aus eben einer solchen Vorstellung eines Panoptikums missgebildeter oder besonderer Menschen, die vorgeführt werden. Der Leser kann daraus seine eigenen Schlüsse ziehen. Ja, der dritte Abschnitt ist vielleicht der am schwersten zu verdauende des Buches, da es teils hier doch deutlich und drastisch zugeht. Aber immer stilitstisch einwandfrei beschrieben, sprachlich auf hohem bis höchstem Niveau! Was das Unbehagen beim Leser auslöst, ist vor allem die Tatsache, dass hier zum ersten Mal die "ich"-Perspektive von Eva verwendet wird. Man wird also zu der Erkenntnis genötigt, das sei wirklich sie, so fühle sie. Allerdings muss ich hier auch meine einzige Kritik an dem Buch ansiedeln, denn dieser neue Schritt in der Erzählweise wird nicht konsequent durchgehalten. Ich hätte es überzeugender gefunden, wäre es bei diesem "ich" geblieben. Doch nein, wenn es zu schmerzlich oder überwältigend wird, dann wechselt der Autor unvermittelt zurück in das "sie". Oder er lässt Eva eine Episode aus der Bibel nacherzählen, die sie auf sich selbst bezieht - und die natürlich immer mit Haaren zu tun hat. Schade, hier hat der Autor die Möglichkeit verpasst, ein in sich völlig stimmiges Werk zu verfassen. so aber wirkt es, als habe er im letzten Moment die Notbremse gezogen. ich kann verstehen, dass manche Leser durch diesen letzten Abschnitt abgeschreckt wurden. Er fällt durch die Thematik ein wenig aus dem Gesamtbild heraus. Viel Sex, viel Trieb, wenig Menschlichkeit. Das stimmt wohl. Ist das aber nicht gerade die Botschaft, die der Autor uns vermitteln wollte? Es ist beispielsweise eine Tatsache, dass die "Affenfrau" Julia Pastrana von ihrem "Vorführer" missbraucht und vergewaltigt wurde, ja, dass sie sogar eine Tochter bekam. Es gibt leider Gottes Männer, die durch Abweichungen von der Norm erst recht angesprochen und enthemmt werden. Erst recht in der Zeit, zu der die Geschichte spielte - als man noch viel weniger wusste und medizinisch tun konnte. Beeindruckend finde ich aber immer noch, dass Eva inmitten all dieser Wirbel stets versucht hat, ein Ganzes zu bleiben - sie hat auf harte Weise gelernt, ihrer Umwelt das zu bieten, was diese erwartet. Und das dieses Ergebnis nicht schön ist, dafür kann ja Eva nichts. Und insofern besteht auch der Wert des Buches nicht in einer "schönen" Geschichte, sondern in einer deutlichen Moral, in einem Spiegel, der uns vorgehalten wird. Einem polierten, stilistisch ausgefeilten Spiegel - aber eben einem Spiegel. Wenn wir uns darüber entsetzen, dann erschrecken wir letztlich über uns selbst.

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  • Rezension zu "Das Löwenmädchen" von Erik Fosnes Hansen

    Das Löwenmädchen

    SarahCatherine

    08. July 2010 um 18:38

    Eva, das Löwenmädchen, wird mit Fell am Leib geboren. Die Mutter stirbt bei der Geburt, der Vater schämt sich so sehr für Eva, dass er zu Beginn gar nichts mit ihr zu tun haben möchte. Schließlich kümmert er sich mit Hilfe eines Kindermädchens, Hanna, doch um sie, sogar recht liebevoll. Nur muss Eva fast die ganze Zeit drinnen bleiben, damit niemand aus dem Dorf sie sehen und sich erschrecken kann. Mit der Zeit ergeben sich immer wieder kleine Momente, in denen Eva nicht versteckt werden kann und will, so dass sie zumindest teilweise am normalen Leben teilhaben kann. In der Schule wird sie gehänselt, doch sie lernt, sich "unsichtbar" zu machen. Dort, wo sie unsichtbar ist, findet sie niemand, nur eines Tages Arvid, ein Klassenkamerad. Ganz nebenbei sind Ärzte an dem Phänomen von Evas Fell begeistert und wollen sie untersuchen und der Weltöffentlichkeit vorführen. Eva erträgt das alles, sucht sich ihre eigenen Wege, damit umzugehen - dank Arvid, Tagebuch und Alltagsfluchten. Ein merkwürdiges Buch. Es ist eher eine Schilderung als ein Roman, teilweise stockend geschrieben, manchmal liebevoll, doch manchmal hart. Mir persönlich fehlt diesem Buch der Fluss, nicht nur in der Sprache, sondern auch im Erleben, dafür ist es mir zu viel Sex (was irgendwie nicht so recht in die Geschichte passt). Zwar bekommt man immer mal wieder kleine Einblicke in das, was in Eva so vorgeht, doch eher indirekt und nie geht es dabei wirklich emotional zu. Mit ihrer Andersartigkeit geht sie - der Schilderung nach - für ein junges Mädchen zu abgeklärt um. Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich einmal etwas von Erik Fosnes Hansen lesen wollte, dessen Erzählkunst so oft hochgelobt wird. Vielleicht habe ich das falsche Buch gewählt, aber wirklich gefallen hat es mir nicht. Ich mag einmal angefangene Bücher nicht weglegen, doch hier ist es mir die ersten fast 200 Seiten wirklich schwer gefallen, dranzubleiben und der Geschichte zu folgen.

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  • Rezension zu "Das Löwenmädchen" von Erik Fosnes Hansen

    Das Löwenmädchen

    Ailis

    15. January 2010 um 19:36

    Hansens Roman "Das Löwenmädchen" erzählt die Geschichte der kleinen Eva, die wegen eines Gen-Defekts am ganzen Körper behaart zur Welt kommt. Ihr Vater versucht, sie abgeschottet von der Welt aufzuziehen, um seinem kleinen Mädchen, aber auch sich selbst, die Grausamkeit mancher Menschen zu ersparen. Doch Eva erkämpft sich konsequent nach und nach mehr Freiheiten, die ihr Freude aber auch Leid bringen werden. Hansen erzählt Evas Geschichte sanft und feinfühlig, spart aber auch nicht an Schrecken, die das Mädchen erleben muss auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben - wenn auch dieser Selbstbestimmung ein fahler Beigeschmack anhaftet. Hansens Sprache ist gewohnt poetisch, allein sie macht das Buch schon lesenswert.

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  • Rezension zu "Das Löwenmädchen" von Erik Fosnes Hansen

