Ernst Pöppel , Beatrice Wagner Dummheit

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Inhaltsangabe zu „Dummheit“ von Ernst Pöppel

Warum wir heute die einfachsten Dinge nicht mehr wissen

In Zeiten der rasanten Zunahme von Informationen gewinnt der einzelne Mensch nicht etwa an Wissen, sondern verliert es dramatisch. Intuitives Wissen, die Fähigkeit zur Selbstkontrolle, das Wissen um das menschliche Maß, Handlungswissen – was über Generationen überlebenswichtig war, werfen wir zugunsten von „immer mehr“ und „immer schneller“ über Bord.

In sieben Exkursen veranschaulichen Ernst Pöppel und Beatrice Wagner, warum wir in so vielen Bereichen so wenig wissen und plädieren für die Intelligenz der Langsamkeit, der Pausen, des Unperfekten. Anhand von prägnanten Beispielen entlarven sie größenwahnsinnige Projekte, aber auch individuelle Dummheiten. Die Dummheit ist nicht zu vermeiden, sie gehört zu unserem biologischen Erbe, ihre Fallen zu kennen, kann aber helfen.

Viele Plattitüden, Themen werden nur angeschnitten, nicht zu Ende gedacht.

— Anja_Lev

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  • Ein Plädoyer für die Intelligenz der Langsamkeit und der Intuition

    Dummheit

    michael_lehmann-pape

    07. November 2013 um 13:01

      Die nackte Informationsdichte (und damit das, was man wissen kann) ist durch das Internet im letzten Jahrzehnt sprunghaft angestiegen und steigert sich in rasantem Tempo exponential. Somit steht dem einzelnen Menschen ein abrufbares Wissen zur Verfügung, dass seinesgleichen in der Geschichte nicht findet.   Aber, und das ist eine der wesentlichen Unterscheidungen der Autoren im Buch, zur Verfügung stehendes Wissen, nackte Fakten und unzählige Meinungen führen nicht dazu, dass der einzelne Mensch als Rezipient nun gleichzeitig „schlauer“ sein würde als all Vorgängergenerationen. Mehr noch. Je mehr das rational „Lernbare“ allein in den Vordergrund rückt, desto „weniger“ weiß der Mensch dann eigentlich. So die These der Autoren. Denn um zu „erfassen“ was man „wissen“ könnte, bedarf es auch der anderen Lernebenen im Menschen. Der Intuition. Der emotionalen Intelligenz. Der „Erfahrungsfähigkeit“, wichtiges Wissen von unnützem Wissen zu trennen.   Lernkompetenzen, die ihre Zeit im Leben einfach brauchen, die manches mal im reinen trail and error Verfahren ausgelotet werden müssen, die eine gewisse „Reife“ voraussetzen.   Beobachtungen der Autoren, die sich im Übrigen mit allgemeinen Erfahrungen der Gesellschaft decken. Eine Vielzahl von Firmen und Arbeitgebern spürt, dass junge, dynamische, bestausgebildete Menschen im Alter von 22-23 Jahren zwar ein hohes Faktenwissen auf ihrem Weg durch Schule und Universität abrufbar erhalten haben, das alleine aber bei Weitem nicht ausreicht, um „gute Geschäfte“ zu tätigen oder gar Personalverantwortung in konstruktiver Weise übernehmen zu können. Das Wissen um zwischenmenschliche Wichtigkeiten ist ein „Erfahrungswert“, googeln wird da nicht weiter helfen.   Schlimmer noch, je mehr an Faktenwissen „eingetrichtert“ wird und als abrufbares Prüfungswissen allein entscheidend sein soll, je mehr sich der Einzelne darauf verlässt, alles Nötige jederzeit nachschlagen und im Net als Information bereit gestellt zu bekommen, desto „dümmer“ wird der Mensch, denn er verlernt das eigene Denken. Die eigene, innere Auseinadersetzung mit Objekten, mit Wissen, mit Texten, mit Inhalten. Da wundert es nicht, dass Pöppel und Wanger mit ihrer „Kritik an der (reinen) Wissensgesellschaft“ bereits bei der Schule beginnen.   Sich Dinge anzueignen, dabei selber kreativ zu werden, nicht auf die Herunterbrechung differenzierter Ereignisse auf einfache Schlagzeilen durch die Medien allein zu hören, Langsamkeit finden, lernen, die verschiedenen Perspektiven zu achten und überhaupt einen Perspektivwechsel vornehmen zu können, das sind wichtige Voraussetzungen des echten Lernens, welche die Autoren im Buch benennen. Gemeinsam mit der eigenen Einschränkung (keine 500 „Freunde“ auf Facebook, die eher nur verwirren, sondern lieber einige „echte“ Freunde für einen kritischen Austausch). Einseitigkeiten vermeiden, sondern mit allen Sinnen leben, nicht nur mit den Augen im Buch oder den Ohren am Vortrag des Fachwissens. Mitsamt auch der Kraft, eigene Entscheidungen zu treffen und nicht wahllos durch das Leben zu taumeln.   Dass dies alles nicht nur ideale Forderungen alter humanistischer Prägung sind (die dennoch den Hintergrund der Darlegungen bestimmt), sondern durchaus neurobiologisch im Menschen verankert sind, auch das stellen die Autoren heraus.   Der Mensch ist eine „fehlerhafte Konstruktion“ und tut gut daran, diese Begrenzung anzunehmen und sich darin dann umfassend und nicht einseitig einzurichten. Langsamkeit, sprich, gründliches Bedenken und sinken lassen von Situationen und Herausforderungen ist dann hilfreich. Schnellschüsse, welche die Evolution angelegt hat um gefahrvollen Situationen schnell begegnen zu können, sind in Bezug auf eine „Dummheit“ zu vermeiden. Denn die Dinge sind in der Moderne nicht so simpel, einfach und „monokausal“, wie es vor Urzeiten im Raum stand.   Der Mensch ist also von „Natur aus fehlerhaft“, aber auch so dumm, die eigenen Fehler immer wieder zu wiederholen und zu vertiefen. Aus dieser „rasanten Bewertungsfalle“ herauszugelangen, dazu verhilft die Lektüre dieses Buches durchaus, auch wenn die Autoren einiges sehr überspitzt und verallgemeinert in den Raum stellen. Denn für so dumm halten sie den Menschen gar nicht. Eigentlich. Wenn er sich nur mehr Zeit nehmen würde für sich und seine Entscheidungen und seine Bewertungen.

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