Eshkol Nevo

 4.5 Sterne bei 77 Bewertungen
Autor von Als unser Leben begann, Wir haben noch das ganze Leben und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Eshkol Nevo

Eshkol Nevo wurde 1971 in Jerusalem geboren, wuchs aber in Detroit, USA, auf. Er absolvierte seinen Wehrdienst bei der Israelischen Armee als Offizier bis 1993 und studierte anschließend an der Universität in Tel Aviv Psychologie. Danach arbeitete er als Werbetexter und als Dozent für Kreatives Schreiben in Tel Aviv und Jerusalem. Inzwischen gehört Nevo zu den wichtigsten Schriftstellern Israels, seine Bücher räumen regelmäßig bedeutende Preise ab. Nevo lebt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Ra'anana.

Alle Bücher von Eshkol Nevo

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Als unser Leben begann

Als unser Leben begann

 (20)
Erschienen am 01.05.2010
Wir haben noch das ganze Leben

Wir haben noch das ganze Leben

 (19)
Erschienen am 01.06.2012
Über uns

Über uns

 (12)
Erschienen am 12.01.2018
Neuland

Neuland

 (10)
Erschienen am 01.10.2013
Vier Häuser und eine Sehnsucht

Vier Häuser und eine Sehnsucht

 (6)
Erschienen am 01.06.2009
Neuland

Neuland

 (5)
Erschienen am 22.07.2016
Die einsamen Liebenden

Die einsamen Liebenden

 (4)
Erschienen am 19.02.2016
Le cours du jeu est bouleversé

Le cours du jeu est bouleversé

 (1)
Erschienen am 10.06.2010

Neue Rezensionen zu Eshkol Nevo

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Rezension zu "Neuland" von Eshkol Nevo

Über die Liebe und die Nutzung von Lebenszeit
YaseminNoelvor einem Monat

Eshkol Nevo lässt die Reise seiner Hauptfiguren in der Gegenwart beginnen. Die junge Inbar aus Jokneam im Norden Israels und der Mann Dori aus Jerusalem schreiben sich E-Mails der Liebe. Die zuvor stattgefundene gemeinsame Reise macht neugierig auf das Geschehene. Aber warum müssen sie sich heimlich schreiben, warum darf niemand etwas erfahren?

Eshkol Nevo wird 1971 als Enkel des israelischen Ministerpräsidenten Levi Eshkol in Jerusalem geboren und wächst in Detroit auf. Zur Ableistung seines Wehrdienstes in der israelischen Armee kehrt er als junger Mann in die Heimat zurück. Nach seinem Studium der Psychologie in Tel Aviv arbeitete er als Werbetexter und als Dozent für kreatives Schreiben. Neuland ist der Vierte von seinen inzwischen fünf Romanen, die aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt worden sind. In Israel längst ein Bestsellerautor, beeindruckt Eshkol Nevo inzwischen auch international mit einer ganzen Reihe von hochkarätigen Auszeichnungen.

Nach seinem Einstieg nimmt Eshkol Nevo in seinem Roman Neuland den Leser zunächst mit auf die Reise von Dori, der sich auf die Suche nach seinem in Südamerika verschollenen Vater machen muss. Während dieser Reise, die Dori von Peru über Bolivien bis nach Argentinien führt, trifft er auf die Reisende Inbar. Intensive Gespräche und Neugierde, treiben die beiden dazu, Doris Suche gemeinsam zu Ende zu bringen. Dieser Weg führt den Leser aber nicht nur an die verschiedensten Orte Südamerikas, sondern lässt die beiden Protagonisten gleichsam ihre gesamten Lebensgeschichten bis hinein in die älteren Generationen durchdenken.

Eshkol Nevo spart dabei nicht daran, die jüdische Geschichte mitsamt der Judenverfolgung, dem Zweiten Weltkrieg, Flucht, das Jerusalemproblem, Sexgebahren im Kibbuz und Bildung von Frauen gleich mit aufzuarbeiten. Der 634 Seiten umfassende Roman vermittelt einem nicht nur einmal den Eindruck: Etwas weniger hätte es auch getan.