    Das Löwenmädchen

    ChaosQueen13

    17. October 2009 um 17:32

    Ruth Arctander bekommt in einer kalten Nacht nach einem schweren Sturz auf einer winterlich glatten Strasse vorzeitig ihre Tochter und stirbt dabei. Zum Erschütterung aller Anwesenden, die sich um die Gebärende kümmern, ist das Kind über und über mit Haaren bedeckt. Denkt man anfangs noch an eine momentane Erscheinung, die sich wieder geben wird, stellt sich heraus, dass das Kind an einem sehr seltenen Gendefekt leidet, woran nichts zu ändern ist. Da kann man es sich ausmalen, wie es dem armen Vater nach der Geburt seiner Tochter und dem großen Verlust seiner Frau geht? Gleich zwei schwere Schicksalsschläge muss er auf einmal ertragen.. Er war ein alter Eigenbrötler. Niemand rechnete damit, dass er noch eine junge Frau finden und heiraten würde. Nun hat er sein kurzes Glück verloren und sieht sich mit einem seltsamen Kind konfrontiert. Mit einer Handlung wie in einem Circus beginnt die sonderbare Geschichte von dem Mädchen, das den Namen Eva erhält. Wie in einem Circus fühlt sie sich, wenn sie unter Menschen kommt. Von Fremden wird sie gemustert und angestarrt, von Kindern bei jedem Anlass auslacht; die Zeitung bringt ihre Geschichte und die Forschung ist wegen der Besonderheit der Erscheinung aufs hochgradigste interessiert. Zu der Geschichte gehört die Welt um 1912 in einem Dorf in Norwegen. Arctander ist Stationsmeister, mustergültig und streng. Zu seinen Mitarbeitern gehört ein Funker, der Nachrichten auffängt und bei Bedarf in die Welt schickt. Bei ihm, der ohne Vorurteile ist, lernt Eva das Morsen und beginnt, ein wenig von der Weite der Welt zu ahnen. Erik Fosnes Hansen hat sich eines ungewöhnlichen Themas angenommen. Dabei ist die Geburtsanomalie die Folie, auf der uns der Autor ein Leben als Außenseiter spiegelt. Wie mag sich ein Mensch fühlen, der verurteilt ist, abgeschottet von Gleichaltrigen zu leben? Ein Kind noch, das seine eigene Innenwelt entwickelt, aus der es die Außenwelt betrachtet. Exemplarisch lässt der Autor die Einsamkeit fühlbar werden und spiegelt den Zorn, wenn das Alleinsein zur Qual wird! Uns macht befangen und nachdenklich, die eigene Unzulänglichkeit zu spüren, mit der wir Außenseitern begegnen. Hansen fängt die Stimmung eines Dorfes mit Arzt, Apotheker und der Kirche ein. Jeder kennt jeden, eine liebenswürdige kleine Welt wird uns beschrieben. Dass die Frau des Apothekers und der Arzt sich des Witwers und seiner Tochter helfend annehmen, zeugt von dem wohlwollenden Klima der Menschen. Eva jedoch muss sich den Weg in die Freiheit erst noch bahnen! Wie eine Frau sich in der Welt zurechtfindet, in der sie von allen Seiten alleine gelassen bleibt, das schildert dieser Roman vorbildlich. Ohne eine gewisse Beklemmung liest man das Buch nicht. Gleichnisse aus der Bibel werden eingeschoben, und die Icherzählerin spricht einmal in der Ichform, um dann wieder einem Erzähler zu weichen, der sich über die Protagonistin auslässt. Vom Circus, der außergewöhnliche Menschen zur Schau stellt, bis zum Zoo werden Beispiele zitiert, in denen Lebewesen, welcher Art auch immer, ihrer Würde beraubt in herabsetzender Weise behandelt werden. Verlogenheit der Wissenschaften, Verführung und Eigennutz sind allenthalben spürbar. Die Hilflosigkeit eines Vaters mit einer Situation, die ihn überfordert, wird feinfühlig abgebildet. Der Leser wird anhand dieser Lektüre über Toleranz nachdenken. Die Geschichte über eine Außenseiterin, die unter einer starken Form von Hirsutismus leidet, bewegt und macht nachdenklich und ist vor allem absolut empfehlenswert!

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  • Rezension zu "Das Löwenmädchen" von Erik Fosnes Hansen

    Das Löwenmädchen

    MsHopelessCase

    08. October 2009 um 09:58

    Eva hat es in ihrem Leben nicht leicht. Ihre Mutter stirbt bei der Geburt und ihr Vater ekelt sich so sehr vor ihr, dass sie die ersten Tage beim befreundeten Apothekerpaar verbringt. Der Doktor ist übrigens der Namensgeber. Eva ist mit einem Gendefekt auf die Welt gekommen, fast am ganzen Körper ist sie mit langen hellblonden Haaren bedeckt. Seitdem sie denken kann, begegnen ihr die Menschen mit Verachtung, Sie wird einsam und verbittert. Und erzählt rückblickend ihre Kindheit und Jugend mit mehr Tiefen als Höhen. Eva schließt man sofort ins Herz und die Fragen an sich selbst fangen an. Wer definiert wie und warum einen Menschen als normal oder anormalr? Wie lässt man sich von der Gesellschaft beeinflußen? Mit der zu herzengehenden Sprache, die die Bilder und Geschichte lebendig werden lässt zieht Herr Hansen den Leser in einen Bann, man mag das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Klar gibt es Stellen, die sich etwas ziehen, doch es ist - meiner Meinung nach - zeitlos und lesenswert.

