Eva Jahnen hat hier ein tolles und vor allem sehr wertvolles Buch über das Thema Depression erstellt, in dem sowohl Betroffene als auch Angehörige abgeholt werden.
Das nicht ganz so leichte Thema beschreibt sie ernst, mit Humor, empathisch und vor allem griffig. So bekommen Angehörige einen kleinen Eindruck, was „alles dazugehört“. Betroffene, können sich u.a. (teils) wiederfinden und/ oder neue Dinge entdecken, die vielleicht noch nie in Verbindung gebracht wurden… und verstanden fühlen.
Schön vor allem: Das Büchlein muss nicht am Stück gelesen werden. Man kann immer wieder beliebig eine Seite aufschlagen und sich kurzen Input holen. Die Texte sind knapp und präzise und immer wieder mit einem schönen Handlettering-Spruch aufgelockert.
Eva Jahnen
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Eva Jahnen
Die Gedanken sind Blei
Die Gedanken sind Blei
Mama (Substantiv, f)
Papa (Substantiv, m)
Neue Rezensionen zu Eva Jahnen
Kürzlich habe ich dieses Buch entdeckt: „Die Gedanken sind Blei“, was in diesem Jahr bereits seinen ersten Geburtstag gefeiert hat. Und feiern ist genau das richtige Wort, wenn wir über dieses Buch sprechen wollen: Ich feiere Eva Jahnen für ihre Idee, aus der sie ein richtig tolles Konzept erarbeitet hat, aus dem grandiose Texte und Grafiken hervorgehen. Satz und Layout stammen ebenfalls von der Kommunikationsdesignerin.
Das für sich genommen ist bereits eine Leistung, für die ich meinen Hut ziehen möchte, wenn ich denn einen tragen würde.
Respekt und Anerkennung hat die Autorin jedoch erst recht dafür verdient, dass sie sich als Betroffene von Depressionen traut, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Ein Schritt, der nicht nur mutig, sondern auch wichtig ist, um diese Krankheit besser verstehen zu lernen.
Die Texte sind dabei keineswegs wissenschaftliche Abhandlungen aus medizinischen Handbüchern. Vielmehr sind es ehrliche, einfühlsame, unbeschwerte und vor allem auch verständliche Worte, die gepaart sind mit humorvollen Handletterings.
Das Buch hat 128 Seiten und auf jeder Doppelseite finden Leserinnen und Leser je eine Seite Text und eine Seite Illustration. Besonders gefallen hat mir die Beschreibung zum Buch, dass die Texte sehr kurz gehalten sind, sodass sie auch mit Konzentrationsschwäche gut zu lesen sind. Es ist außerdem nicht notwendig, das Buch in einem Stück zu lesen, da jede Seite für sich steht.
Das Buch ist in jedem Fall empfehlenswert, denn es gibt Betroffenen von Depressionen eine Stimme und das Gefühl, dass sie nicht allein sind. Außerdem ist es eine große Stütze für all jene da draußen, die sich in ihre betroffenen Mitmenschen hineinversetzen möchten.
‚Ich hab mich riesig geschämt dafür, dass ich einfach so schwer depressiv und nicht mehr in der Lage war, mein Leben in den Griff zu bekommen. Ich hatte ja nichts Offensichtliches geleistet, mir nichts fühlbar gebrochen oder irgendetwas in der Hand, womit ich meine Krankheit hätte erklären können.‘
Eva Jahnen erzählt in ihrem Buch von ihren Erfahrungen mit mehreren depressiven Episoden, berichtet von Symptomen und Symptombewältigung, Scham und Selbstvertrauen, Konzentrationsstörung und Leere, Alkohol und Suizidgedanken, Grübeln und Warten, Stigma und Selbststigma, Dreiecksmodell und Achtsamkeit, Frühwarnzeichen und Bedürfnissen.
Am Ende des Buches finden sich zudem Informationen zu diagnostischen Kriterien nach ICD-10, zu Ursachen von depressiven Störungen und zu Hilfsmöglichkeiten.
Ich habe mehrere Jahre psychotherapeutisch mit Betroffenen mit Depression gearbeitet, aktuell habe ich mehr mit Minussymptomatik im Rahmen von psychotischen Störungen zu tun, was aber einige Parallelen zur psychotherapeutischen Arbeit mit Depression aufweist. Das Buch wäre wahrscheinlich an mir vorbeigezogen, wenn es mir nicht von einem Freund empfohlen worden wäre, und darüber bin ich sehr froh, denn ‚Die Gedanken sind Blei‘ ist definitiv ein Buch, das ich Betroffenen ans Herz legen werde.
Das Buch ist nicht nur wunderschön gestaltet, sondern auch inhaltlich ein echter Schatz. Jahnen vermittelt viele Informationen über Depressionen aus eigener Hand und aufgrund von persönlichen Erfahrungen, so dass das Buch für Betroffene (aber auch für Angehörige, interessierte Laien und Professionelle) einen echten Mehrwert hat.
Ich fand viele ihrer Schilderungen sehr pointiert, sie trifft ins Schwarze und trägt dadurch zu Entstigmatisierung und Normalisierung bei, was ich extrem wichtig finde. Sie zeigt durchweg, dass man, wenn man depressiv ist, kein Wesen vom anderen Stern ist, sondern dass vieles, was man in der Depression denkt, fühlt, erlebt auch von anderen Betroffenen geteilt wird.
Gelungen finde ich auch die Offenheit der Autorin, sie erzählt freimütig von Symptomen und von ihrer Behandlung, zeigt anderen Betroffenen so auch, dass es eine (gute!) Behandlungsmöglichkeit gibt, dass es sich lohnt, am Ball zu bleiben (auch wenn dies in der Depression extrem schwer fällt).
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