Eva Weaver Jakobs Mantel

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Inhaltsangabe zu „Jakobs Mantel“ von Eva Weaver

Warschau 1939. Mika liebt seinen Großvater Jakob sehr. Gemeinsam lebt die Familie im Ghetto. Als Jakob stirbt, erbt Mika dessen geheimnisvollen Mantel und entdeckt darin eine Puppe. Jakob hatte sie gebastelt, ebenso wie das Krokodil, den König, den Narren. Mitten in einem Alltag bestimmt von Angst, Hunger und Tod, erfindet Mika neue Puppen. Der Prinz wird sein Liebling, und bald ist Mika im ganzen Ghetto für seine Puppenspiele bekannt. Trotz aller Gefahren spielt Mika immer wieder bis ihn der deutsche Soldat Max erwischt. Der Prinz rettet ihn, doch dafür muss Mika von da an für die Deutschen spielen.

Der Holocaust aus Sicht der Opfer und der Täter - untrennbar voneinander. Schuld und Unverzeihlichkeiten, Trauma und ein Leben danach...

— parden
parden

Eva Weaver schafft es mit viel Fingerspitzengefühl ein Thema anzusprechen, was nach wie vor schwierig ist.

— Sommermaedchen23
Sommermaedchen23

Eine Puppe die das Warschauer Ghetto erlebt hat sowie die Gefangenschaft im sibirischen Arbeitslager. Tief bewegend und lesenswert.

— Buecherseele79
Buecherseele79

Bewegend, berührend und für mich eines der besten Bücher über Warschau im 2. Weltkrieg!

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

überragender Roman, mir fehlen die Worte...

— nicigirl85
nicigirl85

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  • Der Puppenspieler von Warschau...

    Jakobs Mantel
    parden

    parden

    07. July 2017 um 22:41

    DER PUPPENSPIELER VON WARSCHAU...Gerade einmal 14 Jahre alt ist Mika, als sich die Pforten des Warschauer Ghettos im Jahr 1940 hinter ihm, seiner Mutter und seinem Großvater Jakob schließen. Zusammengepfercht auf engstem Raum, hausen sie fortan mit tausenden anderer Juden in einem kleinen Stadtteil Warschaus und sind den laufenden Repressalien durch die Deutschen ausgesetzt, dem nagenden Hunger, der Angst. Als Mikas Großvater willkürlich auf offener Straße erschossen wird, bricht die Welt des Jungen zusammen. Sein Großvater war für ihn sein engster Vertrauter, seine Sicherheit, der Mensch, der ihm trotz allem Hoffnung vermitteln konnte.In seiner großen Trauer macht sich Mika in der winzigen Wohnung auf die Suche nach den Spuren seines Großvaters, und tatsächlich entdeckt er in dessen Mantel eine Unzahl an geheimen Taschen, die allerlei Schätze in sich tragen. Und er stößt auf eine kleine, selbstgefertigte Handpuppe, einen Prinzen mit einer winzigen Krone, leuchtenden Apfelbäckchen und einem fellbesetzten Kragen an seinem Umhang. Als Mikas Hand in die Puppe schlüpft, scheint diese zum Leben zu erwachen und dem Jungen Mut zuzusprechen. In Mika reift ein Entschluss: er will das Werk seines Großvaters fortführen. Und so entsteht aus zusammengeklaubten Materialien eine Puppe nach der anderen, die alle einen Platz in den Tiefen der geheimen Taschen von Jakobs Mantel finden, ohne den Mika nun nirgendwo mehr hingeht.Unter Mikas Händen und denen seiner Cousine Elli werden die Puppen lebendig, und Mikas Talent als Puppenspieler spricht sich schon bald herum. Immer wieder gibt es Anfragen mit der Bitte um eine Vorführung, als Belohung winkt ein kostbares Stück Brot und manchmal sogar ein Glas himmlischsüßer Erdbeermarmelade. Aus den Taschen seines Mantels zaubert Mika immer neue Puppen hervor und bringt damit so manches hoffnungslose Kindergesicht wieder zum Strahlen. Doch sein Talent wird auch von den Deutschen registriert, und plötzlich ist Mika gezwungen, vor seinen Peinigern zu spielen - um sein Leben. Immer wieder wird er auf die arische Seite geführt, erträgt die Pöbeleien der Soldaten, hofft auf ihr Lachen, wenn sein Stück beginnt. Als Lohn winkt ein ganzer Laib Brot, manchmal auch etwas mehr, aber Mika fühlt sich als Verräter an seinen Leidensgenossen. Dies ändert sich, als er gebeten wird, unter seinem riesigen Mantel Kinder aus dem Ghetto herauszuschmuggeln..."Ich weiß, es ist schwer, daran zu denken, wenn wir alle ständig hungrig sind, doch wir dürfen die Kraft der Musik und deiner Puppen nicht vergessen." - "Ja, aber Musik und Puppen lassen sich nicht essen. Was für einen Nutzen haben sie am Ende?" - Er sah mich mit seinen durchdringenden Augen an und legte seine warme Hand auf meine Schulter. "Mein Junge, wenn es Menschen wie dich nicht gäbe, hätten die Deutschen bereits gewonnen und uns an den Stellen geschlagen, auf die es ankommt." (S. 86 f.)In drei Teile ist das Buch untergliedert, und Mikas unsägliche Geschichte im Warschauer Ghetto umfasst den ersten und größten Teil des Romans. Verbunden werden die Teile durch die Handpuppe des Prinzen, der nicht bei Mika bleibt, sondern in die Tasche eines seiner Peiniger wandert, mit diesem in russische Gefangenschaft gerät und nach Sibirien deportiert wird. Der Leser wird Zeuge, wie dieser deutsche Soldat mit hunderten anderer Uniformierter in eben die Viehwagen gepfercht wird, die vordem jüdische Gefangene in die Konzentrationslager brachten. Unmenschliche Bedingungen erwarten die einst so stolzen Soldaten, harte Arbeit, wenig Essen und die ewige Kälte. Aber haben sie nicht eben dieses verdient, sinniert der neue Besitzer der Prinzenpuppe, haben sie nicht genau dies Tausenden von Juden angetan - und Schlimmeres? Die Flucht des Soldaten aus dem Lager in Sibirien wird geschildert, die lange, entbehrungsreiche Odyssee seiner dreijährigen Wanderung durch die unwirtlichen Weiten Russlands, die Heimkehr, das Fremdsein, die ewige Schuld. Eva Weaver thematisiert hier nicht nur die Grauen des Holocaust und das Überleben nach dem jahrelangen Trauma, nach der Entwurzelung, nach der ewigen Hoffnungslosigkeit, sondern eben auch die 'andere' Seite, die Seite der Täter, die kleinen Räder der Vernichtungsmaschinerie, den Umgang mit der Schuld. Ich gebe zu, dass mich dieser Perspektivwechsel im zweiten Teil zunächst sehr gestört hat - ich wollte keine menschliche Seite der Täter sehen, nicht nach den grauenvollen Bildern und Szenen des ersten Teils. Und doch begriff ich mit jeder Seite mehr, dass die beiden Pole des Holocausts, der der Opfer und der der Täter, untrennbar miteinander verknüpft sind, und dass auch das Leben mit der Schuld ein kaum zu leistendes sein kann.In die fiktive Handlung hat Eva Weaver zahllose Berichte von Zeitzeugen eingewebt, und auch reale Figuren finden hier Eingang, so wie der Kinderarzt Janusz Korczak, der im Warschauer Ghetto ein Waisenhaus leitete und sich mit seinen zweihundert  Schützlingen nach Treblinka deportieren ließ, obwohl er hätte freikommen können. Insofern ist der Autorin ein authentisches Bild der Ereignisse zu Zeiten der Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg gelungen, auch wenn manche der in der Erzählung geschilderten Details mir wenig vorstellbar erschienen.Insgesamt ein Roman, der gerade auch jüngeren Lesern ein eindringliches Bild nicht nur des Holocaust vermitteln kann, sondern sich ebenfalls mit der Schuld der Täter beschäftigt. Empfohlen wird der Roman ab 12 Jahren, doch sollte die Lektüre m.E. in dem Alter noch begleitet stattfinden. Ein Buch 'Gegen das Vergessen', das auch von Hoffnung zeugt, von der Macht der Poesie, vom Mut zum Widerstand - und von Annäherung. © Parden

