Esther Gil

 4,2 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor*in von Victor Hugo.

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Cover des Buches Victor Hugo (ISBN: 9783962193003)

Victor Hugo

(6)
Erschienen am 23.07.2019

Neue Rezensionen zu Esther Gil

Cover des Buches Victor Hugo (ISBN: 9783962193003)
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Rezension zu "Victor Hugo" von Esther Gil

Gwhynwhyfar
eine Pracht, zeichnerisch detailliert bis in den Hintergrund eine Augenweide

«Die, die wir beweinen, sind nicht abwesend, es sind die Unsichtbaren.» Victor Hugo




Für seinen Widerstand gegen den Staatsstreich von Napoleon III. wurde der Dichter Victor Hugo aus Frankreich vom Kaiser verbannt. 1853 fristet der Poet sein Exil auf der Insel Jersey und widmet sich neben dem Schreiben dem Spiritismus. Bei einer Séance erscheint ihm der Geist seiner ertrunkenen Tochter Leopoldine, über deren Verlust Victor Hugo nicht hinwegkommt. Leopoldine fordert ihn auf, das Drama ihres Todes näher zu untersuchen, den Schuldigen zu finden. Gegen den Rat von Familie und Freunden verlässt Hugo heimlich sein Exil. Sein Weg führt ihn aufs Land, dann auf gefährlichem Weg durch Paris, wo er steckbrieflich gesucht wird, Louis-Napoléon Bonaparte ein hohes Kopfgeld auf ihn gesetzt hat, der durch eine Volksabstimmung zum Kaiser Bonaparte Napoléon III. gekrönt wurde.






«Wird die Grenze des Leidens überschritten, gerät die unerschütterlichste Tugend auf Abwege.» Victor Hugo




Das menschliche Elend, das ihn dort erwartet, wird ihn zu seinem größten Werk inspirieren: «Les Miserables». Die Handlung von dieser Graphic Novel ist zwar fiktiv, aber die Hintergründe sind es nicht. Victor Hugo, der leidenschaftliche Sozialkritiker, war davon überzeugt, mit seiner verstorbenen Tochter kommunizieren zu können und Eingaben aus der Welt der Geister zu erhalten. In einem illustrierten Anhang stellen Esther Gil und Laurent Paturaud Fakten und Fiktion einander gegenüber. Der Comic mischt historische Fakten aus Hugos Leben und Zeitgeschichte mit Fiktion. Beeindruckend sind die authentischen, detailreichen Zeichnungen, ob nun Naturbeschreibung von Jersy, das marode Paris oder zeitgenössische Figuren. 




Eine Parallelhandlung befasst sich mit John Charles Tapner, einem Eierdieb, der des Mordes angeklagt wird, wahrscheinlich durch Willkür. Victor Hugo fordert durch eine Petition die Freilassung von Charles und die Abschaffung der Todesstrafe. Die Petition wird von 600 Parisern unterschrieben – ist historisch belegt. Ebenso die Darstellung der Elendsviertel von Paris, und die Gentrifizierung – ganze Straßenzüge, ja ganze Viertel des mittelalterlichen, engen Paris wurden abgerissen, da ein Entwurf eine Neuordnung der Straßenzüge plant. Unter Napoleon III. wurde Paris durch den Präfekten Georges-Eugène Haussmann radikal umgestaltet (Haussmannisierung). Breite Boulevards, sternförmige Kreuzungen (wie den Place Charles de Gaulle) und Parks wurden geschaffen, um Licht in die Straßen zu bekommen. Das diente zur besseren Verkehrsführung durch breite, gerade Straßen, der Hygiene durch eine neue, gute Kanalisation und Belüftung (die Pest und Krankheiten Cholera wütete besonders in den Armenvierteln), und natürlich diente die Straßenführung auch der militärischen Kontrolle, das Eisenbahnnetzes mit zentralen Bahnhöfen wurde angelegt. Napoleon wollte mit einem repräsentativen Stadtbild glänzen, mindestens entsprechend dem von London.




