Eva Gosciejewicz , Sissy Höfferer Blueprint

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Inhaltsangabe zu „Blueprint“ von Eva Gosciejewicz

Wenn nicht alles täuscht, werden bald Menschenklone unter uns leben. Blueprint erzählt die Geschichte eines solchen Klons. Und wie immer wir bisher über diese Zukunftsvision dachten, nach der Lektüre werden wir wissen: wir haben noch lange nicht zu Ende gedacht. Irgendwann in der nahen Zukunft, wenn das Klonen von Menschen möglich sein wird: Die hoch begabte Komponistin Iris Sellin ist unheilbar krank und kinderlos. Damit ihr Talent nicht mit ihr aus der Welt verschwindet, lässt sie sich klonen. Iris und ihre Tochter Siri sind damit eineiige Zwillinge und Mutter und Kind zugleich. Siri wächst in einer Beziehung auf, die es so zwischen zwei Menschen noch nie gegeben hat. Als Kopie, als Blueprint ihrer Mutter, lebt sie mit einem vorgelebten Leben und dem Auftrag, Iris und ihr Talent unsterblich zu machen. - Was aber bedeutet ein solches Leben für das Original und die Kopie? Beide sind Menschen aus Fleisch und Blut, aber wo verläuft die Grenze zwischen ihren Persönlichkeiten? Wer ist hier Ich und wer Du, wer frei und wer Sklave des anderen? Blueprint erzählt Siris Geschichte von ihrer Geburt bis zum Tod der Mutter, als Siri 22 ist. Jetzt erst und schreibend wird sie sich ihrer Besonderheit, ihres Klon-Seins bewusst; und wie Teile eines Puzzles fügen sich ihre Erinnerungen und Träume, ihre Gespräche und Gedanken zu einem neuen Bild ihrer selbst zusammen. Es ist ein schmerzhafter Prozess, aber nur so wird Siri eines Tages ICH sagen können. Wie schon in Geboren 1999 erzählt Charlotte Kerner davon, was die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse für den Einzelnen bedeutet, was "Fortschritt" mit und in einem Menschen anrichten kann. Die Debatte um das Klonen von Menschen ist in vollem Gange - Blueprint ist ein entschiedener Beitrag dazu. Die Autorin selbst nennt es "ein Buch zum Streiten

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  • Rezension zu "Blueprint" von Eva Gosciejewicz

