Dieser Band der Shepherd‑Reihe liefert genau das, was man von Ethan Cross erwartet: Tempo, Nervenkitzel und ein perfides Katz‑und‑Maus‑Spiel, das Marcus Williams an seine Grenzen treibt. Der Autor eröffnet mit einem brutalen Szenario – Entführungen, moralische Erpressung, ein Vater, der seine Opfer zu Tätern machen will – und steigert die Intensität von Kapitel zu Kapitel. Besonders spannend ist, wie sehr er mit der Wahrnehmung seiner Figuren spielt. Francis Ackerman Jr. wirkt stellenweise fast greifbarer und menschlicher als Marcus selbst, was die Dynamik zwischen den Brüdern enorm auflädt.
Doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher zeigt sich auch die Schwäche des Romans: Cross schraubt die Eskalation so weit hoch, dass manche Wendungen eher konstruiert als konsequent wirken. Die Enthüllungen rund um Marcus’ Vergangenheit, die Entführung seiner Familie und die Pläne des „Anstifters“ sind zweifellos packend, aber nicht immer glaubwürdig. Gerade im letzten Drittel überschlägt sich die Handlung so sehr, dass man als Leser irgendwann das Gefühl bekommt, der Autor wolle um jeden Preis noch eins draufsetzen.
Trotzdem bleibt die Spannung bis zum Schluss bestehen. Die Zusammenarbeit zwischen Maggi und Ackerman, die verzweifelte Suche nach Marcus und der tiefe Blick in die Abgründe der Shepherd‑Organisation sorgen für durchgehend hohes Tempo. Und auch wenn die Figuren oft überzeichnet sind, gelingt es Cross, Ackerman Jr. als faszinierenden Fixpunkt der Reihe zu etablieren – so sehr, dass man allein wegen ihm weiterlesen möchte.
Fazit: Ein rasanter, düsterer Thriller, der mit starken Wendungen und intensiven Figurenmomenten punktet, aber gelegentlich an seiner eigenen Überambition scheitert. Spannend genug für Fans der Reihe, doch für mich persönlich der Band, bei dem ich erstmals überlege, ob ich weiterlese. 4 von 5 Sternen.


































