Eva Strasser

 4,6 Sterne bei 21 Bewertungen
Autor*in von Wildhof.

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Cover des Buches Wildhof (ISBN: 9783803133731)

Wildhof

(21)
Erschienen am 20.02.2025

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Cover des Buches Wildhof (ISBN: 9783803133731)
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Rezension zu "Wildhof" von Eva Strasser

hamburgerlesemaus
Wild und anders!

WILDHOF

Eva Strasser

ET: 20.2.25


Die fast 30-jährige Lina kehrt nach dem tödlichen Unfall ihrer Eltern nach Wildhof zurück, um deren Nachlass zu regeln. Seit ihrem 18. Lebensjahr war sie nicht mehr hier gewesen; der Kontakt zu ihren Eltern war längst abgebrochen. Ihre Mutter Henny war zuletzt schwer alkoholkrank, und auch der Vater – ein Künstler, der früher Gitarre spielte und gemeinsam mit seiner Frau Bilder malte – bot ihr keinen Grund zurückzukehren. 


Nun steht sie wieder vor dem Haus am Waldrand, das fast unverändert wirkt. Kaum hat sie die Schwelle überschritten, holen sie die Erinnerungen ein. Besonders die an ihre Zwillingsschwester Luisa, die mit 13 Jahren spurlos verschwand – und deren Stimme Lina nun wieder zu hören glaubt. Bilder und Gefühle aus jener Zeit tauchen unaufgefordert auf, bedrängend und vertraut zugleich. Doch je länger sie in dem alten Haus bleibt, desto mehr wandeln sich diese Erscheinungen. Was zuerst überwältigt, wird nach und nach weicher – und Lina beginnt, Frieden mit den Schatten ihrer Vergangenheit zu schließen.


Selten hat mich ein Buch trotz einer sperrigen Protagonistin so berührt. Lina ist unangepasst, wild, sensibel und zugleich unglaublich verletzlich. Eva Strasser gelingt es meisterhaft, sie und Wildhof – das Holzhaus, das Wetter, die Atmosphäre – mit eindringlichen, bildreichen Worten zum Leben zu erwecken.

Eines jener Bücher, bei denen man am liebsten jeden Satz markiert.


Beispiel: „Nie hatte Lina gedacht, dass Hanno in Wildhof bleiben würde, aber es gibt so Menschen, die haben alles in sich, die brauchen von außen gar nichts mehr, es ist egal, wohin sie gehen, weil sie in sich selbst zu Hause sind.“ (S. 69)


Fazit:

Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen. Es ist frisch, wild und etwas ganz Besonderes.

4½/5

Cover des Buches Wildhof (ISBN: 9783803133731)
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Rezension zu "Wildhof" von Eva Strasser

Buchofant
"Linas Herz klopft dumpf, eingesperrt in einem gläsernen Sarg wie fucking Schneewittchen, und jetzt reichts."

„Wildhof“ von Eva Strasser ist eine feinfühlige und atmosphärische Geschichte über Verlust, Erinnerungen und den schmalen Grat zwischen Schmerz und Hoffnung. Mit viel Sinnlichkeit und einer gelungenen Balance aus Spannung und Emotionen hat mich das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Leseempfehlung!

Herzlichen Dank an den Klaus Wagenbach Verlag für das Rezensionsexemplar!

Klappentext:

Selbstmitleid ist Lina fremd, denn sie hat reichlich Humor. Doch woher all die Wut kommt, die mitunter aus ihr herausbricht? Sie scheint dann ganz außer sich, völlig daneben. Weil wohl einfach zu viel zusammengekommen ist. Kein kleines Familiendrama, ein großes. Ihre Zwillingsschwester Luise ist spurlos verschwunden. Vor Jahren. Schon lange lebt Lina deshalb nicht mehr in Wildhof. Jetzt aber muss sie dorthin zurückkehren, um aufzuräumen, nachzuforschen, zu begraben und abzuschließen.
Gut dreißigjährig und frisch verwaist sucht sie nun einen Käufer für das Elternhaus und findet wieder, was auf immer versunken schien. Auch endlich eine Spur. Denn Luise hat ihr einen Wegweiser hinterlassen …
In einer Gegenwart, in der sie gehalten wird vom durchsonnten Wald und von alten Freundschaften, kratzt Lina beidhändig die vermooste Vergangenheit frei. Und damit ihre eigene Zukunft.
Ein sinnliches Buch, voller Gefühle, Gerüche und Geräusche, angespannt und spannend bis zum Schluss.