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  • Rezension zu "Das Löwenmädchen" von Erik Fosnes Hansen

    Das Löwenmädchen

    Leserrezension_2009

    25. August 2009 um 16:47

    „…trrreten Sie näher, meine Damen und Herren, trrreten Sie näher!“ So beginnt das erste Kapitel von Erik Fosnes Hansens Roman „Das Löwenmädchen“. Auf dem darin beworbenen Jahrmarkt gibt es allerlei Kurioses zu bestaunen: Den größten Mann der Welt, einen Hottentottenkönig samt Gattin sowie eine Wolfsfrau. Von Löwen ist die Rede, aber auch von Jesus und einer Kindszeugung in der Wüste. Was zunächst etwas wirr erscheint, dient dem Roman als eine Art Vorspiel. Das Kapitel „Marktgeschrei“ bildet den Auftakt zu einer Geschichte, die gleichermaßen fasziniert und berührt: Evas Geschichte. Und eben jenes Mädchen fordert den Leser auf: Tritt näher und schau mich an! Doch wer ist diese Eva? An einem kalten Winterabend im Jahr 1913 wird Eva Arctander in einem norwegischen Provinzdorf geboren. Der gewissenhafte Arzt Levin und die etwas schroffe Apothekerin Birgerson staunen nicht schlecht, als sie das kleine Mädchen betrachten: Es ist über und über mit einer feinen, seidenartigen Schicht blonder Haare bedeckt. Lediglich die Handflächen und Fußsohlen sind glatt wie die eines Babys. Obwohl die Anwesenden schockiert sind, muss der Schreck schnell den komplizierten Umständen weichen: Evas Mutter ist bei der Geburt gestorben und Evas Vater, disziplinierter Stationsmeister, ist nicht in der Lage, sich um das kleine, missgestaltete Wesen zu kümmern. Erst als sich die Amme Hanna für das Kind findet, kehrt so etwas wie Alltag ins Leben der Arctanders ein, allerdings verbringt Eva ihre Tage hinter verschlossenen Türen. Ihr Vater schämt sich zu sehr, als dass er sie den Augen der Öffentlichkeit preisgeben möchte und so fehlt es - abgesehen von Hanna - an den notwendigen sozialen Kontakten. Erst mit dem Eintritt in die Schule verändert sich Evas Leben. Sie lernt zu lieben, aber auch zu leiden, findet Freunde und Feinde und versucht schließlich aus ihrem gesellschaftlichen Gefängnis auszubrechen… Der norwegische Literaturpreisträger und Bestsellerautor Erik Fosnes Hansen („Choral am Ende der Reise“) greift mit seinem neuesten Roman eine Krankheit auf, die nicht unbekannt ist, aber doch selten vorkommt. Seit dem Mittelalter gibt es nur ungefähr 50 bekannte Fälle der Hypertrichose, einem Gendefekt, wodurch der menschliche Körper bis auf wenige Stellen über und über mit Haaren bewachsen ist. Einer dieser Fälle, der Spanier Pedro Gonzales, trat bereits im 16. Jahrhundert an die Öffentlichkeit. Als Junge wurde er an den Pariser Hof geholt, wo er unterrichtet und als menschliche Kuriosität zur Schau gestellt wurde. Es folgten im 19. Jahrhundert Julia Pastrana, genannt „die Affenfrau“, und Stephan Bibrowsky, besser bekannt als „Lionel, der Löwenmensch“. Die beiden letzteren machten sich ihr ungewöhnliches Erscheinungsbild zunutze und verdienten ihren Lebensunterhalt als Zirkusattraktionen. Auch heute kann