Esther Kinsky

 3,6 Sterne bei 50 Bewertungen
Autorin von Hain, Rombo und weiteren Büchern.
Autorenbild von Esther Kinsky (© zehnseiten.de)

Lebenslauf

Sie ist in ihrer Vielseitigkeit sehr erfolgreich: Esther Kinsky wird am 12. September 1946 in Engelskirchen geboren, wächst aber hauptsächlich in der Nähe von Bonn auf. Seit 1986 ist sie als Übersetzerin für englische, polnische und russische Literatur tätig. Außerdem veröffentlichte sie in Zeitschriften Kurzprosa und Lyrik. Seit 1987 erscheinen zudem Kinderbücher von Kinsky und 2009 veröffentlichte sie ihren ersten Roman "Sommerfrische". Kinsky lebt heute in Berlin und Battonya. 2009 wird die Autorin mit dem Paul-Celan-Preis ausgezeichnet. 2011 und 2014 ist sie für den Deutschen Buchpreis nominiert. Auch 2018 steht sie mit ihrem Roman "Hain: Geländeroman" unter den Nominierten für den Buchpreis der Leipziger Buchmesse.

Neue Bücher

Cover des Buches die ungerührte schrift des jahrs (ISBN: 9783751810791)

die ungerührte schrift des jahrs

Erscheint am 03.12.2026 als Gebundenes Buch bei Matthes & Seitz Berlin.

Alle Bücher von Esther Kinsky

Cover des Buches Hain (ISBN: 9783518469514)

Hain

(17)
Erschienen am 10.04.2019
Cover des Buches Rombo (ISBN: 9783518473115)

Rombo

(14)
Erschienen am 14.03.2023
Cover des Buches Sommerfrische (ISBN: 9783751845250)

Sommerfrische

(6)
Erschienen am 17.04.2025
Cover des Buches Opos Reise (ISBN: 9783957572387)

Opos Reise

(3)
Erschienen am 29.02.2016
Cover des Buches Weiter Sehen (ISBN: 9783518225448)

Weiter Sehen

(2)
Erschienen am 19.04.2023
Cover des Buches Am Fluß (ISBN: 9783751801188)

Am Fluß

(2)
Erschienen am 30.03.2023
Cover des Buches FlussLand Tagliamento (ISBN: 9783751880039)

FlussLand Tagliamento

(2)
Erschienen am 03.08.2023
Cover des Buches Banatsko (ISBN: 9783882217230)

Banatsko

(2)
Erschienen am 20.03.2013

Neue Rezensionen zu Esther Kinsky

Cover des Buches Rombo (ISBN: 9783518473115)
pardens avatar

Rezension zu "Rombo" von Esther Kinsky

parden
Ein zähes Leseerlebnis...

EIN ZÄHES LESEERLEBNIS...

Im Mai und im September 1976 erschüttern zwei schwere Erdbeben eine Landschaft im nordöstlichen Italien . An die tausend Menschen sterben unter den Trümmern, unzählige sind ohne Obdach, viele verlassen ihre Heimat. In Esther Kinskys preisgekröntem Roman berichten sieben Bewohner eines abgelegenen Bergdorfs, Männer und Frauen, von ihrem Leben, in dem das Beben tiefe Spuren hinterlassen hat. Von der gemeinsamen Erfahrung von Angst und Verlust spleißen sich bald die Fäden individueller Erinnerung ab und werden zu eindringlichen und berührenden Erzählungen tiefer, älterer Versehrung. (Verlagsbeschreibung)

Dieses Buch stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2022.

Im Friaul, im äußersten Nordosten Italiens, bebte die Erde und veränderte Landschaft und Menschen nachhaltig. Im Vordergrund des Romans stehen die Erinnerungen von sieben Menschen, Bewohner:innen eines abgelegenen Bergdorfs, die die beiden Erdbeben 1976 überlebten und damals noch jung waren, Kinder zumeist. Die Schilderungen der sich Erinnernden sind episodenhaft, nicht chronologisch, und beleuchten das Leben in dem Bergdorf vor, während und nach den Erdbeben. Man erhält Einblicke in eine raue, unwirtliche Gegend, in der Fluten, Erdrutsche, Erdbeben immer wieder vorkommen - und doch leben dort Menschen, die dieses Fleckchen Erde Heimat nennen und nicht weichen wollen. 


"Wohin mit all den Trümmern, hab ich mich manchmal gefragt. Wo sollen die bloß hin?" 