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    • 8
  • Kriegsschauplatz

    Jakobs Mantel
    cvcoconut

    cvcoconut

    22. March 2017 um 20:12

    Jakobs Mantel erzählt die Geschichte eines Jungen aus dem Warschauer Ghetto, der durch den Mantel seines Großvaters zum Puppenspieler wurde. Man wird als Leser langsam an das Thema ran geführt. Es beginnt mit dem Vertreiben der Juden bis zur Deportation, mit all den Grausamkeiten und den Aufständen. Ich habe die Welt durch die Augen des kleinen Jungen gesehen, der sich mit den Puppen durchs Leben geschlagen hat. Er hat all das Leid gesehen und gespürt und durch dieses Spielzeuge nie den Mut verloren. Dadurch hat er gekämpft und ist dem Ganzen entkommen. Auch gut gefallen hat mir dann die Sicht des Soldaten. Das was sie den Menschen angetan haben, konnten sie teilweise dann mal selber spüren. Leider haben nur die wenigstens wirklich zur Reue gefunden. Der Roman hat ein brisantes Thema aufgegriffen, dem aber dennoch so viel Menschlichkeit in Form des Jungen verliehen. Es ist mehr sehr nahe gegangen und ich bin froh, so etwas nicht miterlebt zu haben.

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  • Jakobs Mantel

    Jakobs Mantel
    Gelinde

    Gelinde

    02. September 2016 um 15:29

    Jakobs Mantel, von Eva WeaverCover:Ein kleiner Junge, der noch nicht weiß welches Grauen die Welt für ihn noch bereit hält.Inhalt:New York 2009. Bei einem Spaziergang mit seinem Enkel glaubt der alte Mika, auf einem Plakat einer Puppenspielbühne, den Mantel seines Großvaters Jakob zu erkennen.Damit kehren die Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend, an die lang verdrängten Schrecken des Warschauer Ghettos zurück. Und er beginnt die Geschichte zu erzählen. Wie er zum Puppenspieler wird, wie er Max den deutschen Soldaten kennenlernt, wie er ein Doppelleben beginnt: einmal spielt er für kranke Kinder und die Waisen im Ghetto dann wieder für die deutschen Soldaten und Offiziere.Auch Max bekommt die Gelegenheit von seinem Leben zu erzählen, von seiner Gefangenschaft im tiefsten Sibirien und seinen Leben das nie mehr zu einer „Normalität“ zurückkehrt.Meine Meinung:Der Einstig war für mich nicht einfach.Der Erzählstil wirkte auf mich am Anfang recht distanziert, etwas zerrissen, sehr sprunghaft und dann wieder sehr poetisch an Stellen, an denen es für mich zu den schrecklichen Ereignissen überhaupt nicht passte. (Zitat: jetzt rollten ihr die Worte wie Murmeln aus dem Mund).Der Mantel spielt eine ganz zentrale Rolle, immer wieder wird er mit seinen vielen Taschen und dem vielen Inhalt (u.a. Puppen) beschrieben. Und keiner merkt aber, dass dieser Mantel so viel enthält? Obwohl doch alle nur mit „Lumpen“ herumlaufen?Auch die Abgrenzung/Trennung von Mika und Mika dem Puppenspieler, bzw. den einzelnen Puppen, die ein Eigenleben zu entwickeln scheinen, scheint mir recht unrealistisch.Mein Verstand wehrt sich, doch bald übernehmen meine Gefühle und mein Herz läuft einfach über. Ich erlebe dieses unheimliche Grauen, diese Unmenschlichkeit, ich fühle Angst, Trauer und Hilflosigkeit. Was wurde diesen Menschen, in Warschau, im Ghetto (und an vielen anderen Orten) nur angetan? Den Familien, den Frauen, Kindern und Alten!!Das kann man gar nicht alles in Worte fassen.Auch die Kehrseite wird gezeigt. Wie junge Deutsche zu Soldaten wurden und in die Vernichtungsmaschinerie eingewebt wurden. Dann selber Gefangene wurden, ihre schreckliche Zeit in Sibirien und ihre Probleme bei ihrer Rückkehr.Autorin:Eva Weaver, in Deutschlang geboren, ging 1995 nach England und studierte dort Kunsttherapie.Mein Fazit:Ein Buch das nicht mit dem Verstand allein zu lesen ist, denn es gibt etliche Fehler und Widersprüche.Aber das Herz und die Gefühle nehmen diese tragische und furchtbare Zeit auf und es fließen mehr als einmal Tränen.Ein Mahnmal gegen Krieg in jeglicher Form. Hier wird speziell der Holocaust und die Gefangenschaft in Sibirien beleuchtet. Der Albtraum auf beiden Seiten.Von mir 5 Sterne.

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  • Eindringlich, packend und sehr emotional.