man hin und wieder in den Zeitungen von so genannten „Wolfskindern“ lesen und trotz dass unsere Gesellschaft offener und toleranter als in den vergangenen Jahrhunderten ist, haben alle Betroffenen etwas gemeinsam: Sie sind - genau wie Eva - Außenseiter. Sie werden verspottet und begafft, fasziniert unter die Lupe genommen und auf menschenunwürdige Art mit Tieren verglichen. Hansen verdeutlicht diesen Spießrutenlauf anhand von Evas Leben, wobei sich der Autor verschiedener Erzählperspektiven bedient. Werden im ersten Teil die Geburt, die Dorfbewohner und die Arbeit des Stationsmeisters sehr episch und fast märchengleich beschrieben, so reduziert der Autor die Sprache im zweiten Teil auf das Wesentliche. Es scheint, als habe er den Erzählstil dem Innenleben Evas angepasst. Zwar kommt das Mädchen nicht selbst zu Wort, doch der Leser merkt, dass er hier die Welt mit Evas Augen sieht. Die Sätze sind kürzer und klarer als zuvor, Gefühle können erahnt werden. Kurz: Der Abstand zu den Geschehnissen wird geringer und der Leser betrachtet Eva nicht länger nur von außen, sondern auch von innen. Er spürt die Einsamkeit in dem Alltag des Mädchens, begreift, dass hinter all diesen Haaren etwas sehr Zerbrechliches steckt und es sich letztlich nicht um ein merkwürdiges Ding, sondern um einen Menschen handelt. Erst im dritten Teil setzt sich Hansens Protagonistin durch und schildert die Erlebnisse aus der Ich-Perspektive. Dabei wird schnell klar, was Evas soziale Misshandlung in der Kindheit angerichtet hat: Zynisch ist das Mädchen geworden und bisweilen sehr abgeklärt, auch wenn der Leser hin und wieder einen Blick auf die typische Unsicherheit einer Pubertierenden erhaschen kann. Eva entdeckt, was Freundschaft bedeutet, beginnt mit ihrer Sexualität zu spielen und versucht, sich dem auferlegten Versteckspiel zu entziehen. Nichtsdestotrotz bleibt ihr Dasein ein Spießrutenlauf, gespickt von den kleinen Grausamkeiten ihrer Mitmenschen. Alles in allem ist „Das Löwenmädchen“ ein Roman, der mich in eine wundersame Welt entführt hat. Ich konnte mich der Faszination von Evas Andersartigkeit nicht entziehen, habe die Einsamkeit des eingeschlossenen Kindes gefühlt und innerlich gelächelt, wenn sie ganz besondere Freunde fand. Ihre Realitätsfluchten in ausgedachte Welten ließen mich staunen, ihr Drang nach Freiheit unterstützend mit dem Kopf nicken. Als Leser fühlt man mit und fragt sich zugleich, ob man selbst nicht vielleicht auch starren würde. Das Fremdartige verleitet schnell dazu, weil man nicht weiß, was dahinter steckt, doch durch Hansens Erzählstil bekommt man diesen besonderen Einblick und der kann bisweilen sehr traurig, aber eben auch (be-)rührend und menschlich sein. „Das Löwenmädchen“ ist ein gelungenes Plädoyer für den Blick hinter die Maske, jedoch ohne dabei auf Mitleid zu pochen. Also: „Trrreten Sie näher, meine Damen und Herren, trrreten Sie näher…“ und lesen Sie die ungewöhnliche Geschichte eines Mädchens, das der Welt die Stirn bietet. Diese Rezension hat ada eingereicht.

