Esther Schüttpelz

 3,9 Sterne bei 209 Bewertungen
Autor*in von Ohne mich, Grüne Welle und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Esther Schüttpelz, geboren 1993 in Werne, studierte Jura in Münster und arbeitete als Rechtsanwältin, bevor sie freie Schriftstellerin wurde. Für ihren Roman ›Ohne mich‹ wurde sie 2023 mit dem Debütpreis der lit.Cologne ausgezeichnet. Sie lebt im Münsterland.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Ohne mich (ISBN: 9783257248401)

Ohne mich

(107)
Neu erschienen am 25.02.2026 als Taschenbuch bei Diogenes.
Cover des Buches Grüne Welle (ISBN: 9783257073812)

Grüne Welle

(98)
Neu erschienen am 25.02.2026 als Gebundenes Buch bei Diogenes.
Cover des Buches Grüne Welle (ISBN: B0G25KFJQK)

Grüne Welle

(1)
Neu erschienen am 25.02.2026 als Hörbuch bei Diogenes Verlag AG.

Alle Bücher von Esther Schüttpelz

Cover des Buches Ohne mich (ISBN: 9783257248401)

Ohne mich

(107)
Erschienen am 25.02.2026
Cover des Buches Grüne Welle (ISBN: 9783257073812)

Grüne Welle

(98)
Erschienen am 25.02.2026
Cover des Buches Ohne mich (ISBN: B0BSG3B6FM)

Ohne mich

(3)
Erschienen am 22.02.2023
Cover des Buches Grüne Welle (ISBN: B0G25KFJQK)

Grüne Welle

(1)
Erschienen am 25.02.2026

Neue Rezensionen zu Esther Schüttpelz

Cover des Buches Grüne Welle (ISBN: 9783257073812)
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Rezension zu "Grüne Welle" von Esther Schüttpelz

ElliP
Das begrenzte Ich

Die Erzählerin, eine Frau von vielleicht 40 Jahren, kommt mit einer Freundin aus dem Kino und will nach Hause fahren, aber dann passiert das Unerwartete. 

Statt den Heimweg anzutreten, fährt sie hinaus in die Nacht, auf unbekannten Straßen, einem unbekannten Ort entgegen. Ihre Gedanken begleiten sie und machen den eigentlichen Teil der Handlung aus, wir lernen sie kennen, ihre schwierige Beziehung zu ihrem Mann, ihre einzige Freundin aus Studientagen, ihre beruflichen und künstlerischen Erfolge.

 

Die nächtliche Fahrt bringt sie von ihrer gewohnten Umgebung weg, sie bewegt sich mit der abnehmenden Tankfüllung hinein in den unbekannten Bereich ihres Inneren, ihrer Gefühle, Gedanken, Ängste, aber eigentlich ist sie nicht auf Konfrontation oder Selbstreflexion aus, sie sucht nicht aktiv nach Lösungen oder Veränderung, sie lässt sich treiben, überlässt den Ausgang der Nacht eher dem Zufall, lässt sich treiben, ist eher passiv.

Die Handlung fehlt, die Frau fährt und fährt, trifft auf ein Reh, auf zwei Tramperinnen, muss tanken, fährt weiter.

Das Licht der vielen grünen Ampeln kann als Zeichen für Freiheit gedeutet werden, für die sich vergrößernde Entfernung vom gefürchteten und ungeliebten Mann, für ein Stück Selbstvertrauen und neu gewonnene Handlungsfähigkeit. Aber schafft sie es, diesen Abstand weiterhin zu vergrößern, sich zu lösen und wieder zur Selbstbestimmung zurückzufinden?

Viele Fragen stellen sich dem Leser und man muss fast zwangsläufig mit dem Kopf schütteln: Warum darf der Mann sich so viel herausnehmen? Warum ist es ihr so wichtig, ihm zu gefallen? Warum nimmt sie nicht die hilfreichen Gedanken der Freundin an? 

