Ernst-Wilhelm Händler

 3 Sterne bei 23 Bewertungen
Autor von Wenn wir sterben, Der Überlebende und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Ernst-Wilhelm Händler

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Wenn wir sterben

Wenn wir sterben

 (5)
Erschienen am 12.05.2011
Der Überlebende

Der Überlebende

 (4)
Erschienen am 21.02.2013
Welt aus Glas

Welt aus Glas

 (4)
Erschienen am 12.05.2011
München

München

 (3)
Erschienen am 25.08.2016
Fall

Fall

 (2)
Erschienen am 23.05.2012
Sturm

Sturm

 (3)
Erschienen am 25.04.2013
Kongress

Kongress

 (1)
Erschienen am 21.11.2012
Die Frau des Schriftstellers

Die Frau des Schriftstellers

 (1)
Erschienen am 19.01.2012

Neue Rezensionen zu Ernst-Wilhelm Händler

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serendipity3012s avatar

Rezension zu "München" von Ernst-Wilhelm Händler

Sinnsuche in der High Society
serendipity3012vor 2 Jahren

Sinnsuche in der High Society 

Thaddea ist Anfang 30 und musste sich in ihrem Leben noch nie Gedanken über Geld machen. Es war und ist immer da, und sie pflegt einen entsprechenden Lebensstil. Sie besitzt zwei Häuser, von denen das eine, in dem sie auch erste Schritte als freie Therapeutin zu tun versucht, stets nur „die Struktur“ genannt wird (und das sie selbstverständlich nie selbst geputzt hat). Kata, Architektin und beste Freundin, hat das Haus, das nur Glaswände besitzt, entworfen. Zu Beginn von Ernst-Wilhelm Händlers neuem Roman „München“ allerdings erfährt Thaddea, dass ihr Freund Ben-Luca sie mit Kata betrogen hat. Thaddea beschließt, beide aus ihrem Leben zu verbannen.

Allerdings waren Ben-Luca und Kata die einzigen Menschen, die Thaddea in ihrem Leben hatte, die ihr nahestanden. Andere Freunde gibt es nicht, und die Eltern kamen vor einigen Jahren ums Leben. Thaddea stürzt sich in die Events der Reichen und Schönen, besucht Ausstellungen und Partys. Und sie empfängt erste Klienten als Therapeutin. Allerdings hat sie wenig Erfolg, denn die, die sich angekündigt haben, kommen entweder gar nicht erst, oder es bleibt bei einem einzigen Besuch. Nachdem sie auf einer der Partys die Bekanntschaft eines Schriftstellers gemacht hat, beschließt sie außerdem, selbst einen Roman zu schreiben und fängt sogleich damit an. Mit dem Autor, Franz Rumpold heißt er, trifft sie sich weiter und führt Gespräche über Literatur und das Schreiben, will von den persönlichen Geschichten ihres Gegenübers aber lieber nicht zu viel wissen.

Händler konzentriert sich in „München“ ganz auf seine Hauptfigur Thaddea und ihre Versuche, nach dem Betrug von Freund und Freundin nicht einzuknicken. Thaddea hat klare Vorstellungen davon, wie man sich zu benehmen hat. Die Fassade muss aufrecht bleiben, Schwäche wird nicht gezeigt. Sie muss Haltung bewahren, vor allem vor sich selbst. Thaddea hat durch einen – selbstverschuldeten – Unfall in ihrer Kindheit eine Behinderung zurückbehalten und humpelt, wenn sie vergisst, auf ihren Gang zu achten. Es ist ihr enorm wichtig, dass niemand von ihrem Handicap erfährt. In den Szenen mit ihren Klienten wird außerdem deutlich, dass sie sich für andere und ihre Probleme eigentlich nicht interessiert. Da aber auch die Klienten nicht wirklich Hilfe von Thaddea zu erwarten scheinen, sondern offenbar nur vor jemandem ihre Probleme ausbreiten möchten, fällt das nicht weiter auf. Die Gespräche, die sie mit ihnen führt, laufen so ins Leere.

„München“ wird mit „Gesellschaftsroman“ untertitelt, allerdings ist es eine ganz bestimmte Gesellschaft, die hier näher beleuchtet wird, eine, der nur die wenigsten angehören. Es ist eine seltsame Welt, in der man am liebsten unter sich bleibt. Thaddea zum Beispiel habe nichts gegen „Aufsteiger“, ist zu lesen, es sei aber anstrengend, immer auf ihren wunden Punkt aufpassen zu müssen.

Die Szenen, die in dieser Gesellschaft spielen, lesen sich oft trocken, ziehen sich, als Leser bleibt man ein Stück weit außen vor, wenn zum Beispiel lange Szenen in der Kunstwelt zu lesen sind, ein aufwendiger Kunstparcours beschrieben wird, dem beim Lesen nicht recht beizukommen ist. Immer wieder einmal blitzt aber auch ein feiner Humor durch, wenn Händler seinen Lesern zeigt, wie absurd diese Welt und ihre Regeln teilweise sind. Auch die Sprache zeigt manchmal Absurditäten, dann ganz auf Thaddea gemünzt: Ab und zu verwendet sie eine seltsame Jugendsprache, wenn etwas „très cool“ ist, oder auch einfach „untoll“. Vielleicht ist Thaddea nicht so erwachsen, wie sie gern sein will.

