Europäische Märchengesellschaft Stimme des Nordens in Märchen und Mythen - Märchen und Seele

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Inhaltsangabe zu „Stimme des Nordens in Märchen und Mythen - Märchen und Seele“ von Europäische Märchengesellschaft

Neueste Forschungsergebnisse und alte Weisheiten im und ums Märchen. Mit Beiträgen von: Otto Betz, Almut Bockemühl, Heinrich Dickerhoff, Angelica-Benedicta Hirsch, Gerald Hüther, Verena Kast, Heinz Rölleke, Rotraud Saeki, Micaela Sauber u.a.
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  • Rezension zu "Stimme des Nordens in Märchen und Mythen - Märchen und Seele" von Europäische Märchengesellschaft

    Stimme des Nordens in Märchen und Mythen - Märchen und Seele
    Ein LovelyBooks-Nutzer

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    07. December 2012 um 09:47

    In einer Zeit des „Schauens“ und des „Konsumierens“ in Form von DVD´s, Videospielen, Fernsehen und des Internets gehen zwei wichtige Dinge verloren: die Schriftkultur und die Märchenerzählkultur. Psychologen und Neurobiologen sehen das mit Sorge, denn sie attestieren eine seelische Verarmung der Kinder und Jugendlichen, die sich nicht nur negativ auf deren eigenen Lebensweg auswirkt, sondern auch auf die Gesellschaft. Darum geht es in diesem Buch. 1956 wurde im Kloster/Schloß Bentlage bei Rheine in Westfalen die Europäische Märchengesellschaft gegründet, die eine Vereinigung von Wissenschaftlern der unterschiedlichsten Fachrichtungen bildet. Mitglieder sind u.a. Neurobiologen, Psychologen, Pädagogen, aber auch Erzähler/innen und Künstler/innen. Alle haben eines gemeinsam: sie sind Märchenliebhaber, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Märchenerzählkultur zu erhalten. Ihr Plädoyer für Märchen: Wahrheit – Märchen bewahren uralte Sinnbilder Märchen wohnt Weisheit inne Märchen wohnt Schönheit inne, ihre Sprache ist ein ästhetischer Genuß, der auch im Multimedia-Zeitalter nichts von seinem Zauber verloren hat Die Gesellschaft will auch der Völkerverständigung dienen, da Märchen überall in der Welt ähnlich seien, die Menschen bei allen Unterschieden zwischen den Kulturen, Völkern und Individuen im Inneren verwandt seien. Eine Welt zwischen Tod und Liebe, ein Leben, welches herausfordert, den eigenen Weg zu suchen, Erfahrungen, die in den Geschichten verdichtet wurden, über Glück, Trauer, Lachen, Träume, kurz: die Fragen, die alle Menschen bewegt: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was suche ich? Der bekannte Neurobiologe, Psychiater und Autor, Prof. Dr. Gerald Hüther, nennt Märchen ein „Superdoping“ für Kindergehirne, ein Zaubermittel, das Kinder stillsitzen und aufmerksam zuhören läßt, das ihre Phantasie beflügelt, ihren Sprachschatz erweitert, das sie befähigt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen (Empathie), deren Gefühle zu teilen, ein Kraftfutter für das Gehirn, das ihr Vertrauen stärkt und sie mit Mut und Zuversicht in die Zukunft schauen läßt. Wer seinen Kindern Märchen vorlese und erzähle, bekäme als Gegengeschenk Nähe und Vertrauen von ihnen. Märchenstunden seien die höchste Form des Unterrichtens, weil Märchen ein wenig „unter die Haut gehen“, es würden die emotionalen Zentren des Gehirns aktiviert und all jene Botenstoffe vermehrt gebildet und freigesetzt werden, die das Knüpfen neuer Verbindungen zwischen den Nervenzellen fördern. Besonders wirksam sei es, wenn die Märchenstunde zu einem Ritual gemacht werde, indem man z.B. immer eine Kerze anzünde. Das Kind solle merken, daß der Erzählende ebenfalls emotional beteiligt, also begeistert, betroffen, bestürzt oder erschüttert sei. Ein Recorder sei nicht geeignet, da er die Kinder mit ihren Gefühlen allein lasse. Das