    Jakobs Mantel
    Sommermaedchen23

    Sommermaedchen23

    10. April 2016 um 15:38

    Ich möchte euch heute gerne von Mika erzählen. Mika heißt eigentlich Mikahel Hernsteyn. Er ist Jude und lebte 1938 mit seinem Großvater Jakob Hernsteyn und seiner Mutter Halina in Warschau. Er ist gerade zwölf Jahre alt, als sein Großvater sich einen schwarzen Mantel schneidern lässt. Sie führen ein zufriedenes Leben, die drei. Doch dann kommen die Deutschen. Die Wehrmacht marschiert ein und sie nehmen Polen in Besitz. Gebannt lauschen wir Mika, der die Geschichte seinem 13-jährigem Enkel Daniel erzählt. Mika’s Mutter versucht sie trotz aller Verbote und menschenverachtenden Gesetze irgendwie durchzubringen, während sich sein Großvater immer mehr zurückzieht und von der Außenwelt abschottet. Er arbeitet Stunde um Stunde an seinem Mantel, fügt ihm heimlich neue Taschen und Verstecke hinzu, versteckt alle Dinge darin, die für ihn wichtig sind. Briefe, seiner verstorbenen Frau, Fotos seiner Lieben und vieles mehr. Ganz so als ahnte er bereits was ihnen noch alles bevorstehen würde. Es schien mehr als nur ein neuer Mantel zu sein, es war, als zöge er in ein neues, größeres Haus. Seite 23Im Jahr 1940 müssen sie dann ihre Wohnung räumen und werden umgesiedelt. Alle jüdischstämmigen Menschen, die in Warschau leben müssen in den Jüdischen Wohnbezirk ziehen. Wohnbezirk, wie sie sich das schön reden. Keiner hat das Wort Ghetto in den Mund genommen, aber genau das war es. Es leben so viele jüdische Menschen in Warschau, dass sie gar nicht alle eine eigene Wohnung bekommen können. Sie teilen sich oft zu siebt oder zu acht einen einzigen Raum und von nun an ändert sich Mika’s Leben komplett.Beim Durschreiten des Tors ins Ghetto wurde mir meine Kindheit und alles genommen, was mir lieb und teuer war. Seite 34Von jetzt an beherrscht die Angst Mika’s Leben. Man möchte ihm so gerne aufmunternde und tröstende Worte sagen, aber man kann nicht. Was bleibt einem auch übrig? Jeder weiß was die Geschichte des Nazi Deutschland so mit sich bringt. Es wird nicht besser. Im Gegenteil. Sie haben im Ghetto noch Glück und bekommen eine eigene Wohnung und in dieser auch noch jeder ein eigenes Zimmer. So auch Mika’s Großvater. Dieses Zimmer darf keiner betreten. Er sperrt es immer ab und dann stirbt Mika’s Großvater, weil er einem Mädchen helfen will. So erbt Mika den schwarzen Mantel und mit ihm all seine Geheimnisse. Er verbringt Tage damit den Mantel zu erforschen und was er in ihm entdeckt wird ihm noch mehr als nur einmal das Leben retten. Ich denke, der Mantel wurde eine Art Rüstung für mich, und auch ein Zuhause. Er war alles, was ich von meinem früheren Leben noch besaß, die letzte Verbindung zu meiner Familie. Seite 232Was nach dem Tod seines Großvaters passiert ist so eindringlich geschrieben, das mich die Emotionen beim Lesen immer wieder überwältigt haben. Ich wollte Mika helfen, ihm Mut zu sprechen, ihn warnen und bin doch immer wieder überrascht worden von seinem Durchhaltevermögen, seiner Kraft, seinem Mut und den unbrechenbarem Überlebenswillen, der immer wieder durchbricht. Wie viel kann ein Mensch verkraften bevor ihn die Hoffnung verlässt? Das habe ich mich des Öfteren in diesem Buch gefragt. Wie viel kann ein Mensch aushalten bis er den Rest Menschlichkeit verliert? Mika lehrt uns, viel sehr viel. Doch immer wieder bricht die Angst über ihm herein. Immer wieder plagen in Zweifel und man möchte ihm gerne die Hand reichen, kann es aber nicht. Wie gebannt oder paralysiert bin ich durch die Seiten von Mika’s Lebensgeschichte geflogen, musste mir stumme Tränen von Wut und Trauer wegwischen. Zu Anfang habe ich versucht dieses Buch mit einer gewissen Distanz zu lesen, nur nicht zu nah heranlassen, aber Mika hat sich mit seinem Willen zu Überleben, mit dem Mut allem zu Trotzen in mein Herz geschlichen und schon nach den ersten Seiten hatte ich verloren und die Geschichte hat mich verfolgt. Egal ob bei der Arbeit oder im Schlaf. Ich war gefangen. Gefangen in diesem Buch. Eva Weaver schreibt dieses Buch völlig unparteiisch, denn Mika lernt Max Meierhauser kennen, einen deutschen Soldaten. Auch ihn begleiten wir eine Weile durch das Buch und lernen die andere Seite kennen. Die Seite eines deutschen Wehrmachtssoldaten in Sibirien. Eva Weaver schafft es mit viel Fingerspitzengefühl ein Thema anzusprechen, was nach wie vor schwierig ist. Sie beschreibt zwei Geschichten in ihrem Buch ohne Partei für eine davon zu ergreifen. Sie vermittelt die zwei Seiten des zweiten Weltkrieges, denn auch was die Russen mit den Deutschen in Sibirien gemacht haben gehört nun einmal zum zweiten Weltkrieg und sollte nicht totgeschwiegen werden. Es ist ein Thema, das generell nicht totgeschwiegen werden sollte. Sie bedient sich keinerlei politischen Parolen, womit keinem geholfen wäre. Weder den Opfern, den Überlebenden, noch der nachfolgenden Generation. Wir können aus diesen Geschichten nur lernen. Lernen nicht zu vergessen! Und immer die Augen offen zu halten, damit sich genau so etwas nie wieder wieder holen wird!Lange Zeit habe ich gehadert dieses Buch zu lesen. Solche Bücher, ich habe viele davon gelesen, berühren mich, lassen mich nicht mehr los, verfolgen mich und ich brauche lange bis ich mich davon wieder erholt habe und Abstand zu ihnen bekomme. Nach diesem Buch fühle ich mich emotional völlig ausgelaugt. Mika ist ein mutiger Junge, aber auch Max hat versucht das Beste daraus zu machen. Keiner der Beiden hatte es besser oder schlechter, beide mussten mit dem Erlebten leben. Mir bleibt nur eines zu sagen, lest dieses Buch! Wann immer du also einen gewöhnlichen Mantel siehst, denke daran, was in seinen Falten schlummern mag, was für Erinnerungen in seinen Taschen versteckt sein mögen. Vielleicht flüstert er dir in der Nacht etwas zu. In seine Ärmel sind so viele Geschichten genäht, und in seinen Säumen könnten viele Schätze auf dich warten. Seite 385

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  • Ein Mantel mit vielen Geheimnissen

    Jakobs Mantel
    Buecherseele79

    Buecherseele79

    17. January 2016 um 15:57

    Durch ein Theaterplakat wird Mika in seine Vergangenheit zurückversetzt und diese möchte er nun seinem Enkel Danny mitteilen. Es geht um ein Puppentheater und den geheimnisvollen Mantel mit den vielen Taschen die sein Grossvater hinzugefügt hatte. Mika erzählt von seiner Kindheit in Warschau bis Hitler und die Nazi einmarschieren und sein gewohntes Leben ein jähes Ende findet. Mit seinem Grossvater und seiner Mutter wird er in das Warschauer Ghetto verladen. Dort erzählt er von seinem täglichen Überlebenskampf, den plötzlichen Tod seines Grossvaters und wie er die Geheimnisse seine Mantels entdeckte. Zusammen mit Elli beginnt er ein Puppentheater aus dem Mantel zu zaubern, begeistert im Krankenhaus, sowie im Waisenhaus oder in Schlangen für eine Schüssel Suppe mit seinem Talent. Doch auch die Nazis werden auf sein Talent aufmerksam und ab dann muss er jeden Freitag bei ihnen, auf der "arischen" Seite seine Kunst vollführen. Gleichzeitig nutzt er diese Chance um Babys ein besseres Leben zu ermöglichen. Seine Geschichte über das Leben vor und während der Nazizeit ist erdrückend, erschreckend, bewegend. Doch dann werden seine Mutter sowie Tante deportiert und Mika schliesst sich mit Elli dem Widerstand an, doch seine Puppen finden- er soll so nicht enden.... Auf der anderen Seite erzählt der Wehrmachtsoldat Max seine Geschichte, wie er Mika kennengelernt hat, ihn jeden Freitag zum Theaterspiel abgeholt hat, ihm heimlich Essen zugesteckt hatte, ihn versucht hat zu schützen vor seinen Kollegen. Als Russland Warschau befreit wird Max mit seinen "Kollegen" nach Sibirien geschickt- in das Gefangenlager. Hier erzählt er wie es ihm ergeht, seinen grausamen Alltag und zieht oft Vergleiche zu den Juden im damaligen Ghetto. Dann gelingt ihm die Flucht und nach Jahren der Abwesenheit ist er wieder in Nürnberg bei seiner Familie und doch hat sich alles verändert. Wie auch bei Mika spricht im die Prinzenpuppe Mut zu und am Sterbebett vertraut er sich seinem Sohn Karl an, zusammen mit der Puppe. Und seine Enkelin Mara erfährt von ihrem Vater die ganze Geschichte, die ganze Wahrheit über den Holocaust und auch ihr wird die Puppe zu einem wichtigen Begleiter.... Für mich hat das Buch auf jeden Fall einen sehr hohen Lesefaktor! Die Geschichte beider Personen ist tief bewegend und lässt einen oft mit Tränen in den Augen innehalten. Die Geschichte rund um den Mantel, die Puppen, die  Hoffnung und die Freude die sie in einem zu diesen schweren Zeiten weckten- alles wurde ganz zauberhaft umgesetzt, auch zu diesem sehr dunklen Teil der Geschichte. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

