Eva Ladipo

 4,3 Sterne bei 28 Bewertungen
Autorin von Räuber, Wende und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Eva Ladipo, geboren 1974, studierte in Cambridge Politische Wissenschaften und wurde mit einer Arbeit über das russische Steuersystem promoviert. Sie begann als Journalistin bei der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« und arbeitete zuletzt für die »Financial Times«. Sie lebte längere Zeit in Russland und Kolumbien und wohnt jetzt mit ihrem Mann und zwei Kindern in London. 2015 veröffentlichte sie ihren ersten Roman: »Wende«.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Not am Mann. Die Erfindung toxischer Männlichkeit (ISBN: 9783150147801)

Not am Mann. Die Erfindung toxischer Männlichkeit

Erscheint am 18.03.2026 als Taschenbuch bei Reclam, Philipp.

Alle Bücher von Eva Ladipo

Cover des Buches Räuber (ISBN: 9783896676788)

Räuber

(17)
Erschienen am 08.03.2021
Cover des Buches Wende (ISBN: 9783711720283)

Wende

(11)
Erschienen am 24.08.2015

Neue Rezensionen zu Eva Ladipo

Cover des Buches Räuber (ISBN: 9783896676788)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Räuber" von Eva Ladipo

Trishen77
Gelungener Berlinroman

Was bezahlbaren Wohnraum angeht, da haben deutsche Großstädte ja bereits einige Schlagzeilen gemacht, meist keine guten. Wie dramatisch es aber teilweise wirklich ist und wie viele Menschen davon betroffen sind, das ist nur peripher ein Thema (zumindest in meinem Bekanntenkreis). Da wird dann von Gentrifizierung geredet und davon, dass man als Student*in in einem bestimmten Viertel ohne uralten Mietvertrag nicht mehr wohnen kann.

Doch natürlich gibt es wirklich Leute, bei denen die ganze Existenz von diesen Entwicklungen bedroht ist. Spätestens seit der Wohnungsmarkt eine Art Tummelplatz für Investor*innen geworden ist, die bspw. alte Sozialbauten abreißen lassen, um neuere Wohnungskomplexe zu bauen, ist Wohnungsnot nicht nur ein Thema für Zugereiste (und Erwachsengewordene), sondern auch für Ansässige. Eine neue Bodenordnung und eine Wohnungspolitik (das hat Hans-Jochen Vogel mit 94(!) in seiner letzten Veröffentlichung „Mehr Gerechtigkeit“ sehr gut dargelegt) sind geradezu unumgänglich geworden, um einen gesellschaftlichen Kollaps in den Großstädten zu verhindern. Doch noch ist dergleichen, in Berlin und anderswo, nicht in Sicht.

Eva Ladipo hat sich in ihrem zweiten Roman „Räuber“ diesem Themenkomplex gewidmet, auf so unverhofft kluge und unterhaltsame Weise, dass ich zunächst skeptisch war, darauf gewartet habe, dass die Qualität irgendwie abfällt, das entweder der gesellschaftspolitische oder der Spannungsteil zu überwiegen beginnt; ich konnte einfach nicht glauben, dass es das geben kann: einen unterhaltsamen Roman, bei dem zugleich ein hochbrisantes, aktuelles Thema (aus Deutschland) im Mittelpunkt steht. Es gibt durchaus einige sehr gute Essayist*innen in diesem Land (von Stokowski über Czollek bis Juli Zeh) und gelungene Sachbücher, die wichtige Problematiken offenlegen, aber diese Kombination aus Unterhaltung und Aufklärung in Romanform, ist, in meinen Augen, eine Seltenheit.

Zum Plot: Der Bauarbeiter Olli Leber, der schon seit geraumer Zeit für seine Mutter und sich allein aufkommen muss, weil sein Vater nach einem Arbeitsunfall permanent zu einem Pflegefall wurde, bevor er dann starb, hat gerade erst die Beerdigung hinter sich gebracht, da folgt schon der nächste Nackenschlag: die Sozialwohnung, in der er und seine Mutter leben, wird verkauft und das Gebäude soll abgerissen werden. Doch Olli hat sich schon auf der verkorksten Beisetzung geschworen: nie wieder einfach beiseite treten, nie wieder Duckmäusern. Er wird sich wehren. Sein Weg kreuzt sich mit dem der Journalistin Amelie Warlimont, die ein ganzes anderes Leben führt und sich trotzdem an Ollis Seite stellt. Schon bald haben sie einen Plan, wie sie es der Stadt und der Politik in der Gestalt des Finanzsenators Falk Hagen heimzahlen können …

Im Netz kann man zahllose Leser*innenkommentare finden, in denen steht, sie hätten das 540 Seiten-Buch in einem Rutsch durchgelesen. Das hielt ich zunächst für übertrieben. Aber auch ich konnte mich dem Sog dann schwer entziehen und hätte ich nicht spät abends angefangen das Buch zu lesen, vielleicht hätte ich es auch am selben Tag noch beendet. Diesen Sog verdankt das Buch sicher seiner guten Kombination aus Sozial- und Kriminalgeschichte (ebenfalls einen wesentlichen Anteil haben auch die gut konzipierten Figuren, die abwechslungs- und temporeiche Struktur), aber das allein kann den Sog nicht erklären.

