Eva Menasse

 3,9 Sterne bei 369 Bewertungen
Autorin von Quasikristalle, Dunkelblum und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Eva Menasse wurde als Tochter des österreichischen Fußballprofis Hans Menasse in Wien geboren. Nach ihrem Abitur studierte sie Germanistik und Geschichte und war später als Redakteurin unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung tätig. Ihr Debüt "Der Holocaust vor Gericht" wurde im Jahr 2000 veröffentlicht; fünf Jahre später folgte ihr erster Roman "Vienna", der sowohl in Österreich als auch in Deutschland auf der Bestseller-Liste stand und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Menasse wurd in den letzten Jahren mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Heinrich-Böll-Preis. Die Autorin lebt heute in Berlin.

Alle Bücher von Eva Menasse

Cover des Buches Quasikristalle (ISBN: 9783442714513)

Quasikristalle

(113)
Erschienen am 14.11.2016
Cover des Buches Dunkelblum (ISBN: 9783442772810)

Dunkelblum

(98)
Erschienen am 14.06.2023
Cover des Buches Vienna (ISBN: 9783462306606)

Vienna

(60)
Erschienen am 08.11.2012
Cover des Buches Lässliche Todsünden (ISBN: 9783462306613)

Lässliche Todsünden

(35)
Erschienen am 08.11.2012
Cover des Buches Tiere für Fortgeschrittene (ISBN: 9783442716623)

Tiere für Fortgeschrittene

(15)
Erschienen am 08.10.2018
Cover des Buches Sie (ISBN: 9783455013467)

Sie

(3)
Erschienen am 02.04.2022

Neue Rezensionen zu Eva Menasse

Cover des Buches Dunkelblum (ISBN: 9783442772810)
Hubertus_Feldmanns avatar

Rezension zu "Dunkelblum" von Eva Menasse

Hubertus_Feldmann
Brillante Verknüpfung von Zeitgeschichte und menschlicher Fehlbarkeit

Bereits häufiger wurde der Frage nachgegangen, ob Literatur (oder Kunst allgemein) in der Lage sei, positiv auf Menschen, und damit auf die Gesellschaft insgesamt, einwirken, die Welt zumindest ein kleines Bisschen besser machen könne. Mit Büchern wie dieses von Eva Menasse stünden die Chancen jedenfalls nicht schlecht. 

„Dunkelblum“ ist ein fiktiver Ort, eine Kleinstadt in Österreich unmittelbar an der Grenze zu Ungarn. Die Geschichte spielt kurz vor dem „Fall der Mauer“ 1989, erschöpft sich allerdings nicht in dieser Zeit, sondern greift zurück in die dunkle Geschichte der Nazi-Vergangenheit des Ortes und seiner Bewohner. Markiert dabei die Gegensätze zwischen denjenigen die „Mitmachen“ (oder nur „Zuschauen“) und denen die „aussortiert“ werden. Und danach unterscheidet der „Eiserne Vorhang“ in „Hüben“ und „Drüben“ – auch in den Köpfen der „Hiesigen“, wahlweise der „Unsrigen“. Konsequenterweise steht man auf der „richtigen Seite“ und qualifiziert die „von Drüben“, die „Drüberen“, die „Drüberisch“ sprechen, bereits wortwählerisch ab. Insofern wird die geographische Lage zu einem Brennglas menschlicher „Möglichkeitsräume“. 

Dabei hätte man genug zu tun mit der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit, bräuchte kein solches Ventil, wenn es denn nicht so schmerzhaft wäre, und im Umkehrschluss so einfach, sich eines Sündenbocks zu bedienen, der einem diese Last abnimmt. Oder ganz einfach sich seine Wahrheit zurechtbastelt, so wie hier beschrieben: „Dem Gedächtnis Einzelner ist nur in begrenztem Ausmaß zu trauen, die meisten erinnern sich lediglich an das, was ihnen selbst in den Kram passt, ihre eigene Rolle in ein besseres Licht rückt oder ihre Gefühle schont.“ Es funktioniert, solange es eben geht. Und in diesem Fall sind es gleich mehrere Ereignisse, die dafür sorgen, dass die Ereignisse aus der Vergangenheit (zum Beispiel die Hinrichtungen in den letzten Tagen des Nazi-Regimes) ans Licht drängen. 

In diesem vielstimmigen Konzert der Stimmen, im Wechselspiel von Beharren und Aufklären, passieren außergewöhnliche Dinge, die diesem Roman zusätzlich eine gewisse Spannung verleihen. Es braucht allerdings einige Zeit, bis man diese Stimmen im Kopf sortiert bekommt. Zum Glück gibt es im Anhang ein „Figurenverzeichnis“ (mit Kurzbeschreibungen). Und für die Nicht-Österreicher ein „Glossar der Austriazismen“. So geholfen kann man sich ganz auf das Geschehen einlassen, Dinge hinterfragen und letztlich seine eigene Haltung überprüfen. 