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  • Puppen, die Licht ins Dunkel bringen

    Jakobs Mantel
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    01. August 2015 um 22:33

    Mika liebt Algebra, Astronomie und seinen Großvater Jakob. In Warschau leben die beiden zusammen mit Mikas Mutter ein ruhiges Leben. Bis die Deutschen über Polen herfallen und die jüdischen Bewohner ins Ghetto getrieben werden. Dort müssen sie sich der Knute der deutschen Übermacht beugen. Als dann auch noch Jakob erschossen wird, ist der Mantel das Einzige, was Mika von seinem Großvater bleibt. Der Mantel und die Puppenwerkstatt. Schon bald schöpft Mika Hoffnung aus den kleinen Marionetten und trägt diese Hoffnung ins gesamte Ghetto. "Jakobs Mantel" ist das Debüt von Eva Weaver und hat mich von Beginn an tief berührt. Mit Fingerspitzengefühl und ohne Moralkeule erzählt die Autorin die Geschichte eines Jungen, der versucht im Warschauer Ghetto zu überleben und dabei noch Gutes zu tun. Dabei beginnt der Roman in New York 2009. Denn hier lebt der alt gewordene Mika und erzählt seinem Enkel Daniel seine Geschichte. Und dies tut er aus der Ich-Perspektive. Mikas jüngeres Ich wandelt wütend, traurig, ab und an aber auch hoffnungsvoll durch die vollen Straßen des Ghettos, täglich konfrontiert mit dem Leid seiner Mitmenschen und täglich mit der einen Frage auf den Lippen: "Warum?" Die Puppen seines Großvaters sind der einzige Trost für den Jungen. Wenn er mit ihnen Stücke aufführt, lässt er seine Zuschauer für einen Moment die Grausamkeit der Realität vergessen. Es war berührend zu lesen, wie ein solch kleine Geste in so einer Zeit so viel Herzensgüte hervorrufen kann. Mikas Schicksal ist fiktiv, dennoch sehr nah an dem, was ich aus Dokumentationen und Berichten kenne. Sein Mantel, der ihm Schutz, Mut und auch Kraft verleiht, ist dabei wie ein Talisman. Die Beschreibungen des Alltages im Ghetto sind detailliert, ohne zu provozieren und zeigen so real wie möglich das Bild, was sich damals den Bewohnern bot. Dabei empfand ich beim Lesen aber keine abgrundtiefe Traurigkeit, sondern Mitgefühl für die Situation. Es ist sehr schwierig, hier den Grat zwischen sehr guter Erzählung und moralischem Zeigefinger zu finden. Eva Weaver hat ihn gefunden. Kein einziges Mal während der Lektüre fühlte ich mich belehrt oder gezwungen, mich schuldig zu fühlen. Ich litt mit Mika, mit seinen Puppen und spürte die Wut über die Drangsalierungen, die er über sich ergehen lassen musste. Und dennoch blieb der kleine Kerl lebensfroh, kämpferisch und gab nicht auf. Wow! Und dann überraschte mich Eva Weaver mit der zweiten Hälfte der Geschichte. Denn dort ging es nicht mehr um Mika und den Mantel, sondern um den deutschen Soldaten Max, der Mika zur Zeit des Ghettos zum Puppenspielen vor Soldaten gezwungen hatte. Damit hatte ich nicht gerechnet und ich war schon fast schadenfroh, als ich las, was Max widerfuhr. Bis, ja bis Max im Gulag in Sibirien ankam. Denn dort entbrannte in ihm die Selbsterkenntnis und dadurch bei mir das Mitgefühl für einen, der das Viertel in Warschau mit geräumt hat. Eva Weaver hat somit etwas geschafft, was nur wenige können: ich hatte sowohl für den "Guten" als auch für den "Bösen" Mitgefühl und folgte beiden mit schwerem Herzen bei ihrem Schicksal. Das Ende ist gelungen, rund, wenn auch für mich mit zu viel Pathos. Aber dennoch fand ich es berührend. Der Autorin ist hier ein Roman über die Zeit im Ghetto und danach gelungen, der mir nicht wegen seiner Grausamkeiten, sondern seiner Gefühlsstärke im Gedächtnis bleiben wird. Der Stil von Eva Weaver ist sehr gut zu lesen. Ihre Erzählweise passt zu einem Jungen, der schnell erwachsen werden musste und es nicht wollte. Nachdenklich, ab und an poetisch, mal kämpferisch, doch nicht mitleidig erzählt sie die Geschichte. Toll! Fazit: für mich eines der besten Bücher über die Zeit in Warschau. Ich kann es nur empfehlen.

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  • Grausames Kasperletheater und die Frage der Schuld

    Jakobs Mantel
    Irmi_Bennet

    Irmi_Bennet

    16. July 2015 um 09:46

    New York im Jahre 2009. Ein alter Mann geht mit seinem Enkel spazieren, als er ein Plakat für ein Puppentheater entdeckt, das ihn zu Tode erschreckt. Wieder zuhause holt er ein altes Paket hervor, dessen Inhalt er andächtig seinem Enkelsohn zeigt. Es ist ein verstaubter, abgetragener alter Mantel – doch dieser hat eine große Bedeutung für ihn gehabt, damals im Ghetto. Seinem Enkel erzählt Mika jetzt, „wie es wirklich war“, damals in Warschau. Er erinnert sich an seine Geschichte. 15 Jahre war er alt, als die Nazis die Juden erst ausgrenzten und schließlich wegsperrten.Während Mikas Opa seine Arbeit als Universitätsdozent verliert darf Mika nicht mehr zur Schule gehen. Armbinden kennzeichnen sie als Juden, die schließlich in einen Stadtbezirk Warschaus eingepfercht werden. Lebensmittel und medizinische Versorgung werden immer knapper, bald kämpfen die Bewohner um ihr Überleben. Nachdem sein Opa von Wehrmachtssoldaten getötet wird „erbt“ Mika dessen wunderbaren Mantel, der allerlei Schätze beherbergt – unter anderem einen Schlüssel zu einer winzigen Kammer der Wohnung, die sie bald mit mehreren Personen beherbergt. Hier findet Mika einige Handpuppen aus Pappmachee, die sein Großvater geschaffen hat. Mika entdeckt seine Liebe zum Puppenspiel, doch gerade diese soll sein Schicksal fortan bestimmen. Er spielt Geschichten, zunächst für sich selbst und seine Familie, bald für Waisenkinder und Kranke – schließlich aber auch für die Soldaten der Wehrmacht. Gegen seinen Willen wird er bald regelmäßig gezwungen für den Feind und Unterdrücker „Kasperletheater“ zu spielen. Er fühlt sich feige und als Verräter, doch bleibt ihm schließlich nichts Anderes übrig. Mika nutzt deshalb jede Möglichkeit zu helfen, indem er Nahrungsmittel ins Ghetto aber auch kranke Kinder aus dem bewachten Stadtbezirk schmuggelt. Ich möchte nicht zuviel verraten, Mika überlebt die Massenvernichtung und am Ende schließt sich der Kreis der Geschichte, die nicht nur das Leben der Juden im Holocaust beleuchtet, sondern auch das jener Wehrmachtssoldaten, die in den gleichen Viehwaggons, in denen die Juden zum Vernichtungslager gebracht wurden, nun in russischer Kriegsgefangenschaft, in Arbeitslager verbracht werden. ( sofern sie die Zugfahrt überlebten ) Der Roman ist durch seine Eindringlichkeit und die realitätsnahe Schilderung des Lebens der Protagonisten sehr traurig und bedrückend. Dabei möchte die Autorin die Aspekte der Schuld und der „Erbsünde“ aufgreifen, über die amn sicherlich viel diskutieren kann. Wieviel Schuld trägt unsere Generation, z.B. einfach durch die Tatsache, dass wir nicht nachgefragt haben. Waren vielleicht auch unsere Großväter „Befehlsempfänger“ und welche Schuld traf sie, welche uns als Nachkommen?