Wunderschön atmosphärisch gestaltet ist diese Graphic Novel eine Pracht, zeichnerisch detailliert bis in den Hintergrund eine Augenweide. Der Comic ist in Naturtönen gestaltet. Im Anhang gibt es ein Bonbon: große Porträts, Briefe, historische Erklärungen, eine Menge an Skizzen und Zeichnungen, wie sich  Laurent Paturaud seinen Figuren zeichnerisch genähert hat. Wer ein Fan von Victor Hugo ist, der Klassiker wie u. a. Glöckner von Notre Dame und Les Misérables geschrieben hat, der wird von diesem Comic begeistert sein. Für mich in meiner Comicsammlung ein Graphic Novel der Abteilung Lieblingsbuch.




KI Esther Gil ist eine französische Drehbuchautorin, sie liebt romantische Kunst und hat vor ihrer Zusammenarbeit mit Laurent Paturaud am Comicprojekt über Victor Hugo bereits zwei Comicalben zu Jules Verne mit Carlos Puerta erarbeitet.




Der französische Comiczeichner Laurent Paturaud wurde 1969 in Chartres geboren und interessierte sich schon in jungen Jahren für das Zeichnen. Paturaud produzierte nach seiner Ausbildung zum Werbegrafiker Illustrationen für Magazine und ist für die Zeichnungen des ersten Bandes der Comic-Reihe »Sukkubus« von Thomas Mosdi verantwortlich. Heute lebt und arbeitet der Zeichner in der Normandie.

Cover des Buches Victor Hugo (ISBN: 9783962193003)
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Rezension zu "Victor Hugo" von Esther Gil

Flaventus
Interessante Mischung aus Biografie und Kriminalfall

Wer mit dem Namen “Victor Hugo” nicht direkt etwas anzufangen weiß, der wird mit Sicherheit von mindestens einem seiner berühmtesten Werke “Der Glöckner von Notre-Dame” oder “Les Misérables” gehört haben. Die Autorin dieses Comics, Esther Gil,  hat Teile des Lebens von Victor Hugo in ein fiktives Gewand gepackt, dabei aber allerlei historische Ereignisse miteinander verknüpft.


(K)eine Biografie

„Auch wenn die Handlung erfunden ist, so ist sie doch weitestgehend inspiriert durch reale Personen und gespickt mit tatsächlichen Begebenheiten, die ich in diesem Dossier präsentiere.“ (S. 97)

Mit diesen Worten zeigt Gil im Anhang, welche historischen Ereignisse der Geschichte, die in diesem Comic erzählt wird, zugrunde liegen.
Diese Wortwahl verwenden Autoren (nicht nur von Comics) immer dann, wenn sie sich die künstlerische Freiheit wahren möchten, um die historischen Ereignisse eine fiktive Geschichte zu legen. In diesem Fall ist es ein Kriminalfall.

Victor Hugo war allerdings nicht nur als Autor, sondern auch als Politiker aktiv. Und so wundert es nicht, dass auch diese Elemente zahlreich in diesem Comic vorhanden sind, so dass der Fokus nicht immer auf dem Kriminalfall liegen, sondern auch oftmals Aspekte des Frankreichs zu Zeiten Napoleons III. Einzug in die Erzählung erhalten.

Zeichnerisch konnte mich das Comic voll und ganz erreichen. Die Farbgebung war immer passend zu Zeit und Stimmung, die Gesichter der Charaktere ausdrucksstark und die Körper optisch ansprechend.

Fazit

Man muss kein Historiker sein oder Freude an Biografien haben, um Gefallen an diesen Comic zu haben. Auch kann dieser Comic nicht zu einem simplen Kriminalfall degradiert werden. Vielmehr vereint er zahlreiche unterschiedliche Elemente zu einem Gesamtkunstwerk, das sich aufgrund seiner politischen Darstellung eher an ein reiferes Publikum richtet.

Diese Rezension findet sich auch auf meinem Bücherblog.

