Bismarck

von Ernst Engelberg und Achim Engelberg
5,0 Sterne bei1 Bewertungen
Bismarck
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Wer sich für die Person Ottos von Bismarck interessiert, dem empfehle ich diese Biographie sehr.

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Inhaltsangabe zu "Bismarck"

Größe und Tragik des Eisernen Kanzlers
Mit seiner Bismarck-Biografie hat Ernst Engelberg Maßstäbe gesetzt. Bis heute sind seine lebendige Zeichnung des ersten Reichskanzlers und die stilistische Brillanz dieses Meisterwerks der deutschen Geschichtsschreibung unerreicht. Engelberg schuf das faszinierende Bild einer unvergleichlichen Persönlichkeit und eines herausragenden politischen Werkes, das letztlich tragische Züge annahm. Nun ist der Klassiker in einer aktualisierten und gekürzten Neuausgabe erschienen – ein Lesevergnügen allerersten Ranges.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783570552896
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Pantheon
Erscheinungsdatum:13.11.2017

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    Joenis avatar
    Joenivor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Wer sich für die Person Ottos von Bismarck interessiert, dem empfehle ich diese Biographie sehr.
    Bismarck: Sturm über Europa

    Geschichte
    kann so spannend sein! Gerade dann, wenn das Leben eines Autors mit
    dem von ihm Geschriebenen verknüpft ist. Der Großvater von Ernst
    Engelberg hatte die Revolution von 1848 miterlebt und in deren Zuge
    das adlige „von“ abgelegt. Der Vater hatte 1898 den
    SPD-Ortsverein von Haslach im Kinzigtal ins Leben gerufen. Engelberg
    selbst gehörte der KPD an, lebte während des Dritten Reichs im Exil
    und lehrte später in der DDR, wo er Mitglied der SED und nach dem
    Mauerfall der PDS war. Von der Biographie Bismarcks erschien 1985 der
    erste von den zwei Bänden – und zwar als eines der ganz wenigen
    Bücher zeitgleich im Osten und im Westen des damals noch geteilten
    Deutschlands. Der Sohn, Achim Engelberg, hat nach dem Tod seines
    Vaters dessen Archive übernommen und eine gekürzte einbändige
    Fassung der Biographie für die Veröffentlichung vorbereitet. Vier
    Generationen in einer solchen Verbundenheit, da ist das Ergebnis sehr
    interessant.





    Engelberg
    beschreibt das Leben Ottos von Bismarck sehr lebendig und farbenfroh.
    Der Leser meint immer wieder, selbst mitten im Geschehen zu stehen,
    die Fragen beantworten zu müssen, denen sich der erste Reichskanzler
    stellen muss. Es ist in erzählerischer Sicht ein wahrer Genuss,
    dieses ausführliche und doch so kompakte Buch zu lesen. Engelberg
    erzählt von der Familie, in welche Bismarck hineingeboren wurde; es
    war eine Familie von Gutsbesitzern, Landjunkern und Beamten in
    Pommern. Nach einer Kindheit auf dem Lande besuchte er das Gymnasium
    in Berlin, wo er in der Stadtwohnung seiner Familie lebte. Dort war
    jeweils für den Winter und das Frühjahr auch „Onkel Fritz“ zu
    Hause, der immer wieder hochgestellte Persönlichkeiten zu Besuch
    hatte. Nach einem Studium und Referendariat kehrte Bismarck zurück
    ins Pommersche, wo er mithalf, den elterlichen Kniephof zu
    modernisieren. Dort machte er nun auch vermehrt die Bekanntschaft mit
    den Vertretern der Pommerschen Erweckungsbewegung um Adolf von
    Thadden-Trieglaff, der wiederum die Berliner Brüder Ludwig und
    Leopold von Gerlach beeinflusste, und letztlich war es Ludwig von
    Gerlach, der Bismarck in die Politik zu bringen vermochte.





