Ernst Peter Fischer Durch die Nacht - Eine Geschichte der Gegenzeit

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Inhaltsangabe zu „Durch die Nacht - Eine Geschichte der Gegenzeit“ von Ernst Peter Fischer

Jedes Licht braucht die Dunkelheit, um aus ihr zu entspringen, so wie
ein Laut erst hörbar wird durch die Stille der Welt. Und das Gleiche gilt
für das Leben, die menschliche Existenz überhaupt: Die Nacht ist es,
die alles werden lässt. Ernst Peter Fischer erzählt nun die Geschichte
dieser »Gegenzeit«, eine faszinierende Reise durch die dunklen Gefilde
unseres Lebens.
Der Heidelberger Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer entfaltet
in seinem neuen Buch ein facettenreiches Panorama der Nacht, das vom
Anbeginn der Welt bis in unsere Gegenwart reicht. Wie schon in »Die
Verzauberung der Welt« gelingt es ihm, Naturwissenschaft und Kulturgeschichte
auf meisterhafte Weise zu verknüpfen und den Fragen nachzugehen,
die die Dunkelheit an uns stellt: Wie entsteht Licht? Wie können wir
die Farbe Schwarz wahrnehmen? Aber auch: Warum haben wir Angst im
Dunkeln? Woraus bestehen unsere Träume? Und ist die Nacht auch für
das Böse in uns verantwortlich?
Auf anregende, lustvolle Weise beleuchtet, ja illuminiert Ernst
Peter Fischer die Nacht und führt uns durch ihre Geschichte – die
so noch nie erzählt wurde.

Bringt den Kopf zum Schwirren und nicht nur überzeugende Argumente. Dennoch gar nicht schlecht.

— Lesemanie

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  • Viel Natur-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte

    Durch die Nacht - Eine Geschichte der Gegenzeit

    Lesemanie

    13. November 2015 um 13:58

    Mit einem Verweis auf Rainer Maria Rilke setzt das Vorwort zu diesem Buch ein: "Du Dunkelheit, aus der ich stamme" zitiert Ernst Peter Fischer die erste Zeile und verweist auch auf die zweite Strophe: "Aber die Dunkelheit hält alles an sich". Dem gibt Fischer noch im Vorwort recht: "Schließlich zeigt sich den Menschen jedes Licht, ob von Sternen oder Lampen, nur mit und vor dem Schwarz eines Hintergrunds, und jede Einsicht benötigt die Dunkelheit eines Anfangs, um aus ihr zu entspringen, so wie ein Laut erst durch die Stille der Welt hörbar wird. Wo anders als in meiner inneren Nacht stecken denn die Gedanken, bevor sie sich melden, und wo sonst lassen sich die Worte finden, mit denen man sie ausdrückt und weitergibt?" Mit einem Rilke-Zitat und derlei philosophischen Überlegungen zu beginnen, macht direkt auf den ersten Seiten klar: dieses Buch ist viel mehr als die im Untertitel angepriesene "Naturgeschichte der Dunkelheit." Fischer bietet nämlich nicht "nur" Naturgeschichte, sondern auch Exkurse in die Literatur, die Philosophie, Religion, moderne Neurowissenschaften...kurz: hier liegt eine Natur-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte vor. Zugleich fasst Fischer den Begriff "Dunkelheit" sehr weit und spricht eben nicht nur von Dunkelheit im wörtlichen Sinne, sondern auch von den "dunklen Seiten" der menschlichen Psyche. Es ist ein ambitioniertes Werk, das dem Leser viel Konzentration abverlangt damit er den Faden nicht verliert und das leider nicht konstant so fulminant geschrieben ist, wie es mir nach dem Vorwort schien. Teilweise fehlt Fischer die Distanz zu den zitierten Werken, manche Mythen und Bibelpassagen werden so beschrieben und besprochen, als wären sie wörtlich zu nehmen. Erst kurz vor Schluss baut Fischer eine gewisse Distanz auf, macht deutlich, dass es sich bei diesen Quellen selbst schon um Interpretationen von und Assoziationen mit Dunkelheit handelt. Auch geht Fischer bei einigen Sachverhalten in meinen Augen von falschen Prämissen aus, was es schwer bis unmöglich macht, der daraus resultierenden Argumentationskette zuzustimmen. So stellt Fischer mit leiser Wehmut fest, dass die Wissenschaft im 20. Jahrhundert "ihr altes Ziel, das Leben der Menschen zu erleichtern und die Bedingungen ihrer Existenz zu verbessern aus den Augen verloren" hat, und stellt außerdem die Behauptung in den Raum, die moderne Wissenschaft, deren Beginn er vor 400 Jahren sieht, sei bis Beginn des 20. Jahrhunderts gleichbedeutend mit humanem Fortschritt gewesen. Dabei scheint er zu vergessen, dass militärische Interessen immer schon eine große Rolle in der Wissenschaft gespielt haben - Kanonen und Gewehre mögen nicht das gleiche Schadenspotential wie eine Atombombe haben, doch es sind Kriegsmaschinen, an deren Verbesserung die moderne Wissenschaft auch vor Beginn des 20. Jahrhunderts gearbeitet hat. Generell wurde unter dem Deckmantel der "Humanisierung" Vieles erfunden und weiterentwickelt, was schlussendlich nicht nur Gutes hervorbrachte. Mancher mag argumentieren, dass die Verfeinerung von Hinrichtungsinstrumenten wie der Guillotine das Leiden der zum Tode Verurteilten mindert. Zugleich jedoch bietet eine solche "Humanisierung" von Tötungsmechanismen auch eine Entschuldigung, dass selbst eine aufgeklärte Gesellschaft Hinrichtungen rechtfertigen - und weiterhin ausführen - kann. Es mag einfach der unglaublichen Fülle an Themen, Fachbereichen und Ethik-Argumenten geschuldet sein, dass nicht jede Argumentationskette den nötigen Raum erhält, um zu überzeugen. Es bleibt außerdem wohl auch nicht aus, dass, sobald es um Definitionen von Gut und Böse, Recht und Unrecht geht, verschiedene Meinungen im Raum stehen. Und es ist ja auch nicht schlecht, mit Gedanken oder Ideen konfrontiert zu werden, die die eigenen Überlegungen nicht widerspiegeln. Ab und zu die eigenen Überzeugungen mal zu durchleuchten, vorsichtig zu hinterfragen und dann entweder beizubehalten oder gegebenenfalls anzupassen, kann schließlich nicht schaden. Ein bisschen mehr Puste, und ein etwas deutlicherer roter Faden wären dennoch schön gewesen und ich muss zugeben, dass es mir ab und zu wirklich schwer fiel, mit voller Konzentration dabeizubleiben.

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