Fisch-Mafia

von Eskil Engdal und Kjetil Sæter
5,0 Sterne bei1 Bewertungen
Fisch-Mafia
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Inhaltsangabe zu "Fisch-Mafia"

Die Paten der Fisch-Mafia

Das Geschäft mit dem Antarktisdorsch ist illegal - und lukrativ. Genau wie Drogenhandel. Von Polizei und Behörden unbehelligt spült eine Flotte von Piraten-Trawlern ihren Eignern zweistellige Millionenbeträge in die Taschen. Jahr für Jahr - dem »weißen Gold« sei Dank. Der Umweltorganisation Sea Shepherd ist es gelungen, den Trawler »Thunder« zu stellen. Bevor dessen Kapitän sein Schiff eigenhändig versenkte, konnte Sea Shepherd noch wichtige Dokumente und Beweise von Bord retten. Die preisgekrönten Journalisten Engdal und Sæter schildern in ihrem Buch »Fisch Mafia« die dramatischen Ereignisse auf See und nehmen im Anschluss die Spur zu den Eignern des Schiffes auf: Sie führt zum Mafia-Clan Vidal Armadores im spanischen Galicien und endet (vorerst) vor dem obersten Gerichtshof des Landes.

- Ein atemberaubendes Buch über den Kampf gegen Wirtschaftskriminalität auf hoher See.
- Für Leser von Günter Wallraff, Hans Leyendecker und Jürgen Roth.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783593506715
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:339 Seiten
Verlag:Campus
Erscheinungsdatum:17.08.2017

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    R_Mantheys avatar
    R_Mantheyvor 10 Monaten
    "Aktivisten" gegen "la mafia gallega"

    Seit langem war bekannt, dass gewisse Trawler im Südpolarmeer den schwarzen Seehecht (oder Antarktisdorsch) in einem Gebiet fischen, wo dies verboten ist. Offenbar ist dieser Fisch eine Delikatesse, für die viel Geld bezahlt wird. Zum Fischen benutzt man mehrere Kilometer lange Netze, die bis in Tiefen von 2500 Metern abgelassen werden. Die sechs gesuchten Schiffe kannte man von Fotos. Ihre Namen wechselten nach Bedarf, und die Umschlaghäfen waren so gut wie unbekannt, denn sonst hätte man die Trawler dort festsetzen und ihre Fracht untersuchen können.

    Offenbar bemühten sich Staaten wie Australien oder Neuseeland mehr schlecht als recht um die Sicherung der Schutzzonen und versagten jämmerlich beim Aufspüren und Verfolgen der Schurkenschiffe. Mehr noch, die Durchsetzung des Verbots oder die Ahndung seiner Verletzung scheinen ebenso wenig durchdacht wie klar zu sein. Das kann man übrigens auch in diesem Buch nachlesen, denn selbst nachdem bekannt wurde, dass spanische Staatsbürger dieses Verbot missachtet hatten, entschied der Oberste Gerichtshof Spaniens, dass eine Strafbarkeit nicht gegeben ist, weil die Tat nicht in spanischen Gewässern geschah.

    In ihrem Buch schildern die zwei norwegischen Autoren, wie ein Schiff der Organisation "Sea Sherpherd" eines dieser gesuchten Fangschiffe im Südpolarmeer aufspürte und anschließend monatelang verfolgte. Die Bob Barker von Sea Sherpherd war besser ausgerüstet und besser auf eine solche Aktion vorbereitet als die aufgespürte Thunder. Beide Schiffe belauerten sich, Interpol war eingeschaltet, ebenso wie einige westafrikanische Hafenbehörden, denn die Thunder lief mit unklarem Kurs nach Norden. Als ihr der Treibstoff ausging, versenkte der Kapitän sein Schiff mit fast allen Beweisen an Bord und ließ sich anschließend von seinen Verfolgern retten. Die brachten die Truppe schließlich nach Sao Tome und Principe, wo die drei Anführer verurteilt wurden. Allerdings nicht wegen des illegalen Fischfangs, sondern wegen der absichtlichen Grundlegung ihres Schiffes. Die drei Herren saßen ihre Strafe auf der Hauptinsel in einer luxuriösen Villa ab.

    Diese recht spannend erzählte Geschichte wirft jedoch mehr Fragen auf als sie Antworten darauf hat. Es existiert also ein klar definiertes Gebiet im Südpolarmeer, in dem das Fischen verboten ist. Tatsächlich aber bleibt offen, was dieses Verbot eigentlich bedeutet, wenn seine (wie im Falle Spaniens) Verletzung gar nicht verfolgt werden kann. Das Gebiet, um das es geht, liegt in internationalen Gewässern. Nun kann man argumentieren, dass es unsere moralische Pflicht ist, die Fischbestände zu schützen. So lange das jedoch nicht überall in ein durchsetzbares Recht umgesetzt werden kann, verpuffen solche Appelle wirkungslos.

    Bei dieser Ausgangslage kommen nun private Vereinigungen wie Sea Shepherd ins Spiel, die sich auf das Verbot berufen und sich mit der Pose einer moralischen Überlegenheit oft am Rande des Rechts bewegen oder diesen Rand gerne auch einmal übertreten. Schiffe von Sea Sherpherd rammen im geglaubten Besitze irgendeines selbstbestimmten moralischen Rechts auch schon einmal Schiffe der norwegischen Küstenwache oder vollführen halsbrecherische Manöver auf hoher See, die nicht immer das Seerecht beachten. In dem im Buch berichteten Fall verlief jedoch alles im Rahmen des Erlaubten. Finanziert wird Sea Shepherd übrigens von einem US-Milliardär.

    An Land würde das Vorgehen von Sea Shepherd, so löblich es in diesem Fall auch war, bedeuten, dass sich private Organisationen ein gewisses Polizeirecht anmaßen, was nicht unbedingt ein Weg in eine klar strukturierte und verlässliche Gesellschaft wäre. Auf See liegen die Dinge offenbar etwas anders, weil die Meere groß sind und ihre Überwachung kaum darstellbar ist.

    Mit der spannend erzählten Geschichte kommen wohl erstmals die damit verbundenen ungelösten Probleme in den Blickpunkt einer breiteren Öffentlichkeit. Insofern kann man dieses Buch nur loben.

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