Erri De Luca Montedidio

(18)

Lovelybooks Bewertung

  • 20 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 0 Leser
  • 5 Rezensionen
(8)
(7)
(3)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Montedidio“ von Erri De Luca

Der Bumerang, ein Geschenk seines Vaters, ist für den jugendlichen Erzähler das Wertvollste, was er besitzt. Eines Tages wird er ihm Flügel verleihen. Tagsüber ist er Gehilfe in einer Schreinerei, nachmittags trainiert der Junge unbeobachtet über den Dächern der Stadt mit seinem Holz. Abends ist er erneut dort oben, diesmal um die gleichaltrige, aber schon viel erwachsenere Nachbarin Maria zu treffen… Die zarte, poetische Liebesgeschichte aus Neapel ist auch ein Stück europäischer Geschichte en miniature.

Zauberhafte kurze Geschichte über die 1. Liebe und Neapel in der späteren Nachkriegszeit. Wunderschön

— buchhase
buchhase

Ein Junge wird im Nachkriegsneapel erwachsen. Wenig Text, aber was da ist, ist gelungen, poetisch, nachhaltig.

— Buchhandlung_am_Schaefersee
Buchhandlung_am_Schaefersee

Stöbern in Romane

Sonntags in Trondheim

Geschichte mit skurrilen Charakteren, die sich gut liest und insgesamt unterhaltsam ist, das Lesen der Vorbänder allerdings voraussetzt

Buchmagie

Vintage

Ein Roadtrip voller cooler Details aus der Musikgeschichte, dazu spannend und ziemlich witzig.

BluevanMeer

Herrn Haiduks Laden der Wünsche

Irgendwie zauberhaft, obwohl mich die Protagonistin mit ihrer Naivität zum Ende hin zunehmend nervte.

once-upon-a-time

Underground Railroad

Ein ungeheuer beeindruckendes, in den Zeiten des neuaufkommenden Nationalismus und Rassismus überaus wichtiges Buch.

Barbara62

QualityLand

Eine humorvolle und ebenso beklemmende Zukunftsvision, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Dicke Leseempfehlung!

daydreamin

Die Phantasie der Schildkröte

Ein Märchen für Erwachsene, manchmal etwas zu übertrieben.

ulrikerabe

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Ein Windhauch von Neapel

    Montedidio
    Ulenflucht

    Ulenflucht

    21. February 2017 um 11:17

    Mit einem Bumerang zu trainieren erscheint ungewöhnlich und das ist es auch. Der Protagonist in diesem schmalen Büchlein tut das monatelang. Das geschieht jedoch nicht von ungefähr, wenn man als Autor hier mit Symbolen arbeiten möchte. Wir erfahren den Namen des Jungen nicht, aber wir lesen sein Tagebuch, das er auf einer Rolle Papier verfasst und in Italienisch, das als Napolitaner nicht seine Muttersprache ist. Wir werden mit ihm erwachsen, und das innerhalb von nur wenigen Monaten. Wir gehen mit ihm zu seinem Lehrbetrieb und treffen den Juden Don Rafaniello kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Da wäre außerdem die ebenfalls Dreizehnjährige Maria aus seinem Haus, die die Miete für ihre Familie mit ihrem Körper bezahlt. Das Erwachsenwerden für den Protagonisten ist nicht leicht, aber es ist eine Befreiung. Er löst sich von seiner Familie, der sterbenenden Mutter und dem abwesenden Vater. Gleichzeitig spürt er die Leichtigkeit der Jugend, genießt die Stunden mit Maria auf dem Dach und das Üben mit dem Bumerang, wohl wissend, dass er nur eine Chance hat, ihn nach dem Werfen zurückzubekommen. So gerät alles zu einer federleicht gemachten Frage der Reflexion: Was bekommen wir zurück für das, was wir geben? Neapel ist ein rauhes Pflaster, aber es hat auch Glanzmomente, wie sie manchmal nur ein junger Mensch sehen kann, in den Sternen im Nachthimmel und in den kleinen, dahingeworfenen Kindheitserinnerungen eines Spaziergangs am Wasser. De Lucas Sprache ist einfach, die damit gezeichneten Bilder aber magisch. Ein schönes Leseerlebnis, wenn auch manche Anliegen des Autors nicht ganz verständlich sind, etwa die Funktion von Don Rafaniello oder warum die Krankheit und das Sterben der Mutter fast gefühllos hingenommen werden.

