Eva Wahrburg

 4.4 Sterne bei 13 Bewertungen
Eva Wahrburg

Lebenslauf von Eva Wahrburg

Eva Wahrburg wurde 1978 in Tschenstochau, der Stadt der Schwarzen Madonna, in Polen geboren, wuchs ab dem fünften Lebensjahr jedoch in der Nähe von Hamburg auf. Zu schreiben begann sie, als sie an einem vereisten Dezembermorgen draußen auf eine noch lebendige Rose stieß. Aus diesem symbolträchtigen Bild entwickelte sich über mehrere Versionen und den Zeitraum von über zehn Jahren "Der tote Garten", der zum "Dornengarten" wurde. Wobei sie in dieser Zeit auch noch weitere Manuskripte verfasste. Eva Wahrburg schreibt und lebt in einem Haus im Wald. Sie liebt die beschattete Atmosphäre schmaler Pfade und ganz besonders die Ruhe und Abgeschiedenheit. Daneben gehört ihr Herz großen Hunden; so dass sie immer einige begleiten. Zurzeit sind es drei. Ihren beruflichen Werdegang begann sie mit Interesse für Kunst, Graphik Design und Architektur, entschied sich dann aber doch für das Studium der deutschen und der amerikanischen Literatur. Zum Broterwerb bildete sie sich als Journalistin fort und arbeitete anschließend in einer Online Redaktion und übersetzte technische Dokumentationen. Aktuell befasst sie sich nur mit dem Schreiben. Ihr nächstes Buch ist eine Version des Märchens "Blaubart".

Alle Bücher von Eva Wahrburg

Der Dornengarten

Der Dornengarten

 (9)
Erschienen am 01.10.2016
Rabenschwarze Liebe

Rabenschwarze Liebe

 (4)
Erschienen am 04.08.2018

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nirak03s avatar

Rezension zu "Rabenschwarze Liebe" von Eva Wahrburg

Eine intensive Geschichte über das Leben, die Liebe und die Freundschaft
nirak03vor 3 Monaten

Elise, Kasia und Gwen sind Freundinnen, nicht im eigentlichen Sinne von Freundinnen, sondern mehr wie eine Schicksalsgemeinschaft. Nicht viele Gemeinsamkeiten verbinden die Frauen. Jede hat ihr eigenes Leben, eigene Ziele und Werte. Doch trotz ihrer unterschiedlichen Leben können sie sich ihre Geheimnisse anvertrauen und sind füreinander da. Dann begegnet Elise Wieland. Die junge Frau spürt sofort, dies ist der Mann, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen will. Sie weiß einfach, er ist ihre große Liebe. Aber ob Wieland dies genauso sieht, weiß sie nicht und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.


Eva Wahrburg erzählt eine eher ungewöhnliche Geschichte über die Liebe, über Freundschaften und über das Leben. Sie schildert nicht nur die drei Freundinnen und deren jeweiligen Lebensweg, sondern vielmehr davon, was das Leben manchmal für einen bereithalten kann. Der Hauptaugenmerk liegt allerdings bei Elise. Die Autorin hat sich dafür entschieden, die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Elli zu erzählen. Auf diese Weise ist der Leser zusagen direkt im Kopf von Elli und bekommt deren Gefühlsleben hautnah erzählt. Sie ist es, deren Leben geschildert wird. Ihr Leben und ihre Beziehung zu Wieland, mit allen Höhen und Tiefen. Die Autorin lässt den Leser intensiv in das Gefühlsleben der Zwei eintauchen.


