Erna Eugster

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Dreckloch

Dreckloch

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Erschienen am 21.10.2014

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Rezension zu "Dreckloch: Heim, Anstalt, Klinik - administrativ versorgt" von Erna Eugster

Ein trauriges Kapitel Schweizer Geschichte
peedeevor 3 Jahren

In diesem Buch erzählt Erna Eugster, unterstützt durch den Journalisten Daniel Lüthi, ihre Lebensgeschichte: die Geschichte einer „administrativ Versorgten“. Erna war somit eine von denen, die gemäss behördlichem Befinden „nicht recht taten“, „liederlich“ waren. Wer also behördlich negativ auffiel, wurde ohne Gerichtsurteil in Erziehungs- oder Strafanstalten eingewiesen. Die administrative Versorgung wurde erst 1981 abgeschafft – und das im Rechtsstaat Schweiz!

Das Buch ist in mehrere sogenannte Schauplätze unterteilt, die Stationen ihres Lebens aufzeigen: z.B. Psychiatrie Münsingen, Frauengefängnis Hindelbank. Dazu kommt ihre persönliche Vita, eine Chronologie der Opfer fürsorgerischer Massnahmen, Abbildungen von Originaldokumenten aus ihrer Akte, Fotos.

„Saumensch“, „Sauluder“, „Dreckluder“, „Dreckloch“ – so wurde Erna von ihrer Mutter genannt; noch bevor sie zur Schule ging. Gewalt (Mutter) und Alkohol (Vater) prägen schon früh ihren Alltag: „Mit Prügel stand ich auf, mit Prügel ging ich zu Bett.“ Aber: „Eine Mutter kann dich jeden Tag halb tot schlagen, aber als Kind bist du jeden Tag bereit, mit der gleichen Mutter neu zu beginnen.“ Erna hat zwei Geschwister: Eine Schwester, die bei der Grossmutter aufwuchs, und einen Bruder, der zu Hause blieb und dem es dort offenbar gut erging.

Eines Tages hiess es, dass sie umplatziert werden müsse und so fing die jahrelange Odyssee durch Heime, Gefängnisse, Arbeitserziehungsanstalten, Kliniken und Psychiatrie (zum ersten Mal mit 15 Jahren) an. In diesen Institutionen hat sie jedoch fast durchwegs Schikane, Demütigung und wiederum Gewalt erlebt. Deshalb ist sie über kurz oder lang abgehauen, wurde aber stets wiedergefunden und zurückgebracht. Weitere Stichworte ihrer Geschichte sind Alkoholismus, Suizidversuch, Gewalt, Wut, Leid, Enttäuschung, schwierige Partnerschaft, Zwangsfreigabe ihres Sohnes zur Adoption, Schwangerschaftsabbruch, massive Herzprobleme.

Erna hat ihren Schmerz zu Papier gebracht und steht damit stellvertretend für sehr viele andere, die Ähnliches erlitten haben. In den letzten Jahren hat die Politik begonnen, dieses Thema aufzuarbeiten und u.a. eine Gedenkstätte errichtet und finanzielle Entschädigung versprochen. „Wann endlich kommen die Entschädigungen? Wenn noch länger gewartet wird, sind wir alle tot.“

Das Buch hat mich zutiefst betroffen gemacht, v.a. die Tatsache, dass diese administrative Versorgung erst 1981 abgeschafft wurde! Vielen Dank, Frau Eugster, dass Sie den Mut hatten, Ihre Geschichte zu erzählen. Ich hoffe, dass Ihnen dies auch geholfen hat, innerlich ein bisschen mehr Ruhe zu finden.

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