Das Erfolgsgeheimnis des Buches liegt, so glaube ich, in den unterschiedlichen menschlichen Dimensionen, die es darstellt. Ganz gleich, ob es um Amelies erste Tage mit ihrem neuen Baby geht, um Ollis Innenleben auf der Beerdigung des Vaters oder um Hagens Wunsch nach einem letzten Lebenshoch – das alles wird nachvollziehbar und intensiv geschildert, man kann sich zu jedem Zeitpunkt sehr gut in die Gefühlswelten einfinden bzw. muss sich mit ihnen auseinandersetzen.

Diese Nähe zu den Charakteren, die Anschaulichkeit ihrer jeweiligen Existenzen, macht das Buch zu einem Erlebnis, das viele Ambivalenzen aufwirft und zugleich wichtige humanistische Ansätze vertieft. Kurzum: Es geschieht genau das, was gute Literatur in uns „anrichten“ sollte: eine Diversifikation, Multiplikation der Einblicke in die Lebenswirklichkeit und gleichsam das vor Augen halten der Gemeinsamkeiten, der Wichtigkeit des menschlichen Miteinanders. Dazu sollte gute Literatur imstande sein und uns am besten auch noch: unterhalten. Eva Ladipo gelingt in „Räuber“ eine vortreffliche Verknüpfung dieser beiden Qualitäten.

Cover des Buches Räuber (ISBN: 9783896676788)
K

Rezension zu "Räuber" von Eva Ladipo

KarinMichaela
Ernstes Thema leicht erzählt: „Räuber“ wirft einen unterhaltsamen Blick auf die Gentrifizierung

Viel haben Olli Leber und Amelie Warlimont nicht gemeinsam. Bis auf die Tatsache, dass sie beide in Berlin leben und sich früher mal zu einem Interview zum Thema Gentrifizierung getroffen haben. Systematisch verdrängen Immobilienkonzerne weniger betuchte Mieter aus dem Berliner Zentrum, indem sie dort Wohnkomplexe aufkaufen, luxussanieren und so teuer vermieten, dass sich die ehemaligen Mieter aus den unteren sozialen Schichten die Wohnungen nicht mehr leisten können. Journalistin Amelie Warlimont wollte darüber schreiben, hat die Geschichte aber nie abgeschlossen. Mit ihrem wenige Wochen alten Baby, ihrem zweiten Kind, hat sie auch genug anderes zu tun.

Doch dann trifft Amelie zufällig wieder auf Olli. Der junge, ungelernte Bauarbeiter hat eine lange Geschichte von Umzügen hinter sich – immer weiter raus aus der Stadt, immer dorthin, wo die Mieten gerade noch erschwinglich sind. Jetzt ist es wieder so weit: Die Sozialwohnung, in der er mit seiner Mutter lebt, ist verkauft worden. Doch diesmal will sich der junge Mann nicht so einfach geschlagen geben. Mit Amelie findet er eine tatkräftige Unterstützerin – sie will endlich wieder etwas Sinnvolles tun und schreitet energisch zur Sache: recherchiert, kontaktiert Experten, schreibt Anträge.

Doch es scheint, als sei der Kampf um soziale Gerechtigkeit, der Kampf gegen die Spaltung der Gesellschaft mit fairen Mitteln nicht zu gewinnen. So hecken die beiden ungleichen Verbündeten einen Plan aus, der mehr als gefährlich ist.

Vielleicht hört sich die Handlung erstmal etwas idealistisch an, doch Befürchtungen dieser Art sind unbegründet. Autorin Eva Ladipo entwickelt die Geschichte langsam und überlegt und mit viel Einfühlungsvermögen – jedes Detail ist sorgfältig gewählt, so dass sich die Story ganz logisch und ganz automatisch ergibt.

