Ernst Augustin Eastend

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Inhaltsangabe zu „Eastend“ von Ernst Augustin

Poesie und Satire zugleich»Phantastisch und verspielt, verblüffend einfallsreich ist dieses Buch und zugleich höchst realistisch.« Frankfurter Rundschau Begonnen hatte alles ganz harmlos in München, wo sich der Schriftsteller Almund Grau von seiner Frau Kerrie dazu überreden lässt, mit ihr "in die Gruppe" zu gehen, nicht ahnend, dass solche Gruppenerfahrungen bisweilen Ausmaße griechischer Tragödien annehmen: Kerrie läuft ihm davon, und er flüchtet sich nach einem gescheiterten Selbstmordversuch verzweifelt nach London, um sich wiederzufinden und um Unabhängigkeit zu erlangen. Bald schon genießt er das bunte Leben im multikulturellen Eastend und quartiert sich versehentlich in einem Asyl für psychisch Gefährdete ein, wo er sich allerdings unglaublich wohl fühlt. Durch Zufall, weil er nämlich einen Häusermakler aus dessen unfreiwilligem Gefängnis, einem mannshohen, defekten Kühlschrank, befreit, kommt er zu einem stolzen Grundbesitz, erlangt neues Selbstbewußtsein, wird auf Umwegen selbst Psychotherapeut und kehrt als solcher in die Münchner Gruppe und zu seiner Frau zurück. Ein sprachlich präziser, witziger und bewegender Roman, der Flucht und Erkenntnis, Trivialität und Leidenschaft, Poesie und Satire auf gekonnte Weise miteinander verknüpft.

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  • Rezension zu "Eastend" von Ernst Augustin

