Eugen Ruge

 3,9 Sterne bei 456 Bewertungen
Autor von Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna, Cabo de Gata und weiteren Büchern.
Autorenbild von Eugen Ruge (©Asja Caspari)

Lebenslauf

Unprätentiös und elegant: Eugen Ruge kam 1954 in Sosswa am Ural als Sohn des DDR-Historikers Wolfgang Ruge zur Welt. Als er zwei Jahre alt war gingen er und seine Familie nach Ost-Berlin, wo er Mathematik studierte und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Physik der Erde arbeitete. 1986 begann er seine Tätigkeit als Schriftsteller, Drehbuchautor und Dokumentarfilmer und siedelte 1988 in die Bundesrepublik über.

In den folgenden Jahren verfasst er als Autor schwerpunktmäßig für Theater, Funk und Film. 2009 erhielt Ruge für sein erstes Prosamanuskript "In Zeiten des abnehmenden Lichts" den renommierten Alfred-Döblin-Preis. 2011 wurde derselbe Roman mit dem Aspekte-Literaturpreis und der größten deutschen Auszeichnung, dem Deutschen Buchpreis, geehrt.

In der Begründung der Jury des Deutschen Buchpreises heißt es: „Eugen Ruge spiegelt ostdeutsche Geschichte in einem Familienroman. Es gelingt ihm, die Erfahrungen von vier Generationen über fünfzig Jahre hinweg in einer dramaturgisch raffinierten Komposition zu bändigen. Sein Buch erzählt von der Utopie des Sozialismus, dem Preis, den sie dem Einzelnen abverlangt, und ihrem allmählichen Verlöschen. Zugleich zeichnet sich sein Roman durch große Unterhaltsamkeit und einen starken Sinn für Komik aus.“

Ruge ist Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller und lebt in Berlin und auf Rügen.

Alle Bücher von Eugen Ruge

Cover des Buches Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna (ISBN: 9783423149068)

Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna

(296)
Erschienen am 13.06.2024
Cover des Buches Cabo de Gata (ISBN: 9783499267482)

Cabo de Gata

(61)
Erschienen am 28.11.2014
Cover des Buches Metropol (ISBN: 9783499000973)

Metropol

(40)
Erschienen am 23.03.2021
Cover des Buches Follower (ISBN: 9783499271717)

Follower

(11)
Erschienen am 20.10.2017
Cover des Buches Annäherung (ISBN: 9783499270697)

Annäherung

(2)
Erschienen am 25.11.2016
Cover des Buches In Zeiten des abnehmenden Lichts (ISBN: 9783839892251)

In Zeiten des abnehmenden Lichts

(20)
Erschienen am 23.10.2014
Cover des Buches Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna (ISBN: 9783839820186)

Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna

(17)
Erschienen am 24.05.2023
Cover des Buches Metropol (ISBN: 9783839817414)

Metropol

(7)
Erschienen am 23.10.2019

Neue Rezensionen zu Eugen Ruge

Cover des Buches Metropol (ISBN: 9783499000973)
Federfees avatar

Rezension zu "Metropol" von Eugen Ruge

Federfee
Das Geheimnis der Großmutter

Geheimnis - das klingt spannend, ist es aber eher nicht. Es geht um deutsche Kommunisten, die in Moskau für die KomIntern (Kommunistische Internationale) gearbeitet haben und in den Zeiten des stalinistischen Terrors unter ‘Säuberungen’ zu leiden hatten, heißt: Verhöre, Schauprozesse und Verurteilungen im Minutentakt zu Arbeitslager oder Tod. Es ist erstaunlich, dass sie sich dennoch nicht von Stalin und dem angeblichen Kommunismus abgewendet haben, aber vielleicht ging es nicht, weil sie keine Alternative hatten.

Anhand von Archivunterlagen erzählt Eugen Ruge vom Schicksal seiner Großeltern, das er - wie aus dem Epilog hervorgeht  - akribisch erforscht hat. Auch sie arbeiteten als deutsche Emigranten mit Decknamen für die KomIntern und wurden nach einer Selbstanzeige im berühmten Jugendstilhotel ‘Metropol’ einquartiert. Dort mussten sie über 400 Tage lang auf eine Entscheidung ihrer Angelegenheit warten, eine Zeit voller Angst, Ungewissheit und Misstrauen.

