Der große Bruder

von Esther Gerritsen 
3,9 Sterne bei13 Bewertungen
Der große Bruder
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Lebenskrise neu gemeistert

eulenmatzs avatar

Eindrucksvoll, kurzweilige Unterhaltung über eine Familie, die sich neu ordnen muss

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Inhaltsangabe zu "Der große Bruder"

Als Olivias großer Bruder Marcus sich nach Jahren wieder meldet, sind es nur noch fünf Minuten bis zu ihrem Gesellschaftermeeting. Er ist auf dem Weg in den Operationssaal, wo ihm das Bein amputiert werden soll. Bisher hatte Olivia alles unter Kontrolle. Eigentlich hatte sie immer die Rolle der großen Schwester gespielt. Doch nun muss sie das Meeting abbrechen, weil ihr die Sprache versagt. Kurz darauf zieht Marcus bei ihrer Familie ein und bringt alles durcheinander. Am Ende weiß sie nicht mehr, wer der Fremdkörper ist, wessen Leben gerade auf der Kippe steht, seines oder ihres.
Präzise und mit viel Humor erzählt Ester Gerritsen von den Geheimnissen und Missverständnissen, die eine Familie verkraften muss, und der Liebe, die trotzdem alles zusammenhält.
»Mit ‚Der große Bruder‘ beweist Esther Gerritsen ihr besonderes Gespür für Sätze, die ins Schwarze treffen, und Dialoge, die gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Alltäglichkeit und Absurdität balancieren.« de Volkskrant

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783351037024
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:132 Seiten
Verlag:Aufbau Verlag
Erscheinungsdatum:16.02.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    hexegilavor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Lebenskrise neu gemeistert
    Prioritäten neu gesteckt

    Kurzbeschreibung
    Auf einem Bein kann man nicht stehen

    Als Olivias großer Bruder Marcus sich nach Jahren wieder meldet, sind es nur noch fünf Minuten bis zu ihrem Gesellschaftermeeting. Er ist auf dem Weg in den Operationssaal, wo ihm das Bein amputiert werden soll. Bisher hatte Olivia alles unter Kontrolle. Eigentlich hatte sie immer die Rolle der großen Schwester gespielt. Doch nun muss sie das Meeting abbrechen, weil ihr die Sprache versagt. Kurz darauf zieht Marcus bei ihrer Familie ein und bringt alles durcheinander. Am Ende weiß sie nicht mehr, wer der Fremdkörper ist, wessen Leben gerade auf der Kippe steht, seines oder ihres.

    Präzise und mit viel Humor erzählt Ester Gerritsen von den Geheimnissen und Missverständnissen, die eine Familie verkraften muss, und der Liebe, die trotzdem alles zusammenhält.

    »Mit ‚Der große Bruder‘ beweist Esther Gerritsen ihr besonderes Gespür für Sätze, die ins Schwarze treffen, und Dialoge, die gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Alltäglichkeit und Absurdität balancieren.« de Volkskrant

    Danke an Netgalley und dem Verlag für die Bereitstellung dieses tollen EBooks. Meine Meinung wurde dadurch in keinster Weise beeinflusst.

    Zum Buch
    Das Cover hat mich nicht sehr angesprochen, dafür der Klappentext umso mehr.
    Der Schreibstil ist Locker und Flüssig und die Story auch absolut nachzuempfinden.
    Die Geschichte zeigt, wie schnell eine Krankheit das Leben durcheinander wirft und Prioritäten anders gesteckt werden müssen.
    Von mir eine Leseempfehlung mit 5 Sterne

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    eulenmatzs avatar
    eulenmatzvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Eindrucksvoll, kurzweilige Unterhaltung über eine Familie, die sich neu ordnen muss
    Familienbande

    INHALT:

    Als Olivias großer Bruder Marcus sich nach Jahren wieder meldet, sind es nur noch fünf Minuten bis zu ihrem Gesellschaftermeeting. Er ist auf dem Weg in den Operationssaal, wo ihm das Bein amputiert werden soll. Bisher hatte Olivia alles unter Kontrolle. Eigentlich hatte sie immer die Rolle der großen Schwester gespielt. Doch nun muss sie das Meeting abbrechen, weil ihr die Sprache versagt. Kurz darauf zieht Marcus bei ihrer Familie ein und bringt alles durcheinander. Am Ende weiß sie nicht mehr, wer der Fremdkörper ist, wessen Leben gerade auf der Kippe steht, seines oder ihres.
    Präzise und mit viel Humor erzählt Ester Gerritsen von den Geheimnissen und Missverständnissen, die eine Familie verkraften muss, und der Liebe, die trotzdem alles zusammenhält.


