Neuer Beitrag

Mr. Rail

vor 6 Jahren

(24)

Nach der Romansicht im Buch “Madame Hemingway” ist es mehr als interessant zu erfahren, wie Ernest Hemingway selbst die Zeit im Frankreich der Zwanziger Jahre empfunden hat.

Rowohlt hat zum 50. Todestag von Ernest Hemingway sein posthum 1965 erstmals publiziertes Werk “Paris – Ein Fest fürs Leben” in einer liebevoll ausgestatteten und bebilderten Ausgabe neu veröffentlicht.

So findet zusammen, was zusammengehört. Wie Puzzlesteine fügen sich fiktionale und reale Bilder zu einem großen Lebensbild zusammen und beim Lesen Hemingways erkennt man die gewaltige Dynamik seiner Rückschau auf die Zeit mit Hadley Richardson. Bis kurz vor seinem Tod hat er an “Paris – Ein Fest fürs Leben” gearbeitet. Seine Zweifel am selbst gewählten Weg manifestieren sich in den einzelnen Kapiteln, in Fragmenten und im Nachwort.

Der Blick zurück ist ein Blick in das Zentrum eines literarischen Orkans, die absolut ungeschminkte Betrachtung einer Zeit der Anonymität und des Strebens nach Erfolg. Eine Zeit an der Seite seiner ersten Ehefrau Hadley Richardson – eine Zeit, die ihn prägen sollte, die er jedoch nie wieder mit Leben füllen konnte. Er hatte sie damals abgelegt. Die Anonymität mit Ruhm getauscht, die erste Frau durch eine wohl besser zu einem großen Schriftsteller passende ersetzt und sich selbst hatte er dabei völlig neu erfunden.

Ein Schuldeingeständnis, keine Verteidigungsschrift liegt diesem großen Buch zugrunde. Eine Hommage an seine erste Frau, die er im Stich ließ, um sich selbst in der Welt der Schönen und Reichen zu etablieren. Keine Rechtfertigung findet er für seine Schritte – nur die Eitelkeit und den Ehrgeiz macht er für das Scheitern dieser ersten Ehe verantwortlich.

“Paris – Ein Fest fürs Leben” ist in vielfacher Hinsicht ein Fest fürs Lesen.

Einerseits tritt der typische “strenge und geradlinige” Erzählstil Hemingways zutage. In den Wiederholungen und in der Schnörkellosigkeit der Beschreibung ist noch heute die Faszination verborgen, die Hemingway erst zu Hemingway macht.

Weniger ist mehr – dies wird hier deutlich!

Andererseits erschließt sich die wahre Qualität des Romans “Madame Hemingway“. Die Bücher spiegeln einander ohne sich zu doppeln. Vielleicht gehören sie zusammen – vielleicht mehr als man sich dies vorstellen kann. Sie scheinen miteinander zu sprechen, wie zwei Menschen miteinander reden, obwohl sie schon lange nicht mehr unter uns weilen.

“Ich habe nie versucht, in der Mechanik dieser Ereignisse irgendwem eine Schuld zuzuweisen, außer mir selbst, und die ist mir mein Leben lang immer klarer geworden. Die Herzen dreier Menschen wurden niedergewalzt, um das eine Glück zu zerstören und ein anderes zu gründen.”

Ernest Hemingway, “Paris – Ein Fest fürs Leben” (S. 143)

Mehr zum 50. Todestag, dem Roman "Madame Hemingway und einem besonderen App im Blog.Lovelybooks unter:

http://blog.lovelybooks.de/2011/07/01/hemingway-der-alte-mann-und-das-app/

Autor: Ernest Hemingway
Buch: Paris, ein Fest fürs Leben
Neuer Beitrag

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks