Etgar Keret

 4.1 Sterne bei 32 Bewertungen
Autor von Die sieben guten Jahre, Alles Gaza und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Etgar Keret

Ein Ausnahmetalent aus Israel: Etgar Keret ist ein israelischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Er wurde am 20. August 1967 in Ramat Gan nahe Tel Aviv geboren. Keret ist ein künstlerisches Multitalent. Er arbeitet sowohl für das Fernsehen als auch als Comiczeichner. Seine literarischen Werke haben in Israel Bestsellerstatus und wurden in über 30 Sprachen übersetzt. Kerets Roman „Die sieben guten Jahre: Mein Leben als Vater und Sohn“ ist wegen seines kontroversen Inhalts nicht auf Hebräisch sondern auf Englisch erschienen. Das Werk wurde von Daniel Kehlmann ins Deutsche übertragen und 2016 im S. Fischer Verlag veröffentlicht. Daneben liegen auf Deutsch die Kurzgeschichtenbände „Gaza Blues“, „Der Busfahrer, der Gott sein wollte“ und „Mond im Sonderangebot“ vor. Gemeinsam mit dem palästinensischen Autor Samir El-Youssef veröffentlichte Keret 2006 den Band „Alles Gaza – geteilte Geschichten“. Etgar Keret ist mit der Kinderbuchautorin Shira Geffen verheiratet, gemeinsam hat das Paar einen Sohn. Seit 2012 lebt die Familie in Warschau, wo Kerets Mutter herstammt. Keret ließ sich von einem polnischen Architekten das vermutlich schmalste Haus der Welt entwerfen. Dieses steht am ehemaligen Eingang zum Warschauer Ghetto zwischen zwei Hochhäusern und ist als Keret-Haus bekannt.

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Neu erschienen am 22.08.2018 als Taschenbuch bei FISCHER Taschenbuch.

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Die sieben guten Jahre

Die sieben guten Jahre

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Erschienen am 23.03.2017
Alles Gaza

Alles Gaza

 (5)
Erschienen am 02.05.2006
Gaza Blues

Gaza Blues

 (5)
Erschienen am 01.03.2002
Pizzeria Kamikaze

Pizzeria Kamikaze

 (4)
Erschienen am 04.09.2006
Plötzlich klopft es an der Tür

Plötzlich klopft es an der Tür

 (4)
Erschienen am 23.08.2012
Das Sparschwein

Das Sparschwein

 (1)
Erschienen am 26.08.2016
Mond im Sonderangebot

Mond im Sonderangebot

 (1)
Erschienen am 04.09.2006
Bumerang

Bumerang

 (0)
Erschienen am 22.08.2018

Neue Rezensionen zu Etgar Keret

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Walli_Gabss avatar

Rezension zu "Die sieben guten Jahre" von Etgar Keret

Bittersüß, humorvoll und anrührend: Autobiographische Anekdoten eines israelischen Bestsellerautors
Walli_Gabsvor einem Jahr

Als ich zu diesem Buch griff, hatte ich noch nie von Etgar Keret gehört. Ich wusste nicht, dass der israelische Schriftsteller ein internationaler Bestsellerautor ist, dessen Bücher bereits in 37 Sprachen übersetzt wurden. Mich hatten einfach das Cover, der Titel und die Kurzbeschreibung angesprochen: Keret erzählt in „Die sieben guten Jahre“ Anekdoten, die sich in den Jahren ab der Geburt seines Sohnes bis hin zum Tode seines Vaters zugetragen haben. Er wird dabei sehr persönlich – so persönlich, dass er sich entschieden hat, dieses Buch nicht auf Hebräisch und nicht in seinem Heimatland Israel zu veröffentlichen. Er schrieb es zwar in seiner Muttersprache, ließ es dann jedoch sofort ins Englische übersetzen und nur diese englische Fassung wurde lektoriert und von ihm überarbeitet. Keret sieht seine ausländischen Leser als Fremde, denen er in einem Zugabteil begegnet und denen er für die Dauer dieser Zugfahrt Geschichten erzählt – bevor er wieder aussteigt und die Wege sich trennen.

Ich habe „Die sieben guten Jahre“ innerhalb von zwei Tagen an allen möglichen Orten gelesen (im Zug allerdings nicht), so sehr haben mir Kerets Anekdoten gefallen. Ich hatte eigentlich mit einem Roman gerechnet, aber das Buch enthält in sich abgeschlossene Geschichten, die chronologisch besagten sieben Jahren zugeordnet werden. Ein winziges bisschen fühlte ich mich an die Erzählungen von Horst Evers erinnert, die ich sehr mag. Keret ist kein Kabarettist, aber er hat Humor und Witz und genau wie eine gewisse Melancholie schwingen diese in seinen Geschichten mit. Sein Stil ist dabei unheimlich leichtfüßig.
Inhaltlich sind die Geschichten eine Mischung aus Alltagsbeobachtungen, eigenen Erlebnissen und Erinnerungen an skurrile Situationen. Ein Streitgespräch mit einem Taxifahrer, der den dreijährigen Sohn des Autors angebrüllt hatte, liest sich ebenso unterhaltsam und weise wie die Geschichte um das Warschauer Keret-Haus, das den Familiennamen wieder zurück in die Geburtsstadt der Mutter brachte.

Kerets Herz gehört seiner Heimat Israel. Der jüdische Glaube an sich scheint für ihn keine große Rolle zu spielen; er selbst glaubt nicht an Gott, lebt aber in einem Land, in dem Religion und Politik untrennbar miteinander verbunden sind. Auch in den „Sieben guten Jahren“ gab es Auseinandersetzungen um den Gaza-Streifen, Operationen mit Namen wie „Gegossenes Blei“ und „Wolkensäule“. Bombenalarme und Gespräche über Krieg gehörten teilweise zum Alltag des Autors und fließen so auch in seine Geschichten ein. Im gleichzeitig traurigen, komischen und berührenden Kapitel „Pastrami“ schildert Keret, wie er und seine Frau mit dem kleinen Sohn spielen, dass sie drei ein Sandwich bilden – so können sie das Kind während eines Bombenalarms gleichzeitig beruhigen und es dazu bringen, sich mit ihnen neben dem Auto in einen Graben zu legen. Der Autor sieht Israels Politik durchaus kritisch, auch das blitzt immer wieder in seinen Geschichten durch. Vor allem erzählen sie jedoch davon, wie Alltag in Israel heute aussieht, und das fand ich sehr interessant. „Die sieben guten Jahre“ haben mir Israel mit all seinen Widersprüchen ein ganzes Stück nähergebracht. Wobei Keret vermutlich zu den Autoren gehört, die über alles schreiben könnten – durch seinen Stil, seinen Witz, seine Ehrlichkeit und seine besondere Beobachtungsgabe wäre das Ergebnis auf jeden Fall lesenswert.

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sursulapitschis avatar

Rezension zu "Die sieben guten Jahre" von Etgar Keret

Unterwegs mit Etgar Keret
sursulapitschivor 2 Jahren

„In diesem Buch teilen Sie ein Eisenbahnabteil mit mir. Wenn Sie zur letzten Seite kommen, steige ich aus, und wir sehen uns vielleicht nie wieder. Aber ich hoffe, dass etwas von der siebenjährigen Reise, die mit der Geburt meines Sohnes beginnt und mit dem Tod meines Vaters endet, auch sie berührt.“ 

Das schreibt Etgar Keret im Nachwort seines Buches und bringt es damit auf den Punkt. Man hat eine Reise mit ihm unternommen und ihn dabei ein kleines bisschen kennengelernt. Er erzählt Episoden aus seinem Leben als Autor, als Vater, als Ehemann und auch als Sohn polnischer Juden, die nach Israel ausgewandert sind. Manche sind brüllend komisch, andere skurril, einige einfach nur klug, aber es gibt auch tragische Momente und Trauriges zu erzählen. Selbst da verliert Etgar Keret seinen Humor nicht. Dieser Mann ist unglaublich witzig und wenn Humor nicht angesagt ist, packt er den Galgenhumor aus.
Daneben bekommt man noch einen losen Eindruck vom Leben in Tel Aviv, für das man wohl eine gehörige Portion Humor gut gebrauchen kann, wenn man sich beispielsweise auf der Autobahn befindet und der Fliegeralarm ertönt, wenn Terroranschläge zum Alltag gehören und man sich davon einfach nicht verrückt machen lässt.

„Die sieben guten Jahre“ ist ein kleines Buch, das es in sich hat. Ich habe das Gefühl, einen sehr besonderen Menschen kennengelernt zu haben, von dem ich sicher noch weitere Bücher lesen werde. Und ja, Herr Keret, ihr Buch ist wirklich unterhaltsam, aber es berührt auch sehr.


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W

Rezension zu "Die sieben guten Jahre" von Etgar Keret

„Die sieben guten Jahre“ ist ein Buch voller Liebe und Hoffnung
WinfriedStanzickvor 3 Jahren



Er zählt zu den bekanntesten und auch beliebtesten Schriftstellern seines Heimatlandes Israel und wird schon seit langem in einem Atemzug mit den Großen wie David Grossman oder Amos Oz genannt.