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  • Sehr bewegender Roman, der mitten ins Herz trifft

    Jakobs Mantel
    nicigirl85

    nicigirl85

    01. July 2015 um 17:50

    Es ist mir schon lange nicht mehr so schwer gefallen ein Buch zu rezensieren wie bei diesem hier. Mit dem Lesen habe ich etwas länger gebraucht, nicht weil der Roman nicht gut ist, sondern weil er mich so emotional berührt hat und Einfluss auf meine Stimmung ausgeübt hat, dass ich ihn nur in kleinen Portionen genießen konnte. Meine Erwartungen wurden jedenfalls bei weitem übertroffen. In der Geschichte geht es um Mika, der mit seiner Familie im Warschauer Ghetto lebt. Hunger und Leid bestimmen seinen Alltag und nur die Puppen bringen Abwechslung in sein Leben. Wird der Puppenprinz ihm immer beistehen und sein Leben retten? Wir als Leser erleben die Zeit ab 1939 aus zwei unterschiedlichen Sichtweisen, denn mal erfahren wir etwas über den Soldaten Max (Täter) und mal über unseren Puppenspieler Mika (Opfer). Beider Leben sind miteinander verbunden und ihre Erlebnisse ähneln sich, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise. Bisher habe ich nur Bücher gelesen, die rein aus der Opfersicht berichten, daher war die Sicht auf die Gedanken der Täter unheimlich spannend für mich. Mich hat hier vor allem beeindruckt wie stark Menschen sein können, wenn es ums nackte Überleben geht. Das bringt der Roman sehr deutlich zum Ausdruck. Viele geschilderte Ereignisse gehen bis ins Mark, manch Grausamkeit wollte ich mir gar nicht vorstellen. Eva Weaver schreibt sehr angenehm, aber durchaus anspruchsvoll, was aber vielleicht auch am Thema liegen mag, denn es ist kein Buch, welches man mal eben als leichte Urlaubslektüre liest. Mich hat das Buch so gepackt, dass mir die eine oder andere Träne einfach entglitten ist und mit feuchten Augen liest es sich nicht gerade leicht. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Charakteren Mika und Max, die sehr intensiv dargestellt sind. Auch wenn ich mit Max nicht sympathisiert habe, konnte ich sein Handeln doch immer verstehen. Mika seine Stärke und sein Überlebenswillen haben mich beeindruckt. Sehr besonders empfand ich auch die Rolle der Puppen. Ich kann mir bald nicht vorstellen, dass diese eine so lange und vor allem schwere Zeit überhaupt überstehen können. Jedenfalls haben die Puppen etwas sehr magisches, märchenhaftes, das gefiel mir gut. Fazit: Wer sich nicht davor scheut, sich emotional mitreißen zu lassen und geschichtsinteressiert ist, der wird dieses Buch lieben. Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen!

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  • Puppenspiel im Warschauer Ghetto

    Jakobs Mantel
    odenwaldcollies

    odenwaldcollies

    30. June 2015 um 12:46

    Der junge Mika erlebt eine glückliche Kindheit in Warschau, bis die Deutschen 1938 die Stadt erobern. Für die Warschauer Juden – und damit auch für Mika und seine Familie - beginnt eine Zeit der Ausgrenzung und Schikane, die in den brutalen und todbringenden Zuständen des Warschauer Ghettos ihren Höhepunkt findet. Als Mikas Opa Jakob stirbt, übernimmt der Junge dessen Mantel und entdeckt Jakobs Handspielpuppen in den vielen Taschen. Vor allem der Prinz nimmt eine besondere Stellung ein. Mit seinen Puppen schafft es Mika, dem brutalen Ghettoalltag zu entfliehen, bis er eines Tages von dem deutschen Soldaten Max aufgegriffen und gezwungen wird, vor dessen Kameraden zu spielen. Das Buch von Eva Weaver ist voller Emotionen, was kein Wunder ist, beleuchtet es doch eines der düstersten und traurigsten Kapitel der deutschen Geschichte. Aber es geht noch darüber hinaus: neben den Erlebnissen des Jugendlichen Mika und seinem Leben im Ghetto werden auch die Nachkriegserlebnisse des deutschen Soldaten Max erzählt sowie die Auswirkungen der Nazi-Zeit auf die nachfolgenden Generationen der beiden Familien. Es ist die Puppe des Prinzen, die die Familien über Generationen begleitet und verbindet. Die Beschreibungen des Lebens im Warschauer Ghetto sind schonungslos und sehr bedrückend, und es ist egal, ob man sich schon mehrmals mit der damaligen Zeit auseinandergesetzt hat, es macht mich immer wieder sprach- und fassungslos, wie wir es damals haben so weit kommen lassen können, das so etwas passieren konnte. Aber es gibt auch Lichtblicke dank Mikas Puppenspiel, wenn er den Waisen- und kranken Kinder für ein paar Stunden die Flucht aus der Realität ermöglichen kann. Aber auch Max' Erlebnisse im Kriegsgefangenenlager in Sibirien sind sehr bedrückend, die Parallelen zum Alltag im Ghetto sind nicht zu übersehen. Aber die deutschen Soldaten waren die Täter und damit geht es auch um Schuld und Verantwortung, Anklage und Verarbeitung. Die Dämonen der Vergangenheit bleiben beiden Protagonisten erhalten. Aber die nächsten Generationen haben es in der Hand, die Vergangenheit aufzuarbeiten und gemeinsam an einer Aussöhnung zu arbeiten. Auch wenn ich mir die Dimension von Jakobs Mantel nicht vorstellen konnte bzw. daß der Prinz all diese Strapazen überlebt hat, hat mir das Buch sehr gut gefallen, denn die Symbolkraft des Mantels und des Prinzen konnten mich überzeugen.

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  • Jakobs Mantel - Eva Weaver

