Ich habe den rund 507 Seiten starken Roman Die Hoffnung der Chani Kaufman in der deutschen Übersetzung zu Ende gelesen und bin absolut begeistert. Die Geschichte knüpft an den Vorgänger Die Hochzeit der Chani Kaufman an, den ich vor Jahren gelesen hatte. Meine Erwartungen an diese Fortsetzung waren hoch, und sie wurden nicht enttäuscht. Man muss den ersten Teil übrigens nicht zwingend noch einmal lesen, um reinzukommen, auch wenn ich die chronologische Reihenfolge empfehle. Inhaltlich geht es um Chanis Leben nach der Hochzeit, wobei das Buch tiefe Einblicke in ihr Innenleben, ihre Zweifel und Sorgen gewährt. Großartig ist, dass die Geschichte durch wechselnde Perspektiven – etwa vom Ehemann, der Schwiegermutter und anderen Wegbegleitern – bereichert wird. Es geht um Glauben, die Suche nach Zugehörigkeit und das eigene Wollen. Sprachlich lädt das Buch total ein und es macht einfach großen Spaß, das zu lesen. Der Stil ist einfühlsam, klar und transportiert das Zwischenmenschliche unglaublich spannend und berührend, ohne je nüchtern zu wirken. Weil so viel passiert, habe ich gar nicht gemerkt, dass das Buch über 500 Seiten hat, und konnte es kaum aus der Hand legen. Ich hoffe inständig auf eine weitere Fortsetzung. Eine eindeutige Empfehlung für alle, die eine spannende, gefühlvolle Geschichte und einen faszinierenden Einblick in die Innenwelt einer jungen Jüdin und ihrer Gemeinschaft suchen!
Eve Harris
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Eve Harris
Die Hochzeit der Chani Kaufman
Die Hoffnung der Chani Kaufman
Die Hochzeit der Chani Kaufman
Die Hoffnung der Chani Kaufman
The Marrying of Chani Kaufman
Neue Rezensionen zu Eve Harris
DIE HOFFNUNG DER CHANI KAUFMAN
Eve Harris
ET: 24.1.24
Chani und Baruch gehören einer jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft an und leben derzeit in Jerusalem, wo Baruch die Laufbahn eines Rabbis anstrebt.
Ihre Ehe wurde vor einem Jahr arrangiert und war keine Liebesheirat, dennoch verbindet die beiden ein inniges und respektvolles Verhältnis.
Eigentlich könnte ihr Leben harmonisch sein, doch Chani ist nach einem Jahr Ehe noch immer nicht schwanger.
In der Gemeinschaft – und besonders vonseiten der Schwiegermutter – wird sie immer wieder spüren gelassen, dass dies als Makel gilt.
Baruchs Eltern drängen das junge Paar, eine Kinderwunschklinik in London aufzusuchen, während die Schwiegermutter die Situation nutzen möchte, um Chani loszuwerden, und einen Termin bei einer Heiratsvermittlerin vereinbart.
Parallel dazu erzählt der Roman die Geschichte von Rivka.
Sie hat ihren Mann Chaim, einen angesehenen Rabbi der orthodoxen Gemeinde in London, verlassen.
Seitdem gilt sie als Persona non grata, darf ihre Kinder weder sehen noch mit ihnen sprechen.
Nur ihr älterer Sohn, der in Jerusalem eine Talmudschule besucht, hält weiterhin Kontakt zu ihr.
Wie sich diese Geschichten entwickeln und welche weiteren Erzählstränge das Buch bereithält, möchte ich nicht vorwegnehmen – das empfehle ich euch, selbst zu entdecken.
Mich hat dieses Buch sehr berührt.
Ich habe es mit großer Freude gelesen und dabei unglaublich viel gelernt.
Es war mein erstes Buch der Autorin, und ich möchte unbedingt noch mehr von ihr lesen.
Besonders beeindruckt haben mich die eindrücklichen Schilderungen einer streng orthodoxen Gemeinschaft, die wie eine isolierte Parallelwelt funktioniert, sowie die schonungslose Darstellung der massiven Unterdrückung von Frauen.
Umso stärker ist der Weg, den die Autorin aufzeigt, wie ein Ausbruch aus diesen starren religiösen Strukturen möglich sein kann.
Fazit:
Ein zart, bildreich und zugleich eindringlich erzählter Roman.
Wer für einige Tage in das Leben einer orthodoxen jüdischen Gemeinschaft eintauchen möchte, dem kann ich dieses Buch sehr ans Herz legen.
Große Leseempfehlung.
4½/5
Nach einer längeren Leseflaute hat mich dieses Buch völlig unerwartet wieder gepackt – Die Hoffnung der Chani Kaufmann ist eine berührende, eindrückliche und tief menschliche Geschichte, die mich nicht mehr losgelassen hat.
Was mich von Beginn an begeistert hat, war das authentische und detailreiche Eintauchen in das jüdisch-orthodoxe Leben. Ich finde diese Welt unglaublich faszinierend, und Eve Harris gelingt es, sie mit großer Sensibilität, aber auch kritischer Tiefe darzustellen. Wer – wie ich – bereits Bücher wie Unorthodox von Deborah Feldman mochte, wird sich auch hier sofort zu Hause fühlen, vielleicht sogar noch mehr mitfiebern.
Die Charaktere sind liebevoll und komplex gezeichnet. Besonders Chani, Avromi und Rivka haben mich emotional sehr berührt. Ihre inneren Kämpfe, ihr Ringen zwischen Glaube, Tradition, persönlichem Wunsch und familiärem Druck – all das hat mich tief bewegt. Die Autorin gibt ihren Figuren eine Stimme, die lange nachhallt.
Ein Abschnitt, der mir besonders naheging, war die Schilderung rund um die Regeln der Mikwae. Die Darstellung, wie Chani trotz sehnlichem Kinderwunsch nicht schwanger werden kann, weil ihr Eisprung zu früh kommt und sie laut religiösen Regeln ihren Mann noch nicht berühren darf, war für mich erschütternd und aufrüttelnd. Die Szene, in der Rivka klar ausspricht, dass es nicht HaShem, sondern Männer in der Kehilla sind, die über Frauenkörper entscheiden, hat mich sehr bewegt – ein Satz, der mir im Gedächtnis bleiben wird.
Auch sprachlich konnte mich das Buch vollkommen überzeugen. Die Kapitel sind in sich stimmig, der Erzählfluss packend, die Sprache zugleich einfühlsam und eindringlich. Ich habe jede Seite genossen, mitgelitten, gehofft – und war am Ende tief erfüllt.
Ein wunderbares Buch über Freiheit, Identität und die Kraft, sich selbst treu zu bleiben – unbedingt lesenswert.
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