Heiraten, Kinder kriegen und die brave Gattin spielen - unter der strengen Hand ihrer Eltern hat Lucia es nicht leicht. Gefangen in den Zwängen der Gesellschaft soll sie einen Mann heiraten, den sie noch nie gesehen hat. Als mitten in der Zeremonie Piraten die Hochzeit überfallen, findet die junge Braut sich im Auge des Sturms wieder.
Entführt von den Feinden ihres Vaters steht Lucia nur der Sohn des Käptn`s zur Seite. Benjamin soll ihr Leben schützen, während er zwischen blutigen Kämpfen und der tosenden See seine eigenen Pläne verfolgt. Allerdings hat er nicht damit gerechnet, dass der Schlüssel zu seiner Rache sein Herz im Sturm erobert...
Dieses Buch durfte ich im Rahmen einer Leserunde lesen. Vielen herzlichen Dank dafür.
"Das Versprechen der See" besticht durch ein atemberaubend schönes Cover. Wer das erstellt hat, bekommt von mir ein dickes Lob. Auch die Zeichnungen in dem Buch sind wunderschön und werten es auf.
Der Einstieg in die Geschichte ist rasant. Lucia soll jemanden heiraten, den sie weder kennt noch liebt, der aber bereit ist, ein entsprechendes Brautgeld an den geldgierigen Vater zu zahlen. Auf dem Weg zum Altar passiert es dann, Lucia wird entführt...und findet sich kurzerhand auf einem Piratenschiff wieder.
Ja und ab da plätschert die Geschichte in einem einfachen Schreibstil vor sich in. Die Schreibe in "Meeresgold" ist der Epoche angepasst, doch leider hält Katelyn Erikson "nicht durch". Es finden sich immer wieder Wörter und Begriffe, die so gar nicht in dieses Zeitalter passen. Die Autorin verliert sich leider auch in vielen Wiederholungen (ballt die Hände zu Fäusten, nickte ihr zu..das Wort Pirat wurde viel zu oft und immer wieder benutzt und jedesmal hat derselbige einen stinkenden, fauligen Atem). Hier würde ich ein wenig Nacharbeit in Richtung Lektorat empfehlen. Das meine ich absolut nicht böse, aber viele Umschreibungen würden den Roman einfach verbessern. Ich nenne hier ein paar Beispiele: Schussversuche, Überstrapazier, Geheimluke....Es fehlt mir an Ideenreichtum.
Technisch gesehen verliert "Versprechen der See" leider Punkte.
Wir fangen bei den Figuren an. Lucia selbst als Gouverneurs-Tochter ist tendenziell nicht schlecht gelungen, dennoch erreicht sie mich nicht zur Gänze. Sie macht einiges durch und entwickelt sich weiter, aber mir hat es nicht gereicht. Die Piratencrew auf der Black Treasure ist auch eher "geht so". Aaron, Johnny usw. kommen wie gute Freunde oder wie eine Clique rüber, sie sind mir auch Lucia gegenüber zu soft. Es kommt kein Piraten-Feeling rüber. Soledad ist schon eher Pirat.
Es entsteht "natürlich" eine Liebesbeziehung zwischen Ben und Lucia (wer hätte das gedacht). Man geht diesbezüglich nicht so sehr ins Eingemachte (finde ich nicht schlimm ;-)), aber auch leider kann mich diese Beziehung nicht abholen. Das liegt weites gehend an Lucia mit ihrem "Hin und Her".
Den roten Faden im Buch habe ich erst in der zweiten Hälfte gefunden.
Die Orte und Schiffe hätten in dieser Geschichte viel besser ausgearbeitet werden können. Mir fehlt es hier an Details, an Beschreibungen. Es heißt immer nur "die Insel/die Küste/das Schiff/die Kneipe"... Ein Ansatz war erkennbar (Tortuga), wurde aber meiner Meinung nach nicht genügend umgesetzt. Auch gab es keinerlei Zeitfenster. Wie lange wurde gesegelt (wie war die See? ruhig, aufgewühlt, Schaumkronen?), wie lange blieb man an einem Ort?
Einige Passagen wurden nicht weiter ausgeführt. Hier meine ich zB Bens Suche nach "den Sachen". Oder als Lucia fast von Soledad vergewaltigt wird; Ben rettet die Situation und sagt aber nur: "Wir sprechen uns später" (kein Piraten-Feeling). Soledad kann sich nach diesem Vorfall einfach auf dem Schiff verstecken und etwas später ist er schwups! wieder da...
Als ich durch war, habe ich gedacht, ich habe mich im Kreis gedreht. Lucia ist soviel gesegelt und hat so viele Inseln gesehen und tadada ist man wieder am Anfang.
"Versprechen der See" ist eine leichte Geschichte für zwischendurch. Man wird unterhalten, aber es fehlt ein wenig Feinschliff.