Eugen Ruge

 3.9 Sterne bei 322 Bewertungen
Autor von In Zeiten des abnehmenden Lichts, Cabo de Gata und weiteren Büchern.
Autorenbild von Eugen Ruge (© Tobias Bohm)

Lebenslauf von Eugen Ruge

Unprätentiös und elegant: Eugen Ruge kam 1954 in Sosswa am Ural als Sohn des DDR-Historikers Wolfgang Ruge zur Welt. Als er zwei Jahre alt war gingen er und seine Familie nach Ost-Berlin, wo er Mathematik studierte und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Physik der Erde arbeitete. 1986 begann er seine Tätigkeit als Schriftsteller, Drehbuchautor und Dokumentarfilmer und siedelte 1988 in die Bundesrepublik über.

In den folgenden Jahren verfasst er als Autor schwerpunktmäßig für Theater, Funk und Film. 2009 erhielt Ruge für sein erstes Prosamanuskript "In Zeiten des abnehmenden Lichts" den renommierten Alfred-Döblin-Preis. 2011 wurde derselbe Roman mit dem Aspekte-Literaturpreis und der größten deutschen Auszeichnung, dem Deutschen Buchpreis, geehrt.

In der Begründung der Jury des Deutschen Buchpreises heißt es: „Eugen Ruge spiegelt ostdeutsche Geschichte in einem Familienroman. Es gelingt ihm, die Erfahrungen von vier Generationen über fünfzig Jahre hinweg in einer dramaturgisch raffinierten Komposition zu bändigen. Sein Buch erzählt von der Utopie des Sozialismus, dem Preis, den sie dem Einzelnen abverlangt, und ihrem allmählichen Verlöschen. Zugleich zeichnet sich sein Roman durch große Unterhaltsamkeit und einen starken Sinn für Komik aus.“

Ruge ist Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller und lebt in Berlin und auf Rügen.

Alle Bücher von Eugen Ruge

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Cover des Buches In Zeiten des abnehmenden Lichts (ISBN: 9783498057862)

In Zeiten des abnehmenden Lichts

 (222)
Erschienen am 01.09.2011
Cover des Buches Cabo de Gata (ISBN: 9783498057954)

Cabo de Gata

 (53)
Erschienen am 07.06.2013
Cover des Buches Metropol (ISBN: 9783498001230)

Metropol

 (18)
Erschienen am 08.10.2019
Cover des Buches Follower (ISBN: 9783498058050)

Follower

 (10)
Erschienen am 26.08.2016
Cover des Buches Annäherung (ISBN: 9783498058005)

Annäherung

 (2)
Erschienen am 30.05.2015
Cover des Buches Theaterstücke (ISBN: 9783644048515)

Theaterstücke

 (0)
Erschienen am 30.05.2015
Cover des Buches In Zeiten des abnehmenden Lichts (ISBN: 9783839891544)

In Zeiten des abnehmenden Lichts

 (12)
Erschienen am 07.03.2013
Cover des Buches Metropol (ISBN: B07XQF21WW)

Metropol

 (3)
Erschienen am 08.10.2019

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Neue Rezensionen zu Eugen Ruge

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Rezension zu "Metropol" von Eugen Ruge

stalinistische Säuberungen
Gwhynwhyfarvor 6 Tagen

«Dass die Menschen glauben, was sie glauben wollen – das ist doch wirklich kein großes Geheimnis. Oder doch? Wie dumm sind die Menschen? Wie dumm sind die, die an irgendwas glauben? Und wie dumm sind die, die nicht einmal merken, dass sie es tun?»


Für mich hat Arthur Koestlers weltberühmter Roman «Sonnenfinsternis» erstmals beleuchtet, wie zur Stalinzeit die politischen Säuberungen innerhalb der eigenen revolutionären Partei brutal und völlig kopflos durchgeführt wurden. Jeder steht unter Generalverdacht – einer denunziert den anderen, Historiker gehen von 3 Millionen bis hin zu weit über 20 Millionen Toten aus. Es erinnert an die Französische Revolution. Heute Volksheld, morgen Kopf ab als Volksverräter … Dieser Roman nimmt das Thema auf und zeigt, wie viele deutsche Kommunisten sich damals der russischen Revolution angeschlossen hatten und den stalinistischen Säuberungen zum Opfer fielen, zeigt die Schauprozesse und Verfolgung der Menschen, die durch einen kleinen unbedachten Satz auffielen oder mit irgendwem bekannt waren, denunziert wurden, somit unter Verdacht gerieten, selbst Kollaborateure, Trotzkisten, zu sein. Es ist die Familiengeschichte von Eugen Ruge, die seiner Großmutter.


Die deutsche Kommunistin Charlotte konnte 1936 gerade noch vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten nach Moskau fliehen. Im Spätsommer bricht sie mit ihrem Mann und der jungen Britin Jill zu einer mehrwöchigen Urlaubsreise durch die neue Heimat Sowjetunion auf. Noch sind sie Agenten des Nachrichtendienstes OMS. In Moskau hatte man zuerst vielen Militärführern den Prozess gemacht, fast die gesamte Führungsriege wurde ausgetauscht. Und nun wird beim Nachrichtendienst und der zivilen Bevölkerung weitergemacht. Das Paar wird nach dem Urlaub ohne Angabe vom Gründen vom Dienst suspendiert, muss aus der Wohnung ausziehen: Loyalität und Gehorsam, Verdächtigung und Verrat, Angst um das eigene Leben, sie wissen nicht, worum es geht. So sitzen Charlotte und Wilhelm nun im Moskauer Hotel Metropol fest, warten auf die Entscheidung des Innenministeriums der UdSSR, als Staatsfeind oder treue Anhänger zu zählen. 477 Tage werden sie dort ausharren müssen. Später erfahren sie, dass Wilhelms erste Frau die beiden denunziert hatte. Ein alter Freund wurde verhatet und hingerichtet, unter dem Verdacht, ein Trotzkist zu sein.


«Bei Frauen entscheidet er sich meistens für zehn Jahre Lager. Aber warum eigentlich. Herrscht nicht Gleichberechtigung in der Sowjetunion? Tod durch Erschießen, entscheidet Wassili Wassiljewitsch. Er setzt seine Unterschrift unter das Urteil, nimmt sich die nächste Akte vor. Aber dann fällt ihm ein, dass heute Feiertag ist. Und er sitzt schon wieder hier und schuftet. Während die anderen bei Woroschilow Haselhuhn fressen und Champagner saufen. Irgendwie kränkt es ihn doch, dass er nicht eingeladen ist.»


Eugen Ruge arbeitet mit drei Perspektiven. Charlotte Germaine erzählt ihre Sicht der Dinge, lässt ihren Gedanken freien Lauf. Einen kleineren Teil hat die erste Frau Wilhelms, Hilde Tal, die als Sekretärin für das OMS arbeitet. Sie ist selbst voller Angst, glaubt, sich durch Denunziation vor dem stalinistischen Terrorsystem in Sicherheit bringen zu können. Die dritte Perspektive hat Wassili Wassiljewitsch Ulrich, dem das Ehepaar im Monopol begegnet, der der als oberster Militärrichter der Sowjetunion mehr als 30.000 Todesurteile unterschrieb und als Konkurrent von Lenin zählte, den es zu beseitigen galt. Im Hotel kommen Menschen an, andere verschwinden – meist verurteilt. Lion Feuchtwanger wohnt Wand an Wand mit Charlotte und Wilhelm. Die Angst dringt durch die Mauerritzen, jeder misstraut hier jedem. Aber jeder hier glaubt bis zum Schluss an Lenin und den Staat – jeder versteht, dass Staatsfeinde ausgerottet werden müssen – jeder glaubt, er kommt davon, denn jeder meint, er sei aufrichtig und habe nichts verbrochen. Eugen Ruge beschreibt diesen Mikrokosmos des Hotels präzise. Es ist erstaunlich, wie sehr Menschen weiterhin einem Regime vertrauen, völlig blind, das letztendlich jeden im Visir hat. Charlottes Innenperspektive ist spannend beschrieben, die Verhöre: Was wird gesagt, was gedacht, wie verstrickt man sich. Die Angst hängt im Nacken, was ist man bereit, zu sagen, um sich selbst aus der Schlinge zu ziehen? Ein historisch wichtiges Buch, ein klasse Roman, der mit leisen Tönen arbeitet, die tief eindringen, die aufdecken, wie eine bestialische Diktatur funktioniert.



Eugen Ruge wurde 1954 in Soswa (Ural) geboren. Der diplomierte Mathematiker begann seine schriftstellerische Laufbahn mit Theaterstücken und Hörspielen. Für «In Zeiten des abnehmenden Lichts» wurde er unter anderem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen die Bände «Theaterstücke» und «Annäherung» sowie die Romane «Cabo de Gata» und «Follower».


https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/metropol-von-eugen-ruge-rezension.html

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Rezension zu "Metropol" von Eugen Ruge

