Herr Mozart wacht auf

von Eva Baronsky 
4,1 Sterne bei139 Bewertungen
Herr Mozart wacht auf
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (106):
engineerwifes avatar

Einen Sternenregen für dieses Buch, von mir eine absolute Leseempfehlung!

Kritisch (14):
Rat_Krespels avatar

Kann mich der vorherrschenden Meinung so gar nicht anschließen. Ein Aufbauprinzip, das einem fast schon aufgedrängt wird ud dann völlig im S...

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Inhaltsangabe zu "Herr Mozart wacht auf"

Der Mann, der sich nur daran erinnert, am Vorabend als Wolfgang Amadé Mozart auf dem Sterbebett gelegen zu haben, kann sich die bizarre Umgebung nicht erklären, in der er erwacht: Musik ohne Orchester, Fuhrwerke ohne Pferde, Licht ohne Kerzen. Ist er im Vorhof zur Hölle oder im Paradies angelangt, und vor allem: mit welchem Auftrag?
Ein göttlicher Spaß, verblüffend und tragikomisch, ein Spiel mit Zeiten und Identitäten.

"Dieses Buch ist wie eine Umarmung." Robert Schneider

Am Vorabend noch hat er auf dem Sterbebett gelegen. Nun erwacht Wolfgang Amadé Mozart an einem unbekannten Ort und - wie ihm nach und nach klar wird - in einer fremden Zeit. Die Ungeheuerlichkeit seiner Zeitreise ins Jahr 2006 kann er sich nur mit einem göttlichen Auftrag erklären: Er soll endlich sein Requiem beenden.
Als wunderlicher Kauz und lebender Anachronismus irrt Wolfgang durch das moderne Wien, scheitert an U-Bahntüren und fehlenden Ausweisen. Einzig die Musik dient ihm als Kompaß, um sich in der erschreckend veränderten Welt zu orientieren. Zur Seite stehen ihm ein polnischer Stehgeiger, das Mädchen Anju und seine Lust, hergebrachte Harmonien auf den Kopf zu stellen. Doch je länger sich Wolfgang in der fremden Zeit aufhält, desto drängender wird die Frage, was ihn erwartet, wenn er das Requiem vollendet hat.

„Solange es nur Musik gab, war er bereit, in jeder Welt zurechtzukommen.“

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746626963
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:28.02.2011

Rezensionen und Bewertungen

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Eine köstliche Zeitreise des Wolfgang Amadée Mozart alias Wolfgang Mustermann.
    Mozart heute in Wien ...

    Wer hätte sich das gedacht? Wolfgang Amadée Mozart als Zeitreisender?

    Doch von Anfang an:

    Wir steigen in Mozarts Sterbeszene am 05.12.1791 ein, um wenig später dem großen Komponisten als Wolfgang Mustermann im Wien von 2006 wieder zu begegnen. 


    Wir erleben Mozart alias "Wolfgang Mustermann" als liebenswerten, witzigen, leidenschaftlichen gleichzeitig aber tieftraurigen, sprunghaften, häufig unzuverlässigen Menschen, der sich im für ihn unbekannten Wien durchschlägt.


    Die Autorin hat ihm einen polnischen Geiger, Pjotr, zur Seite gestellt, der ebenso wie Mozart nur durch Bauernschläue überleben kann.
    Herrlich sind die Gegensätze des 18. und 21.Jahrhundert beschrieben. Das Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Welten ist manchmal tragisch, tragikomisch, oft aber auch einfach nur komisch. Lachen musste ich, als seine Ahnungslosigkeit über das Wesen des "Gummis" verbergen kann. Auch seine Neugier macht Wolfgang liebenswert. Jeden Tag lernt er etwas Neues. Er begreift, dass man manchmal mit einem „Siemens“ telefonieren kann und manchmal nicht. Mobiltelefon und Fernbedienung gab es zu seinen Lebzeiten ja nicht. Dafür eine Menge von Dienstboten, die ihn und seine Familie umgeben haben.

    Besonders gelungen finde ich, dass sich Mozart auch in der modernen Musikwelt wie Jazz zurechtfindet.

