Eugen Ruge

 3,9 Sterne bei 338 Bewertungen
Autor von In Zeiten des abnehmenden Lichts, Cabo de Gata und weiteren Büchern.
Autorenbild von Eugen Ruge (© Tobias Bohm)

Lebenslauf von Eugen Ruge

Unprätentiös und elegant: Eugen Ruge kam 1954 in Sosswa am Ural als Sohn des DDR-Historikers Wolfgang Ruge zur Welt. Als er zwei Jahre alt war gingen er und seine Familie nach Ost-Berlin, wo er Mathematik studierte und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Physik der Erde arbeitete. 1986 begann er seine Tätigkeit als Schriftsteller, Drehbuchautor und Dokumentarfilmer und siedelte 1988 in die Bundesrepublik über.

In den folgenden Jahren verfasst er als Autor schwerpunktmäßig für Theater, Funk und Film. 2009 erhielt Ruge für sein erstes Prosamanuskript "In Zeiten des abnehmenden Lichts" den renommierten Alfred-Döblin-Preis. 2011 wurde derselbe Roman mit dem Aspekte-Literaturpreis und der größten deutschen Auszeichnung, dem Deutschen Buchpreis, geehrt.

In der Begründung der Jury des Deutschen Buchpreises heißt es: „Eugen Ruge spiegelt ostdeutsche Geschichte in einem Familienroman. Es gelingt ihm, die Erfahrungen von vier Generationen über fünfzig Jahre hinweg in einer dramaturgisch raffinierten Komposition zu bändigen. Sein Buch erzählt von der Utopie des Sozialismus, dem Preis, den sie dem Einzelnen abverlangt, und ihrem allmählichen Verlöschen. Zugleich zeichnet sich sein Roman durch große Unterhaltsamkeit und einen starken Sinn für Komik aus.“

Ruge ist Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller und lebt in Berlin und auf Rügen.

Neue Bücher

Cover des Buches Metropol (ISBN: 9783499000973)

Metropol

 (21)
Neu erschienen am 23.03.2021 als Taschenbuch bei ROWOHLT Taschenbuch.
Cover des Buches Cabo de Gata (ISBN: 9783732412471)

Cabo de Gata

 (2)
Neu erschienen am 30.04.2021 als Hörbuch bei Argon Digital.

Alle Bücher von Eugen Ruge

Cover des Buches In Zeiten des abnehmenden Lichts (ISBN: 9783498057862)

In Zeiten des abnehmenden Lichts

 (232)
Erschienen am 01.09.2011
Cover des Buches Cabo de Gata (ISBN: 9783498057954)

Cabo de Gata

 (55)
Erschienen am 07.06.2013
Cover des Buches Metropol (ISBN: 9783499000973)

Metropol

 (21)
Erschienen am 23.03.2021
Cover des Buches Follower (ISBN: 9783498058050)

Follower

 (10)
Erschienen am 26.08.2016
Cover des Buches Annäherung (ISBN: 9783498058005)

Annäherung

 (2)
Erschienen am 30.05.2015
Cover des Buches Gelobtes Land (ISBN: 9783498057916)

Gelobtes Land

 (2)
Erschienen am 16.01.2012
Cover des Buches Lenin (ISBN: 9783957571175)

Lenin

 (1)
Erschienen am 03.06.2015
Cover des Buches Theaterstücke (ISBN: 9783498058012)

Theaterstücke

 (0)
Erschienen am 30.05.2015

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Eugen Ruge

Cover des Buches Metropol (ISBN: 9783499000973)wandablues avatar

Rezension zu "Metropol" von Eugen Ruge

Auf dem Abstellgleis
wandabluevor 3 Monaten

In dem Roman „Metropol“ verarbeitet der Autor mehr oder weniger eine Teilbiografie seiner Großeltern, Charlotte und Wilhelm. 

Während der sogenannten Großen Säuberung (1936 bis 38) durch das Regime Stalins wird das Ehepaar, das sich bedingungslos der kommunistischen Partei angeschlossen hat und auch einige revolutionäre „Missionen“ ausgeführt hat und schließlich nach Russland, in das Mutterland der Revolution ausgewandert ist, in das Hotel Metropol/Moskau verbannt. Sie sind von ihren jeweiligen Aufgaben entbunden. Sie wissen nicht, wie es weitergeht und leben in ärmlichen und für sie demütigenden Umständen im Luxushotel. Der Luxus ist vorhanden, aber nicht für sie. Sie bekommen das Dienstbotenessen in einem Nebenraum des Hotels. Wer warmes Wasser und eine eigene Toilette hat, genießt schon riesigen Luxus. 

 Denn wer im Hotel Metropol auf den Entscheid seiner Angelegenheit durch die Partei wartet, ist von der Partei kaltgestellt geworden. Kaltgestellt und möglicherweise bald kaltgemacht. Jeder hat Angst, dass es auch für ihn darauf hinausläuft. Man liest in der Zeitung von der Vollstreckung der Urteile. Arbeitslager. Erschießungen. Einige aber wurden von der Partei auch rehabilitiert und kamen zurück in Amt und Würden. Man schreibt also Briefe der schleimerischen Art. Jeder Genosse ist ein Denunziant. Oder könnte einer sein. 

Der Kommentar: 
Der Autor versteht es, die bedrückende Atmosphäre lebendig werden zu lassen, die immer dort herrscht, wo jeder jeden verdächtigt und denunziert. Wo man wie bei Kafkas Prozeß nicht einmal weiß, wessen man beschuldigt wird, ja, wessen man verdächtigt wird. 

Das alles ist sehr dicht und nachvollziehbar. Und doch fehlt „Metropol“ die Leichtigkeit des Vorgängerbands „In den Zeiten des abnehmenden Lichts“, in dem der Autor zwar auch Familiengeschichte aufarbeitet, aber fließender und thematisch umfänglicher erzählt, dennoch verdichteter. 

 Fazit: Eindrücklich - jedoch auch eintönig und nervig.

Kategorie: Belletristik. Historischer Roman
Verlag: Rowohlt, 3. Aufl. 2019

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Cover des Buches In Zeiten des abnehmenden Lichts (ISBN: 9783498057862)Buecherspiegels avatar

Rezension zu "In Zeiten des abnehmenden Lichts" von Eugen Ruge

Eine Familie in Deutschland
Buecherspiegelvor 7 Monaten

Eugen Ruge liebt alle seine Figuren, das merkt man beim Lesen. Bis auf zwei. In seinem Roman, der den Deutschen Buchpreis im Jahr 2011 gewonnen hat „In Zeiten des abnehmenden Lichts“, kommt daher fast jede Person zum Zuge. 

Wie üblich, erzählt auch hier der Autor zum Teil in Rückblenden die Geschichte der Familie Umnitzer/Powileit. Charlotte, die starke Frau in der Familie, die immer und überall ihren Kopf durchsetzen will und mit Entscheidungen, die ihr Leben bestimmen sollte, hadert. Ihr das Lager in der Sowjetunion überleben Sohn Karl liebt sie zwar über alles, nicht aber dessen russische Frau Irina, die er nach der jahrelangen Gefangenschaft mitgebracht hat.

Irina verzweifelt auf der Suche nach Anerkennung bei ihren Schwiegereltern zunächst schleichend, dann immer schneller. Ihren Alkoholismus kann sie lange geheim halten, aber die Missachtungen, die ihr von allen Seiten entgegenschlagen, sind für sie kaum noch zu ertragen. Vor allem, da ihr geliebter Sohn Alexander sich ebenfalls von ihr abwendet. Mit jedem Schluck mehr in seiner Gegenwart schwindet seine Liebe und verstärkt dadurch ihre Sucht.

Das kleinbürgerliche Leben von Karl und seiner Familie, das durchaus zunächst besser erscheinende seiner Eltern, hat seinen Preis. Wie es in der ehemaligen DDR zuging, davon konnte sich in den letzten Jahrzehnten die Leserschaft ein Bild machen. Wirklich frei, wie sich Charlotte und ihr Mann vorstellten, konnten sie ihr Leben nicht führen. Viele Jahre harrten sie in Mexiko im Exil aus, bis sie endlich wieder in der Heimat einen Platz gefunden hatten. 