Uns kann nichts passieren, denn wir haben nichts getan. ...
reneevor 24 Tagen

Irgendwie zieht es mich literarisch dieses Jahr immer wieder in die ehemalige Sowjetunion. Bei diesem Werk schaut der Autor auf seine Großmutter und ihre Zeit in den Dreißigern in Russland, eine Zeit des Großen Terrors, eine widerwärtige und schreckliche Zeit, in der der Mensch zeigt, wie er tickt und eine Zeit, in der ein Einzelner ein ganzes Land ins Chaos schickt. Und das Land macht mit! Der Autor hat eine Akte angefordert, eine Akte über seine Großmutter, über Charlotte, Deckname Lotte Germaine. Und er bekommt diese Akte mit dem Vermerk "Streng geheim" kopiert ausgehändigt, zwei Stapel Papier, zweihundertsechsundvierzig Blätter. Blätter voller Grauen! Und aus dieser Akte baut Eugen Ruge dieses Buch. Ein Roman, der einen Blick in eine vergangene Zeit beinhaltet, eine grauenvolle Zeit. Und eine Zeit, in der der Mensch wieder einmal beweist, der Mensch ist dem Menschen sein Wolf. Ein Roman, der zeigt, wie schmal der Grat zwischen Verdächtigung und Verrat ist, was Überzeugung, Loyalität und Gehorsam anrichten können und wie wenig die Moral dagegen halten kann. Dieses Buch ist ein Blick auf ein Land, welches sich selbst zerstört und es nicht einmal merkt. Bzw. werden diejenigen, die es merken und etwas dazu von sich geben, ebenfalls von ihrem eigenen Land zerstört. Dieses Buch ist ein Blick auf eine Zeit, in der zwischen September 1936 und Dezember 1938 schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen umgebracht wurden, die Zeit des Großen Terrors. Darüber sollte man einmal nachdenken! 1,5 Millionen Tote, durch das eigene Land. Etwa zwei Drittel der Parteigenossen, die vom 26. Januar bis zum 10. Februar 1934 in Moskau am Parteitag der Sieger als Delegierte teilgenommen hatten, wurden teils in öffentlichen Schauprozessen, den Moskauer Prozessen zum Tode verurteilt. Da lässt jemand etwaige Gegner eliminieren. Stalin allein entschied, wer nicht mehr hinter seiner Politik stand und die Geheimpolizei handelte dementsprechend. Gib einem Menschen Macht und ... Das Volk wurde aufgerufen mitzumachen und das Land von Volksverrätern zu säubern. Und das Volk beteiligte sich. ... Ein Blick auf ein unfassbares Grauen. Und wieder mal ein Buch, wo ich mich frage, wie kann so etwas geschehen? 

In meinen Augen ist dieses Buch ein Kandidat für den Deutschen Buchpreis. Es bekommt dennoch nur 4 Sterne von mir, weil mir schlussendlich das Buch zu distanziert und zu kühl vorkam. Aber dies ist nur eine subjektive Einschätzung. Denn vielleicht kann man so ein Grauen nur distanziert formulieren. Thematisch und auch vom Aufbau her ist es ein Buch für den Deutschen Buchpreis. 

Kommentare: 8
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Rezension zu "In Zeiten des abnehmenden Lichts" von Eugen Ruge

Ein großartiges Buch voller Melancholie...
Hallorinvor 2 Monaten

...passend zu der tiefen Wunde, die seit dreißig Jahren in meinem Herzen schwelt.
Hier wird mittels sehr raffinierter Erzähltechnik ein großer Bogen von der 30er Jahren bis zum Ende der DDR geschlagen und Vertreter von vier Generationen einer Familie kommen zu Wort. Dabei werden Situationen aus der Sicht der verschiedenen Personen betrachtet wird und damit wie ein Puzzle zusammengesetzt und zunächst seltsam erscheinende Handlungen bekommen plötzlich eine Motivation und einen Hintergrund...
Obwohl alle fünf Hauptpersonen irgendwie mit ihrem Lebensentwurf scheitern, hatte ich persönlich den Eindruck, dass keine dieser Personen ins Lächerliche gezogen wurde, nicht mal Wilhelm. In diesem Roman wird nicht "nachgetreten", wie man das seit der Wende so oft erleben musste. Es ist eher eine Beschreibung verschiedener möglicher Leben in der DDR, mit viel Traurigkeit auch. Die Komik, von der andere Rezensenten berichten, habe ich eher selten wahrgenommen, vielleicht kann man das Geschilderte nur dann komisch finden, wenn man *nicht* selbst darin gelebt hat.
Für mich war das Buch wie eine Rückreise in das Land meiner Jugend, habe viele Taschentücher gebraucht, um die hochkommenden Emotionen wegzustecken.

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Eugen Ruge wurde am 24. Juni 1954 in Sosswa (Russland) geboren.

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