Wer sich Sorgen macht, darf wütend und laut sein, schreien – so entschuldigt sie das Verhalten des Mannes wiederholt vor sich selbst. Sie bemitleidet ihn, macht sich Sorgen, hat Angst um ihn, da er nicht gerne allein ist und schon so oft verlassen wurde. Warum denkt sie nicht an sich selbst? Sie ist das Opfer einer toxischen Beziehung. Sie braucht Unterstützung, ihre eigene Wertschätzung, Achtsamkeit. Eine Frau mit Helfersyndrom? Eigentlich hat sie sich im Leben mehr erhofft, ist aber jetzt nur getrieben, unglücklich, wirkt krank und erschöpft, ist dem Mann verfallen.

Psychologische Handlungszusammenhänge werden nicht geklärt, es gibt keine Tiefe, nur ein Gerüst mit vielen Leerstellen, die man selbst füllen muss. Die Frau, der Mann, die Freundin – Archetypen mit bestimmten Verhaltensmustern, auf einzelne Charaktereigenschaften reduziert, wir lernen sie nicht umfangreich in ihrer Breite kennen, deshalb sind wir kaum im Geschehen involviert oder leiden mit ihnen. Trotzdem weckt besonders die Figur der Frau unser Mitgefühl, die gedemütigte Frau ohne Energie, Selbstständigkeit, die sich klein machen lässt, eine Rolle, die auch in der Realität Hilfe von außen bräuchte. Gerade durch die stillen Töne und die ruhige, unaufgeregte Erzählweise wird das Leid und die Tragik noch intensiver, es werden keine großen Worte darüber gemacht, die psychischen und physischen Misshandlungen werden nur angedeutet.

Lakonisch erzählt die Autorin in dem kurzen Roman „Grüne Welle“ auf ca. 200 Seiten von dem Ausbruchsversuch der namenlosen Ich-Erzählerin. Die Sprache ist distanziert, äußerst knapp, ihre sprunghaften Gedanken bringen sie uns näher, aber weder eine emotionale Beziehung noch wahre Sympathie ergeben sich. 

Eine scheinbar ausweglose Situation einer Frau in der Dunkelheit der Nacht, mitten im Nichts, eingezwängt oder beschützt in ihrem kleinen Bereich, bei der aber am Ende ein Hoffnungsschimmer auf Veränderung aufzieht: „Wir müssen uns immer wieder von unseren alten Versionen trennen.“

Cover des Buches Grüne Welle (ISBN: 9783257073812)
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Rezension zu "Grüne Welle" von Esther Schüttpelz

Nil
Freiheit, die sich anfühlt wie ein Abgrund

Nach einem dieser vertrauten Abende – Kino, Gespräche, ein Stück Normalität – steigt die Frau ins Auto. Der Weg ist bekannt, beinahe automatisiert. Doch dann: eine Umleitung. Eine kleine Verschiebung, kaum der Rede wert – und doch der Anfang von allem. Aus einem simplen Heimweg wird eine Fahrt ins Offene. Aus Abzweigungen werden verpasste Entscheidungen. Aus der Nacht wird ein Raum ohne Rückkehr.

Sie fährt weiter. Und weiter….Die Ampeln bleiben grün, als hätten sie sich gegen sie verschworen oder ihr – ganz leise – einen Ausweg angeboten. Zuhause wartet der Mann, zunehmend unruhig, irritiert von der Abweichung im gewohnten Ablauf. Doch während er versucht, die Kontrolle zu behalten, entgleitet sie ihm Kilometer um Kilometer. Die Nacht dehnt sich, ein neuer Tag bricht an – und mit ihm die Erkenntnis: Vielleicht ist das Weiterfahren kein Zufall. Vielleicht ist es der erste eigene Entschluss seit langer Zeit.