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  • Rezension zu "Das Löwenmädchen" von Erik Fosnes Hansen

    Das Löwenmädchen

    Feli

    05. May 2009 um 14:27

    Erik Fosnes Hansen ist es mit "Das Löwenmädchen" gelungen, eine hinreißende Geschichte einer Außenseiterin zu erzählen, mit der der Leser die gesamte Zeit mitleidet und -fühlt. In einem kleinen Städtchen in Norwegen wird ein kleines Mädchen geboren, dessen Mutter bei der Geburt stirbt. Doch dieses Mädchen ist nicht wie jedes andere Baby, sondern es ist am ganzen Körper behaart: lange, feine, weiche, blonde Haare, überall am ganzen Körper. Da der Vater erst einmal nichts von seiner Tochter wissen will, kümmern sich gute Bekannte um das Kind, bis der Vater für Eva, so heißt das kleine Baby, ein Kindermädchen anstellt, welche das Kind großzieht. Wie Eva sich entwickelt, mit welchen Problemen sie klarkommen muss und wie die Gesellschaft auf sie reagiert, das weiß Erik Fosnes Hansen einfühlsam zu erzählen. Schon ab der ersten Seite steckt der Leser mittendrin in der Geschichte, fühlt sich in das norwegische Städtchen versetzt und fühlt mir der kleinen Eva, deren Lebensgeschichte bis zu ihrer Teenagerzeit beschrieben wird. Hansen wechselt zwischen unterschiedlichen Erzählern hin und her. Je älter Eva wird, desto öfter liest der Leser aus Evas Sichtweise. Auch die Sprache passt sich dem Alter Evas an, liest sich aber das ganze Buch hinweg flüssig und verständlich, so dass der Spaß am Lesen bleibt. Die Geschichte über eine Außenseiterin, die unter einer starken Form von Hirsutismus leidet, bewegt und macht nachdenklich und ist vor allem absolut empfehlenswert!

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  • Rezension zu "Das Löwenmädchen" von Erik Fosnes Hansen

    Das Löwenmädchen

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    02. October 2008 um 13:41

    "Sie schaut ihn erstaunt an, ahnt vielleicht etwas, das sie noch nicht wissen kann, dass nämlich lange Reisen oft so eine Wirkung auf die Menschen haben; sobald der Zug oder das Schiff sich in Bewegung versetzt, ist es, als würde das Leben, wie es ist, von ihnen abfallen, und das Leben, wie es sein sollte, sie erfüllen, für eine Weile sind sie diejenigen, die sie hätten werden können, sie sind frei ..." Eva wird mit einer seltenen "Krankheit" geboren: der Hypertrichosis lanuginosa congenia. Ihr ganzer Körper ist übersät von feinen, blonden Haaren, die - je älter sie wird - immer dichter und kräftiger wachsen. Dies führt zu vielen Dingen: ihr Vater, der um seine Frau, die bei der Geburt verstarb, trauert, kann dieses Kind nicht akzeptieren, die Umwelt begafft und disst dieses kleine Mädchen. Vor allem führt es zu großer Einsamkeit, vielen Phantasien und großer Zurückhaltung. Der Autor vermag ein sympathisches, einfühlendes Bild von Eva und ihrer Umgebung zu zeichnen. Und liefert ein Buch voller innerer Nachdenklichkeit. Ich bin erstaunt darüber, wie in sich geschlossen das Bild von Eva ist, wie sehr man selbst das Gefühl hat, dass alles so hat kommen müssen. Eva ist anders und doch ist sie ein Mensch wie wir alle. Eva denkt anders, aber sie lebt unter Menschen. Es ist lohnenswert, sich ihren Gedanken einmal lesend anzunähern.

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  • Rezension zu "Das Löwenmädchen" von Erik Fosnes Hansen

    Das Löwenmädchen

    Buchfink

    20. September 2008 um 20:14

    Fosnes Hansen ist einfach ein toller Geschichtenerzähler, glücklicherweise hat sich daran nichts geändert. Er schafft es so mühelos, das historische Setting lebendig werden zu lassen, dass es eine Wonne ist, mit ihm im Hause des Stationsvorstehers dem Schicksal des kleinen Löwenmädchens beizuwohnen. Ich fand es süffig geschrieben, toll erzählt, einen winzigen Abzug in der B-Note gibts für die Klugscheißerei, die mir manchmal ein bisschen zu sehr durchschimmerte.

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