    MEINUNG:

    Das schmale Büchlein hatte ich innerhalb von 1,5h durchgelesen. Ester Gerritsen hält sich hier auch nicht mit großartigen Details auf, sondern die Geschichte beginnt gleich mit dem Telefonat zwischen Olivia und Marcus. Beide haben bisher eigentlich kein sonderlich inniges Verhältnis miteinander gehabt, dennoch ist Olivia trotzdem sofort zur Stelle als Marcus das Bein amputiert wird.


    Gleichzeitig bekommt Einblick in Olivia als Charakter, ihre Ehe und ihre Kinder. Olivia wirkt recht kühl und unnahbar und gerade deswegen bringt sie die Tragödie um ihre Bruder so aus dem Tritt. Warum Olivia so ist, wie sie ist, wird auch erklärt und es gibt dazu Einblicke in ihre Kindheit.


    Als Marcus bei Olivia, ihrem Mann und ihren beiden Söhnen einzieht, scheint das Chaos perfekt. Olivia macht das ohne zu zögern. Ihre drei Männer sind anfangs noch sehr skeptisch, doch gleich das erste Abendbrot mit Marcus, der sehr feinfühlig und offen ist im Gegensatz zu Olivia, löst bei den dreien etwas aus, womit Olivia noch zu kämpfen hat. Marcus hat einen starken Einfluss, auch auf ihre Kollegen und ihren Arbeitgeber. Die Autorin zeigt dennoch auch die Reibungspunkte, die plötzlich ausgelöst werden zwischen Olivia und Marcus, aber auch zwischen Olivia und ihrem Mann. Alles gerät scheinbar erstmal in Schieflage. Schnell wird aber klar, dass Marcus für alle ein Gewinn ist. Nur Olivia kann sich dem nicht richtig öffnen.


    FAZIT:

    Sowohl die Kürze als auch die relativ große Schrift machten die Geschichte zu einem kurzen Lesevergnügen, welches aber durchaus nachwirkt und innerhalb seines Rahmens sein Optimum rausholt ohne groß Drumherum zu reden. Für mich ist es mehr Kurzgeschichte als Roman gewesen.

    Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

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    T
    Tynesvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Der große Bruder
    Der große Bruder

    Esther Gerritsen - Der große Bruder

    eBook - 129 Seiten

     

    Hmm, auch Stunden, nachdem ich es gelesen habe, frage ich mich noch immer, was genau die Autorin hier eigentlich zum Thema machen wollte…

    Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

    Eine Midlife-Crisis?

    Das Auseinanderleben von Geschwistern?

    Die Zerrüttung in der eigenen Familie?

    Das eigene innere Zerwürfnis?

    Ich denke, es wird eine Mischung aus all diesen verschiedenen Themen sein.

    Diese Vielfalt an Themen auf den doch recht wenigen Seiten scheint mir auch der Hauptgrund gewesen zu sein, weswegen ich weder mit der Geschichte noch mit den Protagonisten warm geworden bin.

    Olivia nervt einfach nur mit ihren Selbstzweifeln und den sich ständig ins Gegenteil wandelnden Gedanken.

    Marcus' Geschichte wird leider nur kurz angerissen, wobei hier meiner Meinung nach noch das größte Potential steckt.

    Der Ehemann unzufrieden mit der Gesamtsituation, die Kinder anfangs aufmüpfig und respektlos.

    Am Ende steht die Aussicht auf Friede, Freude, Eierkuchen - aber das muss sich der Leser leider denken.

    Auch hier wäre in meinen Augen viel Potential, um der Geschichte mehr Leben einzuhauchen.

    Einzig den Schreibstil empfand ich als recht angenehm, die Geschichte war leicht und verständlich zu lesen.