Cover des Buches Victor Hugo (ISBN: 9783962193003)
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Rezension zu "Victor Hugo" von Esther Gil

Belladonna
Meine Rezension zu "Victor Hugo - Im Exil"

Meine Meinung

Der historische Comic »Victor Hugo – Im Exil« von Esther Gil und Laurent Paturaud befasst sich mit einem Ausschnitt des Leben und Wirkens eines der bekanntesten französischen Schriftsteller, Victor Hugo, der für den Widerstand gegen den Staatstreich von Napoleon III. aus Frankreich verbannt wurde und sein Exil zuerst auf der britischen Kanalinseln Jersey und dann auf Guernsey verbrachte. Zu seinen bekanntesten Werken zählen »Der Glöckner von Notre Dame« und »Die Elenden« (»Les Misérables«).

Die Handlung des Comics basiert zwar auf realen historischen Hintergründen und bezieht bekanntes Wissen über den genialen Autor und leidenschaftlichen Sozialkritiker Victor Hugo mit ein, wird dann aber mit einer fiktiven Handlung durchbrochen, die Victor Hugo aus seinem Exil zurück nach Paris lockt, um dort mehr über die tragischen Umstände des Todes seiner geliebten Tochter Leopoldine in Erfahrung zu bringen. Der Tod von Victor Hugos Tochter ereignet sich tatsächlich 1843 kurz nach ihrer Hochzeit mit Charles Vacquerie, als sie zusammen bei einem Bootsunfall in der Seine ertrinken.

In einem umfangreichen illustrierten Dossier werden im Nachgang zum Comic die Fakten und Fiktion dieser Geschichte einander gegenübergestellt und man bekommt eindrucksvoll bebilderte Portraits der historischen Persönlichkeiten, Informationen zu der Politik während des zweiten Kaiserreiches sowie Zeitungsausschnitte über den Bootsunfall vorgelegt.

Während einer Séance erscheint der Geist von Leopoldine. Fest überzeugt davon, mit seiner verstorbenen Tochter kommunizieren zu können, begibt sich der Schriftsteller auf eine gefährliche Reise nach Frankreich, um die Umstände zu Leopoldines Tod aufzudecken und ihrem Geist damit Frieden zu schenken. Ein weiterer Handlungsstrang wird um den Engländer John Charles Tapner gesponnen, der sich parallel zur Story entwickelt und erst zum Ende hin mit den Panels über Victor Hugo verschmilzt.

Die Zeichnungen von Laurent Paturaud bestechen mit vielen Details und fein gezeichneten Gesichtern, die sich besonders durch eine ausdrucksstarken Mimik auszeichnen. Die Szenerien spielen sich teilweise auf den britischen Kanalinseln Jersey und Guernsey sowie in Paris ab, egal ob die Meeresküste oder enge Gassen den Hintergrund bilden, Paturaud fängt die Kulissen gekonnt in seinen Panels ein. Die meist beige Farbgebung passt hervorragend zur historischen Geschichte und wechselt zum Teil in düstere Farben, die das menschliche Elend der damaligen Zeit abbilden.

Esther Gil und Laurent Paturaud ist es gelungen einen mitreißenden Comic zu kreieren, der einen interessanten Abschnitt aus dem Leben von Victor Hugo behandelt und dem Leser einen Blick auf die Persönlichkeit hinter den beliebten Romanen und Gedichten zulässt, auch wenn das düstere und beinahe kriminalistische Abenteuer in Frankreich der Fantasie der Autoren entsprungen ist. Dabei erhält man auch einen Blick auf Hugos freizügiges Liebesleben und bekommt ein Paris präsentiert, dass ihn zu seinem größten Werk »Les Miserables« inspirierte.

Fazit

Die facettenreiche Persönlichkeit von Victor Hugo wird anhand einer gelungenen Geschichte aus Historie und Fiktion und den beeindruckenden Bildern von Laurent Paturaud in diesem Comic gekonnt in Szene gesetzt.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 19.08.2019   

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