Ernst Wiechert Der Totenwald

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Inhaltsangabe zu „Der Totenwald“ von Ernst Wiechert

Wer von den Jüngeren kennt den 1887 in Ostpreußen geborenen, 1950 am Zürichsee gestorbenen Ernst Wiechert, der in den dreißiger Jahren und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zu den erfolg- und einflußreichsten deutschen Schriftstellern und während der Nazizeit zur sogenannten inneren Emigration gehörte?

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  • Rezension zu "Der Totenwald" von Ernst Wiechert

    Der Totenwald

    oblomov

    14. November 2010 um 22:48

    In „Der Totenwald“ dessen Untertitel ursprünglich „Ein Bericht“ lautete, hat Ernst Wiechert den Zusammenbruch seines Nationalbildes beschrieben, „ohne Ausweg anscheinend als den des Märtyrertums“ (S. 12). Mit einer klaren Sprache schildert er seine Gestapo Haft und Internierung in Buchenwald. „Zwar klang der Name „Buchenwald“ schön, aber er hatte schon verlernt, sich von Namen täuschen zu lassen.“ (S. 64) Die präzise Sprache bewirkt, dass der Leser keine Wahl hat, als das, was mit dem Protagonisten geschieht, selbst nachzuempfinden. „Johannes nahm alles wie in einem Spiegel in sich auf. Er wollte nichts übersehen und nichts vergessen.“ (S. 67) „den Toten zum Gedächtnis, den Lebenden zur Schande, den Kommenden zur Mahnung.“ (S. 138) Dies ist ihm mit verstörender Eleganz gelungen. Durch solche knappen Sätze wie: „der Unzerstörbarkeit aller Kreaturen, die erst mit dem Tod endet.“ und der einhergehenden Darstellung wird das abgelegte Zeugnis lebendig. „Augen aus denen der Sinn des Lebens gewichen war und somit auch der des Todes. Kinder und Tiere in der letzten Todesangst mochten solche Augen haben, wenn das Dunkel schon über ihnen zusammenschlägt und die Tafeln aller Gesetze, auch der einfachsten, klirrend in Scherben zerbrachen.“ (S. 83) In dem Bericht wird deutlich, wie beschwerlich es zu jener Zeit war, menschlich Züge zu bewahren: „Du musst durchgehen durch alles, und erst später … ja, erst später …“ „Wer hier mitleidet, zerbricht.“ (S.85) Dementsprechend wurde dieser Bericht auch erst nach dem Krieg veröffentlicht und Wiechert durfte nach seiner Entlassung aus Buchenwald weiter schreiben und fand ironischer Weise sehr fiel Beachtung im 3. Reich („Das einfach Leben“). Auch wird nachgezeichnet, wie sich der Protagonist immer weiter vom Glauben abwendet: „Über Sternen muß er wohnen“ (S.39) bis er den Glauben schließlich ganz verliert: „Aber es war nicht mehr Gottes Sonne und waren nicht mehr Gottes Wolken. Gott war gestorben.“ (S.84) Die so sachlich geschilderten Grausamkeiten hinterlassen, die von Wichert beabsichtigten Spuren: „Wie er, mit eisigem Hohn übergossen, wieder zurückwankte und der Scharführer, lächelnd, einen kopfgroßen Stein mit voller Wucht in den Rücken des Nichtsahnenden schleuderte, so dass dieser auf seinem Gesicht liegen blieb.“ (S. 82) Das Buch schildert sehr gut, die Atmosphäre der damaligen Zeit und die Konsequenz des kollektiven Wegschauens. „Nur die Blinden schlug das Schicksal“ (S. 39) Sehr zu empfehlen.

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