Stieg Larsson, der Autor der Millenium Trilogie um Journalist Mikael Blomkvist und Hackerin Lisbet Salander, dürfte mittlerweile wohl nicht nur Krimilesern ein Begriff sein. Doch wer kennt eigentlich Eva Gabrielsson, die Frau im Hintergrund, die Stieg Larsson über dreißig Jahre als Lebenspartnerin zur Seite stand? In diesem Buch erzählt sie nun von ihrem Leben mit Stieg, wie dies seine Romane beeinflusst hat, und was nach seinem frühen Tod mit seinem Werk geschehen ist.
Zugegeben habe ich bisher nur die amerikanische Verfilmung des ersten Teil der Trilogie angeschaut und keines der Bücher gelesen, obwohl Verblendung schon seit Jahren in meinem Regal steht. Am Rande hatte ich erfahren von Larssons Tod vor der Veröffentlichung seiner Romane und der Lebensgefährtin, die durch das schwedische Erbrecht um seinen Nachlass gebracht wurde. In meinen Augen ein Skandal, den ich aber nicht nur im Zuge von ein paar Artikeln mit ein paar Halbwahrheiten ausloten wollte. Daher meine Entscheidung für dieses Buch, das nach fast zehn Jahren Gabrielsson zu Wort kommen lässt, eine Frau die in den Medien gerne als raffgierig dargestellt wird, der es aber gar nicht ums Geld, sondern um geistiges Eigentum und das Lebenswerk ihrer großen Liebe geht.
Dieses Buch ist eine Mischung aus Biografie, Literaturschlüssel und persönlichem Bericht. Das Leben des Schriftstellers Stieg Larsson ist hier der Fokuspunkt, aber natürlich auch das seiner Lebensgefährtin, schließlich sind beide Biografien unentwirrbar miteinander verknüpft. Nebenbei erfährt man in wie fern die Millenium Trilogie nicht nur Lebenswerk sondern Leben des Schriftstellers war, dieses porträtiert, teilweise mit Originalzitaten, -namen und – schauplätzen von Personen und Ereignissen, die Larsson bewunderte und welche ihn nachhaltig geprägt haben. Zudem schreibt Gabrielsson von dem allzu frühen Tod ihres Lebensgefährten, ihrer Trauer und der Ungerechtigkeit, welche ihr und dem geistigen Eigentum Larssons nach dessen Tod widerfahren ist.
Ich gehe so weit zu behaupten, dieses Buch ist kein Zusatz sondern ein Muss vor der Lektüre der Trilogie. Denn die Geschichte um Blomkvist und Salander ist nicht nur ein Krimi, sie ist ein Manifest, ein ungeschöntes Abbild Schwedens und eine Liebeserklärung an die Seelenverwandte und das gemeinsame Leben. Wenn ich die Millenium Trilogie nun lese, werde ich sie anders lesen, politischer, scharfsinniger, nicht als bloße Unterhaltung für ein paar Stunden, sondern als eine romanhafte Sozialkritik. So wie Stieg Larsson und Eva Gabrielsson es sich vor seinem Tod, und der fadenscheinigen Vermarktung durch die Larsson-Familie, gedacht hatten.
Ein Buch, welches seinen Leser den Menschen hinter dem Kultautor sehen lässt, nicht nur für Fans der Trilogie.