    Er atmet Geräusche der Gegenwart ein und entlässt sie als seine unverkennbare Musik wieder. Allerdings ist er nach wie vor getrieben, sein “Requiem” zu vollenden. So endet die geschichte auch wieder an einem 5. 12..

    Meine Meinung:

    Die Autorin zeichnet ihn als liebenswerten, verspielten Charakter, als lustvoll kindischen Bruder Leichtfuß, dem Musik über alles geht. Wie im echten Leben kann er auch als Reinkarnation mit Geld nicht umgehen.

    Doch ein wenig Ernsthaftes schwingt hier auch mit: Wie gehen wir heute mit außergewöhnlichen Menschen, mit Genies um?
    Wunderkinder werden heute oft mit Ritalin behandelt bis sie in ein oft mittelmäßiges Schema passen und manche landen wie zu Mozarts Zeiten im Tollhaus.

    Gut gelungen ist der Autorin die urtümliche Sprache Mozarts wiederzugeben. Keine einfache Sache!

    Fazit:

    Mir hat dieser Zeitreiseroman sehr gut gefallen. Gerne gebe ich 5 Sterne.

    Kommentare: 1
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    L
    Lesebegeistertevor einem Jahr
    ...lustig...

    Wolferl wacht nach seinem Tod in Wien 2006 auf. Er glaubt an einen göttlichen Auftrag um seine Requiem zu beenden…
    Witzig, spannend, gefühlvoll! Für Fans von David Safir!

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    TabiSts avatar
    TabiStvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Trotz des holprigen Startes, zählt dies zu meinen Lieblingsbüchern.
    Holpriger Start, umso besseres Ergebnis

    Zusammenfassung (Amazon):
    Der Mann, der sich nur daran erinnert, am Vorabend als Wolfgang Amadé Mozart auf dem Sterbebett gelegen zu haben, kann sich die bizarre Umgebung nicht erklären, in der er erwacht: Musik ohne Orchester, Fuhrwerke ohne Pferde, Licht ohne Kerzen. Ist er im Vorhof zur Hölle oder im Paradies angelangt, und vor allem: mit welchem Auftrag?

    Ich habe mich schon immer gefragt, was Mozart oder Beethoven zur heutigen Musik und Lebensweise sagen würden. Hätten diese Genies gedacht, dass sie und ihre Werke all die Jahre überdauern? Die Gestaltung, Umsetzung und Gedankenfolge der Autorin ist raffiniert und lebhaft, Mozarts Wesen entsprechend. Die Charaktere wurden liebevoll kreiert. Während des Lesens wird spürbar, wieviel Liebe in die Geschichte investiert wurde. Die Geschichte hat so viele Facetten und Details, es wird nie langweilig. Oft musste ich schmunzeln, dann war ich traurig, verblüfft und auch gestresst von dem Herrn Mozart, der meine Nerven manches Male strapazierte. Aber genau das liebe ich an einem Buch, wenn es zur Gefühlsachterbahn wird.

    Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob mir das Buch gefallen wird. Ich habe nie zuvor eine Komödie gelesen. Dementsprechend war die heitere Atmosphäre ungewohnt, aber sobald man sich darauf einlässt, liest es sich ganz von selbst und die Kapitel gleiten einem durch die Finger. 

    Fazit:
    Die, die sich die gleiche Frage wie ich stellen, denen Komödien gefallen oder die nach Abwechslung suchen, sollten dieses Buch lesen. 

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    pardens avatar
    pardenvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch wie eine Umarmung - eine liebevolle Annäherung an ein Genie, tragikomisch, voller melancholischer Poesie und Musik...
    Ein Buch wie eine Umarmung...

    EIN BUCH WIE EINE UMARMUNG...

    Am Vorabend noch hat er auf dem Sterbebett gelegen. Nun erwacht Wolfgang Amadé Mozart an einem unbekannten Ort und - wie ihm nach und nach klar wird - in einer fremden Zeit. Die Ungeheuerlichkeit seiner Zeitreise von seinem Todestag anno 1791 ins Jahr 2006 kann er sich nur mit einem göttlichen Auftrag erklären: Er soll endlich sein Requiem beenden.

