Erwin Koch

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Autor von Sara tanzt, Was das Leben mit der Liebe macht und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Erwin Koch

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Erwin KochWas das Leben mit der Liebe macht
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Was das Leben mit der Liebe macht
Was das Leben mit der Liebe macht
 (9)
Erschienen am 10.06.2013
Erwin KochNur Gutes
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Nur Gutes
Nur Gutes
 (4)
Erschienen am 20.08.2008
Erwin KochVon dieser Liebe darf keiner wissen
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Von dieser Liebe darf keiner wissen
Von dieser Liebe darf keiner wissen
 (4)
Erschienen am 25.02.2013
Erwin KochDer Flambeur
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Der Flambeur
Der Flambeur
 (3)
Erschienen am 19.07.2007
Erwin KochWir weinen nicht
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Wir weinen nicht
Wir weinen nicht
 (2)
Erschienen am 01.09.2002
Erwin KochFranz
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Franz
Franz
 (0)
Erschienen am 16.03.2015
Erwin KochVor der Tagesschau, an einem späten Sonntagnachmittag
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Vor der Tagesschau, an einem späten Sonntagnachmittag
Erwin KochBeim Denken abgefallen
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Beim Denken abgefallen
Beim Denken abgefallen
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Erschienen am 01.11.2006

Neue Rezensionen zu Erwin Koch

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HeikeGs avatar

Rezension zu "Von dieser Liebe darf keiner wissen" von Erwin Koch

Hinterlassene Eindrücke oder "Der Mensch ist gut, nur manche...."
HeikeGvor 3 Jahren

Jörg Immendorff saß als Kind oft als Indianer im Apfelbaum des Großvaters und jagte imaginäre Büffel. Nun sitzt er vor dem Autor und erzählt aus seinem Leben. Einem Leben, das bald darauf gelebt sein wird, das allerdings übervoll war, schaffensreich, aber auch trotzig und aufsässig. Zuweilen glich es einem Waterloo-Sieg seiner ehemaligen Zinnsoldaten, einem Sieg über seinen Vater, der früher nicht zuließ, dass der Kleine gegen ihn gewann, "der Vater schnippte die Regimenter des Sohnes weg, Sonntag um Sonntag". Doch der Kampf wird nicht mehr lange währen. "Grau an Bart und Haar, krank auf den Tod" bleibt ihm nicht mehr viel Zeit, der Pinsel nicht mehr in der Hand: "Es ist nun nicht so, dass ich jeden Tag mit dem Gedanken an den Tod verbringe. Eher ist es auch etwas Befreiendes, ich meine / bin da irgendwie / glaube ich / auch privilegiert, weil ich, dem Tod so nahe, mich mit ihm beschäftigen muss. Ich bin zu sehr noch hier / es gibt ja dumme Tode, wo man denkt, was soll der Quatsch? / Aber / ja / ich bin zu sehr noch hier, und je mehr ich dieses Hier bejahe, macht das Jenseits mehr Sinn. Es ist ja nicht eine Treppe, die immer goldener wird, die unten hölzern anfängt und oben mit Gold endet / vielleicht ist ja die erste Stufe aus Gold und die letzte aus Holz / mit sehr viel Mist dazwischen, ich weiß es nicht / aber ich denke, je intensiver man lebt / wenn ein Tag intensiv ist, speist sich etwas (...) Ja / selbst die jenseitigen Energien speisen sich von den Eindrücken, die man hinterlässt. "

Um hinterlassene Eindrücke, um gelebtes Leben, um heimliche Lieben, geht es in den zehn großartigen Geschichten des bereits zweimal mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichneten Schweizer Autors. Allerdings liegt in allen etwas Bedrohliches und der Tod ist fast immer ständiger Begleiter. Da ist das junge Mädchen, das unheilbar an Leukämie erkrankt, der liebevolle Ehemann, der mehr und mehr erkennt, dass er schwul ist, die vierundneunzigjährige Gertie, deren Vater im Krieg standrechtlich erschossen wurde, weil er den psychischen Druck nicht mehr aushielt und den Kampf verweigerte, nun aber endgültig von der britischen Regierung rehabilitiert wird. Agnes wiederum bringt im Wahn ihre eigene Tochter um: Sie, die die Untreue ihres Mannes jahrelang schamhaft vor allen zu verstecken suchte, mit ihrer Tochter aber immer mehr an einen einzigen Fehltritt erinnert wird. Linda und Johan wiederum bekommen eine Tochter mit EB, einer unheilbaren Erbkrankheit, bei der sich die Haut ihres kleinen Mädchens ständig vom Körper löst. Sterbehilfe ist das Thema dieser äußerst emotionalen Erzählung. Oder aber der eindrucksvolle Bericht der beiden Uiguren Abu Bakr und Adel, zwei Männer einer turkstämmigen Minderheit im Westen Chinas, die auf der Suche nach Arbeit zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort waren und nun als Niemandsmenschen in Guantanamo sitzen. Ein Bericht, der den Atem anhalten lässt.