    Jakobs Mantel
    Lesen_ist

    Lesen_ist

    24. June 2015 um 18:08

    Inhalt Warschau 1939. Mika liebt seinen Großvater Jakob sehr. Gemeinsam lebt die Familie im Ghetto. Als Jakob stirbt, erbt Mika dessen geheimnisvollen Mantel und entdeckt darin eine Puppe. Jakob hatte sie gebastelt, ebenso wie das Krokodil, den König, den Narren. Mitten in einem Alltag bestimmt von Angst, Hunger und Tod, erfindet Mika neue Puppen. Der Prinz wird sein Liebling, und bald ist Mika im ganzen Ghetto für seine Puppenspiele bekannt. Trotz aller Gefahren spielt Mika immer wieder – bis ihn der deutsche Soldat Max erwischt. Der Prinz rettet ihn, doch dafür muss Mika von da an für die Deutschen spielen. Meine Meinung Ohne die liebe Nina @hauptsachebunt wäre ich sicherlich nie auf dieses Buch gekommen. Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich »28 Tage lang« von David Safier gelesen, da ging es um ein sechzehnjähriges Mädchen namens Mira, die auch im Warschauer Ghetto lebte. Ich habe bei diesem Buch öfter daran gedacht, und obwohl sie beide von dieser schrecklichen Zeit erzählen, sind sie doch sehr verschieden. New York im Januar 2009. Durch einen Zufall wird Mikhail Hernsteyn mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Nun erzählt er seinem Enkel Daniel seine Geschichte. Als Mika drei war, starb sein Vater und so wurde sein Großvater zur wichtigen Bezugsperson für ihn. Mika war zwölf, als sein Großvater Jakob einen Mantel schneidern lies. In Oktober 1940 bekamen sie 2 Wochen Zeit um ihre Wohnung zu räumen und wurde ins Ghetto umgesiedelt, hinter einer hohen Mauer. Jakob hat viele geheime Taschen in seinem Mantel eingenäht und langsam wurde daraus ein Labyrinth. Alles, was ihm lieb und teuer war, hat er in den Taschen versteckt. Im Juli 1941, zwei Tage vor seinem dreiundsiebzigsten Geburtstag hat Jakob einem jungen Mädchen geholfen, das von zwei deutschen Soldaten drangsaliert wurde. Dafür bezahlte er mit seinem Leben und Mika erbt seinen Mantel. In Jakobs winzig kleiner »Werkstatt« in ihrer armseligen Wohnung entdeckt Mika die Handpuppen, die sein Großvater selbst gemacht hat. Von diesem Moment an spielen diese Puppen eine wichtige Rolle in Mikas Leben und durch ihn auch in dem Leben so viele anderer. Ich habe Mika sofort ins Herz geschlossen. Er ist nur ein Kind in einer der schlimmsten Zeiten, die Europa je durchlebt hat. Er findet selbst Trost in den Puppen, aber er spendet auch so viel Trost in einer Zeit, wo die Menschen im Ghetto zu wenig zum Leben und doch zu viel zum Sterben haben. Trotzdem zieht der Tod schon lange vor den Deportationen durch das Ghetto, durch Hunger, Krankheiten und willkürliche Erschießungen. Mika wird nicht als Held oder Draufgänger dargestellt, er hat genauso viel Angst wie alle anderen, das kann man richtig spüren. Das ist es vielleicht, was den Charakter so menschlich und auch glaubwürdig macht und auch mein Herz rührt. Das Buch ist in drei Teilen unterteilt. Im ersten Teil erzählt Mika seinem Enkel alles, was in den Jahren bis zum Frühling 1943 passierte. Während seiner Zeit im Ghetto gab es auch einen deutschen Soldaten, Max Meierhauser, mit dem Mika auch zu tun hatte. In Teil zwei erfahren wir was mit Max passiert ist, wie er von den Russen nach Sibirien gebracht und in einem Lager, einem Gulag, gefangen gehalten und zur Arbeit im Wald gezwungen wird. Die Männer verhungern fast, leben unter den schwersten Bedingungen, erleiden Erfrierungen, sterben an Verletzungen oder durch die Willkür der russischen Soldaten, die ähnlich die der Deutschen im Ghetto ist. Was in Sibirien mit den deutschen Soldaten passierte war genauso grausam! Die Russen nahmen mehr als drei Millionen Deutsche gefangen, davon starben mehr als ein Drittel und die Letzten kamen erst 1955 endlich frei. Auch das war der Zweite Weltkrieg. Die Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges waren unmenschlich, was in den Ghettos passierte weiß fast jeder und ja, es sollte niemals vergessen werden! Dieses Buch lässt einem aber auch über andere Aspekte nachdenken. Eva Weaver schreibt so unparteiisch und ergreifend, egal ob es um Mika im Ghetto oder Max in Sibirien geht. Die grausamsten Feiglinge stahlen sich davon doch das Volk, alle die diese Zeit überlebt hatten, lebten weiter mit den Narben auf ihren Seelen. Eigentlich wollte ich derzeit keine Bücher mehr lesen die vom Zweiten Weltkrieg handeln. Jetzt bin ich doch froh, dass ich dieses Buch gelesen habe. Man wird immer wieder an den Holocaust erinnert und das ist auch gut so! Es soll nie wieder passieren. Dieses Buch zeigt aber auch andere Seiten, andere Grausamkeiten, über die so selten bis gar nicht geredet wird. Mika und Max waren Feinde, doch beide haben entsetzlich gelitten. Hat einer von ihnen mehr verloren, so hat der andere länger gelitten. Beide haben Mut gezeigt, Entschlossenheit und Mitgefühl, beide sind hohe Risiken eingegangen, die jederzeit den Tod bedeuten konnten. Und die Puppen sind der rote Faden durch die Geschichte, der die beiden über Raum und Zeit verbindet. Die Geschichte von Mika und den anderen im Ghetto hat mir so oft den Hals zugeschnürt, aber auch Max‘ Geschichte hat mich tief berührt. Es ist ein Buch, das mich eine Weile nicht loslassen wird.

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  • Jakobs Mantel

    Jakobs Mantel
    -sabine-

    -sabine-

    29. April 2015 um 18:42

    Ich bin durch das tolle Cover auf das Buch aufmerksam geworden – ich finde es sehr atmosphärisch und es passt richtig gut zur Geschichte. Und ich wurde nicht enttäuscht – ganz im Gegenteil – meine Erwartungen wurden übertroffen. Es ist die Lebensgeschichte eines jüdischen Mannes, der in seiner Kindheit das Leid und die Angst, den Hunger und die Not in einem Warschauer Ghetto miterleben musste, der aber das Puppenspiel beherrschte und damit anderen Menschen – ob jung oder alt – Hoffnung geschenkt hat und auch das eine oder andere Lächeln entlocken konnte. Dass er auch für die Deutschen spielen musste, hat ihn dabei sehr belastet, ihm aber auch ermöglicht, im Untergrund aktiv zu werden. Doch es ist nicht nur die Geschichte von Mika, dem Puppenspieler, es geht auch um einen deutschen Soldaten, Max, der zwar seine Befehle befolgt, der aber mit seiner Schuld nicht umzugehen weiß und schließlich an ihr zu zerbrechen droht. Mir hat die Verknüpfung dieser beiden Lebensgeschichten sehr gut gefallen und gerade auch, Einblick in die Gedanken der Täter zu erhalten, fand ich sehr interessant und war für mich in diesem Maße neu. Die Art, wie die beiden Handlungsstränge miteinander verwoben sind und wie dann zum Schluss die Fäden zusammenlaufen, fand ich zwar gut gelöst, am Ende aber vielleicht ein bisschen überzogen – dennoch war auch ich berührt von der Geschichte und habe das Buch mit einem hoffnungsvollen Gefühl im Bauch zugeschlagen. Die Geschichte liest sich sehr flüssig und angenehm, was zum einen an dem bildreichen und gefühlvollen Schreibstil liegt, der eine ganz eigene, zur Geschichte passende Atmosphäre schafft, zum anderen aber auch an der Sogwirkung, die das Buch auf mich ausgelöst hat. Die Geschichte hat mich einfach gefesselt, ich wollte wissen, wie es weitergeht und konnte daher das Buch kaum aus der Hand legen. Die Charaktere sind toll gezeichnet, allen voran natürlich Mika und Max. Selten habe ich so viel Einblicke in die Gedanken und Gefühle von Protagonisten erhalten, wie bei diesen beiden. Ich habe mit ihnen gefühlt und gelitten, geliebt und gefiebert. Und stets habe ich die geheimen Helden der Geschichte, die Puppen von Mika, vor Augen gehabt, habe deren Entstehung miterleben dürfen und durch die detailverliebten Beschreibungen sie fast als lebendig empfunden. Auch wenn der Titel „Jakobs Mantel“ sehr passend gewählt wurde – denn in dem Mantel waren immer alle Puppen Mikas versteckt und er war ein wertvolles Erbstück seines verstorbenen Großvaters Jakob – gefällt mir der Originaltitel „The Puppet Boy of Wasaw“ doch besser, denn er stellt Mika und das, was er tut mehr, mehr in den Mittelpunkt und legt das Augenmerk mehr auf die Puppen, die in dem Roman eine große Rolle spielen. Die Geschichte selber ist erfunden, dennoch aber ist sie glaubhaft und könnte genau so passiert sein. Toll ist aber, wie die Autorin Wahrheit und Fiktion miteinander verknüpft hat, wie sie ihre Geschichte in historische Fakten eingebettet hat und wie sie verschiedene historische Persönlichkeiten hat aufleben lassen. Ein tolles Buch, das ich jedem nur empfehlen und ans Herz legen kann! Mein Fazit Ein tolle Geschichte über einen jüdischen Jungen, der mit seinem Puppenspiel im Warschauer Ghetto Hoffnung schenkt und sich schließlich dem Widerstand anschließt; ein Buch aber auch über die nationalsozialistischen Täter, ihre Schuld und ihrem Weiterleben mit genau dieser. Eine eindringliche Geschichte, die fesselt und berührt und vor allem durch tolle und sehr gut gezeichnete Charaktere überzeugen kann, dabei aber angenehm und flüssig lesbar bleibt. Von mir 5/5 Sternen.