    Eastend

    HeikeG

    12. August 2008 um 13:17

    "Ein Stück schlechtes Glück" oder die Kunst des Machbaren - Ein Blick durch psychotherapeutische Gesteinsmassen Ende der siebziger Jahre- Neun Romane hat Ernst Augustin bereits publiziert, aber trotzdem ist er in der deutschen Literaturszene wohl eher der große Unbekannte. In jüngster Zeit erinnert man sich wieder an den Schriftsteller, der zugleich Arzt, Neurologe und Psychiater war. Mehrere seiner Bücher wurden neu aufgelegt. So auch das vorliegende, welches Gelegenheit bietet, einen großartigen Autor zu entdecken und dabei auf exzellente Literatur zu stoßen. Denn "Eastend" kann man durchaus als kleines literarisches Meisterwerk bezeichnen, geschrieben mit einem Hauch intellektueller Grazie. Das Buch setzt an einem trüben Nachmittag im Jahr 1981 ein. Der angesehene, einflussreiche und wohlhabende Psychotherapeut Almond Gray sitzt mit seinem Freund Bannister in einem eleganten Haus im Londoner Eastend und erzählt diesem sein Leben oder besser gesagt wie er zu dem kam, was es heute ist. Denn bis vor kurzem hieß er noch Almund Grau, war ein mittelmäßiger Schriftsteller und wohnte mit seiner Frau Kerrie in München. Seine "Persönlichkeitswandlung" beginnt in den späten Siebzigern, als die Enkelin einer tartarischen Großmutter - seine Frau - ihm eines Tages in der sanftrotlackierten Küche offenbart: "Kniepelchen, ich habe einen Gedanken: 'Wir gehen in die Gruppe.' " Widerstand zwecklos: "Du wirst dich doch nicht so unmodern machen." Fürwahr, Gruppentherapie war das neue Zauberwort. Sogenannte Selbsthilfetempel sprangen wie Geysire aus dem Boden. Die wilden 68er waren vorbei, das gebildete Bürgertum hatte sich in seiner Selbstzufriedenheit arrangiert und partizipierte am wirtschaftlichen Aufschwung. Doch irgendetwas fehlte. Vielleicht eine Art Selbstverpflichtung, sich in einer Gruppe Gleichgesinnter von den Prägungen einer bürgerlichen Erziehung und deren repressiver Moral zu befreien, Selbsterfahrungen zu sammeln, lange Verschüttetes zutage zu fördern, gesellschaftliche Zwänge oder sexuelle Hemmungen aufzulösen. "Such dir einen guten Therapeuten, und die Ehe wird wieder funktionieren. Geh zu einer Gruppentherapie, und jeder wird sich mitteilen und dann den anderen in Tränen umarmen.", so das damalige Motto, welches Ernst Augustin in seinem Buch kritisch betrachtet und auf Grund seines beruflichen Vorlebens als exzellenter Kenner hervorragend parodiert. Persönliche Odyssee mit Revanche Doch zurück zum Inhalt: Almund Grau macht sich natürlich nicht unmodern und begleitet Kerrie, trotz starker Zweifel an der "psychedelischen Heilsbringung". Hörte man von derartigen Gruppenerfahrungen zuweilen nicht immer nur Gutes, sondern manchmal nahmen sie gar "Ausmaße griechischer Tragödien an und endeten mit der Zerschmetterung aller Teilnehmer. Mit der vollständigen Zerschmetterung." Und so kommt es dann auch. Der Therapieguru Friedjelm Bähr spielt seine Macht aus und verleitet die Mitglieder zu absurdesten Spielchen. Grau jedoch kann sich partout nicht dazu überwinden, bei den allgemeinen Streichelorgien mitzumachen und die Probleme der anderen Gruppenmitglieder mit emotionaler Erschütterung zu kommentieren. Er kontert stattdessen mit Ironie und wird mit seinen "gewöhnlichen", durchaus realistischen Ansichten als Störenfried empfunden. Man legt ihm nahe, in Zukunft doch besser nicht mehr an den wöchentlichen Sitzungen teilzunehmen. Dass er es dennoch tut, ist der Beginn seiner persönlichen Odyssee. Er verliert Kerrie, unternimmt einen Selbstmordversuch in den Bergen, der jedoch schmählich scheitert, reist durchs Land und besucht seine alte Heimat Schwerin (eine Reminiszenz an die eigene Herkunft: Augustin legte hier sein Abitur ab, studierte in Rostock und arbeitete in der Psychiatrischen Abteilung der Berliner Charité, bevor er 1961 als Flüchtling aus der DDR nach München kam). Letztendlich fliegt er nach London und entschließt sich dort zu einem neuen Leben. Einige Zeit wohnt er in einem heruntergekommenen Asyl für Obdachlose, Behinderte und Ausländer, um eines Tages den Geist aus der Flasche bzw. einen obskuren Immobilienmakler oder besser Lebenskünstler mit Namen Bannister aus einer misslichen Lage zu befreien, der ihm daraufhin drei Wünsche gewährt. Der erste führt zu der Möglichkeit eines spottbilligen Hauserwerbs in bester Lage. Den zweiten erfüllt er sich mit einigen Tipps Bannisters selbst. Die notwendigen Kenntnisse findet er in Antiquariatsbüchern über bewusstseinserweiterte, natürliche Drogen. Letztendlich kehrt er etwa acht Monate später und mit neuer Identität - als Psychotherapeut Almond Gray - nach München zurück, sucht die alte Gruppe auf, bei der er sich - jetzt selbst ein Experte - für die einst erlittene Schmach revanchiert. Aber eigentlich geht es ihm nur um eins: Grau bzw. Gray will seine Frau zurück. Nur, Kerrie ist nicht mehr da. Aber er hat ja noch einen Wunsch übrig... Ein Hauch intellektueller Grazie Nach dem ausgesprochenen Lektüregenuss des Buches fragt man sich, warum Augustin im Unterschied zu seinen Generationsgenossen Grass und Walser (alle wurden 1927 geboren) der große Erfolg bisher verwehrt blieb. "Eastend" - und darf man dem Feuilleton glauben, auch all seine anderen acht Werke - hat alles, was einen guten Roman auszeichnet: er ist unterhaltend und humorvoll, gleichzeitig "formal anspruchsvoll, psychologisch komplex und postmodern schillernd - eine Parabel über die Absurdität des Daseins und die grotesken Momente des menschlichen Miteinanders", wie im Deutschlandradio zu hören war. Fürwahr: Wie Ernst Augustin mit großartiger Situationskomik die Rituale der Psychogruppe als hohles Imponier- und Balzgehabe darstellt und die Gruppensitzungen und ihre Rituale beschreibt, ist einzigartig. Er karikiert den Therapiejargon und entlarvt die Mitglieder als eitle Selbstdarsteller. Augustin ist ein exzellenter Beobachter und zeichnet großartige Menschenstudien. Ebenso faszinierend, ungeheuer facettenreich und atmosphärisch dicht, manchmal surreal anmutend, sind seine Beschreibungen des multikulturellen Londoner Großstadtlebens jenseits der Geschäftsviertel, ein London, das heutzutage längst nicht mehr existiert - fantastischer Realismus pur. Von bezaubernder, gleichwohl kostbarer Einfachheit ist die literarische Darstellung des Liebeslebens des Ehepaares Almund und Kerrie. Bei Augustin sitzt einfach jeder Strich, egal aus welcher Bewusstseinssphäre oder imaginären Welt er gerade berichtet. "Seine Art zu erzählen ist einzigartig, traumatisch, hypnotisierend und rauschhaft verstörend. Ich wüsste keinen heutigen Autor, der dem Leser so rasch und so unwiderstehlich den Boden unter den Füßen wegzieht, der den Schritt vom Alltag zum Albtraum mit so wenigen Worten zu beschwören, der durch eine Stadt wie ein Führer durchs Inferno zu gehen vermag." ("DIE ZEIT" Nr. 1 vom 29.12.2005). Innenwelt und Außenwelt, Bewusstsein und Unbewusstes stehen in einem prekären Verhältnis zueinander. Fazit: "Eastend" ist die Jagd eines Schriftstellers und eines Mannes nach Glück und Erfolg. Eine meisterhafte Verführungslektüre, ein magisches Buch, voller kleiner erzählerischer Wunderwerke und Überraschungen und gespickt mit großartigem Humor, von einem Schriftsteller, den es unbedingt (wieder neu) zu entdecken gilt.

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