Die mosaikartigen Erinnerungsschnipsel der Überlebenden sind eingebettet in wortgewaltige und lyrisch-ausgefeilte (für mich sperrig und anstrengend zu lesende) Schilderungen der umgebenden Landschaft, von Flora, Fauna und Wetter, Legenden und Märchen des Landstrichs, Beschreibungen der einzelnen Berge -  die Natur so präsent, dass deutlich wird, dass der Mensch ein Eindringling ist und bleibt und sich mit den Naturgewalten arrangieren muss, so er denn bleiben will. Leider fehlt diesen zahllosen geologischen und biologischen Exkursen, den Berichten der irgendwie gesichtslos bleibenden Figuren, den skizzenhaften Ergänzungen zu Land und Leuten jedoch ein narrativer Überbau und damit ein roter Faden, der die aneinandergereihten Schnipsel tatsächlich zu einem Roman zusammenführen würde.

Es war ein forderndes, langatmiges, zähes Leseerlebnis - immer wieder legte ich das Buch bereits nach wenigen Abschnitten zur Seite. Schicksale, die auf Distanz bleiben, ausufernde Schilderungen, bei denen ich am Satzende teilweise schon nicht mehr wusste, wie der Satz begann, ermüdende, endlos scheinende Passagen, die nach vielen ähnlichen Szenen rasch ihre Faszination verlieren - ich war ehrlich gesagt froh, als ich endlich am Schluss angekommen war. 

Alles in allem sehr mühsam - ich ahnte nicht, wie lang 264 Seiten sein können...


© Parden

Cover des Buches Rombo (ISBN: 9783518473115)
Nicolai_Levins avatar

Rezension zu "Rombo" von Esther Kinsky

Nicolai_Levin
Es packt einen nicht

Der Suhrkamp-Verlag lügt natürlich, wenn er "Roman" auf dieses Büchlein schreibt. Weiß doch jeder, der das Buch liest und auch nur ein bisschen Ahnung von literarischen Formen hat, ganz sicher, dass dies kein Roman ist. Aber was ist es dann? Ein literarischer Essay? Eine versuchte Annäherung? Ein Mosaik? Wie nennt man das, wenn sich jemand ein Erdbeben als Thema eines belletristischen Werkes vornimmt? Jenes verheerende Erdbeben, das 1976 Friaul erschüttert hat. "Rombo", der Titel, ist das grollende Geräusch, das aus der Tiefe kommend den Erdstößen vorangeht.

Die ersten Seiten, in denen sich Esther Kinsky ihrem Thema, dieser Gegend im Äußersten Nordosten Italiens, direkt an der Grenze zu Slowenien, textlich nähert, sind mit Abstand die besten dieses Buches. Wie vermutlich die meisten kenne ich die Landschaft bestenfalls flüchtig, vom Durchfahren: Hinterm Tauern, von Villach kommend, muss man hier vorbei, wenn man an die Adria oder nach Istrien will; man hat es eilig herauszufahren aus den Alpentälern und ans Meer zu gelangen und achtet nur wenig auf die letzten Berge, die sich links erheben, der Blick der Reisenden ist aufs Autobahnschild gerichtet: Wieviele Kilometer noch bis Udine und Venedig?

Auch ich habe hier noch nie Halt gemacht, aber ich fand diese Vorberge immer schon merkwürdig interessant. Sie bilden das südliche Pendant zu der Landschaft, in der ich aufgewachsen bin, am Nordrand der Alpen. In vielem ähneln sich die Gebirgsausläufer auf beiden Seiten: im Bau der Häuser, den Wetterkapriolen am Stau der Hauptkette - und doch verläuft der Übergang von Hochgebirge zu Meeresebene im Friaul viel abrupter als im Norden: Keine kilometerweit auslaufenden grasgrünen Moränenhügel wie im Allgäu, keine Voralpenseen wie in Oberbayern. Kein Pfänder, kein Grünten, kein Blomberg - keiner dieser markant aufragenden Vorberge, die ihre Umgebung so dominieren. Dafür das grotesk breite Kiesbett des Tagliamento, bei dem ich mir jedesmal denke, welche Wassermassen da zu Tale stürzen müssen, wenn es jemals ausgefüllt ist. Schroffe Kalkfelsen in steiler Höhe überm flachen Tal. Ich kann die Faszination für die Gegend nachempfinden. Esther Kinsky schildert uns dieses Friaul und seine Umgebung in sorgfältig gewählten Worten, bemerkenswert treffsicher, lyrisch und anschaulich. Saustark. Der Stil erinnert in seiner unerbittlichen Exaktheit tatsächlich an W.G. Sebald - den nach ihm benannten Preis hat sie noch vor Erscheinen des Werks erhalten, und das hat schon seinen guten Grund.

