Eva Sichelschmidt

 3,6 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor von Bis wieder einer weint, Bis wieder einer weint: Roman und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Eva Sichelschmidt

Eva Sichelschmidt wuchs am grünen Rand des Ruhrgebiets auf. 1989 zog sie nach Berlin, wo sie als Kostümbildnerin für Film und Oper arbeitete und erst ein Maßatelier für Abendmode, dann das Geschäft «Whisky & Cigars» eröffnete. 2017 erschien ihr erster Roman, «Die Ruhe weg». Sie lebt in Rom und Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Eva Sichelschmidt

Cover des Buches Bis wieder einer weint (ISBN: 9783499291838)

Bis wieder einer weint

 (10)
Erschienen am 26.01.2021
Cover des Buches Bis wieder einer weint: Roman (ISBN: B081SG4626)

Bis wieder einer weint: Roman

 (2)
Erschienen am 28.01.2020
Cover des Buches Die Ruhe weg (ISBN: 9783813507423)

Die Ruhe weg

 (2)
Erschienen am 13.03.2017
Cover des Buches Die Ruhe weg (ISBN: 9783641195328)

Die Ruhe weg

 (0)
Erschienen am 13.03.2017

Neue Rezensionen zu Eva Sichelschmidt

Cover des Buches Bis wieder einer weint (ISBN: 9783499291838)lilli1906s avatar

Rezension zu "Bis wieder einer weint" von Eva Sichelschmidt

Interessant und gut geschrieben
lilli1906vor 7 Monaten

Ich habe mich anfangs mit diesem Buch sehr schwer getan. Das lag am Schreibstil  der sehr kühl und nüchtern ist. Das ganze Buch über bleibt er irgendwie distanziert... und im Endeffekt war es dann genau dieser Schreibstil   der mich an das Buch gefesselt hat!


Das Buch besteht eigentlich aus 2 Geschichten. Die eine ist die Geschichte des Vaters Wilhelm und seiner Frau Inga, die kurz nach der Geburt des zweiten Kindes stirbt.


Parallel dazu erzählt dieses Kind, eine Tochter, von ihrem Leben. Vom Aufwachsen bei den Großeltern,  von der Rückkehr zum Vater usw. Dieser Teil des Buches ist eine Ich Erzählung.


Beide Stränge stimmen zeitlich nicht überein, wodurch vielleicht die Distanz in der Erzählung zustande kommt - ich fand es auf jeden Fall faszinierend und habe das so auch noch nicht gelesen.


Die Geschichte selber ist stimmig und ein wenig traurig. Jeder hat sein Päckchen zu tragen und muss sein Leben leben, so gut er es vermag.


Ein gutes Buch, aber keine leichte Unterhaltungsliteratur!

Kommentieren0
0
Teilen
Cover des Buches Bis wieder einer weint (ISBN: 9783499291838)Lesebiene017s avatar

Rezension zu "Bis wieder einer weint" von Eva Sichelschmidt

Familiäres Portrait der jungen Bundesrepublik
Lesebiene017vor 9 Monaten

Der Roman wird im Wesentlichen aus zwei Erzählperspektiven erzählt. Die ersten Erinnerungen der Ich-Erzählerin Suse Rautenberg gehen zurück zum Tag der Beerdigung ihrer Mutter im Juni 1971. Da ist Suse nur 10 Monate und ihre Schwester Asta 6 Jahre alt. Kann sich Suse wirklich an diese beklemmenden Bilder erinnern? Oder hat man ihr davon erzählt? Oder ist es ihre blühende Fantasie, die diese Szenen immer wieder hervorruft?

Die zweite auktorial-personale Erzählebene geht in der Zeit zurück, berichtet von der außergewöhnlich hübschen Arzttochter Inga, die mit dem beliebtesten Junggesellen der Stadt, dem Unternehmersohn Wilhelm Rautenberg, verlobt ist. „Wilhelm ist schon Mitte dreißig, aber keiner sieht so schmuck aus wie er und hat auch nur annähernd so viel Moos, wie man hier sagt.“ (S. 19) „Sie sind füreinander mehr als nur eine gute Partie. Sie hat den Stil und er das Geld.“ (S. 21)

Kennengelernt haben sie sich im Reitstall. Inga liebt das privilegierte Leben im Wohlstand sowie mit den Partys und Gesellschaften der bürgerlichen Elite des Ruhrgebiets. Die Rautenberg-Villa wurde für Ingas Einzug umgebaut, fast alle Möbel sind neu. Einziger Wermutstropfen ist die herrische Schwiegermutter Marianne, die mit im Haus leben wird. Alles wie im Märchen, nur wundert sich Inga über Wilhelms zurückhaltende Art, ist er doch wenig leidenschaftlich und mitunter gleichgültig in Bezug auf ihre Person. Gemeinsam mit seinem Bruder leitet er die väterliche Firma, seine Passion gehört aber der Dressurreiterei, für gute Rassepferde investiert er eine Menge Geld: „Das Reiten ist ja schließlich nicht sein Hobby. Er hat Großes vor, mit seinen Pferden und auch mit sich. „Die Reiterei ist meine Bestimmung“, sagt er.“ (S. 20)
 Wir begleiten Inga bis zu ihrem frühen Tod. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Leser nimmt Teil an ihrem (Ehe-)Leben, ihren Sorgen, Glücksmomenten und Emotionen. 

