Eva Regul

Lebenslauf

Eva Regul, geboren 1974 in Kiel, studierte Literaturwissenschaft in Berlin und lebte anschließend in London. Nach ersten Übersetzungen während des Studiums arbeitete sie mehrere Jahre als Untertitlerin. 2019 kehrte sie in die Welt der Bücher zurück und überträgt seither Literatur aus dem britischen und amerikanischen Englisch ins Deutsche.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Eva Regul

Cover des Buches Schöne Bescherung auf Compton Bobbin (ISBN: 9783895611445)
Buchgespensts avatar

Rezension zu "Schöne Bescherung auf Compton Bobbin" von Nancy Mitford

Buchgespenst
Familienchaos auf dem englischen Landsitz

Jedes Jahr lädt Lady Bobbin aus Pflichtgefühl ihre zahlreiche Verwandtschaft nach Compton Bobbin ein und jedes Jahr kommt die ungeliebte Verwandtschaft, um sich mit Kindern und Hunden auf dem vernachlässigten, ungeheizten Landsitz auszubreiten, sich durchzufuttern und Lady Bobbin von der Jagd abzuhalten. In diesem Jahr geht es allerdings noch etwas turbulenter zu. Der junge erfolglose Autor Paul Fotheringay hat sich mit dem ungeraten Sohn von Lady Bobbin verbündet, um unter falschem Namen Zugang zu den Tagebüchern einer berühmten Vorfahrin Lady Bobbins zu erhalten, deren Biografie er schreiben will. Eine ehemalige Kurtisane hat sich mit verarmten Freunden auf einem heruntergekommenen Landsitz in der Nachbarschaft niedergelassen und sorgt weiterhin für Skandale. Und Philadelphia, die vorlaute Tochter Lady Bobbins, verliebt sich Hals über Kopf in den Schriftsteller, statt dankbar den Antrag eines reichen Marquis anzunehmen. 

Ein äußerst amüsanter und stilvoller heiterer Roman, der die gehobene englische Gesellschaft in ihrem Niedergang sehr schön in Szene setzt. Pointierte Dialoge, unliebsame Wahrheiten, überholte Traditionen und formalisierte gesellschaftliche Rituale deren Sinn längst im Dunkel der Geschichte verschwunden ist, sorgen für sehr gute Unterhaltung. Weniger komisch in Sinne von Lachen, dafür gibt es aber viel zum Schmunzeln und auch ein etwas bitter-nostalgischer Blick zurück. 

Ich habe mir etwas mehr Humor und vor allem mehr Weihnachtszauber gewünscht, aber das Buch ist trotzdem eine kurzweilige Lektüre. Mir hat die Geschichte gut gefallen, wenn auch die allmähliche Demontage des eigentlich sympathisch, wenn auch überdreht, eingeführten Hauptcharakters Paul Fotheringay etwas wehgetan hat. 

Fazit: Eine gelungene Figurenkomposition, amüsante Gesellschaftssatire und britischer Humor machen das Buch zu einer vergnüglichen Lektüre.

Cover des Buches Wo Milch und Honig fließen (ISBN: 9783103975437)
M

Rezension zu "Wo Milch und Honig fließen" von C Pam Zhang

Marcello
Sinnlich und unbequem: Zhangs Blick auf Klasse, Umwelt und Kontrolle

Wo Milch und Honig fließen von C. Pam Zhang ist für mich ein Roman, den man am besten mit mehreren Brillen gleichzeitig liest: als Klassen- und Machtkritik, als Ökologieerzählung und als sinnlich-körperliche Studie über Begehren, Abhängigkeit und Kontrolle.

Im Zentrum steht eine Köchin, die in einer nahen Zukunft ihren neuen Job antritt in einer abgeschotteten Berg-Enklave  – ein Ort mit klarer Luft und Überfluss, während im Rest der Welt Smog, Mangel und Verfall das Leben bestimmen. Gerade dieser Kontrast ist die große Stärke des Buches. Genuss wird nicht romantisiert, sondern als Privileg gezeigt, das auf Ausschluss basiert. Das Bergrefugium wirkt wie eine Arche für wenige – und gleichzeitig wie ein Elfenbeinturm, der die Welt zwar beobachtet, aber sich ihr entzieht. Der Smog und die Dunkelheit sind dabei mehr als eine Kulisse: Sie stehen für eine beschädigte Umwelt und für den moralischen Nebel, in dem man sich einrichten kann, wenn man nur weit genug weg ist.

Was mich besonders überzeugt hat, ist die Verbindung aus Sinnlichkeit und Unbehagen. Essen, Lust und Macht hängen eng zusammen. Jede üppige Szene trägt ein Echo von Verlust und Schuld, jede Nähe zwischen Figuren hat auch etwas von Handel und Hierarchie. Und trotzdem (oder gerade deshalb) ist das Buch enorm packend.

Einige Sätze fand ich schlicht grandios – präzise, scharf, manchmal brutal schön – vor allem in der Charakterisierung. Die Figuren werden nicht über Erklärungen lebendig, sondern über Blicke, Gesten, Tonlagen und diese messerscharfen Beobachtungen, die einem plötzlich klar machen, wie die Machtverhältnisse wirklich laufen.

Alles in allem: ein tolles, lesenswertes Buch – sinnlich, klug und unbequem, ohne platte Botschaften. Wer literarische Klimafiktion mag, die nicht nur warnt, sondern über Genuss, Klasse und Begehren nachdenkt, sollte es lesen.

Cover des Buches Schöne Bescherung auf Compton Bobbin (ISBN: 9783311151296)
LeserinLus avatar

Rezension zu "Schöne Bescherung auf Compton Bobbin" von Nancy Mitford

LeserinLu
Amüsant und kurzweilig

Nancy Mitfords Roman führt auf charmante Weise in die Welt der britischen Upper Class der 1930er Jahre ein. Paul Fotheringay, ein Schriftsteller, dessen tragisches Debüt versehentlich als Komödie gefeiert wird, schleicht sich unter falschem Namen in die chaotischen Festtage auf Compton Bobbin ein, um ein neues, besseres Buch zu schreiben. Während er Material für eine Biografie sammelt, findet er sich so plötzlich mitten in einer exzentrischen Weihnachtsgesellschaft wieder.

Die Mischung aus versnobten Familienmitgliedern, pointierten Dialogen, unbeholfenen Verehrern, gelangweilten Kindern und einer glamourösen Kurtisane sorgt für zahlreiche Situationen, in denen die sozialen Fassaden ebenso brüchig werden wie Pauls Versuche, ernst genommen zu werden. Wer allerdings einen Weihnachtsroman erwartet, wird ein wenig enttäuscht sein: Trotz des festlichen Rahmens ist das Buch eher eine Gesellschaftskomödie. Schöne Bescherung auf Compton Bobbin eignet sich daher vor allem für Leser:innen, die britischen Humor und kluge Beobachtungen mögen – und die mit einem nur dezent weihnachtlichen Flair gut leben können.

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