Ernesto Ferrero

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mabuereles avatar

„...Neben der ersten Hortensie erhob sich ein kegelförmig, frisch aufgeworfenes Häufchen. Es hatte die sattbraune Farbe von Erde, die so fruchtbar ist, dass selbst ein eingepflanzter Stecken irgendwann austreiben würde...“


Quirina ist weit über 80. Sie hatte einst Altphilologie studiert, sich dann aber entschieden, Hausfrau und Mutter zu werden. Seit fünfzehn Jahren lebt die Witwe in den lombardischen Bergen. Sie liebt ihre Einsamkeit, ist sparsam, ja fast geizig, und stolz darauf, ihr Leben noch selbst in die Hand nehmen zu können. Jeden Morgen kontrolliert sie, ob in ihrem kleinen Garten alles in Ordnung ist. Doch der heutige Tag hatte eine Überraschung parat. Im Garten findet sie Maulwurfhügel. Obiges Zitat bezieht sich darauf.

Der Autor hat eine Art Fabel geschrieben. Die Geschichte lässt sich zügig lesen und hat mir den gestrigen Abend verschönert.

Der Maulwurf reißt Quirina aus ihrer Routine. Zusammen mit einer Nachbarin und über telefonische Kontakte mit der Tochter versucht sie alles, den ungebetenen Gast zu vertreiben. Er fordert sie heraus, ja er fordert ihre Intelligenz.

Der Schriftstil des Buches ist gehoben. Gekonnt gesetzte Sprachbilder dienen der Beschreibung der Gegend. Ab und an werden lateinische Zitate eingeflochten, die Quirina durch den Kopf gehen. Beim Kampf gegen den Maulwurf erfahre ich ihre Lebensgeschichte, denn die eine oder andere Erinnerung kommt auf. An anderen Stellen hat die Geschichte philosophische Tiefe, wenn sich Quirina gedanklich mit der Intelligenz der Tiere beschäftigt. Ganz nebenbei lerne ich einiges über das Leben von Maulwürfen. Je mehr sich das Tier Quirinas Versuchen, es zu vertreiben, wiedersetzt, desto mehr beschäftigt sich Quirina damit. Abstecher in passende Literatur sind nur ein Beispiel dafür. Der Maulwurf wird zum Gegenspieler, der am Bild der Perfektion des Gartens nagt. Andererseits zieht Quirina gekonnt Vergleiche zwischen ihrem Leben und dem des Maulwurfs.

Viele Illustrationen veranschaulichen die Erzählung.

Das weiße Cover mit Baum und Maulwurf zeugt von einem feinen Humor.

Die Geschichte hat mit ausgezeichnet gefallen. Sie regt zum Nachdenken an und zeigt, wie eine Kleinigkeit das Leben bunter gestalten kann.

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sursulapitschis avatar

„Der Kampf einer alten Dame mit einem Maulwurf, der ihren geliebten Garten verwüstet.
Eine bezaubernde philosophische Fabel über den Feind, der uns am Leben hält, indem er uns vor der Perfektion bewahrt.“

Das sagt der Klappentext und damit ist eigentlich auch schon alles gesagt, was man über dieses Buch sagen kann.
Es ist nett, es ist klein, es hat ein paar hübsche Gedanken und wird in einem angenehmen, sehr geschliffenen Erzählstil vorgetragen. Ich habe auch ein-zweimal gelacht. Schade ist nur, dass man das bisschen Handlung schon komplett vorab serviert bekommt. Wen der Klappentext neugierig macht, dem gibt die Buchbeschreibung den Rest. Etwas Neues erfährt man dann beim Lesen nicht mehr und es bedürfte schon einer wirklich grandiosen Sprache, um das Büchlein aus der Belanglosigkeit zu holen.

So ist es ein nettes kleines Buch, das man gut zwischendurch lesen kann. Man verpasst aber auch nicht viel, wenn man es lässt.

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Minjes avatar

"Die Geschichte von Quirina, dem Maulwurf und einem Garten in den Bergen" von Ernesto Ferrero erschien 2015 im Antje Kunstmann Verlag. Das italienische Original erschien 2014.
Quirina ist eine alte verwitwete Dame (über 80), die noch alleine wohnt, und zwar in einem lombardischen Bergdorf.  Von Beruf war sie Altphilologin (Philologie= die Liebe zur Sprache, Sprach- und Literaturwissenschaft). Was sie über alles liebt, ist ihr Garten. Jeden Tag ist sie dort und sieht nach dem Rechten. Alles hat dort seine Ordnung. Bis eines Tages dort ein Maulwurdshügel auftaucht. Quirina hat seit dem Tag keine Ruhe mehr. Mit Hilfe ihrer Tochter zieht sie in den Kampf. Lexika werden gewälzt und im Internet wird recherchiert. Verschiedenes wird zur Maulwurfsvernichung ausprobiert, ein Kater (der am Ende ziemlich verstört wirkt) wird hinzugezogen, die Gänge unter Wasser gesetzt. Alles erfüllt seinen Zweck nicht. Der Maulwurf bliebt da. Der Winter kommt und mit ihm der Schnee. Dann kehrt der Frühling ein. Und mit ihm die Sehnsucht nach einem Maulwurfshügel. Jeden Tag guckt Quirina, ob der Maulwurf mit seiner Arbeit begonnen hat. Unter der Hortensie sieht sie ihn, den ersten Maulswurfshügel des neuen Jahres!
Thema dieses Buches ist Pefektion und Akzeptanz, Thema ist die Wandlung von Quirina.
Was mir besonders gefällt an diesem Buch, das sind die ersten Seiten, auf denen Quririna als Person vorgestellt wird. Es wird beschrieben, was ihr wichtig ist. Und immer wieder fällt hierbei das Wort Ordnung.
Fazit: ein Buch, das zwar schnell durchgelesen ist, das aber so viel Nachdenkliches enthällt, das man nicht drumherum kommt, es erneut in die Hand zu nehmen, erneut zu lesen. Um wiederum anderes zu entdecken, was einem vorher nicht aufgefallen war.

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