    Als wunderlicher Kauz und lebender Anachronismus irrt Wolfgang durch das moderne Wien, scheitert an U-Bahntüren und fehlenden Ausweisen. Einzig die Musik dient ihm als Kompass, um sich in der erschreckend veränderten Welt zu orientieren. Zur Seite stehen ihm ein polnischer Stehgeiger, das Mädchen Anju und seine Lust, hergebrachte Harmonien auf den Kopf zu stellen. Doch je länger sich Wolfgang in der fremden Zeit aufhält, desto drängender wird die Frage, was ihn erwartet, wenn er das Requiem vollendet hat.


    "Nicht weit von seiner Bettstatt stand ein gläserner Tisch, darauf lag Papier, eine rechte Menge Papier, ein ganzer Stapel gar, weiß wie Jännerschnee und glatt wie feinste Seide. Er strich mit den Fingerspitzen darüber. Paradiesisch glatt, fürwahr, an diesem Ort war nicht zu zweifeln! Eine Feder fand er keine, doch ein Bleyweißstift aus lackiertem Holz und ein anderes Schreibgerät, dessen Beschaffenheit er nicht zu deuten wusste, lagen parat. Er nickte unwillkürlich. Wer auch immer ihn hierhergebracht haben mochte, zeigte überdeutlich, was er von ihm erwartete: dass er sein letztes Werk, sein Requiem, nun vollende, sei dieser Ort ein Schon, ein Noch oder ein Dazwischen." (S. 13/14)


    Ich habe ja schon manch ein erstaunliches Debüt gelesen - aber dieser Romanerstling von Eva Baronsky ist etwas ganz Besonderes. Obschon sie den berühmtesten Komponisten der Wiener Klassik in das 21. Jahrhundert versetzt und ihn damit zwangsläufig jeder Menge absurder und skurriler Situationen aussetzt ( Musik ohne Orchester, Fuhrwerke ohne Pferde, Licht ohne Kerzen), gelingt es der Autorin, sich dem Genie mit all seinen überlieferten Verschrobenheiten, seiner verdreht-gekünstelten Sprache, seinen spontanen Einfällen und der sprudelnden Atemlosigkeit seines genialen Geistes auf eine sehr liebevolle Art anzunähern. Bei Baronsky ist Mozart der liebenswerte, verspielte und manchmal lustvoll kindische Leichtfuß, dem Musik über alles geht, der mit dem Geld nicht hauszuhalten weiß, Verpflichtungen eher aus Übermut oder Liebeskummer verschludert denn aus Desinteresse und das Genie, dem Musik aus allem, was ihn umgibt, anzufliegen scheint.


    "Wo kommt er eigentlich her?" - "Hat er mir nie gesagt. Weiß ich nur, dass ganze Familie ist tot. Muss passiert sein etwas Schlimmes, vielleicht irgendeine Krieg..." - "Dafür ist er aber reichlich albern." - "Ist psychologisch, glaube ich. Macht er immer Unsinn, wenn ich rede ernst mit ihm. Sagt er verrückte Sätze dann, oder tanzt er herum... Komische Vogel. Aber immer wenn ich höre Musik von Wolfgang, denke ich, ist er kleine Bruder von liebe Gott." (S. 178)


    Die Musik zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman - und hier besonders das ominöse Requiem, das Mozart noch auf seinem Totenbett versucht hat zu vollenden - vergebens. Die einzelnen Abschnitte des Buches sind mit den verschiedenen Sätzen der Totenmesse überschrieben, gefolgt von jeweils einigen Zeilen des Gesangs. Besondere Ehrfurcht hatte Mozart seinerzeit bei der Komposition des Requiems vor dem 'Lacrimosa', was auch hier im Roman wieder aufgegrffen wird...





    Aber Baronsky gelingt es auf ganz wundervolle Art, zu demonstrieren, wie im Grunde der ganze Mensch Mozart die Musik lebt. Im Roman hört er sich durch die Komponisten, die in den Jahrhunderten nach ihm von Bedeutung waren, stürzt sich aber auch mit großer Begeisterung in alle modernen Musikrichtungen wie den Jazz. Aber auch Gerüche, Eindrücke, Geräusche, Empfindungen übersetzt Mozart in immer unterschiedliche Musik - ein unerschöpflicher Quell immenser Schaffenskraft.


