Eva Moldenhauer

 4,1 Sterne bei 507 Bewertungen

Lebenslauf

Eva Moldenhauer, 1934 in Frankfurt am Main geboren, war seit 1964 als Übersetzerin tätig. Sie übersetzte Literatur und wissenschaftliche Schriften französischsprachiger Autoren ins Deutsche, u.a. von Claude Simon, Jorge Semprún, Marcel Mauss, Mircea Eliade, Gilles Deleuze und Lévi-Strauss. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis und dem Paul-Celan-Preis. Eva Moldenhauer verstarb am 22. April 2019.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Die Ökologie der Anderen: Die Anthropologie und die Frage der Natur (MSB Paperback) (ISBN: 9783751845106)

Die Ökologie der Anderen: Die Anthropologie und die Frage der Natur (MSB Paperback)

Neu erschienen am 02.05.2024 als Taschenbuch bei Matthes & Seitz Berlin.

Alle Bücher von Eva Moldenhauer

Neue Rezensionen zu Eva Moldenhauer

Cover des Buches Das große Heft (ISBN: 9783492304337)
KikiAnderss avatar

Rezension zu "Das große Heft" von Agota Kristof

Was der Krieg mit den Menschen macht - perfekt aufgezeigt und aufgezeichnet
KikiAndersvor 14 Tagen

In den fortgeschrittenen Kriegstagen bringt eine Mutter ihre beiden noch sehr jungen Zwillingssöhne in eine Grenzstadt zu ihrer eigenen Mutter, weil es in der Großstadt, in der die Familie lebt (der Vater ist schon lange an der Front, seit über sechs Monaten ohne Lebenszeichen) nichts Essbares mehr gibt. Das Alter der Zwillinge weiß man nicht, doch sie haben teilweise noch Milchzähne und die Großmutter hatte von ihrer Tochter schon seit zehn Jahren kein Lebenszeichen mehr gehört und wusste nichts von Heirat und Kindern. Ich habe die Jungen auf acht Jahre geschätzt. 

Die Großmutter ist wenig angetan. Sie will weder von der Tochter noch ihrer "Brut" etwas wissen. Doch am Ende behält sie widerstrebend die Buben, für die fortan eine neue Zeitrechnung und ein neues Leben beginnt. Vorbei ist die Zeit der liebevollen Umarmungen, des behüteten Leben, der Reinlichkeit, des täglichen Zähneputzens. Sie müssen auf einer harten Eckbank in der Küche schlafen, ohne die Decken, Laken und Handtücher, die ihnen ihre Mutter mitgegeben hatte. Denn die Großmutter - als Hexe im Ort verschrien, weil sie angeblich ihren Mann vergiftet hat - verscherbelt alles zusammen mit ihrem Gemüse und ihren Hühnern auf dem Markt und behält den Erlös für sich. Sie wäscht sich nie, schläft in ihren Kleidern, schlägt die Jungen ohne Grund, lässt sie schuften und frieren. 

Das Geld und die Kleidung, die die Mutter schickt, verschwinden, ohne dass die Jungs etwas davon sehen. Im Winter müssen sie barfuß laufen. Doch die beiden geben nicht auf. Sie kämpfen sich durch die Zeit und härten sich zusätzlich mit Schlägen und Hungern ab. Huhn und Pfannkuchen gibt es nur an den Tagen, an denen die Buben Hungertage haben und sich quälen, wenn sie der Großmutter beim Schlemmen zusehen. An den anderen gibt es nur Kartoffeln und Bohnen. Sie peitschen sich, bis sie keinen Schmerz mehr fühlen und brennen alle liebevollen Erinnerungen aus ihrem Gedächtnis um zu überleben. Denn das Überleben ist verdammt schwierig in diesen Kriegszeiten, wo man stehlen und kämpfen muss um nicht selbst bestohlen zu werden. Auch das Töten muss gelernt werden. Dabei wird schon mal die Hauskatze aufgehängt. Dabei sind sie wissbegierig, intelligent und bauernschlau. Unterrichten sich gegenseitig, lesen in der Bibel und in einem Wörterbuch - dem einzigen, was ihnen von ihrem gefühllosen Vater blieb. Schreiben Aufsätze in ein Heft, die die einzelnen Kapitel dieses Buches ausmachen (sollen). Lernen in Windeseile durch Zuhören die Sprache der Kriegsparteien allein durch Zuhören. Verdienen sich nebenbei Geld. Sie verziehen sich auf den Dachboden, zu dem die Grußmutter, die ihre Enkel nur "Hundesöhne" oder "Hurensöhne" nennt, keinen Zugang mehr hat, seitdem sie die Leiter angesägt haben und die Großmutter damit stürzte. Sie klettern an einem Seil in ihr Reich und durch Löcher im Boden können sie des Nachts die betrunkene Großmutter und auch den Untermieter, einen Offizier in allen ihren Abgründen beobachten. Es gibt auch sexuelle Perversionen in ihrem Umfeld mitzuerleben. 

Auch wenn ihre Abgestumpftheit und die damit einhergehende Verrohung immer weiter voranschreitet, haben sie trotzdem ein Gefühl für Gerechtigkeit und helfen oder bestrafen, wo es ihrer Meinung nach angebracht ist. 

