Eva Thöne

 4 Sterne bei 3 Bewertungen

Lebenslauf

Eva Thöne, geboren 1986, hat Publizistik, Politik- und Filmwissenschaft in Mainz und Tromsø studiert und die Deutsche Journalistenschule absolviert. Sie war freie Mitarbeiterin für »Frankfurter Rundschau«, »Süddeutsche Zeitung«, »taz«, »Die Zeit« und ZDF, bevor sie 2016 Redakteurin bei SPIEGEL ONLINE wurde. Seit 2019 leitet sie das Kulturressort von DER SPIEGEL.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Eva Thöne

Cover des Buches Weibliche Macht neu denken (ISBN: 9783446283022)

Weibliche Macht neu denken

(3)
Erschienen am 16.09.2025

Neue Rezensionen zu Eva Thöne

Cover des Buches Weibliche Macht neu denken (ISBN: 9783446283022)
A

Rezension zu "Weibliche Macht neu denken" von Eva Thöne

alina_liest07
Tolles Einstiegswerk

Mehr, wenn auch nicht annährend genug, Frauen in Führungsposition, 16 Jahre unter einer Kanzlerin Merkel und generell mehr Sichtbarkeit für Frauen in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit – warum fremdeln wir dennoch so sehr mit der Vorstellung von weiblicher Macht? Liegt es vielleicht daran, dass Macht und Führung ganz neu und anders gedacht werden muss?

 „Weibliche Macht neu denken“ ist ein tolles Einstiegswerk in die Themen Feminismus, Macht und die dahinterliegenden Strukturen. Es ist flüssig zu lesen, locker und durchaus unterhaltsam geschrieben. Vor allem beleuchtet die Autorin und Journalistin wichtige Themen anhand allerlei Beispiele, Fakten und Gedanken von Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen oder Journalistinnen. 

 Eva Thöne zeigt wie verzerrt und ungesund unsere Bilder und Vorstellungen von Helden und Genies sind, wie häufig Frauen in der Öffentlichkeit immer noch auf eine Mutterrolle reduziert werden oder wie problematisch das hochaktuelle und beliebte Thema Empowerment sein kann. Eindrucksvoll und wichtig auch der Appell für mehr Verantwortung anstatt Führung; für mehr Themen- und Sachbezug und weniger Machtkonzentration auf einzelnen Personen,

Manchmal bleiben das Buch und die Analyse etwas zu oberflächlich, auch einige Beispiele und Zitate werden ohne ihren größeren Kontext beleuchtet, Nichtsdestotrotz hat mir die Lektüre sehr gefallen und vor allem Einsteigerinnen in dem Thema werden viele wichtige Gedanken und Gedankenanstöße mitnehmen können – Leseempfehlung!

Cover des Buches Weibliche Macht neu denken (ISBN: 9783446283022)
Eternal-Hopes avatar

Rezension zu "Weibliche Macht neu denken" von Eva Thöne

Eternal-Hope
Über die Wirkung patriarchaler Machtstrukturen

Die Journalistin, Redakteurin und Leiterin des Kulturresorts des "Spiegel", Eva Thöne, hat ein Buch mit dem Titel "Weibliche Macht neu denken" veröffentlicht. Eine Frau, die fast gleich alt ist wie ich, und selbst in einer Führungsposition, das macht mich neugierig auf das Buch. 

Als eine, die sich schon sehr viel mit diesem Thema beschäftigt hat, ist vieles, was im Buch dargestellt wird, erst einmal eine Wiederholung für mich: es geht um die uralten patriarchalen Machtstrukturen, die Frauen aus dem öffentlichen Bereich fernhalten wollen und bis heute nachwirken. Das schildert die Autorin eindrucksvoll anhand eines aktuellen Beispiels: auch heute melden sich im beruflichen Bereich in Diskussionen Frauen viel weniger zu Wort, und wenn sie das tun, werden sie damit weniger gehört, es wird auf ihre Beiträge weniger eingegangen und sie werden öfter übergangen oder abgewertet. 

Dazu gibt es viele bekannte Studien und Beispiele. Es geht um den schmalen Grat, auf dem Frauen in der Öffentlichkeit sich bewegen, zwischen als zu schrill, zu laut, zu fordernd oder gar "hysterisch" abgewertet zu werden oder unsichtbar und machtlos zu bleiben. Um die einzig wirklich akzeptierte machtvolle traditionelle Frauenrolle: die der Mutter, die aber ihre eigenen Nachteile mit sich bringt, Frauen auch beruflich in ein enges Korsett zwingt, das oft ihrer Persönlichkeit gar nicht entspricht (man denke an die kinderlose und gar nicht sehr mütterliche Angela Merkel, der doch schnell der Spitzname "Mutti" samt passenden Zuschreibungen verpasst wurde) und um die Omnipräsenz männlicher Rollenbilder, Mythen und Narrative, wie sich auch etwa an dem allseits so verbreiteten Schema der "Heldenreise" zeigt. 

Es geht um Frauen, denen von Haus aus nur dann Machtpositionen zugestanden werden, wenn die Erfolgschancen schon gering sind: das wird bei der Analyse von Kandidatinnen in Wahlkreisen genauso sichtbar wie bei einer amerikanischen Präsidentschaftswahl, bei der der greise Joe Biden erst spät Platz für seine Nachfolgekandidatin Kamala Harris machte, die dann bekanntlich auch gegenüber Donald Trump unterlag.