     

    * digitales Rezensionsexemplar von NetGalley & Aufbau Verlag

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    Anteks avatar
    Antekvor 7 Monaten
    4,5 Sterne für ein Leben auf dem Prüfstand

    „Olivia und Marcus waren einander nicht wichtig, darin waren sie sich einig, Was Olivia bei der Vorstellung empfand, dass sie ihm sein Bein abnehmen würden, überfiel sie deshalb wie ein Dieb die Nacht.“


    Seit vier Monaten ist Olivia Finanzleiterin der maroden Firma Porzellan & Geschirr Kyvon und hat sich zum ehrgeizigen Ziel gesetzt dieses Amsterdamer Traditionsunternehmen zu retten. Für ihre Familie bleibt deshalb wenig Zeit. Inzwischen kann sie schon behaupten „aus den desaströsen Zahlen berappelt“, was sie beim Gesellschaftermeeting, das in wenigen Minuten beginnt, verkünden will. Genau in diesem Moment erreicht sie ein Telefonanruf ihres Bruders, dass er auf dem Weg in den Operationssaal sei und sie sein Bein wahrscheinlich abnehmen werden. „Marcus war ein lausiger Zuckerpatient, der seine Ärzte in den Wahnsinn trieb“, Olivia macht sich daher zunächst nicht allzu große Sorgen, aber inmitten des Meetings ist sie nicht mehr fähig an etwas anderes zu denken. Sie muss das Meeting verlassen.


    Marcus tritt nach Jahren ohne Kontakt schlagartig wieder in ihr Leben und stellt alles auf den Kopf. Olivia weiß weder wo ihr Bruder derzeit wohnt, „Er ist vor kurzem in irgendeinen Ferienpark gezogen.“, „Letztes Jahr, oder das Jahr davor, ich weiß es nicht mehr.“, noch hat er ihr verraten, wo ihm das Bein abgenommen werden soll. Scheinbar völlig abgeklärt ruft sie ihren Sohn an, „Ich muss wissen, in welchem Krankenhaus Onkel Marcus liegt. Ich gebe dir zweihundert  Euro, wenn du es innerhalb einer halben Stunde schaffst, ihn zu finden. Für jede Minute, die du länger brauchst, gibt es einen Euro weniger.“, und schon wenig später steht sie an dessen Krankenbett.


    Olivia lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann Gerard und ihren zwei Söhnen Tom und Julius in einem sterilen, viel Raum bietenden Stadthaus. Haushalt, Familie versorgen und Job, Olivia will überall perfekt sein, nur Gefühle sind nicht so ihr Ding. Welch ein Glück, dass Gerard und sie beide „Sentimentalitäten ablehnten“, oder war das gar nicht so? Das ist nur eine der Fragen, auf die Olivia Antworten suchen muss, weil mit dem Einzug ihres Bruders plötzlich alles ganz anders ist. „Kummer-War dieses Wort jemals in ihrem Haus laut ausgesprochen worden?“. Sind mit ihrem Bruder auch Emotionen eingezogen?


    Als Leser darf man die Entwicklungen, die ausgelöst durch den Besuch von Marcus, die Tatsache, dass er seinen Gefühlen und Tränen freien Lauf lässt, die Träume von Gerard und den beiden Söhnen ernst nimmt und sich auch überall einmischt, mit Olivia vorgehen verfolgen.


    Der eher nüchterne Sprachstil liest sich locker, leicht und die kurze Geschichte ist schnell verschlungen. Der Autorin gelingt es auf den wenigen 130  Seiten sehr gut eine gelungene Charakterdarstellung von Olivia zu zeigen, allerdings muss man dazu auch zwischen den Zeilen lesen. Sätze wie „Der Rollstuhl passte nicht schlecht zur Einrichtung. Der Reifen, der Stahl und das Leder verbanden Marcus mit dem Haus.“, bereiten beim Lesen ein bittersüßes Lächeln. Humor im üblichen Sinne durch schlagfertige Dialoge oder Situationskomik, habe ich nicht gefunden.