Fand ich den Beginn des Buches zu ‘trocken’, so wechselt es dann vom Berichten der Fakten zum eher Romanhaften, was eindrücklich und bedrückend geschildert wurde: einerseits Mangel und Hunger, Terror und Bespitzelung, eine Atmosphäre von Misstrauen und Denunziation, andererseits Lebenshunger, die Suche nach Vergnügungen und hektische Bautätigkeiten in Moskau.

Auch wenn Ruges Großmutter sicher keine Möglichkeit hatte, die Sowjetunion zu verlassen, weil sie von den Nazis gesucht wurde und auch ihre beiden Söhne in Moskau waren, habe ich es doch nicht verstehen können, wie man sich alles schön lügt und der Wahrheit nicht ins Auge blicken will.

Für mich ist es das, was Ruge selber im Epilog schreibt: ‘...eine Geschichte darüber, was Menschen zu glauben bereit, zu glauben imstande sind’ das zentrale Thema des Romans.

‘Dass die Menschen glauben, was sie glauben wollen… Wie dumm sind die Menschen? Wie dumm sind die, die an irgendwas glauben? Und wie dumm sind die, die noch nicht einmal merken, dass sie es tun?’ (360)

Noch ein entlarvendes Zitat, was die Großeltern angeblich anlässlich von Feierlichkeiten im Radio gehört haben: 

‘Schon in der Mitte dieses Jahrhunderts werde die Sowjetunion Deutschland und die USA überflügelt haben, und all der Reichtum, den das riesige Land produziert, wird den werktätigen Menschen zugutekommen und nicht einer parasitären Oberschicht. Eine Gesellschaft ohne Ausbeutung. …’ (342) - Dem ist nichts hinzuzufügen ;-)

Fazit

Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der allzu berichtsartigen Darstellung wurde es zunehmend besser und ich kann zum Abschluss sagen: ich schätze die Informationen und Einblicke, die ich durch Eugen Ruge hier bekommen habe, auch wenn ich es im Ganzen zu langatmig fand. Er hat sehr viel Arbeit in die Recherche gesteckt und eine Art Zeitdokument erschaffen.

Cover des Buches Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna (ISBN: 9783423149068)
R

Rezension zu "Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna" von Eugen Ruge

Ruth
Satirische Parabel auf die Gegenwart




Kann man einen spannenden Roman schreiben, wenn jeder das Ende schon kennt? Ja, kann man. Eugen Ruge hat mit seinem neuesten Werk den Beweis dafür geliefert.
Allerdings hat er keinen typischen historischen Roman geschrieben, sondern aus einer in der Vergangenheit angesiedelten Geschichte eine satirische Parabel auf die Gegenwart gemacht.
„ Vergiss, lieber Leser, alles, was du jemals über Pompeji gehört hast. …Vergiss und lies. Dies ist der wahre Bericht vom Untergang Pompejis und seiner Bewohner.“ So stimmt uns der namenlose Erzähler auf das Kommende ein. Er, ein „ beschämter Überlebender“ hat alles auf achtzehn Schriftrollen festgehalten und in einer Amphore verschlossen für die Nachwelt. Allerdings hat er seine Zweifel, ob diese wohl die Zeichen deuten können und daraus etwas lernen werden.

Die Handlung setzt ein einige Jahre vor dem Vulkanausbruch. Die Stadt hat sich noch nicht ganz von den Folgen des Erdbebens im Jahr 62 v.Chr. erholt.
Jowna oder Josse, wie er genannt wird, Sohn einer armen Migrantenfamilie, wächst hier auf. Er schämt sich für die Armut und Bedeutungslosigkeit seines Vaters, doch Ehrgeiz entwickelt er keinen. Stattdessen bricht er früh die Schule ab und wird Anführer von einer Bande von Herumtreibern. Bei einem zufällig gehörten Vortrag eines „ externen Referenten“ erfährt er, dass die Stadt auf vulkanischem Boden steht und dass der Vulkan durch das große Beben zum Leben erwacht sei.
Diese Gefahr ist der Anlass für Josse aufzustehen und zu seiner ersten Rede anzusetzen. Noch linkisch und keineswegs wortgewandt lässt er die anderen an seiner Erkenntnis teilhaben. Da der Berg sich wohl kaum von der Stelle bewegen wird, so sollten das die Menschen tun.
Josse wird zum Anführer einer Gruppe Gleichgesinnter, die abseits der Stadt eine neue Siedlung gründen. Es ist ein buntes Völkchen hier am „ Fenster des Meeres“. Die einen berauschen sich an Fliegenpilzsud und wildem Sex, die anderen führen endlose Diskussionen über den zukünftigen Regierungsstil, über die Abschaffung des Privatbesitzes und die Gleichbehandlung der Geschlechter, über richtiges und falsches Bewusstsein.
Doch die Aussteiger werden mit Misstrauen beobachtet von der Elite in Pompeji. Dort will man nichts von der drohenden Gefahr wissen, fürchtet Massenpanik und Abwanderung und in Folge davon den Fall der Immobilienpreise.
Da tritt Livia auf, die führende Unternehmerin der Stadt. Sie hat sich mit dem Wiederaufbau eine goldene Nase verdient und gerade die Volksthermen für einen symbolischen Preis gekauft und in Betrieb genommen. So eine lässt sich doch nicht von ein paar verrückten Apokalyptikern das Geschäft verderben.
Sie umgarnt Josse mit ihren weiblichen Reizen und den Verlockungen der Macht und schafft es so, ihn zu einer Kehrtwende zu bewegen. Plagen ihn anfangs noch Skrupel ( „ Wie kehrt man um, ohne zu wenden? Wie übt man Verrat, ohne Verräter zu sein?“) , wird Josse kurz darauf zum Vorsitzenden des Vulkanvereins. Statt Pompeji zu verlassen, gilt nun ein „ Leben mit dem Vulkan“.

Der Autor scheint beim Schreiben großes Vergnügen gehabt zu haben. Er geht spielerisch mit seinem Stoff um, packt jede Menge Begriffe aus der Gegenwart in den Text und schreibt spöttisch über die verschiedenen Denkrichtungen und Ideologien. Es fallen Anachronismen wie „ Mauerspechte“ und „ blühende Landschaften“. Bei einer der Reden Josses will jemand den Satz gehört haben „ Wir schaffen das“, ein anderer „ Das Büffet ist eröffnet“. Die Aussteiger aus der Siedlung erinnern an Hippiekommunen oder an linke Gruppierungen mit ihren Grundsatzdiskussionen.
Ruge lässt alle Gesellschaftsschichten der damaligen Zeit auftreten und alle bekommen ihr Fett ab. Der Neureiche, der sich vom freigelassenen Sklaven zum Bauunternehmer hochgearbeitet hat, der korrupte Politiker ebenso wie gierige Kapitalisten und bestechliche Priester. Kaum eine der Figuren entwickelt sich zum Sympathieträger, auch die Hauptfigur nicht. Ein Wendehals, der sich von der Macht verführen lässt, der sich vom Warner zum Demagogen entwickelt.
Auch historisch verbürgte Figuren treten auf, so z.B. Plinius der Ältere. Ihn zeichnet Ruge als typischen Buchgelehrten, der sein immenses Wissen nicht durch Exkursionen oder eigene Forschungen gewonnen hat, sondern durch das Studium anderer Bücher. Plinius ist mittlerweile eine Karrikatur seiner selbst, fett, unbeweglich und leicht senil. Und auch er glaubt nicht an einen drohenden Vulkanausbruch. Tragisch, dass er später dabei selbst zu Tode kommt.
Besonderes Vergnügen machte mir das Kapitel, in dem Josse Unterricht bekommt in Rhetorik. Hier lernt er alles, was eine gelungene Politikerrede ausmacht. Wie schafft man Vertrauen und welche Bedeutung haben leere Versprechen ? Wie kann man Versäumnisse als Verdienst ausgeben ? Nutze die verbindende Kraft von Feindbildern! Und manches mehr.
Bei all dem Gegenwartsbezug merkt man dem Roman aber auch die intensive Recherchearbeit des Autors an, denn der Leser erfährt viel Wissenswertes über das Leben in jener Zeit.
Doch mich hat beim Lesen weniger die historische Komponente interessiert, sondern seine aktuelle Fragestellung. Wie gehen Menschen mit zukünftigen Bedrohungen um? Sind sie bereit, darauf angemessen zu reagieren oder ignorieren sie die Warnzeichen oder leugnen sie gar?
Viele Szenen weisen einen hohen Wiedererkennungseffekt auf und man fragt sich, was der Vulkanausbruch unserer Zeit ist. Für mich ist das eindeutig der Klimawandel, aber auch bei der Corona-Pandemie gab es die gleichen Verhaltensmuster.
Auch wenn manche Rezensenten Parallelen zwischen der Hauptfigur Josse und Joschka Fischer ( ähnlicher Vorname, der Vater von beiden war Metzger) zu erkennen glauben, so hat Ruge meiner Ansicht nach keinen Schlüsselroman geschrieben. Vielmehr ging es ihm um allgemeine Tendenzen und Entwicklungen in Gesellschaft und Politik.
Eugen Ruge, studierter Mathematiker und Erdbebenforscher, debütierte 2011 mit seiner ( eigenen) Familiengeschichte „ In Zeiten des abnehmenden Lichts“, für das er den Deutschen Buchpreis erhielt. So große Ehre wird seinem neuesten Werk nicht zuteil werden, doch ihm ist mit „ Pompeji“ ein zwar vergnüglich zu lesender, doch nachdenklich stimmender Roman gelungen.