"Die Masse unseres Universums besteht zu 96 Prozent aus Dingen, die wir nicht verstehen...", erläutert im letzten Text Rolf Landua, Physiker am CERN. Auch die Beweggründe, Schicksale und vor allem das agierende Umfeld von Erwin Kochs Protagonisten versteht man mitunter nur schwer. Doch wie schrieb der Autor bereits in seinem Roman "Nur Gutes": "Die Wahrheit, so lange man lebt, ist ein Gedicht, ein Gespenst, ein flüchtiger Stoff, haltbar und dingfest erst im Nachruf. Was der Mensch wahrnimmt, ist nicht die Welt an sich, sondern ihre Spiegelung. Die Welt erscheint ihm nur so." Die äußeren Verhältnisse verwischt Koch mit einem Weichzeichner, blendet sie beinahe aus, um sich ausschließlich auf die Innenräume zu konzentrieren. Er benutzt Techniken der Reduktion, der sparsamen Andeutungen, der Auslassung, des Verschweigens. Doch gerade dieses literarische Mittel schafft einen ungemeinen Freiraum für das Empfinden des Lesers. Das Nichtgesagte rückt in den Vordergrund und erzeugt eigenständige Assoziationen. Mit seinem so typischen Stil - kurze, fast stakkatoartige Sätzen und wirkungsvoll eingesetzte Iterationen -, erzeugt Koch durch seine ausgezeichnete Beobachtungsgabe, die menschliche Regungen und scheinbar nebensächliche Begebenheiten schon im Ansatz aufspürt, eine atemberaubende, unterschwellige Spannung, die sich immer mehr steigert. Mit dem Einsatz souveräner literarischer Mittel stößt er in die Tiefe des Leserbewusstseins vor.

Fazit: Erwin Kochs beeindruckende, wahre Geschichten verbergen allerfeinste Literatur. Ein Buch, das durch seine unglaubliche Eindringlichkeit den Atem anhalten lässt, das zuweilen Tränen in die Augen treibt, aber niemals pathetisch wird, das weniger an psychologisch eindeutigen Schnittmustern seiner Protagonisten interessiert ist, sondern vielmehr auf die Grauzonen menschlichen Verhaltens setzt, ein Sack voller Gedanken, die zumeist kein schönes Bild zeichnen. Aber wie sagt Sarah aus seiner Eingangstext so treffend: "Ein neues Leben ist gewonnen. Eine neue Ansicht der Welt." Ein Buch: eindringlich, direkt und unglaublich intensiv.

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Barbara62s avatar

Rezension zu "Sara tanzt" von Erwin Koch

"Von Sara habe ich gelernt, dass einer nur überlebt, wenn er singt oder redet"
Barbara62vor 3 Jahren

Sara Broffe, Deckname Sumatra, 37 Jahre alt und Mutter von vier Kindern, führt nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes kleinere Aufträge im Widerstand gegen eine marode Militärjunta aus. Als sie verhaftet wird, übersteht sie die Monate im Haus am Stadtrand bis zum Ende des Bürgerkriegs nur duch Zwiegespräche mit ihrem toten Mann, durch falsche Geständnisse, die sie häppchenweise preisgibt, und durch das Summen von Kinderliedern.

Im Nebenzimmer verrichtet der Cellist Frits seine Arbeit, ein typischer kleiner Beamter, der versucht, durch Nichtwissenwollen nichts zu wissen. Er erledigt als Angestellter des Innenministeriums die Büroarbeit, untersucht Saras gesummte Tonfolgen auf geheime Botschaften und spielt Cello, so laut, dass Saras Schreie nicht nach außen dringen können. Zu seiner Leidenschaft für die Musik kommt allmählich eine weitere: die Liebe zu  Sara. Er setzt alles daran, sie zu befreien. Als der Krieg zu Ende und Sara frei ist, heiraten die beiden. Doch nun gerät Frits ins Visier der neuen Machthaber, er wird verhaftet, seine Rolle im alten Regime soll geklärt werden. Während der Haft schreibt er seinen Bericht, der neben der aus kurzen, reportagehaften Sätzen bestehenden Erzählung das Buch ausmacht.