(15.8.2023)

Cover des Buches Tiere für Fortgeschrittene (ISBN: 9783442716623)
Hubertus_Feldmanns avatar

Rezension zu "Tiere für Fortgeschrittene" von Eva Menasse

Hubertus_Feldmann
Sprachlich exzellent – aber inhaltlich?

Meldungen aus der skurrilen Welt der Tiere münden in Erzählungen über menschliches Mit- oder auch Gegeneinander, bleiben allerdings seltsam unverbunden. Ein Griff in die Trickkiste, so möchte man daher schlussfolgern, das Geschriebene in einem etwas helleren Licht erscheinen zu lassen, quasi als Suchscheinwerfer des Lesers, der sich fragen mag: Und nun? Gibt es ein Rätsel, das es zu durchdringen gilt, und falls ja, ist dies nur dem aufmerksamen, dem pfiffigen Leser zugeneigt?

Wie auch immer: Die Erzählungen sind, wenn auch zum Teil „über-fiktional“, wie in dem Stück (es gibt insgesamt acht Erzählungen aus verschiedenen Jahren) „Schafe“, in denen die Bewohner einer in der Zukunft angesiedelten Großraumkommune, um Abgrenzung und innere Stabilität ringen, allesamt lesenswert. Es geht meist um das Ringen in zwischenmenschlich angespannten Konstellationen, die bei dem einen oder anderen Leser sicher das eine oder andere Aha-Erlebnis eigenen Erlebens vor Augen führen wird. Ob es nun um Patchworkfamilien und deren Katastrophenpotential geht, oder um das langsame, kaum merkliche Abschiednehmen in Beziehungen: „Ben und sie hatten das Küssen vernachlässigt, beinahe aufgegeben zugunsten direkterer Freuden, die sie, wie Jenna nun im Vergleich meinte, seit Jahren zwar zur Zufriedenheit auf beiden Seiten, aber doch routiniert und fast variantenfrei ausübten. Mit dem Maler gab es nichts Routiniertes.“

 

Es gibt Passagen, bei denen man sich fragt, ob man das wirklich lesen will: „Er hatte keine Schuldgefühle, er hatte keine Beziehungen, er vö*te, wie andere Sport betreiben, nicht regelmäßig, aber entschlossen.“ Gefolgt von solchen sprachlich wie inhaltlichen Highlights wie dem folgenden: „Jakob, der an nichts glaubte, hätte einzig das Vogelorchester als Gottesbeweis akzeptiert. Woher sie nur den gemeinsamen Zeitpunkt kannten für ihren ausgelassenen Jubel, eine Feier des Lebens, wie die Gottgläubigen vermutlich sagen würden. Und das würde immer so weitergehen, jeden Morgen dieser mächtige Gesang, auch noch in hunderttausend Jahren, wenn es nicht einmal mehr von ihren Zahnprothesen die leiseste Spur gäbe. Unterm Strich überwiegen bei weitem die Passagen, die den Kopf, respektive das Gehirn, zum Leuchten bringen.  

(22.12.2023)

Der Wahrheit den Prozess

       "Meinung muss auf Fakten gegründet sein, andernfalls ist Meinung an sich eine Farce."
Hannah Arendt

Wie soll man objektiv bleiben, als einzelner Mensch, wenn es um das Schicksal von Millionen geht und darum, wie die Geschichte sie sehen wird? Die Verantwortung ist groß. Nicht das Ausmaß der Katastrophe und ihrer Folgen bewegt die Leute heute, sondern die Ranglistenplatzeinschätzung unter verschiedenen Gesichtspunkten. Was ist der Holocaust? Symbol oder Ideologie? Dogma, Präzedenzfall oder der einzig wahre Höhepunkt des Grauens?

"Was geschehen ist, steht als Tatsache nicht zur Diskussion."
Eva Menasse

2000 fand der hier von Eva Menasse von allen Seiten eher schwach beleuchtete Prozess statt.
Der Ausgangspunkt: David Irving, Historiker und Buchautor, verklagte die Autorin Deborah Lipstadt und ihren Verlag Penguinbooks wegen Verleumdung. Lipstadt hatte Irving in ihrem Buch Betrifft: Leugnen des Holocaust einen der "gefährlichsten Holocaustleugner" und einen "Geschichtsfälscher" genannt. Eigentlich hatte Irving gehofft, dass Verlag und Autorin - wegen der schwierigen Rechtlage von Verleumdungsklage in GB (der Kläger muss nicht beweisen, dass die Beklagten falsch liegen, sondern die Beklagten müssen beweisen, dass sie richtig liegen) - einer außergerichtlichen Einigung zustimmen würden, wie schon manche vor ihnen. Aber er täuschte sich (besser: verkalkulierte sich) - und einer der prestigereichsten und kontroversesten Prozesse des neuen Jahrtausends wurde angesetzt.