    An
    der Stelle muss ich Engelberg ein großes Lob aussprechen. Es ist ihm
    gelungen, eine Biographie zu schreiben, welche die damalige
    geistliche Entwicklung der Regionen Pommern und Berlin ernst nimmt.
    Das findet man selten – und das gerade von einem ziemlich links
    orientierten Historiker. Und doch schafft er es, die Ansichten der
    Hochkonservativen ernst zu nehmen und zu würdigen. Davon dürfte es
    ruhig mehr geben. Das habe ich richtig genießen können beim Lesen.
    Auch dass Engelberg diese so oft stiefmütterlich behandelten
    pietistischen Erweckungskreise wieder zur Sprache bringt, rechne ich
    ihm hoch an. Zuweilen gibt es aber auch leichte Spitzen seinerseits
    gegen manche der Sichtweisen der Pietisten, wie etwa hier: „Die
    Abwendung von der Aufklärung drückte sich bei den Neupietisten
    manchmal recht drastisch aus, so wenn Gustav von Below einmal
    schrieb, man müsse den 'gewaltigen Teufel von geistiger
    Verstandeshoffart' bekämpfen.“ (S. 78)





    Wie
    schätzte Engelberg den Glauben Bismarcks ein? Auch hierzu ein kurzes
    Zitat aus dem Buch: „Sein Verhältnis zu Gott ist von Anfang an
    eigenständig, aktiv und jeder Form passiver Gottergebenheit geradezu
    feind. Dem Bruder gegenüber sagte er es am 31. Januar 1847, als er
    über sein Verhältnis zu Johanna schrieb, am deutlichsten: 'In
    Glaubenssachen gehen wir, mehr zu ihrem als zu meinem Leidwesen,
    etwas auseinander, wenn auch nicht so sehr als Du meinesteils glauben
    magst, denn mancherlei innre und äußre Ereignisse haben in letzter
    Zeit Veränderungen in mir hervorgebracht, durch die ich mich, was
    früher, wie Du weißt, nicht der Fall war, berechtigt halte, mich
    den Bekennern der christlichen Religion beizuzählen.'“ (S.
    114) Man mag darüber nun selbst denken wie man mag, aber ich schätze
    an dieser Biographie die Offenheit, mit welcher sich der Autor diesen
    Dingen widmet.





    Bismarck
    erlebte die Revolution von 1848, ja, er erlebte sie nicht nur,
    sondern beteiligte sich im Lager der Konservativen an ihr, das heißt,
    er wandte sich gegen das Revolutionäre an ihr und für die bisherige
    Machtverteilung. Schließlich war er ein Preuße von ganzem Herzen,
    und so setzte er sich für dieses sein altbekanntes Preußen ein. Mit
    den Gebrüdern von Gerlach besprach er sich des Öfteren, und machte
    durchaus auch mal Geschäfte hinter dem Rücken des Königs Friedrich
    Wilhelm IV, da auf diesen zuweilen kein Verlass war. Wie es wohl
    nicht anders geht, nimmt auch der Erfolg Bismarcks mit den Gesetzen
    zur Unfall- und Krankenversicherung der Arbeiter ein Kapitel bei
    Engelberg ein. Schließlich konnten so die Sozialdemokraten, aus
    welchen seine Familie stammt, Punkte sammeln.





    Man
    merkt an vielen Stellen dem Autor seine politische Herkunft an, was
    allerdings in Ordnung ist. Schließlich lässt er auch die andere
    Seite zu Wort kommen. So entsteht ein rundes Ganzes, ein Buch, das
    man gerne liest, und eine Schilderung, die den Leser in die Zeit
    hinein nimmt, in welcher sie spielt. Wer sich für die Person Ottos
    von Bismarck interessiert, dem empfehle ich diese Biographie sehr.
    Mir hat auch das Nachwort gefallen, in welchem die Herkunft des
    Autors sowie die Entstehungsgeschichte der Biographie noch näher
    erläutert wird.





    Ich
    gebe dem Buch deshalb fünf von fünf Sternen.




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