    Ich konnte mich zu großen Teilen gut in Olivia hineindenken und –fühlen. Die Eltern, viel mit dem eigenen Gemüseladen beschäftigt, hatten wenig Zeit für Zwischenmenschliches und sie hat wohl schon immer um Anerkennung gekämpft. Jetzt einsehen zu müssen, dass sie vielleicht selbst Schuld trägt am schlechten Verhältnis zu ihrem Bruder Marcus und auch, dass ihre Familie eigentlich in einer Krise steckt, die sie bisher gar nicht bewusst wahrgenommen oder verdrängt hat, ist sicher nicht einfach. „Das hier war plötzlich das Einzige was zählte: nicht, dass ihre Söhne sie unmöglich fanden und ihr Mann sich an ihr störte, sondern dass ihr Bruder es nicht sehen durfte. Sie wollte im diesem Moment nur, dass er sah wie gut sie es machte. Wie sehr ihre Familie sie liebte.“, ist ein eindeutiger Beweis dafür, wie schwer sie sich damit tut. Sich einzugestehen, dass man sich insgeheim doch Nähe wünscht, auch das ist sicher für einen unterkühlten Menschen wie sie sehr schwer. „In einer Panik, die sie nicht begriff, stand sie über das verschwundene Bein gebeugt da“ Wie konnte sie das Bein eines Mannes vermissen, den sie in seiner Gänze nie vermisste?“


    Die Autorin erzählt aus der Perspektive von Olivia, weshalb man ihr wohl am nächsten ist. Marcus war mir weder sympathisch noch unsympathisch. Gerard liebt seine Frau, fühlt sich aber vernachlässigt, weshalb er mir fast leid getan hat und auch die Söhne brauchen wohl von einer Mutter mehr als ein warmes Essen und ein aufgeräumtes Zimmer um glücklich zu sein. Die fünfzehn Gesellschafter sind ebenfalls interessant angelegt. Auch hier wollen die alten Familienmitglieder nicht wirklich sehen, was den jungen schon länger klar zu sein scheint.


    Alles in allem ein Roman, der zum zwischen den Zeilen Lesen und zum Nachzudenken, ob man im eigenen Leben vielleicht doch das eine oder andere aus dem falschen Blickwinkel sieht, anregt.

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    once-upon-a-times avatar
    once-upon-a-timevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Viel Inhalt trotz weniger Seiten - davon hätten es gerne mehr sein können. Hier wird viel dem Leser überlassen.
    Familienbande

    „Olivia kam gern genau pünktlich, niemals zu früh, um die Unordnung am Anfang nicht mit höflichen Floskeln füllen zu müssen.“ (S. 9)

    Nach langen Jahren, in denen der Kontakt eher spärlich war, führt das Schicksal Olivia und ihren Bruder nach einer Operation wieder zusammen. Langsam und gemeinsam mit dem Leser stellt Olivia fest, dass die ungeplanten Konfrontationen ihr eigenes bröckelndes Familienleben offenlegen.

    Bis heute bin ich mir nicht sicher, was ich von der Länge/Kürze dieses Romans halten soll. Auf der einen Seite ist es durchaus reizvoll, sich seinen Teil selbst zu denken: Erzählt wird im Prinzip nur das, was in wenigen Tagen passiert, wir erleben bloß die Veränderungen, die angestoßen werden. Das Ende ist daher nicht abgeschlossen, aber das ist das Leben schließlich auch nicht.
    Auf der anderen Seite könnte man unter Umständen geneigt sein, der Autorin Bequemlichkeit vorzuwerfen. Im Prinzip steckt da eine spannende Idee drin, die wurde auch ausgearbeitet, aber das ganze bleibt doch recht minimalistisch.

    Getragen wird das ganze durch die Charakterentwicklungen und die Entwicklungen der Verhältnisse zwischen den einzelnen Figuren, und auch hier findet sich wieder: Die einzelnen Entwicklungspunkte vollziehen sich im Verborgenen, wir bekommen nur sehr minimalistisch die Auswirkungen mit und müssen uns vieles selbst denken.
    Zu Beginn hatte ich ein paar Sympathieprobleme, besonders mit Olivia und ihrem Mann, doch das legte sich naturgemäß mit der Charakterentwicklung. Da sollte man also durchaus noch eine Chance geben.

    „„Alles nur Angst“, sagte Frau Derksen. „Die ist einfach da. Kann man nichts gegen machen.““ (S. 25)


    Insgesamt hat mir „Der große Bruder“ gut gefallen, es sollte einem nur vorher schon bewusst sein, dass eine gewisse „Eigenleistung“ notwendig ist. Wem das zu viel ist, der sollte von diesem Roman die Finger lassen.