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  • „Jakobs Mantel“ ist ein ganz beachtliches Debüt

    Jakobs Mantel
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    27. March 2015 um 08:05

    „Diese bewegende, vor dem Hintergrund des Warschauer Ghettos und seiner Nachwirkungen erzählte Gesichte ist ein beeindruckender Beweis der erlösenden Kraft von Kunst in einer brutalen, gewalttätigen Welt.“ Mit diesen Worten hat der Professor für Holocaust-Studien, Antony Polonsky, der selbst 1989 das Tagebuch von Abraham Lewin aus dem Warschauer Ghetto unter dem Titel „A Cup of Tears“ veröffentlicht hat, den hier vorliegenden Debütroman von Eva Weaver geadelt. Eva Weavers Roman führt den Leser nicht nur zurück in das Leben der Juden im Warschauer Ghetto, sondern ist meines Wissens auch einer der ersten Romane, die das Schicksal der nationalsozialistischen Täter und das der jüdischen Opfer versuchen in einer Erzählung zusammen zu denken. In einer Rahmenhandlung im schneeverschneiten New York am 12. Januar 2009 liest der alte Überlebende des Warschauer Ghettos Mika in der 72, Straße, in der er zusammen mit seinem dreizehnjährigen Enkel Daniel unterwegs ist, ein Plakat mit der Aufschrift „Der Puppenspieler von Warschau – seine bewegte Geschichte, von Puppen erzählt“. Auf dem Plakat ist ein alter Mantel zu sehen mit einem blauen Davidstern am Ärmel. Lange vergessen und auch verdrängt, steht ihm in diesem Augenblick seine eigene Geschichte vor Augen, und er schafft es mit Hilfe seines Enkels gerade noch so nach Hause. Dort lässt er Daniel aus einem alten Schrank ein in braunes Papier eingewickeltes Paket herausholen. „Ich will dir erzählen, wie es im Getto war, Danny. Bevor ich sterbe. Ich will dir die Wahrheit erzählen – dir und meinem Herzen. Deiner Mutter und vielleicht der ganzen Welt.“ Und er öffnet das Paket und holt einen alten Mantel heraus. „Die Soldaten haben die geheime Welt meines Mantels nie entdeckt, Danny, all die Taschen in den Taschen. Dieser Mantel besitzt seine ganz eigene Magie. Aber lass uns von vorne beginnen. Lass mich erzählen, wie es wirklich war.“ Und dann erzählt er, wie dieser Mantel für seinen Großvater Jakob, Professor für Mathematik von dem genialen Schneider Nathan 1938 geschneidert wurde. Doch nur kurz währt die Zeit der Freiheit. Schon bald, 1941, werden die Juden von den Nazis in das Ghetto zusammengepfercht und bald danach sein Großvater Jakob von den Nazis erschossen wird auf offener Straße, als er einem jungen Mädchen helfen will. Mika erbt den schweren Mantel und die darin versteckten Puppen. Er stellt noch weitere Puppen her und erfreut unter anderem die Kinder in Janusz Korczaks Waisenheim mit seinem Spiel. Auch ein deutscher Offizier namens Max, der in der Folge auf der Täterseite als Hauptfigur von Eva Weaver eingeführt wird, entdeckt Mikas Spiel und findet Gefallen an dem Jungen. Es ist dieser Max, der letztendlich Mikas Leben rettet und von ihm dafür seine Lieblingspuppe geschenkt bekommt. Mika engagiert sich im Widerstand im Ghetto, überlebt seine Zerstörung und geht irgendwann in die USA, wo er, wie so viele Überlebende über Jahrzehnte schweigt, bis zu jener Szene, als er auf dem Plakat seiner eigenen Geschichte wieder begegnet. Doch auch auf der Täterseite wird nach dem Krieg kräftig geschwiegen. Eva Weaver gelingt es hervorragend herauszuarbeiten, wie erst Max` Enkelin die Kraft findet, der Wahrheit über die Zeit des Großvaters im Warschauer Ghetto ans Licht zu bringen und die Wahrheit über den „Prinzen“, jene Puppe, die Mika dem Offizier Max im Ghetto geschenkt hatte als Gegenleistung für die Freiheit. Mara, so heißt die Enkelin von Max, beschäftigt sich ausführlich mit der Geschichte der Puppe und des Puppenspielers, die ihr, sozusagen als Gegenstück zu der Erzählung des alten Mika nach langem Ringen und Drängen endlich von Max erzählt wird. Mara gründet eine Gruppe, mit der sie zunächst in kleinen Veranstaltungen die Geschichte des „Puppenspielers von Warschau“ erzählt. Die Berichte über die Laienspielgruppe in Nürnberg werden zahlreicher, und irgendwann erhält Mara eine Einladung nach New York. Dort sollen sie auf einen Festival ihr Stück präsentieren. Und so schließt sich der Kreis, indem es zu einer bewegenden Begegnung zwischen Mara und Daniel kommt. „Jakobs Mantel“ ist ein ganz beachtliches Debüt.

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  • Jakobs Mantel

    Jakobs Mantel
    zoelanie

    zoelanie

    14. October 2014 um 10:12

    1939 - der vierzehnjährige Mika lebt mit seiner Familie im Warschauer Ghetto. Als sein Großvater dort ums Leben kommt, bleibt ihm nur sein Mantel. Mika entdeckt in einem der vielen eingenähten Innentaschen eine handgefertigte Puppe und stellt fest, dass sein Großvater Jakob in seiner Werkstatt noch eine ganz Reihe an Puppen gebastelt hat. Da die Trauer und das bittere Leben im Ghetto Mika fest im Griff haben, zieht er sich in die Werkstatt zurück und erfindet weitere Puppen, und er beginnt mit ihnen Geschichten zu erzählen, die ihn im ganzen Ghetto bekannt machen, da er vielen Menschen für einen Augenblick ihren Alltag vergessen lässt. Eines Tages jedoch gerät er in eine prikäre Situation mit einem deutschen Soldaten. Seine Puppe rettet ihn zwar, lenkt aber die Aufmerksamkeit des Deutschen auf sich...und dieser verlangt von ihm, von nun an für die Nazis zu spielen.  Allein nach dem Lesen der Inhaltsangabe ist schnell klar, dass es sich bei diesem Buch keinesfalls um leichte Kost handelt. Umso überraschter habe ich festgestellt, dass sich das Buch trotz der Ernsthaftigkeit seiner Thematik geradezu leicht liest. Die Schriftstellerin, die mit diesem Roman im vergangenen Jahr ihr Debüt veröffentlicht hat, beschreibt die historischen Hintergründe mit einer bestechenden Neutralität; hier wird keinesfalls mit erdrückenden Fakten um sich geworfen, noch mit dem Finger auf den Bösen gezeigt. Hier steht wirklich nur Mikas Lebensgeschichte im Mittelpunkt, die auf eine wirklich berührende Art und Weise erzählt wird.  Das Buch, das in drei Teile aufgeteilt ist, beginnt im ersten Teil Mikas Geschichte im Warschauer Ghetto bis zum Kriegsende zu erzählen, insbesonders welch wichtige Rolle das Handpuppentheater für Mika und viele andere Menschen im Warschauer Ghetto besitzt, die ihm und den anderen nicht nur Ablenkung bieten, sondern auch Halt in den so aussichtslosen Situationen. Im zweiten Teil ändert sich die Perspektive in zweierlei Hinsicht: Die Geschichte wird nun nicht mehr aus Mikas Sicht erzählt, sondern die Nachkriegsjahre erlebt  der Leser mit den Augen des Soldaten Max, dem die Puppe inzwischen gehört und deren Bedeutung, die diese und das Theater früher für Mika hatten, nun selbst hat.  Im abschließenden dritten Teil schließt sich der Kreis und die Geschichte endet dort, wo sie begonnen hat: bei Mika. Ich gebe gerne dazu, dass ich sehr geizig bin, wenn es darum geht, einem Buch fünf Leseeulen zu geben, aber dieses Buch bekommt sie auf alle Fälle - fünfe Leseeulen und eine absolute Leseempfehlung! Ich habe selten ein Buch gelesen, dessen Handlung zwar fiktiv war, aber andererseits so nah an der Wirklichkeit zu sein scheint. So traurig das Buch einerseits ist und so schwer die Thematik, so tröstend empfand ich trotzdem das Ende der Geschichte, die sicherlich nicht nur Mika, sondern auch mir als Leser einen gewissen inneren Frieden gegeben hat. Ein wirklich sehr nachdenkliches und sehr berührendes Buch.