    "Zu Hause. Das waren nicht einmal die Menschen, die man Freunde nannte, solange sie einer Welt angehörten, die einem selbst doch immer fremd und verwehrt bliebe. Zu Hause, das konnte nur ein kleiner Ort im eigenen Herzen sein, tief im Innern. Wolfgang atmete lange aus. Er brauchte nicht einmal in sich hineinzuhorchen. Tief in seinem Herzen, tief in seinem Innern war Musik, nichts als Musik, und würde nie etwas anderes sein." (S. 189)


    Neben der liebevollen Zeichnung der Charaktere und einem leichtfüßigen, eingängigen Schreibstil ist es die gelungene Mischung aus Tragik und Komik, Melancholie und Humor, die das Buch zu einem wahren Lesevergnügen werden lassen. Ein Buch wie eine Umarmung - eine liebevolle Annäherung an ein Genie, tragikomisch, voller melancholischer Poesie und Musik... Für mich eine absolut bezaubernde Entdeckung!



    © Parden

    Kommentare: 9
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    Sookie70s avatar
    Sookie70vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Mehr tragische als komische Geschichte über Mozart, der nach seinem Tod 1791 nicht im Himmel sondern im heutigen Wien erwacht...
    Ein Genie auf Zeitreise...

    Mozart, erwacht im 21. Jahrhundert - das musikalische Genie ohne Zukunft, ohne Vergangenheit und ohne Identität, gefangen im heutigen Wien... Für mich eine zutiefst tragische Geschichte, die mich eigentümlich betroffen gemacht hat und der ich das Prädikat "leicht" oder "wundervoll" nicht geben würde...

    Von der Autorin gut recherchiert, aber leider auch einige auffällige Schnitzer, was die typisch österreichisch sein wollende Sprache betrifft... Niemals bekäme man in Wien z. B. ein "prima Frühstück" angeboten (Seite 22), ebensowenig wird man dort einen "Bierkasten" (Seite 117) finden, und was die im Roman so oft zitierte "Kladde" (ein typisch norddeutscher Begriff) sein soll, muss ein echter Österreicher erst einmal googeln...

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    Igelmanu66vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Liebenswert und unterhaltsam - ein wundervoller Musikroman!
    Musik, nur Musik

    »Nicht weit von seiner Bettstatt stand ein gläserner Tisch, darauf lag Papier, eine rechte Menge Papier, ein ganzer Stapel gar, weiß wie Jännerschnee und glatt wie feinste Seide. Er strich mit den Fingerspitzen darüber. Paradiesisch glatt, fürwahr, an diesem Ort war nicht zu zweifeln! Eine Feder fand er keine, doch ein Bleyweißstift aus lackiertem Holz und ein anderes Schreibgerät, dessen Beschaffenheit er nicht zu deuten wusste, lagen parat.

    Er nickte unwillkürlich. Wer auch immer ihn hierhergebracht haben mochte, zeigte überdeutlich, was er von ihm erwartete: dass er sein letztes Werk, sein Requiem, nun vollende, sei dieser Ort ein Schon, ein Noch oder ein Dazwischen.«

     

    Gerade eben lag er noch auf dem Sterbebett, neben ihm seine weinende Constanze und nun schlägt er die Augen wieder auf, fühlt sich gesund, lebendig und ist scheinbar durch ein Wunder wieder genesen. Nur die Umgebung, in der er sich befindet, kommt Wolfgang Amadé Mozart nicht nur fremd vor, sondern ganz und gar unverständlich. Er hört Musik – und sieht doch kein Orchester. Die Fuhrwerke auf der Straße rasen Geschossen gleich und ohne Pferde an ihm vorbei und Kaffee kochen funktioniert ohne Herdstelle. Sicher kann nur göttliche Fügung ihn, der doch eigentlich gestorben ist, an einem solchen Ort und zu einer solchen Zeit wieder hat aufwachen lassen! Aber zu welchem Zweck? Doch sicher, um sein Requiem zu vollenden! Wolfgang macht sich an die Arbeit…