Elise ist ein eigenwilliger Charakter, mal zornig und aufbrausend und dann wieder liebevoll und voller Verständnis. Oft steht sie sich selbst im Weg, nur um dann wieder zielstrebig ihre Ziele zu verfolgen. Mir hat gut gefallen, wie die Autorin ihre Protagonisten gestaltet hat. Sie haben diverse Ecken und Kanten und reiben sich aneinander. Vor allem bei Elise wird dies richtig deutlich, aber auch Gwen und Kasia haben ihre Zeit. Durch die Einblicke auf das Leben von Gwen und Kasia bekommt die Geschichte den nötigen Hintergrund. So erfährt man zwar einiges über die Freundinnen von Eli, erhält aber gleichzeitig auch einen guten Eindruck, wie es wirklich in Eli aussieht. Die Handlung ist ziemlich komplex angelegt und nicht einfach zu durchschauen. Zudem überzeugt die Autorin mit einem ausgeklügelten Erzählstil, der sich zwar nicht so leicht und nebenbei lesen lässt, aber gerade dadurch auch Spaß macht.


Frau Wahrburg gewährt Einblicke in die Vergangenheit der Charaktere und zieht damit nachvollziehbare Schlüsse für ihr Handeln in der Gegenwart. Je weiter die Geschichte voranschreitet, umso unvorhersagbarer wird es und ist doch gleichzeitig spannend und unterhaltend. Es war mir fast nicht möglich, das Buch auch mal aus der Hand zu legen.

Eva Wahrburg hat ihre Charaktere so komplex angelegt, dass ich einfach wissen musste, wie es im Leben von Elli, Kasia und Gwen weiterging.


In einem kleinen Nachwort klärt die Autorin noch kurz, woher die Idee zu „Rabenschwarze Liebe“ kam. Dies war ein Interessanter Abschluss.


Hat man sich erst einmal auf diese Geschichte von Liebe und Leid eingelassen, entwickelt sie einen gewissen Sog, den man sich nicht entziehen kann. Mir ging es so, ich hatte intensive Lesestunden mit eigenwilligen Protagonisten.  


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Aleshanees avatar

Rezension zu "Rabenschwarze Liebe" von Eva Wahrburg

Eine Achterbahnfahrt der Gefühlswelt: für die Protagonisten und für den Leser!
Aleshaneevor 4 Monaten

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht genau, wie ich anfangen soll. Das war wohl bisher das emotionalste Buch, das ich gelesen habe; nicht weil es so todtraurig gewesen wäre, sondern weil es so tief in die menschlichen Gefühlsebenen eintaucht.

Im Mittelpunkt steht Elli, aus deren Sichtweise man erlebt, wie sehr sie sich aus ihren Erfahrungen in der Vergangenheit freikämpfen will. Sie nimmt meist kein Blatt vor den Mund, eckt an und provoziert auch mal gerne. Das resultiert aus der bitteren Wut, die sie in sich trägt und einer Angst, die sich schon in jungen Jahren bei ihr eingenistet hat.
Ihre Liebe zu Wieland führt sie über die Jahre zu einem Scheidepunkt, auf den man schon gleich zu Anfang im Prolog hingewiesen wird, der aber noch nichts über die Umstände verrät, sondern einfach neugierig macht, wie es wohl dazu kommt.

"Beziehungen sind keine Konflikte, sie bringen nur die Konflikte hoch, die sowieso in einem drin sind." Zitat

Es wird recht schnell klar, dass Wieland auch kein einfacher Charakter ist, aber was tatsächlich hinter den Fassaden der Figuren steckt, entwickelt sich erst mit der Zeit, genauso, wie sie sich selbst weiterentwickeln.
Dann gibt es noch die beiden Freundinnen von Elli: Gwen und Kasia. Eigentlich wirkt es zwischen den dreien eher wie eine Zweckgemeinschaft, weil sie so extrem unterschiedlich sind und auf eher ungewöhnlichem Weg zusammen gefunden haben. Da sind Konflikte vorprogrammiert, aber gerade diese durchzustehen, macht eine gute Freundschaft aus.