Zaubermittel sei nicht das Märchen an sich, sondern die emotionale Beziehung zum Inhalt und den Personen des Märchens, auf die sich das Kind beim Hören des Märchens mit der einfühlsamen Hilfe des Erzählens oder Vorlesens einläßt. Hüther betont ebenfalls, daß Märchen der Kitt für den Zusammenhalt einer Kulturgemeinschaft seien. Märchen seien nicht nur Geschichten; die in ihnen enthaltenen Bilder und Symbole seien Botschaften einer bestimmten Sippe oder Gemeinschaft, also letztlich eines bestimmten Kulturkreises. Diese Bilder und Symbole zu kennen, schaffe eine gemeinsame Plattform von Vertrautem und Bekanntem und wirke somit identitätsstiftend und fördere den Zusammenhalt. Außerdem enthielten die Märchen die Weisheit und den Erfahrungsschatz der Mitglieder der Gemeinschaft. Märchen gäben Kindern Orientierungshilfen in einer immer komplexer werdenden Welt, in dem Wirrwarr von Anforderungen, Angeboten und Erwartungen. Diese Stimulierungen würden im Gehirn zu einem Gesamtbild zusammengefügt, das Frontalhirn entwickle daraufhin zukunftsorientierte Handlungskonzepte und innere Orientierung. Kinder seien darauf angewiesen, daß Erwachsene ihnen Regeln und Werte vermittelten, die Klarheit, Schutz und Sicherheit bieten. Die Werte sollten lebensnah sein. Märchen und Geschichten eignen sich gut dafür, weil die Kinder dort anhand der Märchenfiguren die Konsequenzen erleben können, die sich ergeben, wenn man sich auf eine bestimmte Weise verhält. Kinder müssen lernen, daß es Schwierigkeiten gibt, daß diese aber überwunden werden können. Das sei aus Sicht der Neurobiologie eine ganz wichtige Ressource gegen Angst und Streß. Aus den in der Kleinkindzeit erworbenen Wertvorstellungen entsteht das Fundament des späteren Weltbildes. Die inneren Bilder und Muster würden im Leben benutzt, um sich in der Welt zurechtzufinden, denn wir gestalten unser eigenes Leben und formen unsere Umwelt nach diesen inneren Bildern. Je reicher unsere innere Welt sei, desto kreativer und selbstbewußter würden wir mit unseren Problemen umgehen. Durch die Vorbilder von Erwachsenen und der Gestalten der Märchen lernen Kinder eigene Fähigkeiten und Möglichkeiten kennen und weiterzuentwickeln. Ohne Märchen, so Hüther, fehle eine Orientierung und es bleibe die Suche danach. Die Kinder liefen Gefahr, zu selbstbezogenen, trotzigen, tyrannischen Erwachsenen mit einem ausgeprägten zwischenmenschlichen Beziehungsdefizit zu werden. Weiterer Inhalt: Vorwort Teil I: Stimme des Nordens in Märchen und Mythen Karl-Ewald Tietz »Sie hatten guten Segelwind« - Maritime Motive in Märchen aus Pommern und Mecklenburg Heinz Rölleke Grimms Märchen »Jungfrau Maleen« - Überlieferung und Bedeutung Linde Knoch »Die Arche der Worte öffnen« - Das Kalevala-Epos und das Märchen »Die lebende Kantele« Peter Petersen Kalevipoeg heute Das estnische Nationalepos - Ein Wegzeichen für eine zukünftige Kultur Europas (und der Welt) Otto Betz »Den Odem der Welt hören« - Philipp Otto Runge und die Morgenröte Teil II: Märchen und Seele Verena Kast Märchen als Seelennahrung - Tiefenpsychologische Perspektiven Ulrich Freund Von Seele zu Seele - Märchen als Medium in der Psychotherapie Angelika-Benedicta Hirsch Amor und Psyche - Das Märchen von der Seele Rotraud Saeki Erzähltradition, Heilung und Schamanismus auf Okinawa Johannes Fiebig Wege der Reifung - Märchen in der zweiten Lebenshälfte Barbara Brüning Hat Hans im Glück eine reine Seele? - Philosophieren mit Märchen Heinrich Dickerhoff Dass die Märchen dich erinnern an das Märchen, das du bist Das Buch liest sich flüssig, ist verständlich geschrieben und ist vorallem auch für Menschen interessant, die mit Kindern und Erziehung zu tun haben.

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