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  • Ein rundes Schauspiel

    Jakobs Mantel
    Phliege

    Phliege

    20. July 2014 um 18:51

    Wenn man "Jakobs Mantel" zur Hand nimmt, erwartet den Leser eine liebevolle Geschichte über einen kleinen jüdischen Jungen, der mit seinem Puppentheater die Herzen seiner Mitmenschen berührt. Als der kleine Mika den Taschenmantel seines Großvaters erbt, entdeckt er auch dessen Werkstatt voller Handpuppen. Sie wird sein Rückzugsort, an dem er immer neue Figuren erschafft und sie vorführen lässt. Er spielt nicht die Puppen, sondern sie spielen ihn, machen ihn alles vergessen und langsam gewinnt er an Bekanntheit im Warschauer Ghetto. Dabei sieht Mika sich dem Konflikt ausgesetzt, sein Publikum zwar zu erleichtern, aber nicht wirklich helfen zu können. Freude kann man nicht essen. Aber um dieses Vergessen geht es. Die Bedeutung von Kunst, Schönheit und Fröhlichkeit an einem Ort und zu einer Zeit in der nur noch Grausamkeit, Armut, Hunger und Tod herrschen. Einen Funken Hoffnung und Leben, um nicht zu vergessen, das man menschlich ist. Nichts Neues wird in diesem Buch offenbart, doch ist alles gut recherchiert. Nichts wird beschönigt, an dem Grauen wird sich aber auch nicht geweidet. Auffällig ist übrigens die Vorliebe der Autorin für grüne Augen. Sie könnte auch als stilistisches Mittel gesehen werden, aber in der wirklich großen Häufigkeit, wie grünäugige Charaktere auftauchen, hat sich da wohl beides vermischt. Die kleine Überraschung an dem Buch: Nicht nur Mikas Geschichte wird erzählt, sondern auch die eines deutschen Soldaten. Die Beleuchtung von Opfer und Mittäter. Kein moralischer Zeigefinger, aber die ständig aufkommende Frage "Warum?" wird aufgegriffen und deutlich gemacht, dass sie schwer zu beantworten ist. Der einfache, aber geschickte Schreibstil macht die Erzählung zu einer runden Geschichte, die auf jedenfall lesenswert ist.

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  • Der Puppenspieler von Warschau

    Jakobs Mantel
    dicketilla

    dicketilla

    19. February 2014 um 16:12

    Daniel besuchte seinen Großvater Mika an einem Sonntag, was für den alten Mann eine willkommene Abwechslung bot. Ihr Weg führte sie an einem kleinen Theater vorbei, wo ein Plakat “Der Puppenspieler von Warschau” für eine Aufführung warb, die den Großvater zusammen brechen ließ. Er beschwor seinen Enkel mit ihm heim zu gehen, da er unbedingt etwas zeigen müsse. und holte ein großes Paket aus dem Schrank, in dem sich ein alter, schwarzer Mantel befand. “ Ich will dir erzählen, wie es im Ghetto war, Danny, bevor ich sterbe.” (S.17) Und er erzählt ihm seine Geschichte. Warschau 1938 ließ sich sein Großvater einen neuen Mantel nähen, da war Mika gerade 12 Jahre alt. Als die deutsche Wehrmacht in die Stadt einzog, wurde es für die Juden immer schlechter, und der Großvater begann für ihn wertvollste Besitztümer bei sich zu tragen, die in Taschen, unterschiedlichster Größen, um in den Tiefen seines Mantels, zu verstauen. Bald trieben die Deutschen die Juden in ein Stadtzentrum zusammen, und schlossen es durch Mauern, das Warschauer Ghetto entstand. Nachdem sie den Großvater erschossen, nahm Mika, gerade einmal 14 Jahre alt, den Mantel an sich, und wärmte sich in Erinnerung an seinen geliebten Großvater darin, bis er die geheimen Taschen und eine Puppe entdeckte. Er beginnt mit seiner Freundin Elli weitere Puppen zu basteln und spielt für die Kinder im Waisenhaus, im Krankenhaus. Bis er vom Wehrmachtssoldaten Max aufgegriffen wird, und für die deutschen Offiziere zur Ablenkung spielen muss. Seitdem führt Mika ein Doppelleben, beginnt diesen Zustand zu nutzen, um kleine Kinder und Waffen aus dem Ghetto zu schmuggeln. Die Autorin vermag das Leben im Ghetto zu schildern, die Toten an den Bordsteinen, die verhungerten Menschen, Kinder mit ihren großen, schwarzen Augenränder, das Elend kaum beim Lesen ertragen kann, mit Tränen in den Augen pausieren muss. Die brutale Gewalt der Deutschen, mit der sie die jüdische Bevölkerung zusammen treiben, um sie in den Tod zu schicken. Die Geschichte ist in mehrere Zeitabschnitten und Handlungen geteilt. Zuerst die Geschichte des Großvaters, über seine Zeit im Warschauer Ghetto, wo er den Soldaten Max kennen lernt, der ihn mit kleinen Gesten der Menschlichkeit hilft, aber dennoch seinen Befehlen nachgeht. Später erfährt man über dessen Gefangenschaft in Sibirien und die Verzweiflung über das Geschehene hinweg zu kommen. Bis die Geschichte wieder zu ihrem Anfang findet. Eva Weaver hat mit ihrem ersten Roman ein unverzichtbares Zeitzeugnis erschaffen. Man stellt sich immer wieder die Frage, wie die Ratten, wie Mika sie nennt, zu solch Unmenschlichkeit fähig waren. Die Warschauer Bevölkerung zusehen konnte, dem gegenüber die Gefangenen in der Unbarmherzigkeit der Kälte Sibiriens, ihrer Würde beraubt, das gleiche Schicksal erleiden müssen. Sie klagt nicht an, sie zeigt auf, überlässt uns Leser zu richten. Eine Geschichte, die nicht oft genug mahnend, weiteren Generationen, diese Zeit nie in Vergessenheit geraten lassen darf. “Es waren dieselben verdammten Waggons, mit denen wir die Juden nach Treblinka geschafft haben. Uns haben sie damit nach Sibirien gebracht.” ( S.302) 

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