Erna Eugster Dreckloch: Heim, Anstalt, Klinik - administrativ versorgt

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Inhaltsangabe zu „Dreckloch: Heim, Anstalt, Klinik - administrativ versorgt“ von Erna Eugster

Erna Eugster (in Zusammenarbeit mit Daniel Lüthi) Ihre Mutter nannte sie schon als kleines Mädchen Dreckloch. Saumensch. Oder Lumpenhure. Schon bald wurde die 1952 geborene Erna Eugster fremdplatziert, kam in Heime, in eine psychiatrische Klinik und immer wieder ins Bezirksgefängnis. Sie machte Erfahrungen mit Alkohol und Prostitution und den Abgründen der menschlichen und insbesondere der männlichen Psyche. Erna war aber nie der Prozess gemacht worden. Sie war in keinem Heim, in keinem Gefängnis, in keiner Klinik aufgrund einer rechtskräftigen Verurteilung. Es ist also nicht so, dass sie eingesperrt wurde, weil sie etwas verbrochen hätte. Sie war eine jener zahlreichen Inhaftierten, die heute unter dem Begriff "administrativ Versorgte" zusammengefasst werden. Eine von denen, die gemäss behördlichem Befinden "nicht recht taten", "liederlich" waren. Und die allein deshalb, also ohne eine Straftat begangen zu haben, weggesperrt wurden. Und dies bis mindestens 1981. Im Rechtsstaat Schweiz.

Ein trauriges Kapitel Schweizer Geschichte! Das Buch hat mich zutiefst betroffen gemacht.

— peedee
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  • Ein trauriges Kapitel Schweizer Geschichte

    Dreckloch: Heim, Anstalt, Klinik - administrativ versorgt

    peedee

    In diesem Buch erzählt Erna Eugster, unterstützt durch den Journalisten Daniel Lüthi, ihre Lebensgeschichte: die Geschichte einer „administrativ Versorgten“. Erna war somit eine von denen, die gemäss behördlichem Befinden „nicht recht taten“, „liederlich“ waren. Wer also behördlich negativ auffiel, wurde ohne Gerichtsurteil in Erziehungs- oder Strafanstalten eingewiesen. Die administrative Versorgung wurde erst 1981 abgeschafft – und das im Rechtsstaat Schweiz! Das Buch ist in mehrere sogenannte Schauplätze unterteilt, die Stationen ihres Lebens aufzeigen: z.B. Psychiatrie Münsingen, Frauengefängnis Hindelbank. Dazu kommt ihre persönliche Vita, eine Chronologie der Opfer fürsorgerischer Massnahmen, Abbildungen von Originaldokumenten aus ihrer Akte, Fotos. „Saumensch“, „Sauluder“, „Dreckluder“, „Dreckloch“ – so wurde Erna von ihrer Mutter genannt; noch bevor sie zur Schule ging. Gewalt (Mutter) und Alkohol (Vater) prägen schon früh ihren Alltag: „Mit Prügel stand ich auf, mit Prügel ging ich zu Bett.“ Aber: „Eine Mutter kann dich jeden Tag halb tot schlagen, aber als Kind bist du jeden Tag bereit, mit der gleichen Mutter neu zu beginnen.“ Erna hat zwei Geschwister: Eine Schwester, die bei der Grossmutter aufwuchs, und einen Bruder, der zu Hause blieb und dem es dort offenbar gut erging. Eines Tages hiess es, dass sie umplatziert werden müsse und so fing die jahrelange Odyssee durch Heime, Gefängnisse, Arbeitserziehungsanstalten, Kliniken und Psychiatrie (zum ersten Mal mit 15 Jahren) an. In diesen Institutionen hat sie jedoch fast durchwegs Schikane, Demütigung und wiederum Gewalt erlebt. Deshalb ist sie über kurz oder lang abgehauen, wurde aber stets wiedergefunden und zurückgebracht. Weitere Stichworte ihrer Geschichte sind Alkoholismus, Suizidversuch, Gewalt, Wut, Leid, Enttäuschung, schwierige Partnerschaft, Zwangsfreigabe ihres Sohnes zur Adoption, Schwangerschaftsabbruch, massive Herzprobleme. Erna hat ihren Schmerz zu Papier gebracht und steht damit stellvertretend für sehr viele andere, die Ähnliches erlitten haben. In den letzten Jahren hat die Politik begonnen, dieses Thema aufzuarbeiten und u.a. eine Gedenkstätte errichtet und finanzielle Entschädigung versprochen. „Wann endlich kommen die Entschädigungen? Wenn noch länger gewartet wird, sind wir alle tot.“ Das Buch hat mich zutiefst betroffen gemacht, v.a. die Tatsache, dass diese administrative Versorgung erst 1981 abgeschafft wurde! Vielen Dank, Frau Eugster, dass Sie den Mut hatten, Ihre Geschichte zu erzählen. Ich hoffe, dass Ihnen dies auch geholfen hat, innerlich ein bisschen mehr Ruhe zu finden.

