Ernst Engelberg , Achim Engelberg Bismarck

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Inhaltsangabe zu „Bismarck“ von Ernst Engelberg

Größe und Tragik des Eisernen Kanzlers
Mit seiner Bismarck-Biografie hat Ernst Engelberg Maßstäbe gesetzt. Bis heute sind seine lebendige Zeichnung des ersten Reichskanzlers und die stilistische Brillanz dieses Meisterwerks der deutschen Geschichtsschreibung unerreicht. Engelberg schuf das faszinierende Bild einer unvergleichlichen Persönlichkeit und eines herausragenden politischen Werkes, das letztlich tragische Züge annahm. Nun ist der Klassiker in einer aktualisierten und gekürzten Neuausgabe erschienen – ein Lesevergnügen allerersten Ranges.

Wer sich für die Person Ottos von Bismarck interessiert, dem empfehle ich diese Biographie sehr.

— Joeni

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  • Bismarck: Sturm über Europa

    Bismarck

    Joeni

    06. December 2017 um 06:06

    Geschichtekann so spannend sein! Gerade dann, wenn das Leben eines Autors mitdem von ihm Geschriebenen verknüpft ist. Der Großvater von ErnstEngelberg hatte die Revolution von 1848 miterlebt und in deren Zugedas adlige „von“ abgelegt. Der Vater hatte 1898 denSPD-Ortsverein von Haslach im Kinzigtal ins Leben gerufen. Engelbergselbst gehörte der KPD an, lebte während des Dritten Reichs im Exilund lehrte später in der DDR, wo er Mitglied der SED und nach demMauerfall der PDS war. Von der Biographie Bismarcks erschien 1985 dererste von den zwei Bänden – und zwar als eines der ganz wenigenBücher zeitgleich im Osten und im Westen des damals noch geteiltenDeutschlands. Der Sohn, Achim Engelberg, hat nach dem Tod seinesVaters dessen Archive übernommen und eine gekürzte einbändigeFassung der Biographie für die Veröffentlichung vorbereitet. VierGenerationen in einer solchen Verbundenheit, da ist das Ergebnis sehrinteressant. Engelbergbeschreibt das Leben Ottos von Bismarck sehr lebendig und farbenfroh.Der Leser meint immer wieder, selbst mitten im Geschehen zu stehen,die Fragen beantworten zu müssen, denen sich der erste Reichskanzlerstellen muss. Es ist in erzählerischer Sicht ein wahrer Genuss,dieses ausführliche und doch so kompakte Buch zu lesen. Engelbergerzählt von der Familie, in welche Bismarck hineingeboren wurde; eswar eine Familie von Gutsbesitzern, Landjunkern und Beamten inPommern. Nach einer Kindheit auf dem Lande besuchte er das Gymnasiumin Berlin, wo er in der Stadtwohnung seiner Familie lebte. Dort warjeweils für den Winter und das Frühjahr auch „Onkel Fritz“ zuHause, der immer wieder hochgestellte Persönlichkeiten zu Besuchhatte. Nach einem Studium und Referendariat kehrte Bismarck zurückins Pommersche, wo er mithalf, den elterlichen Kniephof zumodernisieren. Dort machte er nun auch vermehrt die Bekanntschaft mitden Vertretern der Pommerschen Erweckungsbewegung um Adolf vonThadden-Trieglaff, der wiederum die Berliner Brüder Ludwig undLeopold von Gerlach beeinflusste, und letztlich war es Ludwig vonGerlach, der Bismarck in die Politik zu bringen vermochte. Ander Stelle muss ich Engelberg ein großes Lob aussprechen. Es ist ihmgelungen, eine Biographie zu schreiben, welche die damaligegeistliche Entwicklung der Regionen Pommern und Berlin ernst nimmt.Das findet man selten – und das gerade von einem ziemlich linksorientierten Historiker. Und doch schafft er es, die Ansichten derHochkonservativen ernst zu nehmen und zu würdigen. Davon dürfte esruhig mehr geben. Das habe ich richtig genießen können beim Lesen.Auch dass Engelberg diese so oft stiefmütterlich behandeltenpietistischen Erweckungskreise wieder zur Sprache bringt, rechne ichihm hoch an. Zuweilen gibt es aber auch leichte Spitzen seinerseitsgegen manche der Sichtweisen der Pietisten, wie etwa hier: „DieAbwendung von der Aufklärung drückte sich bei den Neupietistenmanchmal recht drastisch aus, so wenn Gustav von Below einmalschrieb, man müsse den 'gewaltigen Teufel von geistigerVerstandeshoffart' bekämpfen.“ (S. 78) Wieschätzte Engelberg den Glauben Bismarcks ein? Auch hierzu ein kurzesZitat aus dem Buch: „Sein Verhältnis zu Gott ist von Anfang aneigenständig, aktiv und jeder Form passiver Gottergebenheit geradezufeind. Dem Bruder gegenüber sagte er es am 31. Januar 1847, als erüber sein Verhältnis zu Johanna schrieb, am deutlichsten: 'InGlaubenssachen gehen wir, mehr zu ihrem als zu meinem Leidwesen,etwas auseinander, wenn auch nicht so sehr als Du meinesteils glaubenmagst, denn mancherlei innre und äußre Ereignisse haben in letzterZeit Veränderungen in mir hervorgebracht, durch die ich mich, wasfrüher, wie Du weißt, nicht der Fall war, berechtigt halte, michden Bekennern der christlichen Religion beizuzählen.'“ (S.114) Man mag darüber nun selbst denken wie man mag, aber ich schätzean dieser Biographie die Offenheit, mit welcher sich der Autor diesenDingen widmet. Bismarckerlebte die Revolution von 1848, ja, er erlebte sie nicht nur,sondern beteiligte sich im Lager der Konservativen an ihr, das heißt,er wandte sich gegen das Revolutionäre an ihr und für die bisherigeMachtverteilung. Schließlich war er ein Preuße von ganzem Herzen,und so setzte er sich für dieses sein altbekanntes Preußen ein. Mitden Gebrüdern von Gerlach besprach er sich des Öfteren, und machtedurchaus auch mal Geschäfte hinter dem Rücken des Königs FriedrichWilhelm IV, da auf diesen zuweilen kein Verlass war. Wie es wohlnicht anders geht, nimmt auch der Erfolg Bismarcks mit den Gesetzenzur Unfall- und Krankenversicherung der Arbeiter ein Kapitel beiEngelberg ein. Schließlich konnten so die Sozialdemokraten, auswelchen seine Familie stammt, Punkte sammeln. Manmerkt an vielen Stellen dem Autor seine politische Herkunft an, wasallerdings in Ordnung ist. Schließlich lässt er auch die andereSeite zu Wort kommen. So entsteht ein rundes Ganzes, ein Buch, dasman gerne liest, und eine Schilderung, die den Leser in die Zeithinein nimmt, in welcher sie spielt. Wer sich für die Person Ottosvon Bismarck interessiert, dem empfehle ich diese Biographie sehr.Mir hat auch das Nachwort gefallen, in welchem die Herkunft desAutors sowie die Entstehungsgeschichte der Biographie noch nähererläutert wird. Ichgebe dem Buch deshalb fünf von fünf Sternen.

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