Um es direkt zu sagen: Obwohl ich das Buch sehr interessant fand und auch der Aufbau mir gut gefallen hat (Erst Einleitung, dann Portraitabrisse von Irving und Lipstadt, dann Vorgeschichte des Prozesses, Tagebuch des Prozesses und zuletzt einige epilogische Zusammenfassungen), ist es bei allem Verständnis für die Schwierigkeiten der Thematik doch ziemlich unerträglich Menasses Ton der Darstellung zu ertragen (wie berechtigt eine bezogene Wut auch sein mag, literarisch ist sie in non-fiktiven Werken immer Gift). Ebenso wie Hannah Arendt 1961 in Jerusalem versucht sie zwar Irving zu definieren, aber da wo Arendt Fragen stellt und betrachtet, schlägt sie eiserne Plaketten an, immer nur fixiert auf den nächsten Nagel - Irving wird so nur teilweise zur anschaulichen Figur, und eher zum Zerrbild verschiedenster Stiche, Anekdoten und Bezüge. Das macht das ganze Buch mit seiner wichtigen und interessanten Thematik vom objektiven Standpunkt aus leider nicht in Gänze glaubhaft.

Übrigens und zur Anmerkung für den potenziellen Leser: In dem Prozess ging es nicht um die historische Wahrheit des Holocaust (Weswegen auch der Titel ein wenig daneben ist), sondern darum, Irvings historisch-fachliche Qualifikation zu überprüfen und die Richtigkeit und Authentizität der Fakten in seinen Werken.

Irving ist ein Holocaustleugner und ein Geschichtsfälscher. Das muss nicht erwiesen werden, er selbst hat es des Öfteren zugegeben. Und der Zweifel, den er und andere in die Welt tragen, ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass Gerechtigkeit und Andenken mittlerweile zwischen dem Verrücken der Stühle zerquetscht werden. Die Holocaustleugner hantieren mit völlig unhaltbaren Zahlen, jeder Mensch, der den Anstand hat, obwohl nicht genau jede Zahl exakt sein kann, dennoch die Anwesenheit einer großen Zahl zu akzeptieren, muss das einsehen. Aber ebenso hat die andere Seite sich Faux-pas geleistet (im Buch wird ein Fall falscher Zeugenaussage erwähnt und verschiedene andere Faktoren wurden verallgemeinert und überschätzt). Im Bemühen beider Seiten, aus den kleinen Fehlern der anderen Seite Kapital für ihre Sicht der Dinge zu schlagen, ist kaum mehr Raum für die Protagonisten und Opfer dieses schrecklichen Ereignisses geblieben (und für das einzige, was wir noch für sie tun können: Nicht zu zögern, die Umstände ihres Todes für immer durch Klarheit unmöglich zu machen.) Das ist das traurige und beschämende - und Menasse hat es im Buch erwähnt, was immerhin ein Anfang ist. Und was dieses Buch am Ende doch zu einer nicht unlohnenden Lektüre macht, wenn man weiß, wie man vor einem Buch selbst Beobachter bleibt.

Gespräche aus der Community

Diese Leserunde sollte die Leserunde von Tommywien ersetzen, da er momentan nicht in der Lage ist die Leserunde zu moderieren.

Gelesen wird mit dem eigenen Exemplar

Start der Leserunde: 25.03.2022

31 Beiträge
Johanna_Paulinas avatar
Letzter Beitrag von  Johanna_Paulina

Und wo in die Niederlanden? Ich komme aus Leiden und Delft.

Hallo, ich würde noch Mitleser für dieses Buch suchen. Gelesen wird mit dem eigenen Exemplar - eine Buchverlosung findet nicht statt. 

Sobald sich Mitleser gefunden haben, mache ich eine Einteilung der Leseabschnitte.

Würde mich über eine rege Teilnahme sehr freuen.

Liebe Grüße aus Wien.

Start der Leserunde: 20.03.2022

34 Beiträge
angiolettas avatar
Letzter Beitrag von  angioletta

Vielen Dank für die Recherche und das Erstellen der neuen LR! 🌷 Hoffen wir das Beste für Thomas! 😥

Zusätzliche Informationen

Eva Menasse wurde am 11. Mai 1970 in Wien (Österreich) geboren.

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