Simon reist in ein abgelegenes Dorf, um seine verschwundene Tochter zu suchen. Schnell merkt man, dass dies nicht die Prämisse für einen Provinz-Krimi ist, sondern dass Erik R. Andara seine idyllische Kulisse über einem finsteren Abgrund aus Geheimnissen und unterschwelligem Grauen errichtet hat. Die Erde bebt, der Geist eines Mädchens erscheint an Simons Fenster, der örtliche Kaplan scheint etwas zu wissen, aber hält ihn mit undurchschaubaren Spielchen hin. Selbst die malerische Landschaft offenbart sich als von Schatten gezeichnet, genau wie Simon selbst, der gegen die Dämonen seiner Vergangenheit als Drogensüchtiger ankämpft.
Trotz eines Gefühls der Isolation, das sich sich durch den Roman zieht, mangelt es Simon nie an Nebenfiguren, an denen er sich mal zornig, mal verzweifelt abarbeiten kann. In den Szenen, in denen er tatsächlich alleine ist, springt sein Handy als Dialogpartner ein. Alle Rollen sind wie bei einem Theaterstück pointiert über die Handlung verteilt, niemand hat eine reine Statistenrolle mit einmaligem Auftritt. Ich mag so was, das ist achtsamer Umgang mit dem Leser.
Die Sprache wirkt manchmal wie aus einer früheren Zeit, was hier aber kein Nachteil, sondern Qualitätsmerkmal ist. Ich fühlte mich in die Zeit zurückversetzt, als ich Literatur für Erwachsene entdeckte und als 11jähriger Poes Geschichten wie z.B. "Die Grube und das Pendel" oder "Lebendig begraben" in die Finger bekam. Wenn es überhaupt etwas zu bemängeln gäbe, dann wäre es das etwas abrupte Ende. Wir gelangen zwar zu einem befriedigenden, runden Abschluss, aber ich hätte doch so gerne mehr vom titelgebenden Garten gesehen. Was soll's, das ist halt die spezielle Erwartungshaltung eines Gärtners. ;)
Fazit: "Im Garten Numen" hat mich fast restlos überzeugt. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und bin dabei so tief eingetaucht, dass ich alles wie im 3D-Film vor mir gesehen habe. Was mich darauf bringt, dass der Roman unbedingt verfilmt werden muss!