    Blueprint

    HeikeG

    23. April 2007 um 14:09

    Iris - Siri: DUICH UND ICHDU Die Gen-Wissenschaft geht mit Siebenmeilenstiefeln voran. Und Charlotte Kerner geht in ihrem Roman "Blueprint" gedanklich noch einen Schritt weiter: "Blueprint" ist die Biographie eines Klons. Dabei passt das Wort "Biographie" eigentlich nicht mehr. Denn das Buch hört auf, als Siri - der Klon - richtig zu leben beginnt. Ein Leben, das den Tod ihrer Mutter bedingt: Die hoch begabte Pianistin und Komponistin Iris Sellin ist gerade dreißig Jahre alt, als sie erfährt, dass sie unheilbar an Multipler Sklerose erkrankt ist. Sie handelt schnell und... lässt sich klonen. Sie bekommt ein Mädchen, das sie Siri nennt. Ihr Lebensweg scheint genau vorherbestimmt zu sein, schließlich wurde sie zu dem Zweck geboren, das Talent und die Arbeit ihrer Mutter fortzuführen. Doch wie lebt es sich für Siri als Kopie, als Blaupause ihrer Mutter? Wo hört Iris auf? Wo fängt Siri an? All diese Fragen werden für das Leben von Siri bestimmend, denn innerlich gelingt die Doppelung nicht. Siri empfindet sich mehr und mehr als Iris-Kopie, als »Du«, nicht als »Ich«. Wo liegen die Grenzen zwischen den beiden Persönlichkeiten? Sie scheinen zu verschwimmen. Siri wird auf eine lange und beschwerliche Suche zu sich selbst geschickt, denn erst mit dem Tod von Iris wird die Suche nach der eigenen Identität möglich... Nicht auf die Technik des Klonens konzentriert sich Charlotte Kerner (Informationen dazu findet der interessierte Leser im Anhang des Buches), sondern auf den Klon selbst bzw. auf dessen Psyche. Siri ist ein deutliches Beispiel dafür, wie stark das Leben eines Menschen vorgezeichnet werden kann. Sie bekommt ihr Leben quasi vorgesetzt, statt sich selbst ihren Weg suchen zu können. Ihr "Mutter-Zwilling" Iris - "Muzwi" genannt - lebt vor, wie Siri und ihr Leben später aussehen wird. Für Siri gilt es im Grunde nur, die "Schablone" Iris auszufüllen, ohne dabei zu wissen, wo ihre eigene Persönlichkeit liegt bzw. ob sie überhaupt eine hat. Genau das macht den Kern des Buches aus. Hinzu kommt ein anderes bedrückendes Gefühl. "Normale" Kinder entstehen aus der Liebe zwischen zwei Menschen. Siri ist lediglich das Produkt der egozentrischen Selbstverliebtheit ihrer Mutter. Und so lauert in ihr immer die Angst, nicht um ihrer selbst willen geliebt zu werden, sondern nur als Fortsetzung des Lebens ihrer Mutter. Wie eine Sklavin steckt sie in einer Haut, die irgendwie nicht so recht die eigene ist und aus der sie nicht ausbrechen kann. Sprachlich schafft es Charlotte Kerner, ganz geschickt ihre Inhalte zu vermitteln. Sie erzählt Siris Leben aus zwei unterschiedlichen Perspektiven, zwischen denen sie immer hin und her springt. Mal erzählt sie aus einer neutralen, übergeordneten Perspektive und mal in Form innerer Monologe, die Siri abhält. Besonders diese inneren Monologe haben es in sich. Siri hat teilweise eine sehr harte Art, die Dinge zu sehen und formuliert ihre Eindrücke sehr bildhaft. Oft läuft das auf Fragen und Anklagen an ihre Mutter hinaus, von der sie sich einerseits abgrenzen will, es andererseits aber nicht schafft (bzw. nicht schaffen kann) und daran beinahe verzweifelt. Die Finesse ihrer bildhaften, symbolbehafteten Sprache trägt dazu bei, dass "Blueprint" - obwohl es ein Jugendbuch ist - ein wenig Konzentration erfordert. Zwischen den Zeilen steckt viel Stoff für eigene Gedanken, so dass das Buch auch für Erwachsene sehr interessant und ansprechend ist. Es gibt viel zu entschlüsseln, viel zu diskutieren und wer es schafft, sich diesem für manchen Leser eventuell etwas trocken erscheinenden Roman ganz zu öffnen, der nimmt nach der Lektüre eine ganze Menge mit. Ein ganz großes Lob an die Hörbuchfassung. Wer Schwierigkeiten mit dem Perspektivenwechsel der Erzählweise hat, dem empfehle ich unbedingt die akustische Version. Durch die hervorragenden Sprecherinnen werden die zwei unterschiedlichen Erzählperspektiven verständlicher gestaltet. Eva Gosciejewicz liest die Rolle der Siri mit einer Stimme, die Verletzlichkeit aber auch die wachsende innere Stärke wiedergibt, Sissy Höfferer übernimmt souverän den erzählenden Part. Fazit: "Blueprint" ist ein faszinierendes Buch, das es verdient hat, dass man ein Weilchen innehält und über all die Fragen nachdenkt, die es aufwirft. Es ist sprachlich interessant: symbolreich und teils sehr bildhaft geschrieben. Das macht die Lektüre auf der einen Seite etwas anstrengend, andererseits erhöht es aber auch den Lesegenuss. Das Buch ist auf jeden Fall ein sehr gelungener und lesenswerter Denkansatz zum Thema Klonen. Charlotte Kerner zwingt dem Leser nicht ihre Meinung auf, sondern vermittelt anhand von Siri einen glaubwürdigen und sehr anschaulichen Eindruck davon, wie sich ein Klon fühlen könnte. Sie wirft mit ihrem Roman Fragen auf, über die man sich zuvor nur wenig Gedanken gemacht hat. Sie fügt der Debatte um die ethische Vertretbarkeit des Klonens eine zusätzliche Facette hinzu. Siris verstörende Geschichte ist keine leichte, aber eine zum Nachdenken animierende Geschichte.

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