     

    Dieses wundervolle Buch hat mich gleich von Beginn an in seinen Bann gezogen und bis zum Ende nicht losgelassen. Anders, als es die Inhaltsangabe vielleicht zunächst vermuten lässt, geht es nicht nur darum, einen Menschen in ein völlig fremdes Zeitalter zu versetzen und sich dann über seine Versuche, sich zurechtzufinden, zu amüsieren. Das gibt es natürlich auch, und zwar nicht zu knapp. Allerdings ist Wolfgang in seinen Bemühungen so liebenswert, dass sich bei mir zum Lachen meist auch Mitgefühl hinzugesellte…

    »Noch immer trug er Piotrs Jacke und Ennos abgelegte Hosen. In einem solchen Aufzug würde er nirgendwo reüssieren, das war zu seiner Zeit so gewesen und würde sich auch in den nächsten zweihundert Jahren nicht ändern. Und so wagte er sich hinein, stand inmitten von Tischen und Ständern, an denen Kleider aufgereiht hingen, befühlte Tuche und betrachtete Knöpfe und Schnallen, nahm schließlich ein weißes Hemd mit blitzenden Goldknöpfen und hielt es sich vor die Brust.

    „Die Herrenabteilung ist dort.“ Eine freundliche Dame mit Brille deutete hinter ihn. Wolfgang nickte, starrte verschämt auf die Bluse in seiner Hand, bis die Dame sie ihm abnahm…«

    Darüber hinaus zeigt das Buch ganz deutlich, wie ein Mensch so in einer Sache aufgehen kann, dass er alles andere - wie schwierig oder verwirrend es auch erscheinen mag - dem unterordnet. Wie ihm diese Sache, die für ihn so wichtig ist, den Mut gibt, durchzuhalten und allen Problemen zu trotzen. Oder um es in Mozarts Gedanken zu sagen:

    »Solange es nur Musik gab, war er bereit, in jeder Welt zurechtzukommen.«

     

    Und es ist schwer beeindruckend zu lesen, wie Mozart Musik wahrnimmt, überall um ihn herum, wie er sie lebt, wie er in einem fort komponiert und selbst Alltagsklänge der modernen Welt in Noten umsetzt...

    »Zum Bersten angefüllt mit Klängen, sank er in einen der Sessel, die, der ersten Frühlingssonne huldigend, vor einem Kaffeehaus aufgebaut waren. Nichts, außer vielleicht der Rausch der Liebe, kam diesem Zustand gleich, da alles in ihm und alles um ihn zu Tönen wurde, Tönen, die in ihn drangen und aus ihm kamen wie aus einer Quelle. Ja, er selbst war die Quelle. Er war Musik, das war sein Innerstes, dazu war er gemacht, und nur damit würde er glücklich sein.«

     

    Wenn man Musikromane mag, dann muss man diesen hier gelesen haben. Ich glaube aber, dass auch für den Leser, der Musik gewöhnlich nicht zu seinen Hauptinteressen zählt, die Geschichte sehr unterhaltsam ist. Mozart wirkt sehr authentisch, von seiner Sprache her ohnehin, aber auch sein Naturell, das das Musikgenie einerseits als empfindsamen, zur Melancholie neigenden und gleichzeitig als genussfreudigen Menschen zeigt, der Frauen und Alkohol nicht abgeneigt ist, wird deutlich dargestellt. Zusammen mit mehreren anderen - sehr sympathischen - Charakteren ergibt dies eine Handlung, die sich neben Musik auch um Liebe und Freundschaft dreht.

     

    Fazit: Liebenswert und unterhaltsam - ein wundervoller Musikroman!

     

    »…und die Töne ergriffen ihn, trugen ihn hinauf, bis nichts mehr als Musik war, nur Musik…«

    Kommentare: 14
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    dominonavor 3 Jahren
    Man muss ihn einfach lieben

    Wir schreiben 2006 und Mozart taucht plötzlich wieder auf, so symphatisch und weltfremd wie man sich ihn nur vorstellen kann. Auch heutzutage hat er es mit den Frauen nicht leicht, aber die Musik hilft ihm bei all seinen Problemen. Wäre da nur nicht das Requiem, welches unbedingt beendet werden muss...das Buch liest sich so angenehm wie kuscheln am Sonntagmorgen. Das war mal in meinem Sinne etwas für das Mozart-Herz.