Eva Ladipo erzählt aus Ollis und aus Amelies Perspektive, aber auch aus dem Blickwinkel von Amelies Mann Stefan, den berufliche Sorgen plagen, und aus der von Falk Hagen, der als ehemaliger Finanzsenator einer der Schuldigen an der Wohnungsnot ist. Jeder Charakter ist fein ausgearbeitet und überzeugend dargestellt. So viel sei verraten: Keiner der vier entspricht den Klischees – jede Figur besitzt auch unvorhersehbare Charakterzüge, überrascht mit Ecken und Kanten. Mir persönlich sind alle Figuren ans Herz gewachsen, weil ich sie als sehr lebensecht empfunden habe und mich schon nach wenigen Seiten jeweils mit ihnen verbunden gefühlt habe. In welche Richtung jeweils ihr Handeln zielt, wird im Laufe des Buches immer klarer. Und so entwickelt die Geschichte ab der ersten Seite zunehmend Geschwindigkeit – ein irrsinniger Plan nimmt seinen Lauf.

Selbst wer nichts mit Berlin zu tun hat, wird sich spätestens nach einigen Seiten auf die Themen Gentrifizierung und Mietpreiswahnsinn einlassen – stehen sie doch exemplarisch für die wachsende Spaltung der Gesellschaft, für die Schere zwischen Arm und Reich. So erzählt der Roman nicht nur die Geschichte von Olli und Amelie, sondern auch, wie die Gesellschaft soziale Ungerechtigkeiten überwinden kann. Ich bin mir sicher, auch wenn ich das Buch schnell durchgelesen hatte, einige Themen daraus werden mich noch länger beschäftigen. Ich kann das Buch nur allen empfehlen, die gerne Geschichten mitten aus dem Leben lesen und ein bisschen gesellschaftliches und politisches Interesse mitbringen. Ein zeitgemäßes Thema unterhaltsam, aber keineswegs plump umgesetzt – dafür hat Autorin Eva Ladipo meinen Respekt.

Cover des Buches Räuber (ISBN: 9783896676788)
KataRafs avatar

Rezension zu "Räuber" von Eva Ladipo

KataRaf
Beste Unterhaltung mit Tiefgang

Wem gehört die Stadt?" 


Die Immobilien von Berlin, Gentrifizierung,  Klassismus und Wohnungsnot macht sich Räuber von @evaladipo zu Thema. 


Olli Leber, ein Bauarbeiter, der schon mehrmals mit seiner Familie immer weiter in die Peripherie des Prenzlauerbergs verdrängt wurde, hatte seiner gezeichneten Mutter versprochen, dass sie aus dieser Sozialwohnung nicht mehr ausziehen müssen. Nur dann werden die Sozialwohnungen privatisiert und an die börsennotierte Europäische Wohnen veräußert und diese beginnt sie zu "entmieten". 


Die Journalistin Amelie Warlimont ist eine der Neuprenzlauerberger Mütter, die statt der Ollis nun das Stadtteilbild prägen. Sie hat gerade ihr zweites Kind bekommen und dämmert zwischen Stillen, Schlaflosigkeit und Eheproblemen dahin. Als sie noch gearbeitet hatte, hatte sie Olli zu der Verdrängung Interviewt, konnte die Geschichte in der Zeitung ihres Mannes jedoch nicht platzieren. Ebenso beschäftigte sie sich mit Falk Hagen, der in seiner aktiven Zeit als Finanzsenator die Privatisierung und Abschaffung von sozialem Wohnraum in den Innenstadtbezirken vorantrieb. 


Falk Hagen ist ein "Gewinner", Alt-68er, der in "Realpolitik" machte, eitel und ein Machtmensch durch und durch. Er ist immer auf der Suche nach neuen Projekten und Eroberungen. Inzwischen handelt er mit Immobilien und schreckt auch nicht davor zurück, seine Partner übers Ohr zu hauen. 


Räuber wechselt die Perspektive zwischen diesen drei Figuren, lässt sie sich begegnen, berühren und kreiert einen munter-leichten Plot, in dem Olli versucht, die große Räuberei à la Robin Hood umzukehren und sich zu wehren. Mit Amelie findet er eine Komplizin, die durch diese Begegnung über sich hinaus wächst. Mit Klischees der drei sozialen Hintergründe wird gespielt und doch sind die Figuren individuell und warmherzig gezeichnet, dass sogar für Falk Hagen Mitgefühl entgegen gebracht werden kann. 


Räuber ist leichtfüßige Lektüre im besten Sinne. Wenn du gute, leichte und dennoch kluge Unterhaltung suchst und vor 500 Seitenbüchern nicht zurück schreckst, bist du mit Räuber gut beraten. Hier handelt es sich um einen Roman, der uns gekonnt vor Augen führt, dass Unterscheidung zwischen e und u Literatur eine künstliche ist. 


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