Suse muss nach Ingas Tod zu ihren Großeltern mütterlicherseits nach Schwelte übersiedeln. Asta bleibt beim Vater. Sie war schon immer ein Papakind. Diese Eigenschaft wird nun verstärkt, was es der kleinen Schwester bei Besuchen unglaublich schwer macht, die Eifersucht ist groß. „Der Vater war mir fremd und unheimlich. Nichts bei ihm war wie bei den Menschen meiner häuslichen Umgebung.“ (S. 33)

Die Kindheit bei Oma und Opa ist jedoch auch nicht einfach, die alten Leute sind nicht auf ein Kleinkind eingestellt. Die Arztpraxis ist im Haus untergebracht und die Großmutter arbeitet dort mit, so dass Suse oft sich selbst überlassen wird. Trotzdem genießt sie Ordnung und Struktur, etwas, das sie beim Vater gänzlich vermisst. Der Schock erwartet sie zur Einschulung: Nun muss das Mädchen dauerhaft im väterlichen Haus wohnen, eine Tatsache, unter der es sehr leidet. Der Haushalt ist unorganisiert, das Personal wechselt häufig und der Vater ist seinen wechselhaften Stimmungen unterworfen. Seine Gedankenlosigkeit tut weh. Suse bekommt Schwierigkeiten in der Schule, wird systematisch ausgegrenzt.
 Wirtschaftlich geht es zunächst weiter bergauf. Ein neues Anwesen wird gebaut, sportliche Erfolge erzielt. Irgendwann kommt aber die Wende: Der labile Wilhelm wendet sich einem außergewöhnlichen Freundeskreis zu, vernachlässigt seine Pflichten, mit der Firma geht es bergab… 

Viele Details aus den 1970er Jahren machen das Buch zu einer wahren Fundgrube für Menschen, die in dieser Zeit aufgewachsen sind: Fast beiläufig werden Werbespots, Redewendungen, Musiktitel eingeblendet, die dem Leser ein „Ach ja, genau so war es,“ entlocken. Es wird viel in Gastwirtschaften getrunken und Rauchen in der Wohnung ist en vogue. Babys werden mit Milupa gefüttert, denn Stillen macht Hängebrüste – wer will die schon? Die Helden der Kinderbücher: Karlsson vom Dach, Pinocchio und das kleine Gespenst. Menschen, die anders sind, werden ausgegrenzt und bloßgestellt, sei es wegen eines Handicaps, der Hautfarbe oder der sexuellen Orientierung. Niemand denkt sich etwas dabei. Gute Verbindungen und Seilschaften gehören gepflegt und nicht verteufelt. Neben der wirklich interessanten, vielschichtigen Familiengeschichte bietet dieser Roman ein gutes Gesellschaftsportait, in dem vieles verdrängt und verschwiegen wird. So gibt es auch Lügen und Notlügen, letzterer dürfen sich nur die Erwachsenen bedienen.

Der Roman hat mich von Anfang an gefesselt. Die beiden agierenden Familien sind sehr genau gezeichnet. Beide Erzählebenen sind gleichsam spannend. Mit der ersten Szene, dem Tag von Ingas Beerdigung, breitet sich eine Melancholie aus, die während des gesamten Romans anhält. Trotzdem gibt es auch humorvolle Szenen, die sich aus dem täglichen Leben mit der aufgeweckten Suse ergeben. Wilhelm ist zwar kein Sympathieträger, man lernt ihn aber immer besser kennen, so dass man am Ende sogar ein gewisses Verständnis für seine Lage hat. Das ist es, was den Roman so außergewöhnlich macht: die Komplexität der Figuren, die sich mit ihren Stärken und Schwächen glaubwürdig entwickeln und viel Potential zum Nachdenken bieten. Insofern eignet sich der Roman ideal für Lesekreise.

Den Spruch „Bis wieder einer weint“, kennt wohl jeder, der sich als Kind einmal gestritten hat. Ich empfehle den Roman uneingeschränkt allen, die sich ein intensives, kitschfreies Leseerlebnis wünschen und vielleicht auch in die Lebenswelt der eigenen Kindheit eintauchen möchten. 

Zu erwähnen ist die hochwertige Ausstattung des Rowohlt-Hardcovers mit verschiedenen Papiersorten und Lesebändchen.

Der Roman steht völlig verdient auf der Longlist zum DBP 2020.

 

4,5/5 Sterne

 

Kommentieren0
0
Teilen
Cover des Buches Bis wieder einer weint (ISBN: 9783499291838)Dominikuss avatar

Rezension zu "Bis wieder einer weint" von Eva Sichelschmidt

Eine schwierige Familie
Dominikusvor einem Jahr


Die Schriftstellerin Eva Sichelschmidt zieht uns mit ihrer Erzählkunst in ihren Bann.


Bis wieder einer weint ist ein Roman der Wirtschaftswunderjahre im Ruhrgebiet, der von 1960 bis Ende der 1980 Jahre zeigt.


Der Unternehmer Wilhelm Rautenberg heiratet die Arzttochter Inga. Die stirbt nach der Geburt der zweiten Tochter an Leukämie. Das kleine Mädchen wird von Ingas Eltern aufgezogen.

Das Mädchen wächst einsam auf. So wie es oft bei Großeltern ist, sie wollen das Enkelkind besonders beschützen. Damit wird es auch unselbständig. Dann ist der Umzug zum Vater schwer. Der ist auch so ein Kapitel für sich.

Die Autorin lässt uns in die Geschichte eintauchen. 

Der Roman ist lesenswert.





Kommentieren0
1
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 32 Bibliotheken

von 6 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Worüber schreibt Eva Sichelschmidt?

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks