Eugene McCabe Tod und Nachtigallen

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Inhaltsangabe zu „Tod und Nachtigallen“ von Eugene McCabe

»Ein Wunder von Roman.« Colm TóibínLiebe, Hass und Verrat in der nordirischen Provinz: Am Morgen des 3. Mai 1883, an ihrem 25. Geburtstag, will Beth ihr Leben endlich selbst in die Hand nehmen und ihrem gewalttätigen, zudringlichen Ziehvater Billy entrinnen. Sie plant, mit seinem Gold und ihrem Geliebten durchzubrennen. Doch der Mann, dem sie ihr Leben und das ihres ungeborenen Kindes anvertraut, entpuppt sich als skrupelloser Verbrecher.

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  • Rezension zu "Tod und Nachtigallen" von Eugene McCabe

    Tod und Nachtigallen

    Clari

    Rabenschwarze Zeiten mit bitterbösen Erfahrungen. Die Rahmenhandlung zu diesem archaischen Familiendrama bildet das irische Moor, eine herbe Landschaft und Menschen, die in einer gewissen Gefühlsstarre verharren. Die politische Verfassung 1883 in Irland zeigt sich in Grenzstreitigkeiten, Religionskontroversen zwischen Protestanten, Katholiken und politischer Gegnerschaft beider Seiten, die sich in brutalen Übergriffen manifestiert. Elizabeth Winters ist die Protagonistin, die sich nach dem Tod der Mutter dem störrischen, eigenbrötlerischen und häufig betrunkenen und gewalttätigen protestantischen Vater Billie Winters ausgesetzt sieht. Zu allem Übel bestreitet er seine Vaterschaft für sie und bezichtigt seine verstorbene katholische Frau, ihm ein Kuckucksei ins Nest gelegt zu haben. Er weigert sich großspurig, Beth je etwas vererben zu wollen. Die Erzählung nimmt ihren Lauf, und die unterschiedlichsten Charaktere bevölkern das Dorf und die öden Farmen. Die tölpelhafte Sprache und Schilderungen von primitiven Gebäuden mit ihren Holzöfen und dem bedürfnislosen Interieur zusammen mit dem Vieh in den Ställen zeigen eine Lebensform, die fern heutiger zivilisatorischer Errungenschaften auskommen musste. 1883 gab es weder Internet, Telefon noch sonstige Kommunikationsmöglichkeiten geschweige denn sanitäre Anlagen heutiger Provenienz. Beth sucht sich in ihrer emotionalen Not mit dem radikalen und brutalen Vater einen falschen Liebhaber. Dieser heckt ein Verbrechen aus, das zu dem Perfidesten gehört, was man sich vorstellen kann. Liam Ward, ihr Liebhaber, gehört zu einer ganz gemeinen Sorte von Verbrechern, was Beth zu spät entdeckt. Geld, Gier und Selbstsucht sind die Charaktereigenschaften dieses Wüstlings. Eugen MacCabe ist ein gekonnter Visionär. Mit dieser Begabung vermag er sich in eine Vergangenheit zu versetzen, in der jeder mit seinen Emotionen alleine blieb, und folgerichtig die Gewalt das Mittel der Wahl zur Kommunikation blieb. In diesem Klima wächst überall Misstrauen, Argwohn und rudimentäre archaische Gewalt. Beth beschließt an ihrem 25. Geburtstag zu fliehen, um den Attacken des cholerischen Vaters und seinen nicht immer züchtigen Annäherungsversuchen zu entgehen. Sie ist hübsch, fleißig und tatkräftig. Doch ihr Fluchtplan misslingt und die Geschichte nimmt ihren tragischen Verlauf. Nicht ganz leicht verdaulich zeigt dieser Roman ein Zeitbild im fernen Irland,das eher in Grautönen gehalten ist. Daneben gibt es jedoch Landschaftsbeschreibungen, die sich in ihrer vielfarbigen Schönheit wunderbar in das Geschehen einfügen. In sich geschlossen und gleichbleibend in der Stimmung bleibt sich McCabe bis zuletzt treu: er zeigt eine Gesellschaft von konstanter Härte und egoistischer Selbstsucht, die von Rachegedanken durchdrungen ist. Überzeugend und ehrlich wird hier nichts beschönigt. Man kann nur überleben, wenn man sich den gleichen Geist und die gleiche Härte zulegt, die hier ein jeder praktiziert. Laut John Banville hat sich McCabe mit diesem einzigen Roman „in die vorderste Reihe irischer Gegenwartsautoren geschrieben“. Dem kann man uneingeschränkt zustimmen.

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  • Rezension zu "Tod und Nachtigallen" von Eugene McCabe

    Tod und Nachtigallen

    michael_lehmann-pape

    04. July 2011 um 13:10

    Hoffnung und Enttäuschung „Das letzte Mal sind Sie hereingekommen, haben sich auf mein Bett gesetzt, mich auf unväterliche Art geküsst und dann etwas gesagt, das ich lieber nicht wiederholen möchte“. Elizabeth Winter hat es nicht leicht. Gerade nicht mit dem Adressaten Ihrer Worte. Billy Winter. Ihr offizieller Vater. Doch jener Billy hat es nicht versäumt, an allen Orten herum zu erzählen, dass seine verstorbene Frau, die Mutter jener Elizabeth, genannt Beth, von jemand anderem bereits schwanger war, nicht von ihm. Und das jene Beth auf keinen Fall etwas zu erwarten hätte von ihm, vor weniger noch ein Erbe. Eindeutig böse und hasserfüllt aber ist er auch wiederum nicht, jener Billy Winter, erfolgreicher Händler, gewiefter Beziehungsknüpfer. „Lass und ein anderes Mal reden, ich mach es wieder gut“, ist seine Replik auf den Anwurf durch Beth just an ihrem 25. Geburtstag an diesem sonnigen Tag im Frühling 1883 in Irland. Durchaus zu schätzen zumindest weiß jener Billy seine Beth nämlich, wenn er im nüchternen Normalzustand ist. Ganz abgesehen von der unterschwelligen erotischen Anziehungskraft, welche die junge Frau auf ihn ausübt. Ist er aber oft nicht, im Normalzustand. Der Malt Whiskey rinnt eifrig durch seine Kehle, mit Folgen. Folgen, die seine gewalttätige Natur freisetzen, die seine Verletzung durch seine Freu und dieses „Bastard Kind“ ungeschmälert Raum finden lässt. Alles in allem, Beth würde diesen Billy Winter wesentlich lieber tot als lebendig sehen und hat für ihr Leben im familiären Käfig bereits einen Fluchtplan entwickelt. Billy hat ihr seinen Safe gezeigt. Versucht, einen Mann für Beth zu finden, doch niemand scheint gut genug in den Augen seiner Tochter. Doch auch hier täuscht sich Billy. Beth hat durchaus einen Mann gefunden. Heimlich. Und sie weiß, wo die Schlüssel zum Safe verwahrt sind. Und sie weiß, wie ohnmächtig ihr Vater nach reichlich Alkohol ins Bett sinkt. Das alles wird sie ausnutzen, die Schlüssel nehmen, die kanadischen Goldmünzen aus dem Safe entwenden und mit Liam, ihrem heimlichen Geliebten, ein neues Leben beginnen. Weit weg, dorthin, wo Billy sie nicht finden wird. Soweit der Plan. Doch nicht nur Billy lebt ein auf sich bezogenes Leben, auch in Liam täuscht sich Elizabeth, wie sie schmerzhaft erfahren wird. Ein Tag ist es, den Eugene MacCabe schildert. Ein Tag, der es nicht nur von den äußeren Ereignissen her in sich hat. Die große Stärke MacCabes ist es, die inneren Vorgänge seiner Figuren zu beschreiben, die Lebensgeschichten zu erzählen, die Erinnerungen der Figuren in klarer, bildhafter, in Teilen fast poetischer Sprache offen zu legen und somit all die Ereignisse, welche die Verhältnisse hervorgerufen haben, mitzuteilen. Ebenso klar und fast mit spielerischer Leichtigkeit gelingt ihm eine präzise Charakterisierung der Personen. Wie er den Kantor der Gemeinde in seinen Motiven, seinen tiefliegenden, grausamen Gefühlen, seinen Ränkeschmieden und seinen idealistischen Zielen in wenigen Sätzen darzustellen vermag, das hat Klasse. Wie die Personen in ihrer Vielfalt sich darstellen und wie sie miteinander verwoben sind, Eugene MacCabe gelingt es, ein komplexes Bild zu entwerfen von fast unentrinnbar aneinander haftenden Fäden, allseits dennoch verbunden mit der Hoffnung auf ein anderes, besseres Leben, auf Veränderung. Eine Hoffnung, welche die Figuren auch auf das äußere Leben bezogen in sich tragen. Der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken, zwischen irischer Freiheit und britischer Herrschaft in den Tagen vor der Trennung des Landes, spielt in allem, was geschieht, eine durchaus tragende Rolle. Auch dies bettet MacCabe sorgsam in den Ablauf der Ereignisse ein und schafft so ein düsteres und bedrückendes Bild innerlich und äußerlich unfrei lebender Menschen auf allen Seiten. Ganz wie nebenher gelingt MaCabe zudem noch der Aufbau einer hohen Spannung. Seitenweise fiebert der Leser mit, ob es Beth gelingen wird, dieser Fron zu entkommen und ebenso undurchsichtig und unvorhersehbar bleibt der Roman bis fast ganz zum Schluss. Mit einem fulminanten und überraschenden Ende. Dieser schon ältere Romane bildet inhaltlich wie literarisch einen großen Wurf und hat es verdient, nun wiederum intensiv wahrgenommen zu werden.

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