Cover des Buches Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna (ISBN: 9783423149068)
S

Rezension zu "Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna" von Eugen Ruge

Scilla
Grandiose Idee


Das Buch ist ein Geniestreich. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Vulkanausbruchs erzählt ein allwissender Erzähler vom Aufstieg des Josse, einem Habenichts, der sich jede gesellschaftliche Strömung zunutze macht. Ein Fähnchen im Wind ohne Moral, sollte man meinen, und doch schafft er es geschickt, große Gruppen von Menschen hinter sich zu vereinen. 

Das Buch ist so zeitlos wie der Vesuv selbst, und überzeugt doch als historischer Roman. Zudem muss man oft lachen, insbesondere dann, wenn man die Parallelen zur Gegenwart erkennt.  

Zitat Eugen Ruge aus "Pompeii"

"Wir wissen ja, wie es läuft. Marcus hat euch das Blaue vom Himmel versprochen und das werde ich jetzt auch tun"

Gelächter. Das hatte Josse: ein Gespür für die Stimmungen der Leute. Marcus Holconius hatte sie durch seine Vornehmheit eingeschüchtert und Josse vertrieb alles Unbehagen mit einem Satz. Nicht dass seine Zuhörer sich gleich ergeben hätten, aber mancher, der gerade hatte gehen wollen, bestellte sich noch ein Becherchen und hörte amüsiert den Worten des Emporkömmlings zu. (Nie zuvor hatte dieser Josse ein Amt innegehabt) Jetzt wechselte Josse in die patriotische Tonart. (...) Wenn du für groß gehalten werden willst, rede über große Dinge."

Zitat Ende.

"Dieser" Autor hat definitiv etwas zu sagen. 

Gespräche aus der Community

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86 Beiträge
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Letzter Beitrag von  Barbara62

Meine Rezension steht auf meinem Blog (www.mit-büchern-um-die-welt.de) und auf literarixx.de, da ich bei LB keine Rezensionen mehr poste. Direkt verlinken lässt sie sich leider nicht, aber auf den Seiten lässt sie sich finden.

Dank an @Federfee für die Initiative, ohne die das Buch immer noch ungelesen stehen würde.


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"Großer Bruder Zorn" habe ich gelesen und fand es echt gut! :-)

Zusätzliche Informationen

Eugen Ruge wurde am 24. Juni 1954 in Sosswa (Russland) geboren.

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