    Mehr
  • Rezension zu "Montedidio" von Erri De Luca

    Montedidio
    tedesca

    tedesca

    18. December 2012 um 15:01

    Dieses Buch hat sowohl sprachlich als auch inhaltlich viel zu bieten. Die knappe Erzählweise in Form von Tagebuchaufzeichnungen eines 14-Jährigen beschränkt sich einerseits auf die unmittelbare Umgebung des Buben im Neapel der 60er-Jahre, lässt aber dann doch auch viele Rückschlüsse auf die Geschichte der Nebenfiguren zu, das ist wirklich faszinierend. Ich mag die Geschichte von Don Raffaniello, in dessen Buckel sich eigentlich Flügel befinden, die ihn von seinen Leiden wegtragen sollen ins Gelobte Land. Wirklich atmosphärisch sind die sparsamen Beschreibungen der Stadt Neapel, der Weihnachtsbräuche, des Lebens der armen Leute. Und natürlich gibt es noch die Liebesgeschichte mit Maria, die beschließt, sich nicht länger von ihrem Vermieter missbrauchen zu lassen. Ich verrate hier keine großen Geheimnisse, es geht in dem Buch nicht um Spannungsmomente, diese Themen kommen von Anfang an vor, entrollen aber ganz gemächlich ihre Details. Und das in einer poetischen Schlichtheit, die immer wieder genau das Wesentliche trifft. Im Klappentext wird L'Express zitiert: "Ein Roman wie eine Skulptur, gemeißelt aus Schönheit und Schmerz."

    Mehr
  • Rezension zu "Montedidio" von Erri De Luca

    Montedidio
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    23. August 2012 um 12:42

    Nach dem großen und verdienten Erfolg seines wunderbaren Buches „Das Gewicht des Schmetterlings“ legt der Graf Verlag ein weiteres schönes Buch des Neapolitaners Erri de Luca vor, das unter dem Titel „Ich bin da“ in der gleichen Übersetzung von Annette Kopetzki schon 2004 – wenig von der Kritik beachtet – bei Rowohlt erschien. Es steht zu hoffen, dass mit neuem Titel und der Reputation durch das letzte Buch dem Roman „Montedidio“ mehr Erfolg beschieden ist. Ein jugendlicher Ich-Erzähler, der mit Sicherheit auch autobiographische Züge von Erri de Luca trägt erzählt seine im Jahr 1960/1961 spielende Geschichte. 13 Jahre ist er alt und während seiner Erzählungen macht er erstaunliche Erfahrung der Reifung: „Im Frühling war ich noch ein Kind, und jetzt stecke ich mitten in ernsten Dingen, die noch nicht verstehe.“ Er arbeitet als Tischlergeselle in der Werkstatt von Meister Errico, einem guten und erfolgreichen Handwerker, der sich die Werkstatt teilt mit dem Schuster Don Rafaniello. Der trägt einen Buckel, in dem angeblich Flügel verborgen sind. Mit ihnen will er irgendwann in die Heilige Stadt Jerusalem fliegen. Besonders von Rafaniellos Erzählungen lernt der Erzähler eine Menge, auch seine Leidenschaft für das Fliegen wird befördert. Die lebt er abends auf dem Dach mit dem Bumerang aus, den er von seinem Vater geschenkt bekam, und den er irgendwann fliegen lassen wird. In zarten Andeutungen wird klar, dass Rafaniello ein Überlebender des Holocaust ist, der ähnlich wie Primo Levi nach einer langen Odyssee wieder in Italien gelandet ist, und nur darauf wartet, endlich nach Israel auswandern zu können. Und da ist noch Maria, die in dem gleichen Haus wohnt und zu der der Erzähler eine zarte Liebesbande knüpft. Auf eine stille, stellenweise poetische, traurige und auch lustige, immer jedoch nachdenkliche Weise hat Erri de Luca die Geschichte eines schwierigen Weges aus der Kindheit hin zum Erwachsensein beschrieben. Die jeweils kurzen Abschnitte, in das Buch aufgeteilt ist, bestehen aus meist kurzen Sätzen von großer Einfachheit. Sie wechseln zwischen Traum und Wirklichkeit, berichten von magischen als auch von sehr realistischen Dingen. Immer wieder wird das Besondere an der neapolitanischen Sprache betont und mit Beispielen illustriert. Der Junge träumt von dem einen großen Wurf mit seinem Bumerang, der sein ganzes Leben symbolisiert: „Eines Abends wird der Arm stark sein, und ich werde ihn nicht zurückhalten können, und dann wird der Bumerang fliegen.“ Ein wunderbares zartes und poetisches Buch, das seinen Leser immer mehr in seinen zauberhaften Bann zieht.

