Jedes Jahr lädt Lady Bobbin aus Pflichtgefühl ihre zahlreiche Verwandtschaft nach Compton Bobbin ein und jedes Jahr kommt die ungeliebte Verwandtschaft, um sich mit Kindern und Hunden auf dem vernachlässigten, ungeheizten Landsitz auszubreiten, sich durchzufuttern und Lady Bobbin von der Jagd abzuhalten. In diesem Jahr geht es allerdings noch etwas turbulenter zu. Der junge erfolglose Autor Paul Fotheringay hat sich mit dem ungeraten Sohn von Lady Bobbin verbündet, um unter falschem Namen Zugang zu den Tagebüchern einer berühmten Vorfahrin Lady Bobbins zu erhalten, deren Biografie er schreiben will. Eine ehemalige Kurtisane hat sich mit verarmten Freunden auf einem heruntergekommenen Landsitz in der Nachbarschaft niedergelassen und sorgt weiterhin für Skandale. Und Philadelphia, die vorlaute Tochter Lady Bobbins, verliebt sich Hals über Kopf in den Schriftsteller, statt dankbar den Antrag eines reichen Marquis anzunehmen.
Ein äußerst amüsanter und stilvoller heiterer Roman, der die gehobene englische Gesellschaft in ihrem Niedergang sehr schön in Szene setzt. Pointierte Dialoge, unliebsame Wahrheiten, überholte Traditionen und formalisierte gesellschaftliche Rituale deren Sinn längst im Dunkel der Geschichte verschwunden ist, sorgen für sehr gute Unterhaltung. Weniger komisch in Sinne von Lachen, dafür gibt es aber viel zum Schmunzeln und auch ein etwas bitter-nostalgischer Blick zurück.
Ich habe mir etwas mehr Humor und vor allem mehr Weihnachtszauber gewünscht, aber das Buch ist trotzdem eine kurzweilige Lektüre. Mir hat die Geschichte gut gefallen, wenn auch die allmähliche Demontage des eigentlich sympathisch, wenn auch überdreht, eingeführten Hauptcharakters Paul Fotheringay etwas wehgetan hat.
Fazit: Eine gelungene Figurenkomposition, amüsante Gesellschaftssatire und britischer Humor machen das Buch zu einer vergnüglichen Lektüre.




