Ernest Albert Der Metro-Medizinmann

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Inhaltsangabe zu „Der Metro-Medizinmann“ von Ernest Albert

1990er Jahre. Andres versucht die Trennung von Nadine zu bewältigen. Er zieht vom Vorort in die Stadtmitte, wo gerade Privilegien, Süchte und Techno-Trancen entfesselt aufeinanderprallen. Von einem seltsamen Bargast, der sich Medizinmann nennt, lässt er sich zu einem makabren philosophischen Spiel herausfordern. Kaum begonnen, scheint das Spiel sein Leben abzukühlen, zu beschleunigen und ihm laufend neue Liebschaften zu bringen. So richtig beunruhigend wird das Ganze aber, als er Nadines neue Adresse erfährt. Es ist die Adresse des Medizinmanns.

Begeistert! Das Buch ist wach, verrückt und dadurch echt; es ist poetisch analytisch; es hat keine Geschichte und die Handlung rast.

— prycous
prycous

Sehr wild, großartig und dann wieder so, dass man verloren geht (und am Ende Wiederaufersteht) im Sumpf der Wildheit...

— Alobar
Alobar

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  • Taufrisch-fröhliche Urteilslust streift durch "das Sein"

    Der Metro-Medizinmann
    prycous

    prycous

    04. April 2017 um 23:04

    Begeistert! Das Buch ist wach, verrückt und dadurch echt; es ist poetisch analytisch; es hat keine Geschichte und die Handlung rast.

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  • Kluge Analysen, berauschende Sprache: Ein fesselnder Gesellschaftsroman über die 90er

    Der Metro-Medizinmann
    Francesca_Tommasi

    Francesca_Tommasi

    07. January 2017 um 14:50

    Der Metro-Medizinmann ist ein brilliant geschriebener, atemloser und fesselnder Roman. Soeben von der Agglomeration in die Stadt gezogen, nimmt die Ich-Figur auf einer Tour in den illegalen Bars der 90er Jahre eine Wette mit dem Metro-Medizinmann an. Um nichts weniger als um die Lebensmotivation soll es dabei gehen. Damit ist auch die Dimension dieses Romans gleich eingeführt: Ein Gesellschaftsroman der 90er Jahre, in der die neoliberalen Transformationen in Beziehung gesetzt werden mit der Technoszene, Nietzsche kommentiert wird und nach der „Erbblindheit, die einen am sofortigen Sterben hindert“, gefragt wird.  Der Leser leidet mit der Ich-Figur an der Liebe und am Leben, geniesst bei den Sexszenen mit und durchlebt mit ihr verschiedene Rauschzustände. Der furiose, tiefgründige Roman fesselt mit scharfen und zuweilen bösen Analysen und zeugt im Kern von tiefster Humanität. 

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  • "What the hell of a ride!"

    Der Metro-Medizinmann
    Alobar

    Alobar

    29. November 2016 um 16:42

    Der Metro-MedizinmannWhat the hell of a ride! Erst ungläubig, dann fast schon verloren wandere ich durch den Text von Ernest Albert. Ich will sagen „Holt mich da raus!“, doch es ist schier niemand da geblieben, der mich hören, geschweige denn raus holen könnte. Denn der Text hat mich längst verschlungen, eingesogen, teils zerkaut und, ja, zwischendurch auch wieder ausgespuckt.Die Handlung ist leicht erklärt – ein scheinbar junger Mann auf seinen Wegen, Irrwegen, Umwegen rund um ein Leben in der sogenannten normalen Welt. Sternenförmig zieht er seine Kreise, teilweise in Abstimmung mit einem „Medizinmann“, der dem jungen Mann Struktur einhaucht, wo ausschließlich „normales“ Leben ist. Spannende Geliebte lässt er ebenso schnell zurück wie unerfüllte Lieben, verlorene Seelen, neue Bekanntschaften.Hier sind die Momente, in denen ich mich nach einem Stückchen blauen Himmel, nach einem grünlich schimmernden Seeufer oder einer Hand voll schwarzer Erde zu sehnen beginne. Doch dafür ist keine Zeit, die Lebenswellen des jungen Mannes landen in schier überquellender Dynamik immer schneller und schneller auf den Seiten dieses wilden Romans: Schonungslos wird weitererzählt, Emotionen, Gefühle, alleine schon die Angst oder die Freude, dass ein Leben in dieser Reinstform hinter unserer Wohnungstüre auf uns warten könnte, das alles hat keinen Platz, denn da ist der Autor schon wieder eine Tür weiter, eine Begegnung tiefer, eine Wohnungsauflösung schneller gewesen …Wie eine Marionette wurde ich am Ende von Albert an Schnüren in den Nachthimmel hochgezogen – es ist der Moment, als sich der Hauptprotagonist unter schier unbeschreibbaren Umständen (Albert schafft auch das!) in eine Trance fallen lässt, sich im Countdown der Entschleunigung seines Pulses der Welt hingibt um am Ende den Weltenkreis zu schließen … Ein Buch, das Platz haben darf, wenn ich mit der Kerze in der Hand aus dem Keller hochgekrochen komme: Ein paar Seiten lesen, im Zimmer umschauen, zufrieden sein: Am Ende bestärkt das Buch darin, dass das, was ist, gut ist. Den Zustand erreiche ich dann, wenn ich mich voll auf den Inhalt einlasse – denn nur dann, dann kann ich ihn am Ende auch ganz loslassen …

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  • Rezension: "Der Metro-Medizinmann" von Ernest Albert

    Der Metro-Medizinmann
    Latchro

    Latchro

    02. November 2016 um 23:17

    “Der Metro-Medizinmann“ ist ein grossartiger und genüsslich lesbarer Neunzigerjahre Roman, ein Psychogramm jenes Jahrzehnts, in dem die Individualisierung vielleicht ihren Höhepunkt erreicht hat. Den jungen Menschen wird scheinbar unbestraft ein temporärer Systemausstieg zur weiteren Selbstverwirklichung nahegelegt, woraus sich etwas später größter Profit schlagen lässt. Der Roman, in dem einige im Technogroove schwelgen, “während andere die Ungerechtigkeiten anprangerten, die ihre Karrieren gerade am erneuern waren“ lässt wiedererleben, zu welchem Individualismus diese Epoche ihre Kinder verleitet hat, zu welcher Vermengung von Empörung und Reflektiertheit, von Ironie und Sensibilität noch für die feinsten Details ihrer Befindlichkeit. Damit wird aber auch eine Epoche beschrieben, die zuletzt ihre eigenen Kinder verrät, ihre Fähigkeit der ironischen Selbst- und Gesellschaftskritik einbüsst und nur noch ihre Schwächen besser tarnen lernt. Der Autor beherrscht aufs Subtilste die Kunst der Gesellschaftskritik nach dem Komma, der Gesellschaftskritik im Nebensatz. An dem Punkt, an dem der Medizinmann zur totalen Entlarvung ansetzt, steigert sich diese Kritik zur visionären Abrechnung, aber auch zu einem notwendigen Entstehungsprotokoll der Gegenwart. Es ist die Intensität und Authentizität der Liebe zu all den Frauen dieses Romans, die diesem schmerzenden Entlarvungsakt die Balance hält – und ihm auch ein schönes, ein gutes Ende ermöglicht.

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