"Wenn Elli also so viel Glück hat, dann will ich mich für sie freuen. Denn genau dafür sind Freunde normalerweise da, weißt du?" Zitat

Die Art und Weise, wie die Autorin erzählt, entwickelt einen ganz intensiven Sog. Die ganzen Verwicklungen, die sich durch die Gefühle und Erwartungen ergeben, lassen immer wieder Spannung und Spannungen aufkommen, dabei lockert sich das ganze auch zwischendurch mit den Dialogen auf, die an einigen Stellen erfrischend witzig sind, aber auch ernste Problematiken zur Sprache bringen. Gerade Ellis Gedanken wirken hier so lebensnah und ehrlich, dass ich immer mit ihr mitfühlen konnte. Auch wenn ich nicht mit jeder Reaktion von ihr einverstanden war, habe ich doch immer wieder erkannt wie gefangen sie in ihren Erfahrungswerten ist, aus denen sie zwar auszubrechen versucht, sich aber doch ein gewisser Automatismus einschleicht, der sehr schwer zu bezwingen ist. Vor allem auch die Normalität negativer Gefühle, die man in sich spürt, die einfach da sind, in jedem von uns und auch ihre Berechtigung haben!

"Er lenkt seine Wut , so dass sie zu einer Kraft wird. Und schafft es so, sie zu benutzen, statt von ihr benutzt zu werden." Zitat

Man selbst merkt ja doch desöfteren, dass man anders reagiert, dass bestimmte Situationen einen auf eine ganz spezielle Art herausfordern und man dem immer gleichen Verhaltensmuster darauf folgt. Wie man versucht, andere einzuschätzen, sich überlegt wie man auf andere wirkt und dabei leider oft vergisst, dass natürlich auch die anderen in solchen Mustern festhängen - und zwar in anderen als man selbst!
Gerade die Zweifel, Ängste und Überlegungen zu Beginn einer Beziehung, die Hoffnungen und Träume und der starke Wunsch, dass diese sich zusammen mit dem anderen erfüllen mögen. Das langsame Herantasten, das sich verändern, weil man den anderen ja liebt und der Moment, in dem man sich auf einmal völlig fremd geworden ist, wird hier sehr schön dargestellt.

"Beziehungen entwickeln sich nun mal, genauso wie Gefühle. Man kann ihnen nicht befehlen und sie lassen sich auch nicht in starre Formen pressen, die sich nie wieder verändern dürfen." Zitat

Sich für jemanden zu verändern den man liebt, oder es gar von jemand anderem zu fordern, ist für mich ja ein sehr verqueres und ja, auch unlogisches Verhalten. Hat man sich denn nicht gerade in den Menschen verliebt, so, wie er genau zu Anfang war? Damit will ich natürlich nicht sagen, dass man nicht Rücksicht nehmen und jeder beim Zusammensein/Zusammenleben sich aufeinander einlassen muss: also ein Weg gefunden werden sollte, bei dem man zusammen glücklich ist, sich jeder aber auch selbständig entwickeln und "er selbst" bleiben darf. Sich immer zu verbiegen hält keiner lange aus und das sollte auch nicht der "Sinn" einer Beziehung sein. Wie weit kann man Kompromisse eingehen, ohne sich selbst zu verlieren?

"Gwen war überzeugt, dass niemand sein Wesen und seine Bedürfnisse auf lange Sicht
verleugnen konnte und dass wir einen Tod auf Raten lebten, während Kasia meinte,
dass neue Erfahrungen unsere früheren Prägungen mit der Zeit schon überlagern würden,
und wir uns irgendwann schon automatisch in der Mitte treffen würden,
wenn wir unserer Liebe nur genug Zeit ließen."
Zitat