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    BlueRhondas avatar
    BlueRhondavor 3 Jahren
    So ein Filou!

    Mozart stirbt 1791...und wacht 2007 in Wien vorm Stephansdom wieder auf. Er weiß nicht, wie er dahin gekommen ist, und trifft obdachlos, frierend, ohne Geld und vor allem ohne zeitliche Orientierung einen illegalen, gutmütigen polnischen Stehgeiger namens Piotr; mit diesem jobbt er in diversen Lokalen als Pianist und zieht auch bei ihm ein.
    Beim Lesen dieser Geschichte begleitet man Mozart (der sich Wolfgang Mustermann nennt, denn ihm ist schnell klar, dass er umgehend im Tollhaus landen wird, wenn er sagt, wer er ist und aus welcher Zeit er stammt) in die heutige Zeit, in der er vieles comod findet: das warme Wasser aus der Wand, das Licht auf Knopfdruck, vor allem aber die kleinen silbernen Scheiben, die man einfach in ein mechanicum stecken kann und das die die schönste Musik immer und immer wieder erschallen lässt, und das ganz ohne Orchester!
    So hört er sich auch erstmal tagelang durch seine musikalischen Nachfolger und erlebt eine Offenbarung, als er den Jazz und vor allem auch das Saxophon entdeckt (Compositeur der er ja ist, komponiert er im Geiste sofort los und man bedauert beim Lesen, dass man diese Musik niemals wird hören können!)
    Natürlich fallen seine Genialität und seine Virtuosität sehr schnell auf, seine Marotten werden seinem Künstlertum zugeschrieben (er spricht nämlich genauso wie im 18. Jahrhundert!), auch die Liebe erwischt ihn und er leidet... lest selbst, wie er sich durch die heutige Zeit kämpft und versucht, sie zu verstehen, und ganz ähnlich schräg ist wie in dem Film "Amadeus": genial, gewitzt, leichtsinnig, unzuverlässig, leidenschaftlich, neugierig und Neuem aufgeschlossen, dabei, was Musik betrifft, unglaublich selbstherrlich.

    Eine herrlich leichtfüssiges und gleichzeitig spannende Zeitreise-Fantasy, bei der es völlig egal ist, ob man sich mit Mozart oder der Musik seiner Zeit auskennt; aber falls man sich auskennt, mag es noch ein paar musikalische Späße enthalten, die mir entgangen sind – amüsant und sprachlich ganz wunderbar geschrieben; ich habe mich bestens amüsiert mit diesem Was-wäre-wenn?, das einem auch noch mal den Wahnsinn, aber auch den Komfort unserer Zeit schön vor Augen führt. 

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    Kopf-Kinovor 3 Jahren
    "Solange es nur Musik gab, war er bereit, in jeder Welt zurechtzukommen."

    Die Luft bestand aus ungezählten Geräuschen, körperlosen Lauten, sie durchdrangen ihn, klebten an ihm, er atmete sie ein. Hätte Wolfgang gesehen, was er hörte, wäre ihm das Luftholen leichter gefallen.

    Viele mögen sich an Kafkas (meiner Meinung nach genialen) Eingangssatz der 'Verwandlung' erinnert fühlen, bei dem der tragisch mutierte Held aus unruhigem Schlaf als Insekt erwachte. Baronskys Roman beginnt auf der dritten Seite mit einem ähnlichen Aufwachen – eine regelrechte Auferstehung von den Toten. Nachdem Wolfgang Amadé Mozart zwei Seiten lang im sogenannten „Präludium“ auf dem Sterbebett gelegen hatte, kommt er wieder zu Bewusstsein. Im Gegensatz zu Kafkas Werk verwandelt sich nicht der Protagonist, sondern seine Umgebung und kann sich diese bizarre Welt nicht erklären: Licht ohne Kerzen, Fuhrwerke ohne Pferde, Musik ohne Orchester.