Was mir persönlich in diesem Buch ein bisschen zu kurz gekommen ist, ist tatsächlich das "neu denken" aus dem Titel. Von einem Buch mit diesem Titel hätte ich mir etwas anderes erwartet, als ich bekommen habe: nämlich nicht zu mindestens 3/4 eine Aufarbeitung von dem, was bisher war und schief läuft, sondern viel mehr neue und bisher unbekannte Ansätze für weibliche Macht. Ich hätte gern mehr darüber gelernt, wie weibliche Macht ganz anders aussehen kann als männliche, und Rollenvorbilder dafür kennen gelernt: dieses Thema kommt nach meinem Empfinden im Buch aber nur am Rande vor, als kleine eingestreute Tipps nebenbei, beispielsweise wenn es um die Archetypen der "großen Schwester" oder der "weisen Frau" in Ergänzung zur "Mutter" geht. Davon hätte ich mir mehr gewünscht. 

Sehr interessant wurde es für mich im Buch auch immer dann, wenn über eine allgemeine Analyse hinaus die Autorin als Mensch für mich spürbar wurde, also wenn sie gelegentlich Geschichten und Erfahrungen aus ihrem Leben geteilt und mit dem Thema des Buches verbunden hat, auch davon hätte ich gerne mehr gelesen und das würde ich mir für zukünftige Bücher von ihr wünschen, sofern sie bereit ist, das von sich zu teilen (natürlich exponiert man sich damit auch mehr, mit allen damit verbundenen Risiken, das ist mir bewusst).

Insgesamt finden sich im Buch also viele nachdenklich machende Beispiele für die Benachteiligung von Frauen, die bis heute nachwirkt. Das macht auch den größten Teil des Buches aus. Allen, die sich mit diesem Thema bisher erst wenig beschäftigt haben, kann ich das Buch sehr empfehlen, weil es fundiert aufzeigt, wie tief das Patriarchat und dessen Denkweisen nach wie vor in fast allen Bereichen unserer Gesellschaft tief verwurzelt sind.

Cover des Buches Weibliche Macht neu denken (ISBN: 9783446283022)
Aniyas avatar

Rezension zu "Weibliche Macht neu denken" von Eva Thöne

Aniya
Überraschend spannendes Thema

Macht ist ein super interessantes Thema, vor allem aus feministischer Perspektive. Eva Thöne hat sich da auch einiges vorgenommen.

Anhand von Geschichte, Politik und Popkultur führt sie uns durch Errungenschaften und Backlashes. 


Viele Frauen empfinden ein Störgefühl, wenn sie aufsteigen und in Machtpositionen kommen. Von ihnen wird immer noch verlangt, sich wie Männer zu benehmen (es gibt sogar ganze Schulungen, in denen Frauen lernen, mit tieferer Stimme zu sprechen, sich mehr Raum zu nehmen etc), so als wären sie fehlerhaft und müssten repariert werden, bevor man ihnen eine höhere Position zutraut. Man könnte ja auch mal drüber nachdenken, ob der männliche Weg wirklich so gut und richtig ist, statt an den Frauen rumzukriteln. Übrigens wünschen sich letztere laut Studien sowieso eher flache Hierarchien, weil sich so nicht zu viel Macht an einer Stelle (oder sagen wir es, wie es ist: bei einem Mann) konzentrieren kann. Wo das nämlich hinführt, können wir ja weltweit grade sehen. 


Sehr gut und wichtig ist definitiv auch die Kritik an Begriffen wie “Powerfrau” oder “starke Frau”. Das findet im Literaturbereich ja auch ständig statt, der klassische “strong female character” oder auf Deutsch die “starken weiblichen Charaktere”. Thöne schreibt zu diesen Formulierungen:


“Es schwingt hier eine Verachtung mit: Denn wenn die starke Frau besonders ist, ist die Durchschnittsfrau schwach.”


Vieles macht auch wieder so wütend:


“Eine Studie fand 2016 heraus, dass Biologie-Studenten männliche Kommilitonen systematisch für intelligenter halten als Kommilitoninnen, die bessere Leistung erbringen (Frauen hatten diesen Bias übrigens nicht - sie schätzten ihre Kommilitonen entsprechend ihrer Leistung ein.)”


Es gibt einen sehr interessanten Abschnitt zu Genies, den ich wahnsinnig erhellend fand. Wer wird als Genie betrachtet, was gilt als genial? Wer bekommt Aufmerksamkeit und Geld, wer hat Zeit, sich um seine Karriere zu kümmern? Es wird Zeit, das alles neu zu denken. Es ist nämlich schon bezeichnend, dass es den wenigsten komisch vorkommt, dass sich weiße Männer große Preise und Auszeichnungen ausdenken, die sie sich dann gegenseitig verleihen. Und wir akzeptieren dann einfach so, dass die nun mal die Genies dieser Welt sind, die Besten, da kann man wohl nichts machen.


Eva Thöne hat mich mit diesem Buch sehr zum Nachdenken gebracht, außerdem ist es auch noch gut geschrieben. Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses Thema so mitreißt. Ich ziehe dennoch einen Stern ab, weil mir Alternativen zu und neue Modelle von Macht etwas zu kurz kommen. 

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