Das alles zu wissen heißt natürlich noch lange nicht, das auch umsetzen zu können und diesen Prozeß muss Elli hier mit allen Schwierigkeiten und Schicksalsschlägen durchleben, die sie bis an ihre Grenzen bringen. Sie zu der Entscheidung führen, die im Prolog erwähnt wird und der ein langer Weg voransteht, auf dem es viele überraschende Wendungen gab. Manche Entwicklungen hab ich geahnt, andere wiederum haben plötzlich völlig neue Perspektiven eröffnet.
Gerade wenn wir etwas durchleiden, schlimme Erfahrungen machen, sehen wir oft nicht, wozu das gut ist - natürlich sperrt man sich dagegen, eine ganz normale Reaktion, denn man will nicht, dass dieses schrecklich Gefühl tatsächlich für etwas gut sein kann; aber alleine schon etwas überstanden zu haben und vielleicht auch noch etwas daraus zu lernen, lässt uns wachsen - wenn man es zulässt.
Erwähnen möchte ich auch, dass der Rahmen, in dem die Geschichte spielt, sehr gut gewählt ist und jeder Moment perfekt in Szene gesetzt wurde. Auch im kleinen Detail findet man Verbindungen zu den Sehnsüchten der Figuren, in ihrer Lebensart, ihrem Umgang und auch ihrem Beruf.

Diese intensive Auseinandersetzung mit Elli fand ich einfach großartig gemacht: ehrlich, tiefgründig und mit vielen kleinen Botschaften durch ihre Freundin Kasia, die mich immer wieder zum innehalten und nachdenken gebracht haben. Hier bedient sie sich großartiger Metaphern und originellen, sehr anschaulichen Relationen, die einem viel mit auf den Weg geben. Es hat mich zutiefst berührt und ich empfinde diese Geschichte als wahren Schatz, um andere, sich selbst und das Leben besser zu verstehen.

© Aleshanee
Weltenwanderer

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Betsys avatar

Rezension zu "Der Dornengarten" von Eva Wahrburg

Die Angst vor Neuem
Betsyvor 2 Jahren

„Er öffnete Türen, wo vorher keine waren, und enthüllte Neues, das ich mir nicht einmal in meinen kühnsten Träumen hätte vorstellen können – besonders über mich. Indem er mich über meine Grenzen hinaustrug, stieß er mich auch in Abgründe – doch nur um mich fliegen zu lehren. Und außerdem war da das, was ihn allein ausmachte: jene Einsamkeit und Verwundbarkeit, die er so sorgsam verbarg, die vielen tiefen Gefühle unter den arbeitenden Narben. Er glich einer Naturgewalt, der man einfach nichts entgegen setzen konnte.“

1824: Eine verarmte Gutsherrin, die sehr gottesfürchtig erzogen wurde und Angst davor hat ihr Gut zu verlassen, wird dazu genötigt den Restaurator Herwegh, der das Wandbild ihrer Kapelle wiederherstellen soll, in ihrem Haus unterzubringen, obwohl sie von Männern im allgemeinen nichts hält und sich lieber von ihnen fernhält. Herwegh mit seiner rohen Kraft, dem Ausleben seiner Begierden und seinen wenig gottesfürchtigen Ansichten ist für sie daher ein einziger Alptraum, während er wiederum von diesem scheinbaren Priester im Kleid wenig hält, auf ihre asketische Lebensweise herabsieht und sie verhöhnt, weil sie schwach ist. Erst ein Unfall bringt die beiden etwas zwangsläufig näher zueinander und immer wieder ist es ein Tanz aus Angst und Anziehung, sowie der Hoffnung, vielleicht doch nicht so verdammt zu sein wie beide es aufgrund traumatischer Ereignisse in der Vergangenheit denken.