Aufgrund des feinen Stils aber, mit dem Eshkol Nevo seinen Figuren, den Landschaften und den Geschehnissen Leben einhaucht, verzeiht man ihm einige Umwege.

Ein Roman, der vom Leser viel Allgemeinbildung einfordert, der aber auch zum Nachdenken anregt, über Liebe, Versäumnisse und die Nutzung von Lebenszeit.

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Rezension zu "Über uns" von Eshkol Nevo

Nevos freundlicher Blick auf die Menschen
WinfriedStanzickvor 5 Monaten



Eshkol Nevo zählt seit langem zu den erfolgreichsten Schriftstellern in Israel. Viele seine Romane sind auch in Deutschland veröffentlicht worden und nicht nur der Rezensent schätzt seine unabhängige Stimme.

Sein neuer Roman beschreibt die Menschen, die in einem dreistöckigen Haus in einem bürgerlichen Vorort von Tel Aviv wohnen. Jedem Stockwerk und seinen Bewohner widmet er ein großes Kapitel und deckt deren Lügen und Selbsttäuschungen schonungslos auf.  Doch obwohl er in die dunklen Lebensecken der Bewohner sein grelles Licht richtet, bleibt er seinen Figuren gleichwohl wohlgesonnen. Er fühlt mit ihnen und richtet sie nicht. Und dennoch ist er überzeugt davon, dass sie so nicht weiteröleben können, wollen sie nicht am Leben völlig vorbeigehen.

Vom ersten bis zum  dritten Stock arbeitet sich Nevo durch dieses Haus, dessen Bewohner durch vielfältige Lebensfäden miteinander verbunden bzw. verstrickt sind.

Im ersten Stock des Hauses leben Ayelet und Arnon. Seit Ayelet mit der mittlerweile siebenjährigen Tochter schwanger war, haben die beiden Probleme mit ihrem Sexleben.  Nebenan wohnen Ruth und Hermann, ein älteres Ehepaar, die gerne auf die Tochter der jungen Nachbarn aufpassen, wenn diese mal wieder versuchen, ihre Probleme ins Lot zu bringen.
Arnon verdächtigt den etwas dementen Hermann, sich seiner Tochter ungehörig genähert zu haben. Doch was nach vielen Befragungen sich herausstellt, ist Arnons Problem mit seinem eigenen Liebesleben.

Chani ist eine frustrierte Frau, emotional vernachlässigt von einem permanent auf Geschäftseise weilenden Ehemann. Sie wohnt dort mit ihren beiden Kindern. Sie hat ein Verhältnis mit dem kriminellen Bruder ihres Ehemanns, das sie trotz aller Gefahren wieder zu sich selbst kommen lässt.

Im dritten Stock wohnt Dvorah, eine pensionierte Richterin. Sie lebt im Schatten ihres verstorbenen Ehemanns, von dem sie sich zu befreien sucht, indem sie ihm ihre Lebensbeichte auf den Anrufbeantworter spricht.

Seine drei Erzählungen über seine drei Protagonisten hat Eshkol Nevo an das Strukturmodell der menschlichen Seele von Sigmund Freud angelehnt.
Sehr warmherzig und dennoch schonungslos lässt Nevo seine Figuren die drei Instanzen Ich, Es und Über-Ich darstellen. Drei Menschen richten ihre Monologe an drei unterschiedliche Hörer. Menschen sind das, die in großes seelischer Bedrängnis sich befinden. Menschen, denen plötzlich, während sie sich redend zu öffnen versuchen, klar wird, dass etwas in ihrem Leben schief gelaufen ist. Alle drei sind sie an einem Punkt angelangt, der sie zwingt, zu reden.