Nach dem fulminanten Auftakt lässt die Wirkung der weiteren Schilderungen von Flora, Vogelwelt, Geologie und Sagen, die sie einstreut, etwas nach, aber sie sind immer noch besser als der Rest.

Denn Frau Kinsky überlässt das Erzählen vom Erdbeben ab da einer Handvoll von Dorfbewohnern, denen sie ihre Stimme leiht. Die berichten immer wieder reihum, was sich zugetragen hat, wie sie jene Tage im Mai 1976 erlebt haben, als die Erde bebte und bald nichts mehr war wie zuvor.

Mit diesen Stimmen habe ich gleich mehrfach meine Probleme. 

Zum einen weiß ich nicht, ob ich ihnen trauen soll. Schließlich ist das ein literarisches Werk: Hat die Autorin Interviews geführt und nur umformuliert, was ihr erzählt wurde? Läse ich diese Berichte, sagen wir: in Geo oder National Geographic, wäre das meine Vermutung. Sie mag sich das alles aber auch nur ausgedacht haben, ist ja ihr gutes Recht, schließlich wird uns das Buch als Fiktion verkauft. Besonders Erhellendes oder Ungewöhnliches haben die vermeintlichen Zeitzeugen ohnehin nicht zu berichten: Unheimliche Stimmung zuvor, bröckelnder Putz, schreiende Kühe - egal ob erfunden oder übertragen: Man muss wohl dabei gewesen sein, um es richtig ermessen zu können. Man erfährt nichts, das einen vom Hocker reißen würde.

Schwierig auch das, was ihre Dörfler sonst aus ihrem Leben berichten und in ihre Zeugenaussage einfließen lassen. Das soll wohl sowas wie ein Dorfpanorama bilden, ein Mosaik aus Lebensumständen und Schicksalen. Nur weiß ich halt leider genau, dass diese Gestalten nur passive Zeugen sind und immer bleiben werden: Den Gang des Erdbebens und seiner Zerstörungswut halten weder der Ziegenhirte noch der Bürgermeister auf. Die Figuren haben vor meinen Augen keine Chance, sie haben verloren, weil ich weiß, dass sie nichts bewegen werden. Und um sie kennenzulernen, um die Soziologie eines Dorfes zu erfahren (wie das Juli Zeh in 'Unterleuten' exerziert hat) reicht die Zeit nicht, dafür ist das Buch zu kurz; ihre Gestalten bleiben wie diese zahnlosen Alten, die in ORF-Dokumentationen in derbem Dialekt vom harten Leben früher auf der Alm erzählen. Man hört ihnen zu, halb amüsiert, halb interessiert, halb gelangweilt, man nickt freundlich, und dann hakt man sie ab.

Dabei sind da durchaus ein oder zwei Momente, die haften bleiben. Das Kind, das nach der Zerstörung des heimatlichen Dorfes bei seiner Mutter im Ferienhotel an der Adria untergebracht wird und der ganze Mikrokosmos der Hotelangestellten, der sie für ein paar Wochen umgibt. Das Mädchen, das sich geniert, sich von seinem Verehrer aus dem Tal bis nach Hause fahren zu lassen, weil es so weit oben lebt. Das hat schon was. Aber der Rest sind viele Belanglosigkeiten, ein Netz von Beziehungen, mühevoll geknüpft, man erkennt die eingestreuten Querbezüge durchaus, und es packt einen doch nicht. 