In den letzten Kriegstagen kommt es zu schrecklichen Szenen und die Sieger nehmen sich nach der Kapitulation unbarmherzig was sie wollen, aber die beiden Buben sind inzwischen so schlau, dass sie sich gut durchlavieren können. Trotzdem gibt es am Ende noch einmal einige Knaller, mit denen ich nicht gerechnet hatte, und noch die halbe Nacht grübelte, bis ich verstand. 

Ich musste mich ein wenig mit der ungarischstämmigen Autorin und der Geschichte Ungarns im zweiten Weltkrieg beschäftigen, um zu realisieren, dass die Großstadt Budapest ist, der Ort der Handlungen an der rumänischen Grenze, der Offizier zu der deutschen Armee, mit der sich der ungarische Ministerpräsident verbündete (obwohl die Bevölkerung unglaublich litt und massenhaft an der Front verheizt wurde), die Deportierten ungarische Kriegsgefangene, die verkohlten Menschenpyramiden Juden im Konzentrationslager, die grausamen Sieger die Russen sind. Im Prinzip war alles zu Kriegszeiten und Kriegsende, vor allem die letzten Tage, so ähnlich, wie es mir meine Mutter und mein Vater - die es selbst erlebten - mir immer erzählt haben. 

Obwohl das Buch eine Faszination ausübt, die es zu einem Pageturner macht, ist es nicht leicht zu lesen. Es ist fast ein Glück, dass man als Leser mit den Zwillingen auch ein wenig abstumpft, sonst wäre es kaum zu ertragen.

Nach einem Tag Bedenkzeit habe ich mir heute die Nachfolgebände zu der Geschichte "Der Beweis" und "Die dritte Lüge" (die einstige Trilogie ist nicht mehr erhältlich) sowie ihre autobiographische Erzählung "Die Analphabetin" über ihre Flucht 1956 aus Ungarn und die erste schwere Zeit in der französischsprachigen Schweiz bestellt. Einen besseren Beweis für meine Empfehlung gibt es nicht. 


Cover des Buches Jesabel (ISBN: 9783641147297)
Linda19_7s avatar

Rezension zu "Jesabel" von Irène Némirovsky

Das Buch ist ganz interessant, für mich aber kein must read.
Linda19_7vor 5 Monaten

Gladys Eysenach ist wunderschön. Ihr sehnlichster Wunsch ist es von allem Männern bewundert und geliebt zu werden. Doch was passiert, wenn sie langsam altert? Für die ewige Jugend ist ihr kein Preis zu hoch. Nicht einmal das Leben ihrer Tochter.

Die Geschichte beginnt mit dem Ende. Nämlich als Gladys im Gerichtssaal sitzt und sich einer Anklage stellen muss. Dieser Einstieg ist mir sehr schwer gefallen, da die Handlung mich so erst einmal gar nicht gepackt hat. Nach dem 50 Seiten langen ersten Kapitel nimmt die Geschichte aber langsam fahrt auf.  Wer sich mit dem Anfang also ein wenig schwer tut könnte das erste Kapitel theoretisch auch erst zum Schluss lesen.  Ab dem zweiten Kapitel wird Gladys Geschichte mit ziemlich großen Zeitsprüngen erzählt. Man kommt ihrem streben und ihrem Wahn sehr nahe. Das macht Gladys zu einer spannenden Persönlichkeit. Auch wenn ich ihre Intensionen teilweise nicht vollständig nachvollziehen konnte.

Das Buch ist ganz interessant, für mich aber kein must read.

Cover des Buches Das große Heft (ISBN: 9783492304337)
frischelandlufts avatar

Rezension zu "Das große Heft" von Agota Kristof

Kriegserfahrungen von Kindern in der Landverschickung
frischelandluftvor 8 Monaten

Es ist ein europäisches Buch, geschrieben von einer Ungarin, die 1956 in die Schweiz emigrierte, auf Französisch schrieb. Wenn Kinder im Krieg auf’s Land geschickt werden, fallen mir sofort die Chroniken von Narnia ein, natürlich mit diesem Buch nicht zu vergleichen. Die Kinder hier sind Zwillinge, die, wie sie selber sagen, zusammen einen ganzen Menschen ausmachen und somit untrennbar sind. Sie sind die Chronisten, die Erzähler. Sie schreiben sehr nüchtern, nicht kindlich, ohne Schnörkel, aber mit genauem Beobachtungssinn ihren Kriegsalltag auf dem Land bei ihrer grausamen und kalten Großmutter auf. Die Geschichte wird nicht genauer lokalisiert: es gibt ein besetztes Land mit seinen Einwohnern, Besatzer und später Befreier, die nach dem Krieg einen Stacheldraht um das Land ziehen. Es gibt Elemente von vielen Ländern, es ist egal, der Krieg ist überall schrecklich. Sie reagieren sehr aktiv und sehr speziell auf ihre Umgebung, z.B. unterrichten sie sich selber und machen Übungen, um sich abzuhärten oder das Leben zu verstehen. Das Buch hat mich häufiger verstört, es ist eine grausame Welt mit viel Gewalt und einer erschreckend klar geschilderten groben Sexualität (ich würde es allerfrühestens 16jährigen empfehlen, vielleicht älter), aber es zeigt den Krieg ohne jeglichen Heroismus, kommentarlos, nur deskriptiv und wird dadurch für mich zu einem wichtigen Antikriegsbuch. Ein Buch, das mich noch eine Weile beschäftigen wird. Ich werde mehr von der Autorin lesen.

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