Der Einstieg in "Wildhof" fiel mir durch den lebendigen Schreibstil der Autorin sehr leicht. Die Geschichte wird aus der personalen Sie-Perspektive von Lina erzählt, was sehr nah und authentisch wirkt. So taucht man tief in ihre Gedanken- und Gefühlswelt ein und erlebt hautnah ihre Wut, ihre Trauer und ihren Humor. Diese intensive Erzählweise macht das Buch besonders emotional und lebendig.
Lina ist eine starke, vielschichtige Frau, die trotz großer innerer Verletzungen niemals in Selbstmitleid versinkt. Ihr Humor wirkt wie ein Schutzschild, gleichzeitig bringt sie durch ihre ehrliche und manchmal schonungslos direkte Art viel Authentizität in die Geschichte. Besonders beeindruckend finde ich, wie sie ihre Vergangenheit Stück für Stück aufarbeitet, ohne dabei ihre Verletzlichkeit zu verstecken. Ihre innere Zerrissenheit und ihr Mut machen sie zu einer Protagonistin, die man nicht so schnell vergisst.
Luise, die vermisste Zwillingsschwester, ist fast wie ein Schatten, der über der Handlung schwebt – präsent durch Erinnerungen und Andeutungen, aber geheimnisvoll und ungreifbar. Ihre Bedeutung für Lina und die Geschichte ist groß.

Das Setting des abgelegenen Wildhofs mit seinem durchsonnten Wald und der idyllischen, aber auch melancholischen Landschaft ist perfekt gewählt. Eva Strasser beschreibt Natur, Gerüche und Geräusche so sinnlich und detailreich, dass man sich sofort mitten im Geschehen fühlt. Dieses Ambiente verstärkt die Atmosphäre der Erinnerung und des Loslassens auf wunderbare Weise.

„Wildhof“ ist ein außergewöhnlicher Roman, der durch seine einfühlsame Erzählweise und das eindrucksvolle Setting besticht. Die Autorin schafft es, eine tiefgründige Geschichte über Verlust und Neubeginn zu erzählen, die lange nachwirkt. Wer sich für emotionale Familiengeschichten mit einer Prise Spannung und viel Atmosphäre interessiert, sollte diesem Buch unbedingt eine Chance geben. Für mich ein sehr gelungenes Leseerlebnis mit kleinen Abzügen, das ich gern weiterempfehle.

Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen!

Zitat: Eva Strasser: Wildhof, S. 13

Cover des Buches Wildhof (ISBN: 9783803133731)
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Rezension zu "Wildhof" von Eva Strasser

Dajobama
Im Wald

Wildhof – Eva Strasser

Nach vielen Jahren kehrt Lina nach dem plötzlichen Tod der Eltern wieder zu ihrem Elternhaus in Wildhof zurück. Sie will das Haus ausräumen und verkaufen, die Eltern begraben und möglichst schnell wieder verschwinden. Zu düster sind die Erinnerungen, die damals als ihre Zwillingsschwester Luise spurlos verschwunden war, die Familie auseinandergerissen haben.

„Ich dachte irgendwie immer, deine Eltern sind schon tot.“

„Ja, das dachte ich auch.“

Eine düstere, etwas beklemmende Atmosphäre schwebt über der Geschichte. Das vernachlässigte, halb verfallene Haus mitten im Wald. Tannen, die undurchdringlich wirken, jedoch alles beobachten. Es ist eine auffallend detailreiche, poetisch schöne Sprache, die Linas Umgebung regelrecht zum Leben erweckt. Eine recht literarische Erzählweise, die den Leser durchaus fordert. Lina befindet sich mit ihren Gedanken oft in einem Bereich zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Kleinigkeiten triggern eine Erinnerung an früher, was ohne Vorwarnung auch gerne mitten im Absatz umgesetzt wird. Sehr dicht, naturverbunden, und vor allen Dingen gegen Ende wirklich spannend. 

Grundthema ist das Familientrauma um das ungeklärte Verschwinden von Luise, dem sich Lina nun, nach dem Tod der Eltern, ganz allein stellen muss. Was ist damals wirklich passiert und wer trägt die Schuld daran? Man merkt schnell, dass Lina den Verlust nie verarbeitet hat – es sind nicht wenige Probleme, mit denen sie nun als Erwachsene kämpft. 

Die Handlung ist raffiniert konstruiert. Man erfährt erst nach und nach, worum es damals gegangen sein könnte, jedoch werden immer wieder Hinweise und Schnipsel versteckt, deren Bedeutung man erst später erkennt.

Eine traurige, beklemmend sinnliche Geschichte, die vor allem in ihrer Erzählweise sehr speziell und besonders ist. 

5 Sterne und eine dringende Leseempfehlung.


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