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  • Das große Schweigen

    Das große Schweigen

    clary999

    Nervenaufreibend, sehr spannend und fesselnd! „„Ein Spiel ohne Rätsel ist kein Spiel, und ein Spiel ohne ebenbürtigen Gegner ist keine Herausforderung“, antwortete die kalte Stimme.“ Zitat aus Buch, Seite 167 Zum Inhalt: Im Prolog wird ein 15-jähriges Mädchen stundenlang von drei Männern vergewaltigt… Auf den Staranwalt Ferdinand Bouillé wurde von Ruth Arzner, eine alte psychisch-kranke Frau, ein Mordanschlag verübt. Er liegt seit dem in einem künstlichen Koma. Das Motiv der Täterin ist unbekannt. Angeblich hat sie früher für Jacques Bouillé gearbeitet, aber niemand kann oder will sich an sie erinnern. Primrose Bouillé, die Tochter von Ferdinand, erhält kurz danach eine SMS-Morddrohung, der noch weitere folgen. Ein ekelhaftes Päckchen… Die Jagd beginnt. Ein schonungsloses „Spiel“ von einem unbekannten Täters. Primrose ist eine ehemalige Polizistin. Sie hängt sehr an ihren Vater und lebt zurückgezogen. Scheinbar gibt es niemand, der ein Motiv für diese Grausamkeiten haben könnte. Der Polizist Luc und ein paar Freunde helfen ihr bei der Suche nach dem Motiv und den Verbrecher. Geld, Hass, Rache…? Noch eine Tote… „…Ich kämpfte ums nackte Überleben und erlernte die Kunst des ungesühnten Tötens. Ich bin kreativ und erschaffe seit Jahren wunderschöne Bilder des Todes. Niemand kann mich stoppen, und niemand wird je erfahren, wer ich bin und was ich tue…“ Zitat aus dem Buch, Seite 67 Meine Meinung: Der Schreibstil fließend mit einem ständigen Wechsel der Handlungsorte und Sichtweisen. Die Hauptpersonen sind Primrose und Luc, aber es gibt noch einige Personen, die eine kleinere oder größere Rolle spielen. Nach und nach erfährt man mehr über deren persönlichen Probleme und Geheimnisse. Aber was ist davon wichtig und was nicht? Mit falschen Fährten und erschreckenden Geschehnissen wurde ich in den Bann gezogen. Gemeinsam mit der sympathischen Primrose habe ich gerätselt und überlegt, wer der „Wahnsinnige“ ist. Die Zeit drängte! Die Auflösung war extrem spannend und überraschend, aber trotzdem nachvollziehbar! „Ein Monster, das die Seelen dieser Jugendlichen und Kinder vernichtet hat.“ Zitat aus dem Buch, Seite 145 Besonders beeindruckt mich bei den Romanen von Katja Montejano, dass sie brisante Themen aufgreift. In dieser fiktiven Geschichte spielt die „administrative Versorgung“ in der Schweiz, bei der zwischen 1942 und 1981 „auffällige“ Jugendliche ohne Gerichtsverhandlung eingesperrt werden duften, eine ergreifende Hintergrundrolle. Die Zeit hinter Gittern ist noch heute für viele dieser Menschen eine psychische Belastung. Es gab damals körperliche und seelische Misshandlungen, die ihr weiteres Leben geprägt haben. Auch Themen wie beispielsweise Stalking, Kindesmissbrauch, illegale Adoptionen und Vergewaltigung werden aufgegriffen. „Das große Schweigen“ hat mich gefesselt mit einer Spannung, die immer wieder anstieg, furchtbare und bestialische Ereignisse und vielseitigen Personen, aber auch mit dem Lebenswillen, Mitgefühl und Gerechtigkeitssinn der Hauptpersonen! Das Buch (eine Mischform von Krimi/Thriller) enthält sadistische und blutige Szenen, hier wird nichts heruntergespielt! Klare Leseempfehlung! 5 Sterne „Weitermachen bedeutet, aus einem Ende einen Neuanfang zu machen. Und aus Verzweiflung neue Hoffnung zu schöpfen. Einfach gesagt als getan.“ Zitat aus dem Buch, Seite 157

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