    Mehr
  • Rezension zu "Montedidio: Roman" von Erri De Luca

    Montedidio
    HeikeG

    HeikeG

    14. July 2012 um 13:57

    Flügel aus Holz . Herrscher der Lüfte - das wollten die Menschen immer gern sein. Wie ein Vogel fliegen, die Welt von oben sehen, schnell und bequem in ferne Länder reisen. Diesen alten Traum können wir uns heute leicht erfüllen. Doch das war nicht immer so. Und schon gar nicht bei einem 13-jährigen neapolitanischen Jungen aus bescheidenen Verhältnissen Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Doch jener entfliegt über den Dächern Neapels imaginär dem Kokon der eigenen Kindheit und dem Armeleuteviertel aus kleinen Gassen, das Montedidio heißt und in dem man kaum einen freien Fleck zwischen den Füßen findet, wenn man "auf die Erde spucken will". In den Händen hält der Protagonist einen Bumerang, den er von seinem Vater, einem Hafenarbeiter, bekommen hat und dessen Wurf er jeden Abend übt. Ein merkwürdiges Ding zwischen Spielzeug, Arbeitsgerät und Waffe, das zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte wird. "Eines Abends wir der Arm stark sein, und ich werde ihn nicht zurückhalten können, und dann wird der Bumerang fliegen." . Doch bis es so weit sein wird, beobachtet der Junge nicht nur das neue Leben als Tischlergeselle und seinen wachsenden Körper mit respektvoller Neugier, sondern auch die italienische Sprache. Seine Muttersprache ist der neapolitanische Dialekt. "Ich verstehe Italienisch, weil ich die Bücher aus der Bibliothek lese, aber ich spreche es nicht. Ich schreibe auf Italienisch, weil es still ist und ich die Ereignisse des Tages darin aufbewahren kann, wo sie sich vom Lärm des Neapolitanischen ausruhen." Auf einer alten Druckerrolle "fasst [er] den Lärm des Tages zusammen", notiert seine Erlebnisse und Gedanken. Diese handeln zum Beispiel von seinem Meister Errico. Auch von seinem Vater, der immer mehr aus seinem Gesichtskreis verschwindet, da er sich um die schwerkranke Mutter kümmert. Dafür streifen Geister in der leeren Küche umher und über sein Gesicht. Von Don Raffaniello berichtet er, dem buckligen Schuster, der in der Werkstatt Erricos die Schuhe der Ärmsten repariert. Dessen Geschichten stimmen ihn fröhlich, "pusten Luft in die Knochen, die Fröhlichkeit eines Segelfliegers." Der Buckel, so erzählt ihm der alte Jude, den die Flucht aus Nordeuropa in Neapel hat stranden lassen, enthält ein Paar Flügel, die nur darauf warten, dass er sie entfaltet, damit er mit ihnen nach Jerusalem fliegen kann. Und dann ist da noch Maria, im gleichen Alter wie der Ich-Erzähler. "Aber ihre dreizehn Jahre sind erwachsener als meine." Mit ihr lernt er auf andere Art zu fliegen, indem sie ihn in die Geheimnisse von "amore" einweist. Sie versucht er vor dem aufdringlichen Hausbesitzer, der das Mädchen lange Zeit als "Mietrabatt" benutzte, zu beschützen. . "Im Frühling war ich noch ein Kind, und jetzt stecke ich mitten in ernsten Dingen, die ich nicht verstehe.", sinniert der Ich-Erzähler. Ein leises, ein stilles, ein trauriges und zugleich fröhliches, ein nachdenklich stimmendes Büchlein über den zuweilen recht verworrenen und verwirrenden Weg aus der Kindheit heraus und hinein ins Erwachsenwerden hat Erri de Luca geschrieben. Ein Buch mit kleinen, aber sinnesstarken Sequenzen und Abschnitten. Stilistisch ganz im Ton des erzählenden 13-Jährigen gehalten, mit kurzen, glasklaren Sätzen von zuweilen berührender Einfachheit. Alles balanciert zwischen Tag und Traum, Märchen und kruder Realität. Damit erzeugt de Luca, der als einer der wichtigsten und erfolgreichsten italienischen Autoren der letzten Jahre gilt, eine fast magisch zu nennende Stimmung. Liebevoll gezeichnete Figuren und poetische Passagen zaubern trotz des ernsten Hintergrundes immer wieder ein Lächeln auf die Lippen des Lesers. Gelegentlich eingestreute Sätze in Neapolitanisch zeugen zudem von der Liebe zu seinem Mutterdialekt. "Italienisch ist eine Sprache ohne Spucke, das Neapolitanische dagegen hat den Mund immer voll Spucke und macht, dass die Wörter gut kleben.", lässt er Rafaniello erzählen, der diese Sprache mit seiner eigenen, dem Jiddischen, vergleicht. . Letztendlich strebt in "Montedidio" alles auf einen kumulierenden Höhepunkt zu. Zum Jahreswechsel, Punkt Mitternacht, wird der Traum vom Fliegen für einige Figuren tatsächlich wahr.