    Starr stand er gegen eine Hauswand gedrückt, ließ Menschen und Toyotas an sich vorbeihasten, bis deren Rhythmus ihm allmählich verständlicher wurden. Alles schien einer stillen Ordnung zu folgen, denn obwohl die Fuhrwerke rasch dahinzugleiten vermochten, kamen sie sich nie in die Quere, die Kutscher schimpften nicht aufeinander ein und drohten nicht mit Schlägen, wie er es von den Wiener Pferdedroschken gewohnt war. Wien! Er blies warmen Atem in seine Hände. Nein, dies war nicht Wien, nicht das Wien, das er kannte, das in ihm lebte und das er zum Greifen nah vor sich zu sehen glaubte, sobald er nur die Augen schloss. Irgendetwas war geschehen, und an welchen Ort auch immer er geraten war, er musste herausfinden, wohin.

    Unklar, ob Mozart im Paradies oder im Vorhof der Hölle gelandet ist, glaubt er an einen göttlichen Auftrag, um sein „Requiem“ zu vollenden. Selbst nachdem er schließlich realisiert, dass er lediglich in der Zeit gereist und im Jahre 2006 erwacht ist, ist er von der Idee getrieben, seine eigene Totenmesse zu komponieren, um „das mutlose Gestümpere dieses Dummkopfs“, welches sich auf die posthume Vervollständigung des Requiems durch seinen Schüler Süßmayr bezieht, zu verbessern. Somit irrt Mozart als wunderlicher Kauz durch unsere Gegenwart und strauchelt immer wieder am modernen Wien.

    Hier war ein offenes Fenster, aus dem Bässe dröhnten, dort der Höllenlärm einer Maschine, die sich wie ein tanzender Nagel in das Trottoir fraß und die harte schwarze Kruste aufwarf, dazwischen die jähen Fanfaren der Toyotas, Volvos und wie sie vielleicht heißen mochten: Alles, auch das geringste Lachen eines Frauenzimmers aus der Ferne, wuchs zu einem großen Ganzen zusammen, zu einer Sinfonie, und klang in ihm fort, pulsierte gleichsam, stets dem atemlosen Rhythmus dieses neuen Zeitalters folgend.

    Orientierung verschafft ihm hierbei die Musik, die ihm in der erschreckend veränderten Welt als Kompass dient. Auch im Roman ist die Musik, sein Requiem, der roten Faden, der den Leser durch die Geschichte führt. So liest man beispielsweise „Kyrie“ oder „Sanctus“ als Kapiteleinführungen, die Einteilung des Buches entspricht der Gestalt der Mozart'schen Totenmesse. Vor welchen Herausforderungen Mozart gestellt, was geschehen wird, wenn er sein Werk vollendet, und ob Mozart sich in der radikal veränderten Welt treu bleiben kann, sind Fragen, die lediglich das Buch zu beantworten weiß.

    Zum Bersten angefüllt mit Klängen, sank er in einen der Sessel, die, der ersten Frühlingssonne huldigend, vor einem Kaffeehaus aufgebaut waren. Nichts, außer vielleicht der Rausch der Liebe, kam diesem Zustand gleich, da alles in ihm und alles um ihn zu Tönen wurde, Tönen, die in ihn drangen und aus ihm kamen wie eine Quelle. Ja, er selbst war die Quelle. Er war Musik. Das war sein Innerstes, dazu war er gemacht, und nur damit würde er glücklich sein.

    Mir gefiel die Charakterisierung Mozart, die durch den gelungenen Gebrauch von stark stilisierter Sprache geprägt ist, überwiegend. Baronskys Wissen über den einflussreichsten Musiker der Klassik schien mir fundiert. Die Autorin hat Mozart mit seiner gekünstelten Sprache, Spontanität und Widersprüchlichkeit gut getroffen. Die eigentliche Tragik des Ganzen lockert die Autorin mit Mozarts Entdeckungen, gepaart mit einer guten Prise Situationskomik, auf, da sie dem Leser dank Mozarts fremde und stellenweise recht kindliche Wahrnehmung von Alltäglichem eine Welt voller Wunder beschreibt. So zerbricht sich Mozart beispielsweise über eine T-Shirt-Aufschrift den Kopf und vermutet hinter dem Kürzel AC/DC: „Adorate, Cherubim/Dominum Cantu“ („Betet an, ihr Engel, den Herrn mit Gesang“) Trotz der komischen Anekdoten birgt die Geschichte Mozarts, ein Schauspieler im falschen Stück, genügend Tragik, um ein sehr feinfühliger Musikroman zu sein, da es ein Spiel mit Zeiten und Identitäten thematisiert.