Eine Geschichte die sich so ganz anders entwickelt als von mir erwartet und wirklich sehr vielschichtig ist. Einerseits geht es um die Liebe zur Kunst und was sie alles auszudrücken vermag, wo Worte es oftmals nicht können, die Schönheit von Rosen und was mit ihnen mitgeteilt werden kann bzw. wofür sie stehen können, die eigene Verdammnis, die hier beide Charaktere von innen heraus quält, wegen ihrer tragischen Vergangenheit und der ewigen Frage nach Schuld und Sühne, Menschen die einen wieder neuen Lebensmut geben und das eigene Leben zum Besseren wenden, strenge religiöse Erziehung und natürlich diese so kompliziert anmutende Beziehung unserer beiden Hauptcharaktere zueinander, die sich abstoßen und doch auch wieder anziehen und ganz unverhofft ein Quäntchen Licht in das Leben des jeweils anderen bringen. Die Handlung wird aus Sicht der weiblichen Protagonistin erzählt, die einem somit näher steht und deren Gefühlswirrwar bezüglich Herwegh man nur zu gut nachvollziehen kann, da man auch nicht so ganz schlau aus ihm wird. Erst am Ende (und dies ist der Autorin sehr gut gelungen) erfährt man auch was in ihm vorging und wie sehr beide den anderen unbeabsichtigt immer wieder von sich gestoßen haben, was hier am ende den Leser in all seiner vermeintlichen Tragik mit sich reißt.

Die weibliche Hauptfigur bleibt anfänglich namenlos, man erfährt nur ihren Familiennamen und erst der unerwünschte Eindringling teilt dem Leser ihren Namen in mit und auch seine Bedeutung, die hier sehr schön und ausdrucksstark dargebracht wird. Obwohl sie panische Angst vor diesem rohen Kerl hat, spürt sie auch eine gewisse Anziehung zu ihm, wohl auch weil er seit langem der erste ist der in ihr selbst geschaffenes Gefängnis eindringt. Aufgrund zweier junger Herumstreicherinnen, die sich auf ihrem Grund und Boden verstecken und die darauf bestehen, dass er nicht nur schlecht ist und er voller Pein ist, weil er so ist wie er ist, lässt sie der Gedanke an Herwegh einfach nicht los, zu neugierig ist sie auf diesen scheinbar widersprüchlichen Mann, der trotz seiner groben Art ein wahrer Künstler ist und seiner Arbeit ein Leben einzuhauchen vermag, die ihr Innerstes zutiefst berührt und auch verstört. Als Leser weiß man, dass in ihrer Vergangenheit einiges im Argen liegt und obwohl man nach und nach immer mehr Anhaltspunkte erfährt und auch so einiges bereits erahnen kann, bleibt es dennoch lange Zeit noch im Dunkeln und sie kämpft darum ihre inneren Dämonen und die Erinnerungen auf keinen Fall ans Licht kommen zu lassen. Doch nach und nach wächst sie über sich hinaus, weil sie für Herwegh stärker werden will.

Herwegh hingegen ist jemand, der sich nimmt was er will und dies auch ausstrahlt und trotz seines schlechten Rufes und Benehmens, scheint er eine schwere Last auf seinen Schultern zu tragen und findet einzig Freude an seiner Arbeit, in der er sich einbringen kann. Während die weibliche Hauptfigur durch ihren Onkel in eine asketische Lebensweise gedrängt wurde und sich für Gott und alles was er gutheißt aufopfert und es nicht schafft für sich selbst einzustehen, lebt Herwegh seine Schlechtigkeit einfach aus, da er der Ansicht ist, dass nichts schlimmer sein kann, als das, was er schon getan hat. Trotz seiner rücksichtslosen Art, ist er wahnsinnig intelligent und belesen. Er stellt unangenehme Fragen und fordert unsere Protagonistin auf, ihren Horizont zu erweitern, auch wenn diese dies zunächst gar nicht will.