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    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ein kleines Buch mit ein bisschen mehr Botschaft als es tragen kann.
    Gehaltvoller Snack

    Wie geht man damit um, wenn einen mitten im schnöden Alltag ein Notruf ereilt? Olivia gerät vollkommen aus dem Konzept. Seit Jahren hat sie ihren Bruder nicht gesehen, da ruft er sie aus dem Krankenhaus an mit einer Hiobsbotschaft. Möglicherweise wird gleich sein Bein amputiert. Er hat seine Zuckerkrankheit zu lange ignoriert und das ist die Quittung.

    Sie waren schon immer ganz verschieden und konnten wenig miteinander anfangen. Während Olivia vernünftig, zielstrebig Gefühlsduseleien verabscheut, lässt sich Marcus treiben, zieht von Ort zu Ort und ist nah am Wasser gebaut.
    Als sich Marcus plötzlich in einer dramatischen Ausnahmesituation befindet, ist dann doch Blut dicker als Wasser. Olivia nimmt ihn mit zu sich nach Hause und ist zum ersten Mal seit Jahren gezwungen, sich auf ihn einzulassen. Andere Menschen mögen ihn, ihren chaotischen Bruder.

    Sehr plakativ liegt hier das Thema auf dem Tisch. Sind wir, wie wir sind und das ist auch gut so? Oder sollte man vielleicht doch gelegentlich den Horizont erweitern, Neues ausprobieren? Haben unterschiedliche Lebensmodelle nicht vielleicht unterschiedliche Qualitäten? Und was bedeutet Familie? Ist die Familie ganz selbstverständlich der Anker, der einen hält in kritischen Zeiten?

    Dieses Buch ist kurz, sehr kurz sogar. Es liest sich leicht, die Seiten fliegen dahin. Und am Ende denkt man dann: Aha. Nicht mehr und nicht weniger. 
    Der Stil ist schlicht. Der im Klappentext erwähnte Humor ist mir entgangen.

    Ja, es lässt einen nachdenken über Dinge, die durchaus nachdenkenswert sind, nur berührt es nicht sehr, dazu ist es zu schnell vorbei. Es bietet einige spannende Ansätze, die angerissen aber nicht vertieft werden. Da ist z. B. die hübsche Parallele: Olivias Job ist es, ein marodes Familienunternehmen zu sanieren. Während die älteren Familienmitglieder die desaströse Lage ignorieren, halten die Jüngeren eine Geschäftsaufgabe für die beste Option. Und wenn dann der alte Firmenpatriarch mit Marcus angeln geht, winkt die Moral meilenweit mit dem Zaunpfahl.

    Für so viel Botschaft hätte ich mir mehr Gerüst gewünscht. Hier bekommt man mehrere Familiengeschichten im Schnelldurchlauf. Die grundsätzlich spannenden Figuren bleiben schemenhaft. Selbst Olivia kommt man nicht wirklich nahe.
    Ich denke, dieses Buch hätte den doppelten Umfang gebraucht, um diese doch recht große Idee zu verarbeiten.
    So ist es ein kleiner Snack, der den Appetit anregt, der aber durchaus die Zutaten für ein Gala-Diner gehabt hätte. Am Ende liegt es ein bisschen schwer im Magen.

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor 8 Monaten
    Esther Gerritsen - Der große Bruder

    Kurz bevor sie zu einem wichtigen Meeting muss, erhält Olivia einen verstörenden Anruf von ihrem Bruder Marcus, mit dem sie seit über einem Jahr nicht gesprochen hat. Er sei auf dem Weg in den OP und man wisse nicht, ob man sein Bein retten könne. Seit Jahren schon ist er Diabetiker und hat es nie so genau genommen mit dem, was die Ärzte empfohlen haben. Olivia kann sich nur noch kurz zusammenreißen, bevor sie ihren Arbeitsplatz verlässt und zum Krankenhaus eilt. Ihren Bruder erkennt sie kaum mehr wieder und die Amputation war tatsächlich nicht vermeidbar. Schuldgefühle überkommen sie und so bietet sie Marcus an, bei ihr und ihrer Familie vorläufig unterzukommen, nicht ahnend, dass dies ihre Balance völlig zum Wanken bringen und sie die Kontrolle über ihr Leben verlieren wird.

