Schopenhauer schrieb einmal, dass das Leben wie ein Buch sei: bei Tag lese man es von vorn nach hinten, in den Träumen aber blättere man (wild) darin herum, vor und zurück. Nicht nur im Träumen, würde ich ergänzen – es sei denn, Erinnern ist eine Form von Träumen (und ist es das nicht?)
Bei Messmer wird gar nicht so viel geträumt, aber die Tiefen der Erinnerung (in die immer wieder lange Wege zurückgelegt werden müssen, manchmal innerhalb von Sekunden, manchmal zwischen zwei Zeilen, in weißen Zwischenräumen) sind sehr präsent, öffnen sich auch abrupt, hüllen die Gedichte ein, manchmal wie leichter Wind und manchmal wie näher kommende Wände.
Dennoch sind die Gedichte im Anschein eher gegenwärtig, entspringen nicht selten unmittelbarem Erleben, zeichnen darin allerdings mit Vorliebe jene übergreifende Endlichkeit nach, die uns alle eines Tages ergreifen wird (wir wissen nur nicht wann und wie) und in vielen Momenten und Dingen bereits an- und erklingt (wenn wir genau hinhören oder auf die Dichter*innen hören, die es unentwegt tun).
Auch erwähnen muss man Messmers Humor, der sich nie aufdrängt, aber doch immer wieder mitmischt, von dezenter Ironie bis hin zur illustren Komik reicht, man lese bspw. den Lektoratsdialog.
Die Nahbarkeit dieser Lyrik und ihre vielen Spielarten machen dieses Werk zu einem Buch, das man gerne durchliest, in dem man aber auch gerne blättert. Das Leben ist ein Traum, den wir Erinnerung nennen. Man lese und erinnere, erträume sich so manches Gedicht.
Lyristix