Alles in diesem Roman wirkt ein wenig steril, auch immer etwas schwer zu fassen. Thaddea ist nicht unbedingt eine Sympathieträgerin, immerhin gelingt es dem Autor aber gut, ihre Zerrissenheit darzustellen. Trotzdem lässt die Geschichte am Ende ein wenig ratlos zurück. Das gezeichnete Bild der höheren Münchner Gesellschaft überzeugt durchaus, gerade die Passagen, die diese Welt abbilden, haben aber ihre Längen, erschließen sich nicht immer leicht. Händlers Roman „München“ stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreis 2016.

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M

Rezension zu "Der Überlebende" von Ernst-Wilhelm Händler

Rezension zu "Der Überlebende" von Ernst-Wilhelm Händler
michael_lehmann-papevor 6 Jahren

Assoziative Wortfülle

„Small talk ist für mich overload“.

So sieht der Ich-Erzähler die hier und da vorhandenen Notwendigkeit des Kontaktes mit anderen Menschen. Immerhin leitet er ein technisches Werk, immerhin muss er ab und an repräsentieren. Doch eine Überwindung ist es jedes Mal für ihn, Menschen widern ihn an. Viel lieber ist er in dieser geheimen Abteilung, von der nur er und sein Mitarbeiter Peter wissen- Wo S-Bots erprobt werden, wo KI im Mittelpunkt steht, wo den Robotern Schwarmaufgaben zugewiesen werden, die sie eigenständig zu erlernen haben. Was dauert und dauert, aber er ist geduldig, er staunt über die kleinen Fortschritte, er ist der Schöpfer einer neuen Welt. Wobei er dafür wiederum einen solchen unendlichen Schwall von Worten absondert, dass es tatsächlich von seiner Seite aus „overload“ wirkt.

Aber Menschen stören. Letztlich. Verunreinigen die kühle Reinlichkeit der Technik äußerlich und innerlich die Programmierung auf kooperatives Verhalten.

Ob er der einzige Überlebende wirklich werden kann? Es scheint zunächst so, denn selbst die engsten Menschen um ihn herum, Frau, Tochter, Kollege, mehr und mehr schlägt seine Begeisterung der Mitteilung in Misstrauen um und mehr und mehr müssen diese Menschen als Hindernisse betrachtet werden.

Was aber wäre dann „überleben“, zumindest in diesem Roman? Ein Weg, der in eine völlige Abschottung und Einsamkeit führt. Ein Weg, der nur mehr ganz auf sich fixiert ist. Was wundert es da, dass der Ingenieur, der Ich-Erzähler, Menschen schon seit geraumer Zeit gar nicht mehr an ihren Gesichtern erkennt, sondern sich Schablonen zeichnen muss.

„Wenn ich ein Gesicht zuordnen muss, für dass ich keine Kriterien habe, dann zeichne ich es im Geist auf einen Karo Block“.

Ja, der Mann mag skrupellos sein, er mag „aus dem Weg räumen“, er mag hineindriften in seine ganz eigene Welt in seinen geheimen Räumlichkeiten, aber das Ziel Händlers, die Gefahren dieses Stils, die Abwesenheit aller Moral und damit „den Kern des Bösen“ herauszuschälen, diese Absicht trägt sich dennoch nicht durch das Buch zum Leser.

Mehr als Mitleid mit der Hauptfigur und eine leichte Ratlosigkeit verbleibt kaum im Lesen der vielen, vielen hervorquellenden, herumirrenden Worte und Assoziationsketten. Dieses ganze misstrauische Denken und Prüfen, um möglichen „Verrat“ zu erfassen, diese innere Trennung von allem, das wirkt alles den einen Tick zuviel, um den Leser wirklich zu fesseln.

So, wie der Ich-Erzähler der Welt fremd gegenübersteht, so verbleibt der Leser diesem Mann ebenfalls fremd und fühlt sich manches Mal eher gestört durch die unendlich kreisenden Gedanken und Ergüsse, die sich auf den Seiten aus dem Kopf des Ingenieurs breit machen.

Sprachlich sicherlich mit Verve in den Raum geworfen, durchaus eine Aneinanderreihung kreativer Ideen und ein hier und da gelungenes Spiel mit den Emotionen des Lesers, der jene Fremdheit vor allem bei der Lektüre beginnt, in sich zu spüren. Aber wirklich packend oder gar realistisch anmutend verbleibt der „neue Schöpfergott einer technischen Welt“ nicht.

Alles in allem sprachlich, wie immer bei Händler, bildkräftig und prägnant „sprudelnd“, dennoch ein Buch, dass den Leser nicht wirklich innerlich erreicht und mitreißt.

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Kuriles avatar

Rezension zu "Fall" von Ernst-Wilhelm Händler

Rezension zu "Fall" von Ernst-Wilhelm Händler
Kurilevor 10 Jahren

Das ist ein wirklich komisches Buch, jedenfalls, wenn man generell bereit ist Bernhard und Kafka komisch zu finden. Also: Man muss das Absurde schon lieben! Ich bin ein bisschen zu hedonistisch für das literarische Verwirrspiel. Aber es ist ein Vergnügen, wie die Eigentümer und Gesellschafter des Familienunternehmens gegeneinander vorgehen: Wie im richtigen Leben!

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