    Esther Gerritsens Roman, aufgrund der Länge wohl eher Novelle, zeichnet nach, wie schnell das fragile Gebilde Alltag zum Wanken und Einstürzen kommen kann. Dank der Arbeit und den zahlreichen Aufgaben rund um die Familie kann die Protagonistin lange Zeit die Augen vor den tatsächlichen Problemen verschließen und immer weitermachen. Keine Zeit für die Beziehung und ihren Mann, keine Zeit für die Frage, was sie selbst eigentlich vom Leben erwartet, keine Zeit für ihren Bruder und dessen Sorgen. Erst durch die Durchbrechung des Alltags mit dem Einzug von Marcus werden all die verdeckten Konflikte zum Vorschein gebracht.

    Besonders gelungen ist der Autorin zu zeigen, wie ein Mensch versucht, den Schein zu erhalten, hinter der äußerlich sichtbaren Fassade funktioniert und doch schon spürt, wie langsam alles einreißt und vom Zusammenbruch bedroht ist. Auch die säuberliche Trennung zwischen Beruf und Privatleben wird zwangsweise aufgehoben und plötzlich drohen die beiden Selbstbilder miteinander zu kollidieren. Authentisch wirken ihre Figuren allesamt, der nachlässige Bruder ebenso wie der Ehemann, der seine Sorgen und Nöte für sich behält, bis die Katastrophe sich nicht mehr aufhalten lässt. Allen voran jedoch Olivia, die zwischen den Erwartungen der Außenwelt und ihrer Gefühlswelt ins Chaos gerät und sich plötzlich mit essentiellen Fragen konfrontiert sieht.

    Ein kleiner Denkanstoss, der einlädt, einen Blick auf das eigene Lebenskonstrukt zu werfen.

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    Daniel_Allertseders avatar
    Daniel_Allertsedervor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ein angenehmer Roman
    Ein angenehmer Roman

    Meine Meinung

    Dieser kleine, schmächtige Roman war ganz anders als erwartet - »Der große Bruder« ist ein Hilfeschrei, eine Transformation, ein Wiederfinden und ein Entdecken der Wahrheit. Olivia ist nämlich nicht ganz angetan von der plötzlichen Aufnahme des eigenen Bruders, der vor Kurzem auf Grund von Diabetes sein Bein verloren hat. Marcus ist ein Trottel. Ein Idiot, wie ihn nicht nur Olivia nennt, sondern auch ihre Kinder und ihr Ehemann. Marcus aber bringt – anders wie erwartet – keinen Kummer und kein Chaos – zumindest nicht langfristig. Marcus bringt etwas ganz Anderes, etwas lebhaftes, Erinnerungsfetzen, Memoiren alter Tage, eine lebhafte Parodie von Olivias Vergangenheit, mit der mit Pfannkuchen um sich werfenden Oma, mit den Eltern, dem Schlafzimmer im Keller (nein, warten Sie, im Souterrain) und den Konfrontationen zwischen Marcus und Olivia. Herrlich leicht erzählt Esther Gerritsen in ihrem Buch über die unsichtbare Mauer, die nach und nach eingerissen wird, über Lügen, die gar keine Lügen sind, über Verständnisse und Hilfsbereitschaft. Auch über Familie, denn die Figuren in dem Buch müssen zusammenhalten, miteinander weiterleben. Dabei werden die Charaktere Tom, Julius und Gerard sehr stark beleuchtet – keinesfalls Statisten, wahre Helden inmitten der Geschichte, wichtige Figuren, doch am stärksten sticht doch Olivia heraus, die nicht nur allerhand Probleme mit der Firma hat, die sie zurzeit betreut, sondern auch mit ihrem Bruder, der mit nur einem Bein das Leben ihrer Familie aufmischt, das Leben von sich selbst und das Ihre. Esther Gerritsen fokussiert sich hierbei sehr stark auf die Emotionen und die Gedankengänge von Olivia – wie entwickelt sich diese klaffende Wunde, wie entwickelt sich dieses fest versponnene Garn? Kann Marcus diesen entwirren, oder droht die Wunde zu zerreißen? Wie stark sind Esther Gerritsens Charaktere? Und was kann eigentlich so ein großer Bruder alles anstellen? Mit einem parataktischen Schreibstil und authentischen Figuren beschreibt die Niederländische Autorin ihre Geschichte, die nicht nur unterhält, sondern auch lehrt, die beweist, dass fünf Jahre etwas bewirken können – im Positiven wie auch im Negativen, und dass es kein »Beinbruch« sein muss, um wieder zueinander zu finden.