Das neue Buch von Etgar Keret ist ein Wagnis. Zum ersten Mal seit 25 Jahren schreibt er keine Fiktion, sondern er erzählt in etwa drei Dutzend Prosastücken Biographisches und Erlebtes aus einem Zeitraum von sieben Jahren. Diese Jahre zwischen der Geburt seines Sohnes Lev und dem Tod seines Vaters haben dem Buch seinen Titel gegeben. In einem Nachwort schreibt er, warum er das Buch nicht in Israel veröffentlicht sehen wollte: „weil es darum um die Menschen geht, die mir die liebsten auf der Welt sind; weil es mich als Autor in eine neue, nicht vertraute Situation bringt, verletzlich und intim.“  Deshalb wollte er diese Erfahrungen nur mit Fremden teilen. Das Buch wurde ins Englische übersetzt und von dort hat es Kerets Freund Daniel Kehlmann ins Deutsche übertragen.

Das Buch beginnt  mit Schilderung einer Art doppelten Geburt. Nicht nur sein Sohn Lev kommt auf die Welt, sondern dieses neue Leben ist mehr, Hoffnung auf Zukunft und Frieden:

„Sechs Stunden später fällt ein Zwerg, dem ein Kabel aus dem Bauchnabel hängt, aus der Vagina meiner Frau und fängt sofort an zu weinen. Ich versuche ihn zu überzeugen, dass man sich gar keine Sorgen machen muss. Dass alles im Mittleren Osten geklärt sein wird, wenn er erwachsen ist. Frieden wird kommen, es wird keine weiteren Terroranschläge mehr geben, und sogar, wenn es ganz selten einmal einen geben sollte, wird immer jemand Originelles, jemand mit ein wenig Vision in der Nähe sein, um ihn perfekt zu beschreiben.“

Nicht nur an dieser Stelle, sondern das ganze Buch durch die verschiedenen Erzählungen gelingt es Keret wie weiland Ephraim Kishon zu einer anderen Zeit, eine Alltagssituation so zu beschreiben, dass sie auf eine betörende Art komisch wird.

Tagebuchartig erzählt er nicht nur von der Entwicklung seines Sohnes, sondern immer wieder auch von seinem Vater. Es ist wie ein nachgeholtes Erwachsenwerden, nicht nur als Mann und Ehemann, sondern auch als Schriftsteller, die er in diesem glücklichen Zeitraum von sieben Jahren erlebt. Dazwischen geht es aber auch immer wieder um die politische Lage in Israel und im Nahen Osten, um die jeden Tag präsente Angst vor Terroranschlägen und feigem Mord.
Keret beschreibt, wie schon auf den Kinderspielplätzen am Rande der Sandkiste, wo er sich als freiberuflicher Vater oft aufhält, die Mütter von kleinen Kindern darüber diskutieren, ob sie es zulassen werden, dass ihre Söhne dereinst den in Israel obligatorischen Militärdienst ableisten werden. Auch seine Frau möchte das nicht und erwidert auf Kerets Einwand, das sei doch eine Bevormundung: „Lieber bevormunde ich ihn, als dass ich in fünfzehn Jahren an einem Militärbegräbnis auf dem Olivenberg teilnehmen muss. Wenn es bevormundend ist, seinen Sohn  daran zu hindern, sein  Leben zu riskieren, dann bin ich eben bevormundend.“
Sie finden einen Kompromiss: Wir würden uns bis zu seinem achtzehnten Lebensjahr darum bemühen, entweder in der Region oder in unserer Familie Frieden zu schaffen.“

Kerets Texte erzählen von Erlebnissen auf seinen zahlreichen Lesereisen, von der Kindheit seiner Mutter, einer Holocaustüberlebenden in Polen, von seinem Sohn, den er beschützen will und von seinem Vater und dessen Sterben und Tod. An einer sehr berührenden Stelle erzählt er, wie er auf einer Reise nach Los Angeles vier Wochen nach dem Tod seines Vaters erlebt, dass er tatsächlich in seine Schuhe passt. Das ist ihm wie ein Beweis, dass alles gut wird.

Zwischen ernsthafter Tiefsinnigkeit, die den Leser im Innersten berührt, wechselt Keret oft auf derselben Seite zur Komik und Groteske, die dem zuvor Tragischen etwas Leichtes und Schwebendes zu geben vermag.

Vielleicht kann man heute in Israel auch nur so leben ohne zynisch und verbittert zu werden – oder auszuwandern.  „Die sieben guten Jahre“ ist ein Buch voller Liebe und Hoffnung.




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Etgar Keret wurde am 20. August 1967 in Ramat Gan (Israel) geboren.

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