Der Leser ist in der Zuhörerrolle, und weil die Geschichten der Protagonisten so voll sind mit Alltagserfahrungen, wird er sich in manchem wiederentdecken.

Nevos freundlicher Blick auf die Menschen ist es, die jene zu Wort kommen lässt, die sonst schweigen und deshalb in Einsamkeit, Schuld oder Enttäuschung untergehen.





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Rezension zu "Über uns" von Eshkol Nevo

Ein Freud-en-haus...
pardenvor 8 Monaten

EIN FREUD-EN-HAUS...

Arnon und Ayelet haben seit der Schwangerschaft Probleme mit dem Sex. Damit die Dinge wieder ins Lot kommen zwischen ihnen, passen Ruth und Hermann, das reizende ältere Ehepaar von nebenan, gern auf ihre kleine Tochter auf. Ein Stockwerk drüber hadert Chani Doron, die »Witwe« (ihr Mann ist ständig auf Geschäftsreise), mit ihrem Leben und Dvorah Edelman, ehemalige Richterin und tatsächlich verwitwet, träumt in der obersten Etage nachts davon, ihr Über-Ich werde amputiert. Lügen und Selbsttäuschung durchdringen Alltag und Familienleben. Nevo wirft Licht in die dunklen Winkel der menschlichen Natur und ist seinen Figuren zugleich mitfühlender Freund. Einfach davonkommen aber lässt er sie nicht ...

Zentraler Schauplatz in diesem Buch ist ein dreistöckiges Haus in einem bürgerlichen Vorort von Tel Aviv ('Bourgeoisistan'). Kein Unkraut wächst zwischen den Platten auf dem Bürgersteig, kein lauter Streit dringt durch die Wohnungstüren, im Treppenhaus begegnet man sich höflich. Doch in den eigenen vier Wänden geht es zuweilen anders zu.

Der Autor widmet sich nacheinander allen drei Etagen des Hauses, wodurch der Leser die Möglichkeit hat, die dort wohnenden Parteien näher kennenzulernen. Im Grunde sind es dadurch jedoch drei Geschichten, die sich von unten nach oben durch die Stockwerke bewegen, ohne wirklich eng miteinander verknüpft zu sein - eben so, wie auch die Nachbarschaft lediglich eine lose ist.

Im Erdgeschoss wohnt eine junge Familie mit zwei Kindern, und zwischen den Eltern ist seit der letzten Geburt das Sexleben zum Erliegen gekommen. Der Familienvater bemüht sich sehr, seiner Rolle gerecht zu werden, verrennt sich jedoch bald in die Vorstellung, dass der alte Nachbar von nebenan, der gelegentlich gemeinsam mit dessen Frau auf seine ältere Tochter aufpasst, sich an der 7Jährigen vergangen haben könnte. Je mehr er darüber nachdenkt, desto mehr steigert er sich in diese Idee hinein, bis alles in eine unumkehrbare Schieflage gerät...

In der Etage darüber wohnt eine vom Leben frustrierte Frau, die von den anderen Hausbewohnern hinter vorgehaltener Hand als 'Witwe' bezeichnet wird. Ihr Mann ist jedoch nur ständig auf Geschäftsreise, so dass sie für die Kinder alleine verantwortlich ist. Ständig zu Hause, wächst ihre Unzufriedenheit, und sie beginnt an allem zu zweifeln, v.a. an ihren eigenen Fähigkeiten - und an ihrer Wahrnehmung. Als der kriminelle Bruder ihres Ehemanns plötzlich bei ihr auf der Schwelle steht, beginnt sie mit diesem eine Affäre. Oder vielleicht doch nicht?

Im obersten Stockwerk schließlich lebt eine verwitwete pensionierte Richterin, die versucht, sich von dem übermächtigen Schatten ihres toten Ehemanns zu befreien. Auch das Zerwürfnis mit ihrem einzigen Sohn versucht sie zu kitten, was zu Lebzeiten ihres Mannes nicht mögich war.

