Menschheitsgeschichte von Anfang an bis in die Gegenwart
Jahrzehnte lang, mit immer feineren Methoden, weiterhin Fleiß und Wissbegier hat die Archäologie, was das Wissen um die Entwicklung (nicht nur) Mitteleuropas angeht, vielfache Erkenntnisse und ein relativ klares Bild erstellt.
Was in diesem schweren, umfassenden und wunderbar illustrierten Bildband aus dem Hause Theiss nun in ganzer Breite dem Leser und Betrachter vor Augen geführt wird.
Ein Bogen, der von der Alt- und Mittelsteinzeit, über Bonze- und Eisenzeit hin zur Herrschaft Roms, zur Völkerwanderung, zum Mittelalter bis hin zur Neuzeit reicht.
Mit einem besonderen Augenmerk, und das sei jedem Leser zum konzentrierten Wahrnehmen empfohlen, was auch die kulturelle Entfaltung und Entwicklung und, vor allem, den Wissenstransfer angeht.
Dass Migration und Immigration am Ende die Kulturen je wie mit einem „Nachbrenner“ versehen nach vorne gebracht, teils getrieben hat, dass geht in Zeiten der Rückbesinnung nur „auf den eigenen Vorgarten“ manches Mal an manchen Orten zu sehr verloren.
Dass dabei auch der Einstieg in die Darstellung nicht zu vernachlässigen ist, in der die Archäologie als Wissenschaft mitsamt ihren Methoden und chronologischen Möglichkeiten der Einordnung von Fundstücken differenziert vorgestellt wird, versteht sich dabei von selbst.
Dass die Archäologie dabei aber auch als „gesellschaftliche Praxis“ zu verstehen ist und zu würdigen wäre, das sind wichtige Hinweise darauf, dass nur der die Gegenwart zu deuten weiß und fundierte Schlüsse ziehen kann, der die Geschichte kennt und versteht.
Und wie vor zigtausend Jahren gilt dabei genauso für das Heute, , was Thomas Terberger in seinem klugen und verständlichen Kapitel im Buch vorlegt:
„Schon Forschern wie Hugo Obermaier war vor 100 Jahren die Schlüsselrolle der Klima- und Umweltbedingungen für die Erforschung des eiszeitlichen Menschen bewusst“.
Nur geeignete Klima- und Umweltbedingungen gewährleisten einerseits basal das „nackte Überleben“ für eine evolutionär signifikante Anzahl an Menschen, und ebenfalls nur diese gewährleisten auch die Chancen für kulturelle Entfaltungen, die über das reine Überleben des Körpers hinausgehen.
Gerade für diese kulturelle Entwicklung bietet der Band vielfache fotografische Einblicke in religiöse und profane Kunstgegenstände, die verdeutlichen, dass der Mensch von Beginn seiner gesellschaftlichen Entwicklung an Fragen über sich hinaus gestellt hat und Ideale und Visionen, Erklärungen des Lebens und des Miteinanders dinglich greifbar dargestellt hat.
Wobei es, nicht nur im Buch, sondern auch in der Geschichte selbst, natürlich dauert, bis feste Ansammlungen entstehen (Dörfer), dann aber, zur Neuzeit hin, sich der Prozess der Vergemeinschaftung des Lebens und damit der Verstädterung intensiv an Tempo und Fahrt aufgenommen hat.
Warum das so war und was das für die hoch-Tempe Gegenwart austrägt und welcher Blick in die Zukunft sich gar dadurch eröffnet, das kann dann in Ruhe während der Lektüre sich erschlossen und angeeignet werden.
Eine sehr zu empfehlende, fundierte Lektüre, die in bester Weise illustriert daherkommt.