Was sich zunächst wie ein beinahe minimalistischer Plot liest, entfaltet eine enorme innere Wucht. Denn diese Fahrt ist keine Flucht vor der Dunkelheit der Straßen – sondern vor der, die längst in ihr Zuhause eingezogen ist. Zwischen Tankstellenlicht, Landstraßen und flüchtigen Begegnungen tastet sich die Frau durch Erinnerungen, Zweifel und leise, schmerzhafte Einsichten. Und plötzlich wird klar: Die größte Bedrohung sitzt nicht im Schatten der Nacht, sondern in der Enge einer Beziehung, die sie längst verschluckt hat.

Esther Schüttpelz schreibt dabei mit einer fast schon irritierenden Ruhe. Ihr Stil ist reduziert, klar, beinahe kühl – und gerade darin so eindringlich. Sie verzichtet auf große Dramatik und setzt stattdessen auf die Kraft der Wiederholung, auf das leise Drängen von Gedanken, die sich im Kreis bewegen wie das Auto auf der Straße. Dass ihre Figuren namenlos bleiben – die Frau, der Mann, die Freundin – ist kein Zufall, sondern Konzept: Es geht nicht um Einzelschicksale, sondern um Strukturen, um Muster, die erschreckend universell sind.

Besonders bemerkenswert ist die feine Symbolik, die sich durch den gesamten Roman zieht. Die grüne Welle wird zum Sinnbild für das passive Sich-Treiben-Lassen – aber auch für die seltene Chance, einfach weiterzufahren, ohne anzuhalten, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Gleichzeitig liegt in ihr etwas Unheimliches: ein Kontrollverlust, der sich erst wie Freiheit anfühlt und dann wie ein Abgrund.

Atmosphärisch ist dieser Roman dicht und fast körperlich spürbar. Man sitzt mit im Auto, hört das monotone Surren des Motors, spürt die Müdigkeit, die Angst, das leise Aufkeimen von Hoffnung. Die Begegnungen unterwegs wirken wie Spiegel, wie flüchtige Möglichkeiten eines anderen Lebens. Und doch bleibt immer diese Unsicherheit: Ist das hier Aufbruch – oder nur ein weiteres Kreisen?

„Grüne Welle“ ist kein lauter Roman. Er schreit nicht, er klagt nicht an – und trifft gerade deshalb so präzise. Es ist ein Buch über das Verstummen, über das Sich-Verlieren und vielleicht auch über den ersten, zaghaften Versuch, sich selbst wiederzufinden. Die Geschichte bleibt bewusst offen, verweigert einfache Antworten –gut so.

Ein stilles, klug komponiertes Debüt, das unter die Haut geht. Für alle, die Literatur lieben, die zwischen den Zeilen spricht – und dort ihre größte Wahrheit entfaltet.

Cover des Buches Grüne Welle (ISBN: 9783257073812)
A

Rezension zu "Grüne Welle" von Esther Schüttpelz

Andik
Authentisches Portrait einer Generation

          

Esther Schüttpelz ist mit „Grüne Welle“ ein bemerkenswert ehrliches und unaufgeregtes Debüt gelungen. Der Roman fängt das Lebensgefühl junger Erwachsener ein, die zwischen Zukunftsfragen, Beziehungsdynamiken und der Suche nach dem eigenen Platz in der Welt feststecken.

Besonders hervorzuheben ist Schüttpelz’ präzise Beobachtungsgabe. Sie verzichtet auf dramatische Übersteigerungen und findet stattdessen in den kleinen, alltäglichen Momenten eine tiefe Wahrheit. Ihr Schreibstil ist klar, modern und von einer angenehmen Melancholie durchzogen, die nie ins Kitschige abgleitet. Man begleitet die Protagonistin gern durch ihre Gedankenwelt, weil sie nahbar und menschlich wirkt.

Fazit: Ein kluges, leises Buch über das Erwachsenwerden und die Zwischentöne des Lebens. Für Leser, die authentische Gegenwartsliteratur ohne Pathos schätzen, ist dieser Roman eine absolut lohnenswerte Entdeckung.


        

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