Die nächste im Bunde ist Irinas Mutter Nadjeshda. Auch sie ist geprägt von ihrer Vergangenheit und dem unablässigen Wunsch, ein Kind zu haben. In zutiefst ärmlichen Verhältnissen groß geworden, lehnt sie es entschieden ab, bevorzugt zu werden. Ihren Urenkel Markus würde sie so gerne öfter sehen, doch die Beziehung zwischen seinen Eltern ist zerbrochen. Ein letztes Treffen kommt zustande bei der legendären Geburtstagsfeier des Patriarchen. Markus ist begeistert von den Andenken seiner Urgroßeltern aus Mexiko und nimmt sehr gerne ein Geschenk als vorgezogenes Erbe entgegen.

Oh, wie Charlotte im Grunde die ewig gleichen Lobpreisungen und Orden verachtet, genauso wie Wilhelm seine Gäste. „Das Gemüse“ soll auf den Friedhof oder in den Müll, von den Orden hat er genug. Seine halb erfundene Lebensgeschichte wird immer und immer wieder nacherzählt, sehr zum Verdruss von Charlotte, die sich von Partei und DDR mehr versprochen hat. Es sollte schließlich nicht umsonst geschehen sein, dass sie den Vater ihrer Kinder verlassen hat.

Man kann sich in jedes einzelne Leben hineinversetzen, die Gründe für jegliche Wandlungen nachvollziehen. Die Abhängigkeiten und kleinen Siege, die jede Figur durchleben sind teils bitter erkauft. Ich war sofort tief in dieser Welt versunken. Dass er mich so spät erreicht hat zeigt mir klar, es gibt noch unendlich viel zu entdecken, und das ist gut so. Ach ja, der Film wartet auch noch auf mich.

Mehr darüber findet sich zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/In_Zeiten_des_abnehmenden_Lichts

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Cover des Buches Metropol (ISBN: B07XQF21WW)Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Metropol" von Eugen Ruge

stalinistische Säuberungen
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

«Dass die Menschen glauben, was sie glauben wollen – das ist doch wirklich kein großes Geheimnis. Oder doch? Wie dumm sind die Menschen? Wie dumm sind die, die an irgendwas glauben? Und wie dumm sind die, die nicht einmal merken, dass sie es tun?»


Für mich hat Arthur Koestlers weltberühmter Roman «Sonnenfinsternis» erstmals beleuchtet, wie zur Stalinzeit die politischen Säuberungen innerhalb der eigenen revolutionären Partei brutal und völlig kopflos durchgeführt wurden. Jeder steht unter Generalverdacht – einer denunziert den anderen, Historiker gehen von 3 Millionen bis hin zu weit über 20 Millionen Toten aus. Es erinnert an die Französische Revolution. Heute Volksheld, morgen Kopf ab als Volksverräter … Dieser Roman nimmt das Thema auf und zeigt, wie viele deutsche Kommunisten sich damals der russischen Revolution angeschlossen hatten und den stalinistischen Säuberungen zum Opfer fielen, zeigt die Schauprozesse und Verfolgung der Menschen, die durch einen kleinen unbedachten Satz auffielen oder mit irgendwem bekannt waren, denunziert wurden, somit unter Verdacht gerieten, selbst Kollaborateure, Trotzkisten, zu sein. Es ist die Familiengeschichte von Eugen Ruge, die seiner Großmutter.


Die deutsche Kommunistin Charlotte konnte 1936 gerade noch vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten nach Moskau fliehen. Im Spätsommer bricht sie mit ihrem Mann und der jungen Britin Jill zu einer mehrwöchigen Urlaubsreise durch die neue Heimat Sowjetunion auf. Noch sind sie Agenten des Nachrichtendienstes OMS. In Moskau hatte man zuerst vielen Militärführern den Prozess gemacht, fast die gesamte Führungsriege wurde ausgetauscht. Und nun wird beim Nachrichtendienst und der zivilen Bevölkerung weitergemacht. Das Paar wird nach dem Urlaub ohne Angabe vom Gründen vom Dienst suspendiert, muss aus der Wohnung ausziehen: Loyalität und Gehorsam, Verdächtigung und Verrat, Angst um das eigene Leben, sie wissen nicht, worum es geht. So sitzen Charlotte und Wilhelm nun im Moskauer Hotel Metropol fest, warten auf die Entscheidung des Innenministeriums der UdSSR, als Staatsfeind oder treue Anhänger zu zählen. 477 Tage werden sie dort ausharren müssen. Später erfahren sie, dass Wilhelms erste Frau die beiden denunziert hatte. Ein alter Freund wurde verhatet und hingerichtet, unter dem Verdacht, ein Trotzkist zu sein.


«Bei Frauen entscheidet er sich meistens für zehn Jahre Lager. Aber warum eigentlich. Herrscht nicht Gleichberechtigung in der Sowjetunion? Tod durch Erschießen, entscheidet Wassili Wassiljewitsch. Er setzt seine Unterschrift unter das Urteil, nimmt sich die nächste Akte vor. Aber dann fällt ihm ein, dass heute Feiertag ist. Und er sitzt schon wieder hier und schuftet. Während die anderen bei Woroschilow Haselhuhn fressen und Champagner saufen. Irgendwie kränkt es ihn doch, dass er nicht eingeladen ist.»


Eugen Ruge arbeitet mit drei Perspektiven. Charlotte Germaine erzählt ihre Sicht der Dinge, lässt ihren Gedanken freien Lauf. Einen kleineren Teil hat die erste Frau Wilhelms, Hilde Tal, die als Sekretärin für das OMS arbeitet. Sie ist selbst voller Angst, glaubt, sich durch Denunziation vor dem stalinistischen Terrorsystem in Sicherheit bringen zu können. Die dritte Perspektive hat Wassili Wassiljewitsch Ulrich, dem das Ehepaar im Monopol begegnet, der der als oberster Militärrichter der Sowjetunion mehr als 30.000 Todesurteile unterschrieb und als Konkurrent von Lenin zählte, den es zu beseitigen galt. Im Hotel kommen Menschen an, andere verschwinden – meist verurteilt. Lion Feuchtwanger wohnt Wand an Wand mit Charlotte und Wilhelm. Die Angst dringt durch die Mauerritzen, jeder misstraut hier jedem. Aber jeder hier glaubt bis zum Schluss an Lenin und den Staat – jeder versteht, dass Staatsfeinde ausgerottet werden müssen – jeder glaubt, er kommt davon, denn jeder meint, er sei aufrichtig und habe nichts verbrochen. Eugen Ruge beschreibt diesen Mikrokosmos des Hotels präzise. Es ist erstaunlich, wie sehr Menschen weiterhin einem Regime vertrauen, völlig blind, das letztendlich jeden im Visir hat. Charlottes Innenperspektive ist spannend beschrieben, die Verhöre: Was wird gesagt, was gedacht, wie verstrickt man sich. Die Angst hängt im Nacken, was ist man bereit, zu sagen, um sich selbst aus der Schlinge zu ziehen? Ein historisch wichtiges Buch, ein klasse Roman, der mit leisen Tönen arbeitet, die tief eindringen, die aufdecken, wie eine bestialische Diktatur funktioniert.



Eugen Ruge wurde 1954 in Soswa (Ural) geboren. Der diplomierte Mathematiker begann seine schriftstellerische Laufbahn mit Theaterstücken und Hörspielen. Für «In Zeiten des abnehmenden Lichts» wurde er unter anderem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen die Bände «Theaterstücke» und «Annäherung» sowie die Romane «Cabo de Gata» und «Follower».


https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/metropol-von-eugen-ruge-rezension.html

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Eugen Ruge wurde am 24. Juni 1954 in Sosswa (Russland) geboren.

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