    Mehr
  • Rezension zu "Montedidio: Roman" von Erri De Luca

    Montedidio
    Clari

    Clari

    11. July 2012 um 15:05

    Spuren eines Lebens.... Der 13 Jährige Icherzähler lebt in Neapel im Stadtteil Montedidio. Hier in den engen Gassen arbeitet er in der Werkstatt von Meister Errico, einem Schreiner, zu dem sich noch der Schuster Don Rafaniello gesellt hat. Hier fühlt er sich wohl, und hierher trägt er auch seinen liebsten Gegenstand, einen Bumerang aus Ahornholz, den ihm sein Vater geschenkt hat. Namenlos bleibt er Icherzähler, der die Atmosphäre von Neugierde und die Sehnsucht nach Geborgenheit mit in die Werkstatt bringt. Don Rafaniello ist jedoch der heimliche Hauptprotagonist, der die schönsten Geschichten zu erzählen weiß. Er trägt einen Buckel, in dem er geheimnisvoll vermeintliche Flügel verborgen hält. Mit diesen will er eines Tages in sein Land fliegen, in die Heilige Stadt Jerusalem. Rafaniello erzählt Geschichten, die unseren Icherzähler unterhalten, und er kann sich mit ihm austauschen. Auch der geliebte Bumerang soll eines Tages die Flügel ausbreiten und unseren Helden in die Lüfte tragen. Es gibt aber auch noch Maria in dem Haus, in dem ein böser Hausbesitzer sein Unwesen treibt, wenn er die Mieten eintreiben will. Mit Maria, die etwas älter ist als unser Träumer, knüpfen sich erste zarte Liebesbande. Erri De Luca ist ein Erzähler, wie er sie in seinen Büchern beschreibt. Magische Augenblicke wie die Gerüche der Strassen und des fernen Hafens regen die Phantasie an, sich ebenfalls in die laute, schmutzige und doch so reizvolle Stadt Neapel zu begeben. Ein wenig kantig wirkt die Erzählung, die sich aus vielen kleinen Episoden zusammensetzt. Doch die magischen und zugleich realistischen Begebenheiten stehen im ausgeglichenen Wechsel zueinander. Poetisch und feinfühlig werden die Geschichten erzählt. Zuletzt ist der Icherzähler ein Stück erwachsener geworden, nicht zuletzt dank der liebevollen und zupackenden Hinwendung zu Maria. Eine stille, szenenreiche Geschichte beginnt und hört auf wie ein Stück, das wie aus einem Holz gegossen scheint, schön und ruhig zugleich. Erri De Luca ist einer der bekanntesten Erzähler Italiens, der immer wieder seine Heimatstadt Neapel zum Ort seiner Erzählungen macht.

    Mehr