    Fazit

    Eine kurzweilige, unterhaltsame Lektüre über den großen Bruder, der das Leben der Schwester auf den Kopf stellt, und eine Moral, die zeigt, dass keine großen Wunden nötig sind, um das Band der Familie wieder zu festigen.

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    seschats avatar
    seschatvor 8 Monaten
    Eine Familie auf dem Prüfstand

    INHALT
    Olivia ist Leiterin der Finanzen in der Amsterdamer Firma Porzellan & Geschirr Kyvon. Sie nimmt ihren Beruf sehr ernst und arbeitet daher gern auch mal, zum Leidwesen ihrer Familie, nach Feierabend weiter. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Gerard, einen Zahnarzt, und den zwei Söhnen Tom und Julius im Teenageralter lebt sie in einem kleinen Stadthaus. Emotionen und Neuanfänge sind nicht so ihr Ding. Sie mag es wohlgeordnet und gleichförmig.

    Als eines Tages ausgerechnet Olivias Bruder Marcus nach Jahren der Funkstille wieder in ihr Leben tritt, steht plötzlich ihr ach so toll arrangiertes Leben auf dem Prüfstand. 

    MEINUNG
    Esther Gerritsens kleine Erzählung widmet sich dem Themenfeld Vereinbarung von Familie und Beruf in der Mitte des Lebens. Während Protagonistin Olivia noch einmal beruflich durchstarten will, ist ihr Ehemann Gerard von der Arbeit gestresst und wünscht sich mehr Zeit mit seiner Frau. Dann wäre da noch der schwer zuckerkranke Bruder Marcus, der sich klammheimlich in Olivias Familienhaus einnistet. Olivia ist damit alles andere als zufrieden, macht sich ständig Vorwürfe und zerbricht fast an ihren eigenen Ansprüchen und ihren unterdrückten Emotionen. Kurzum, Gerritsens Familiengeschichte bietet viel zwischenmenschliches Drama und vor allem eine hin und her schwankende Hauptprotagonistin. Wobei bewusst gesetzte Rückblenden in die Kindheit der beiden Geschwister - Olivia und Marcus - Ansatzpunkte für deren heutige Lebensweise liefern. Den im Klappentext versprochenen Humor habe ich leider nicht ausmachen können. Vielmehr empfand ich es teilweise recht anstrengend, die ständigen Wein- und Zweifelphasen von Olivia zu überstehen. Selbst der relativ optimistische Schluss konnte an der durchweg dunklen Grundstimmung der Lektüre etwas ändern.

    FAZIT
    Keine einfach zu lesende Familiengeschichte, für die man sich Zeit und Geduld nehmen sollte. 

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    yellowdogs avatar
    yellowdogvor 8 Monaten
    Geschwisterbeziehung

    Der große Bruder ist ein kurzer Roman, aber er funktioniert dennoch gut, da sich die niederländische Autorin Esther Gerristen auf ein wichtiges Element konzentriert. Sie arbeitet die Tiefe der Beziehung zwischen den Figuren, Bruder und Schwester heraus. Eine Tiefe, den die beiden sich am Anfang nicht bewusst waren. Erst ein Schicksalsschlag führt sie dazu, als dem Diabetiker Marcus ein Bein abgenommen werden. Seine Schwester Olivia ist eigentlich von ihm entfremdet, dennoch nimmt sie ihn für die Zeit der Rekonvalenz bei sich und ihrer Familie auf.

     

    Die Wiederannäherung der Geschwister ist nicht einfach und braucht seine Zeit. Überrascht stellt Olivia fest, dass ihr Bruder andere Erinnerungen an ihre gemeinsame Kindheit hat als sie. Olivia stellt ihr Leben, Beruf und Familie in Frage.

     

    Die Autorin nimmt dem Text durch ironische, witzige Dialoge ihre Tragik, nicht jedoch ihrer Bedeutung. Es bleibt ein ernsthafter, realistischer Text. Ein Buch, dass ich sehr gerne gelesen habe.

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