Sara tanzt ist der erste Roman des Journalisten Erwin Koch, der zuvor nur Reportagen und Hörspiele veröffentlicht hatte. Er basiert auf einer wahren Geschichte, doch der Schauplatz und sogar die Sprache wurden so verfremdet, dass die Zuordnung nicht möglich ist. Beim Lesen habe ich jedoch immer das Bild eines südamerikanischen Landes vor Augen gehabt.

Der Roman hat mich vor allem durch all das berührt, was nicht ausgesprochen wird. Mit keinem Wort beschreibt Koch, was mit Sara während der Verhöre passiert, man hört nur das Cellospiel. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, ist mir dieses Buch beim Lesen besonders nahe gegangen.

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OelemannCs avatar

Rezension zu "Was das Leben mit der Liebe macht" von Erwin Koch

Große kleine Prosa
OelemannCvor 5 Jahren

Erwin Koch, den deutsche Leser vielleicht durch seine Mitarbeit beim SPIEGEL, der ZEIT oder der SÜDDEUTSCHEN kennen, legt im Groothuis-Verlag sein wunderschön gestaltetes, auf edlem Papier gedrucktes erstes Prosawerk vor. In einem Interview soll er gesagt haben, es gehe ihm lediglich um die Verwirklichung einer Absicht: eine gute Geschichte auch gut zu erzählen.
Dass er das wie kaum ein Zweiter kann, hat er jetzt bewiesen. „Was das Leben mit der Liebe macht“ lautet der Titel, und darunter steht noch „Wahre Geschichten“, obwohl das meiner Meinung nach nicht einmal eine Rolle spielt.
Es sind samt und sonders bewegende Geschichten, und darauf kommt es ja an.
Auch, wenn man es nicht so sehr mit kurzen Literaturformen hat, rate ich jedem Leser, sich mit diesem Wunderwerk auseinanderzusetzen.
Einfach die erste Geschichte - warum nicht gleich in der Buchhandlung?- kurz anlesen, und Sie werden sehen, dass Erwin Koch Sie mit jeder Zeile, jeder Seite in seinen Erzählsog zieht. Sofort ist man mittendrin im Leben derer, von denen Koch berichtet; er benötigt dazu nur wenige karge, sparsame Sätze. Koch beschönigt nichts, er beschwichtigt nicht, klagt weder an, noch will er trösten. Beziehungen werden nicht seziert, auch nicht die Verhältnisse, in denen die Menschen leben, lieben und leiden. Ob es ein gutes oder böses Ende gibt, scheint den Autor nicht zu interessieren. Es ist halt wie es ist. Manchmal ist das, was das Leben mit der Liebe macht, schön.
Manchmal eben nicht. Erwin Koch ist ein Meister der Aussparung, der Leser soll fühlen, ahnen, dem nachspüren, was zwischen den Zeilen steht. Eine gewisse stilistische Nähe zu Ferdinand von Schirach springt dabei ins Auge.
Von der Wucht der Liebe bzw., was die Menschen dafür halten, wird man getroffen, als sei man selbst der, über den Koch schreibt. Immer sind einem die Figuren nahe, egal wie weit sie zeitlich und geografisch entfernt sein mögen.
Es sind Lebens - und Liebesgeschichten über Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen zusammenkommen. Zusammenbleiben bis zum manchmal bitteren Ende. Oder es wollen, aber nicht können. Es könnten, aber nicht wollen. Keine der neun Geschichten ist erfunden, jede ist wahr, irgendwo auf der Welt so passiert. Auf einmal, merkte ich, spielte das doch eine Rolle.
Die Authentizität dieser Literatur verursacht Gänsehaut!
Was hier ans Tageslicht kommt, ist verblüffend, erschreckend, grandios,
unfass- und wunderbar, ganz schön traurig. Immer (sic) aber rührt es. Die Schicksale entfalten sich auf wenigen Seiten wie ein guter Roman; auch das ist eine große Kunst des Erwin Koch!
Man hat noch viele Fragen an ihn, wenn die Geschichte schon lange zu Ende ist. Aber die Antworten muss man wohl selbst finden … Kein Reporter schreibt so über die Liebe wie Erwin Koch, hat ein Kritiker der ZEIT geschrieben. Da stimm ich zu! Grandios!

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