Eshkol Nevo lässt die drei Personen ihre Geschichte jeweils selbst erzählen - Monologe, die in unterschiedlicher Form präsentiert werden. Der junge Familienvater aus dem Erdgeschoss erzählt seine Gedanken einem nicht näher bezeichneten Freund, die Frau aus der Etage darüber schreibt einer Freundin einen langen Brief, und die Richterin spricht ihrem Mann auf einen in der Schublade gefundenen Anrufbeantworter - in zweiminütigen Sequenzen, jeweils vom Piepton unterbrochen. Einen zusammenhängenden Roman ergibt das in meinen Augen nicht, auf bereits zurückgelassene Etagen geht die Erzählung anschließend kaum noch ein, höchstens einmal durch eine flüchtige Bemerkung.

Hat mich die Tatsache schon gestört, dass es sich hierbei kaum um einen Roman handelt, fand ich es noch viel ärgerlicher, dass mir die Schilderungen der ersten beiden Etagen einfach nicht gefallen haben. Unbeherrscht und sexbesessen der junge Familienvater, abgedreht und nahe am Wahnsinn die Frau aus dem Stockwerk darüber - keine angenehmen Zeitgenossen, und die Handlungen rund um die beiden waren für mich bestenfalls verstörend, was dazu noch jeweils offen endete, so dass ich mit den Geschichten in der Luft hängen gelassen wurde.

Die abschließende Geschichte um die Richterin allerdings hat mir gut gefallen - ein wenig ausgeschmückt hätte mir diese vollkommen als Roman gereicht, und auch so hätte ich einen kleinen Einblick in die gesellschaftliche Lage in Israel erhalten, was wohl in der Intention des Autors lag.

Nicht aufgegangen dagegen wäre dann jedoch bei nur einer Geschichte das Konzept, das Eshkol Nevo seinem Roman zugrunde gelegt hat. Er hat das Haus so gestaltet, dass es das Drei-Instanzen-Modell der Psyche nach Freud repräsentiert: unten das Es (Triebe, Bedürfnisse, Affekte, handelnd nach dem Lustprinzip), in der Mitte das Ich (bewusstes Denken, Selbtsbewusstsein, Regulativ zwischen Es und Über-Ich), und schließlich ganz oben das Über-Ich (Normen, Werte, Gehorsam, Moral, Gewissen). Wem sich dieser Gedanke nicht aufdrängt, dass es sich hier um ein Freud-en-haus handelt und wer sich dazu auch noch nicht das Literarische Quartett vom 20. April 2018 angesehen hat, dem wird diese Interpretation im dritten Teil des 'Romans' demonstrativ (und wortwörtlich) aufgedrängt...

Dieser Interpretationsansatz ist zwar innovativ und erklärt auch einige Aspekte der Erzählung, wirkt für mich aber schon arg konstruiert und experimentell. Da wurde die Erzählung mühsam über ein Konstrukt gestülpt, was ich persönlich als zu gewollt empfand. Als ich in der Vita des Autors las, dass er vor einiger Zeit Psychologie studiert hat, erklärte sich mir, wie Eshkol Nevo auf die Idee kam - doch gefallen hat mir dieser Aufbau letztlich nicht. Auch die häufigen Verweise und Anspielungen auf Psychologen in Israel, seien sie auch noch so ironisch vorgebracht, erzeugten bei mir allenfalls ein müdes Lächeln. Den Einblick in die heutige israelische Gesellschaft dagegen fand ich durchweg interessant.

Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, doch hat mir die Form mit den drei doch recht isoliert stehenden Geschichten nur mäßig gefallen. Die dritte Erzählung gefiel mir am besten und hat letztlich für den dritten Stern gesorgt - und mich mit dem Rest halbwegs versöhnt... 

© Parden

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Eshkol Nevo wurde am 01. Januar 1971 in Jerusalem (Israel) geboren.

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