Beide sind sowohl von inneren und äußeren Wunden gezeichnet, finden sich gegenseitig abstoßend und dennoch ist es ein Tanz aus Angst und Anziehung der unsere Protagonistin immer wieder zu Herwegh treibt, auch wenn scheinbar jeder Schritt nach vorne wieder zwei Schritte nach hinten zu bedeuten scheint, da es immer wieder zu Missverständnissen und Ereignissen kommt die nicht gerade für ihn sprechen. Und auch Herwegh scheint trotz seine anfänglichen Ablehnung und seinem abscheulichen Verhalten ihr gegenüber vor seinem Unfall fasziniert von ihr zu sein und will mehr von ihrer Schuld erfahren, die er in ihr genauso spürt wie die seine in sich. Der Restaurator zeigt ihr eine Welt voller Schönheit und auch Sinnlichkeit mit seiner Kunst und rüttelt sie auf mit seinen Ansichten aus den Werken David Humes, einem Philosophen und Aufklärer, der den Mensch in den Mittelpunkt steht und der wenig von der zwangsauferlegten Religion hält mit den oftmals fadenscheinigen Moralvorstellungen seiner Überbringer.

Viel dreht sich auch um die Frage, ob schon immer etwas Verdorbenes im Menschen verankert ist oder ob man durch die Sünden der Eltern mit einem Makel auf die Welt kommt. Aber auch die Frage nach göttlicher Vergebung ist hier ein wichtiger Punkt, besonders für unsere zwei Hauptfiguren. Beide hadern mit sich und doch verändern sie sich langsam aber sicher durch den jeweils anderen, der genauso um die Abgründe weiß, die einen in die Einsamkeit treiben und einen als verdorben und befleckt fühlen lassen. Genauso haben beide Angst vor etwas Neuem und gehen auch unterschiedlich damit um bzw. tun sich schwer es zu zeigen, doch besonders in Hinblick auf unsere Hauptprotagonistin ist Herweghs Ankunft auf dem Gut wie ein feiner Sprung in einem Glas, der nach und nach größer wird und es letztendlich ganz zerbricht und sie neu und stärker macht, weil sie sich ihrer eigenen Vergangenheit endlich stellt und anfängt nach Vorne zu sehen, doch immer wieder scheint das Schicksal es nicht gut mit ihr zu meinen.

Einzig das Ende hat einen kleinen Kritikpunkt verdient, da man hier zwar noch so einiges an Überraschungen erlebt, aber es ganz am Schluss etwas zu einfach wirkt und ohne nähere Erläuterung dann einfach endet, wo man als Leser doch so mitgefiebert hat und gerne noch mehr erfahren hätte was genau passiert ist. Andererseits ist es aber wirklich sehr gelungen und überrascht einen nochmal vollends.

Alles an dieser Geschichte ist ein Auf und Ab und als Leser wird man mitgerissen und hofft auf ein Happy End, welches allerdings immer wieder in weite Ferne zu geraten scheint.

Fazit: Eine Geschichte die definitiv überraschen kann mit seiner sehr intensiven Handlung. Große Themen sind hier Schuld, Vergebung, Reue, Verdammnis, Begierden, Schönheit, Sinnlichkeit, Gottesfürchtigkeit, sowie die zu dieser Zeit noch vorherrschenden Ansichten über verdorbenes Blut und die Schlechtigkeit der Frauen. Zwei sehr gegensätzliche Charaktere die doch vereint sind durch die Last der Schuld auf ihren Schultern und dem lebenslangen Kampf damit, der sich bei beiden unterschiedlich ausdrückt. Obwohl anfänglich beide voller Vorurteile gegenüber den anderen sind und wenig von der Lebensweise des anderen halten, können sie doch die gegenseitige Neugierde nicht leugnen. Das Buch ist alles in allem sehr theologisch angelegt, was aber nicht stört, weil es einen sehr gut zeigt wie schwer es damals war vor diesem Gott und seinen Anhängern zu bestehen, besonders wenn diese dafür sorgen, dass man sich selbst als Makel empfindet. Dennoch geht es nichtsdestotrotz um die tragischen Lebensgeschichten zweier Menschen und ihrer Veränderung, die beiden sehr viel abverlangt. Eindringlich, überraschend, wunderschön, traurig, romantisch, philosophisch und einfach großartig!

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Eva Wahrburg wurde am 04. Mai 1978 in Tschenstochau (Polen) geboren.

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