Cover des Buches Rombo (ISBN: 9783518473115)
Sabine_Schiffners avatar

Rezension zu "Rombo" von Esther Kinsky

Sabine_Schiffner
Erschütterung einer Landschaft und ihrer Menschen

Rombo ist ein wunderbar geschriebenes Buch, das von einem erschütternden Ereignis berichtet. Es fängt allerdings erst einmal ein ganz klein wenig sperrig an. Die Autorin begibt sich zu Beginn in ein Tal in Norditalien, in dem im Jahr 1976 ein schlimmes Erdbeben viele Dörfer zerstört hat. Sie beschreibt das Ankommen, indem sie die Landschaft um ein Dorf herum detailliert und sehr genau beobachtet, jeden Stein, jede Pflanze, jede Erdschicht, jegliches Gefleuche und Gekreuche wird detailliert notiert und aufgeschrieben. Wie man so viele Worte für so viele Details finden kann und das sprachlich so schön notiert, ist faszinierend. Aber an mancher Stelle ermüdete ich ein wenig und sprang im Lesen vorwärts, bis es auf einmal interessanter wurde. Die Zeit kurz vor dem Beben wurde anhand des Verhaltens einer schwarzen Schlange, von denen es in dieser Gegend viele gibt, beschrieben. Bald kamen aber auch die Menschen zu Wort. Und jetzt wurde es richtig interessant. Scheinbar in Interviewform kamen die verschiedenen Bewohner des Dorfes, junge, alte, verrückte, normale, deutschstämmige, Moskausüchtige zu Wort. Eine seltsame schrullige Mischung von Menschen, wie man sie in einem solchen abgelegenen Dorf erwartet und dann doch wieder nicht. Einzelne Personen werden namentlich vorgestellt, ihre Geschichte wird nach und nach erzählt, ihr Leiden, ihr Leben, die vielen Schläge, die sie ganz selbstverständlich erhalten, ihre Verkrüppelungen, ihre Krankheiten, aber auch ihre Freuden und das Gute an ihrer dörflichen Gemeinschaft, den Zusammenhalt, die gemeinsam begangenen Feste. Zwischen den kurzen interviewartigen Passagen sind immer wieder Beschreibungen der Landschaft und ihrer Veränderung durch das Beben, Beschreibungen einzelner Pflanzen, dann auch, mit Fortschreiten des Buches,  Beschreibungen von Fotos und Bildern auf Postkarten, die vielleicht in diesem Dorf aufgenommen worden sind. Das schafft ein dichtes, sehr intensives Gewebe von Stimmen und Natur, dem ich spätestens jetzt atemlos folgte. Einige meiner Lieblingsautoren kamen mir in den Sinn, Adalbert Stifters Bunte Steine, in denen er so ausführlich die Steinformationen beschreibt, um ein Bild für das Seelenleben seiner Protagonisten zu finden, die sich durchs Leben leiden, Hermann Lenz, der in seiner schwäbischen Heimat mit dem Blick für das Kleinste herumwanderte und dieses detailversessen und trotzdem mit einem ruhigen Parlandoton beschrieb und auf einmal konnte ich gar nicht mehr genug bekommen von diesem wunderbaren Buch und las es ganz schnell zu Ende. Das Ende ist überraschend. Haben die Dorfbewohner nämlich nach dem großen Beben versucht, alles wieder aufzubauen und sich wieder in ihr Leben einzufinden, mit viel Kraft und dem Glauben daran, dass alles wieder gut wird, so verlassen sie nach einem wenige Monate später stattfindenden zweiten Beben fast alle ihr Dorf und werden, so suggeriert es die Erzählerin, aus den gesichts- und naturlosen Urlaubsstädten, in denen sie einquartiert werden, nie wieder in das Paradies zurückkehren, in dem sie gelebt haben. Eine Katastrophe verändert das Leben dieser Menschen also auf ewig.


Esther Kinskys Spurensuche, die sie so gründlich und genau betreibt, ist ein fabelhaftes Gleichnis auf den Menschen und wie er mit Zerstörungen umgeht. Hoffnung ist nicht maßlos da, das erzählt dieses Buch. Und auch, wie herrlich es ist, Landschaft mit so wunderbar offenen Augen zu betrachten wie die Sachensucherin Kinsky. Und auch wie wichtig es ist, Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Dieses Buch ist ein solches Zeichen gegen das Vergessen, Gedächtnis und Gedenken zugleich, klug geschrieben, phantastisch recherchiert. Es gibt der vergessenen Landschaft, dem verschwundenen Ort, den fortgezogenen Menschen, die hier jahrhundertelang gelebt haben, eine literarische Stimme.

Gespräche aus der Community

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Poesiesoso
Am 13. August hat die Jury die Longlist für den Deutschen Buchpreis bekannt gegeben. Im nächsten Schritt werden sechs dieser Titel für die Shortlist nominiert, die am 10. September veröffentlicht wird. Der Gewinner wird dann am 6. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verkündet. 
Ich habe einige Titel so gar nicht auf der Longlist erwartet, andere wiederum hätte ich gern darauf gesehen. Wie geht es euch? Welches Buch ist euer Favorit? Was glaubt ihr, wer auf der Shortlist stehen wird?
Hier nun die Kandidaten:

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Zusätzliche Informationen

Esther Kinsky wurde am 11. September 1956 in Engelskirchen (Deutschland) geboren.

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