    […] und wenn er hinausschaute, fiel sein Blick über alte, bucklige Schieferdächer. Sah er nur flüchtig hin, belohnte ihn die Illusion, zu Hause zu sein. Und manchmal, am Abend, vergaß er, dass keine weichen dunklen Locken in den Kissen nebenan auf ihn warteten, und glaubte zuweilen das Greinen eines Kindes zu hören, das sich gegen den Schlaf sträubte. Dann erschrak er und stellte das Mechanikum an, trotzte dem lauten Gift der Einsamkeit, das ihm die Töne aus dem Kopf zu rauben drohte.

    Für mich stellte das Buch ein gelungener und eleganter Debütroman dar, das eine Liebeserklärung an den genialen Komponisten Wolferl und seine Musik ist. Vor allem sprachlich wusste es mich zu überzeugen. Die skurrile Geschichte konnte mich mit seiner dynamischen Erzählweise und tragikomischen Melancholie rasch in den Bann ziehen.

    Kommentare: 8
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    Mrs_Nanny_Oggs avatar
    Mrs_Nanny_Oggvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Wundervolle Geschichte mit Charme und Esprit, ein wahrer Genuss, vorallem wenn man dann noch Mozart nebenbei hört!
    "tausend närrische Küsse schicke ich dir und bin allzeit und in ewigkeit dein vernarrter alter narr"

    Oh Wunder, eben noch den letzten Aderlass erleidend erwacht Wolfgang Amadé Mozart , wie nach einer durchzechten Nacht, im Jahr 2006 mitten in Wien in einer bunten WG. Die Besitzerin des Bettes, Anju, ist nicht gerade begeistert, dass dieser "Penner ihr Bett verpestet" hat und noch dazu die Lieblingstasse als Nachtgeschirr zweckentfremdete.
    Verwirrt, mittellos und allein steht Wolfgang in einer ihm völlig fremden und doch vertrauten Stadt, umgeben von lauten, pferdelosen Fuhrwerken, schwarzen, harten Straßen und weiß nicht, was er nun machen soll und vor allem WARUM es ihm passiert ist. Ist das am Ende die letzte Chance um sein unvollendetes Requiem fertigzustellen? Es bleibt ihm nur seine Musik, die er dank der Zufallsbekanntschaft Piotr auch spielen und leben  kann. Piotr ist ein polnischer Straßen- und Gelegenheitsgeiger und nimmt den herumstreunenden Wolfgang (man bedenke: es ist Dezember!) in seiner kleinen Wohnung auf. Mit Gelegenheitsauftritten versuchen sie sich über Wasser zu halten, aber bald schon wird Wolfgang durch die Frauen und die Musik hinweggerissen und von geregeltem Unterhalt kann keine Rede mehr sein. Jeder erkennt zwar das Genie in ihm, doch seinen wahren Namen, das hat er schon bald bemerkt, kann er niemals preisgeben. So wandelt er als Wolfgang Mustermann durch Wien.
    Es beginnt ein wahres musikalisches und amouröses Abenteuer, an dessen Ende Wolfgang Amadé endlich das Requiem fertigstellen kann, oder etwa doch nicht?

    Meine persönliche Meinung:

    Ich liebe Mozart und habe schon einige biographische Bücher über ihn und Constanze gelesen. In seinen Briefen kommt sein lustiges, schelmisches Wesen ebenso wie in seiner Musik zum Vorschein. Eva Baronsky hat es wunderbar verstanden, den Geist Mozarts einzufangen und in das moderne Wien des 21. Jahrhunderts einzupflanzen. Eine wahrlich abenteuerliche Mischung! Ich war auf das Ende gespannt, es ist der Autorin sehr gut gelungen.
    Absolut empfehlenswert!

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