Eveline Hasler Stein bedeutet Liebe

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Inhaltsangabe zu „Stein bedeutet Liebe“ von Eveline Hasler

Eine große Liebe in der Münchener BohèmeMitten in der brodelnden Münchner Literatenszene zu Beginn des 20. Jahrhunderts sitzt eine junge Frau, die meistens still beobachtet. Sie heißt Regina Ullmann, ist dem anarchistischen Psychiater Otto Gross verfallen und wird eine der erstaunlichsten Schriftstellerinnen des deutschsprachigen Raums, von Rainer Maria Rilke gefördert, von Hermann Hesse und Thomas Mann verehrt. Es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau und einer tragischen Liebe, die sich die genaue Beobachterin Eveline Hasler einfühlsam anverwandelt.

In einem Erzählton geschrieben. Nimmt so die Schärfe der Geschichte, welche viel tragisches verbirgt. Unglückliche Liebe

— 1611

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  • Rezension zu "Stein bedeutet Liebe" von Eveline Hasler

    Stein bedeutet Liebe

    HeikeG

    15. August 2008 um 11:43

    Nur schreibend spüre ich mich Die Dichterin Regina Ullmann: Eine vom Leben Verstörte "Stein bedeutet Liebe" heißt der neue Roman von Eveline Hasler. Eingebettet in die Schwabinger Künstlerszene der Jahre 1907/08 - die Zeit der erotischen Revolution - lässt dieses Buch die unglückliche Liebeskonstellation zwischen der Autorin Regina Ullmann und dem Psychoanalytiker Otto Gross neu aufleben. Von Regina Ullmann (1884-1961) gibt es eine besondere Fotografie, eine inmitten ihrer beiden Töchter Gerda (aus einer kurzen Liaison mit dem Ökonomen Hans Dorn) und Camilla (aus der Beziehung mit Otto Gross). Und dieses Bild erzählt eine Geschichte: es ist Biografie, Leidensweg und innere Selbstfindung in einem. Wir sehen ein schmales, schwach konturiertes Gesicht von einer nahezu madonnenhaften, geheimnisvoll verborgenen Schönheit. Das Haar schlicht gescheitelt, zwei schöne dunkle Rehaugen, die bei flüchtiger Betrachtung eher blicklos wirken, doch auf den zweiten Blick dem Betrachter eine verborgene Leidenschaft präsentieren, beinahe paralysieren. Nicht der Anflug eines Lächelns ist zu erahnen, auch bei ihren zwei Mädchen nicht. Alles an dieser Frau strahlt eine schwermütige Lethargie aus, eingebrannte Verletzungen, Verlassenheit, seelisches Leiden: Erosion der Enttäuschung. Dieser Frau nähert sich Eveline Hasler, St. Galler Kulturpreisträgerin wie einst Regine Ullmann, auf sehr feinfühlige, aber dafür umso intensivere und überzeugendere Art und Weise an. Nur ausgewählte Zeitabschnitte hat sie für ihre - nicht mit einer wissenschaftlichen Biografie zu verwechselnde - Erzählung beleuchtet. Doch durch ihre ungeheure Imaginationskaft, die Entwicklung einer eigenen inneren Spannung, hat sie die Persönlichkeit Regina Ullmanns zu intensivem Leben erweckt. Als zentralen Ankerplatz wählt die Autorin das Café Stefanie in Schwabing, "das der Volksmund spöttisch 'Café Größenwahn' nannte". Es wird von Eveline Hasler als literarisches Wohnzimmer konzipiert. Hier im Trubel der herausgeputzten, extravaganten Gäste - meist Intellektuelle, Künstler und Literaten wie Gustav Meyrinck, Erich Mühsam, die Gräfin Reventlow, Else Jaffé, der Verleger Wolfskehl u. v. a. m. - beginnt das Kennenlernen mit der jungen "Rega", einem scheuen, extrem introvertierten Mädchen, im Schatten ihrer allgegenwärtigen Mutter, der "Frau Augsburger Rat". Hier sitzt die angehende Literatin und beobachtet Menschen, "berauscht von den Gesprächsfetzen, inmitten der Wortgischt." Von diesem imaginär geschilderten Mittelpunkt aus betritt der Leser andere Räume, reist abwechselnd in die Vergangenheit und die Zukunft oder schlendert gemächlich den "Korridor des Lebens" entlang. Einige "Nebenräume" werden offenherzig präsentiert, bei anderen steht er unvermittelt vor verschlossenen Türen. Doch Eveline Hasler hat immer den passenden Schlüssel parat. Da öffnet sich für einen Spalt breit die Tür zur St. Gallener Kindheit von Regine Ullmann. Man sieht ein kleines Mädchen "sich im Schatten des Muttergebirges ein eigenes Reich schaffen." Sie lacht selten, spricht kaum, zieht sich von Spielkameraden zurück, betrachtet lieber Libellen, Käfer und Spinnen, unterhält sich mit Fröschen. Hinter einer anderen Tür offenbart sich ein ähnliches Schicksal: auch Otto Gross (1877–1920) - ein Schüler Freuds - leidet unter dem Schatten eines übermächtigen Elternteils, dem seines autoritären Vaters. Doch Gross kompensiert die Verletzlichkeiten aus seiner Kindheit auf andere Art und Weise. Seine Genialität verstrickt sich in Drogenabhängigkeiten und Traumata. Wieder zurück ins Café: Der exzentrische Psychiater beschließt der jungen Frau zu helfen. "Sie muss gleichsam in ihr eigenes Wesen zurückgeführt werden, dachte er." Er will ihre verborgenen Schätze ans Licht holen, will sie therapieren, ihr "unbewohntes Haus" mit Lebendigkeit erfüllen. Doch: "Therapiert er sie oder sie ihn?" Es ist der vergebliche Versuch eines Unglücklichen, der einer Unglücklichen zu helfen versucht. Die Beziehung der beiden bekommt so zu Recht von Anfang an etwas Albtraumhaftes. Und erneut endet eines seiner faszinierenden wie waghalsigen psychiatrischen Experimente mit einer Schwangerschaft. Viele weitere Türen öffnet Eveline Hasler dem Leser. Sie führt Otto Gross' Geschichte nach der abrupten Verabschiedung der Schwangeren und der von Freud veranlassten Einlieferung ins Zürcher Irrenhaus Burghölzli noch weiter: bis hin zur letzten tragischen Liebesgeschichte mit Sophie Benz, für die er wie einst für Lotte Chatemmer zum Sterbehelfer und Todesengel werden sollte. Wunderbar beleuchtet die Autorin Regina Ullmanns subtile Art von Abhängigkeit gegenüber ihrer Mutter, ihre Selbstverleugnung. Zaghaft lässt sie Sonnenstrahlen der Hoffnung durch ein Fenster eines anderen Raumes am Ende des "Zimmergeflechts" scheinen. Dort sieht man die Ullmann schreibend, gelöst aus der Umarmung ihres "Todesengels", unter der schützenden Hand ihres Förderers und Mentors Reiner Maria Rilke. Zwischen Leben und Tod, Liebe und Verzweiflung ist bei Eveline Hasler die Erzählung von Regina Ullmann und Otto Gross angesiedelt. Gleichzeitig macht sie eine ganze Epoche in der Geschichte der Psychoanalyse lebendig: nicht nur Otto Gross' sexuelle Revolution, die oft entstellt und ohne Kontext wiedergegeben wird, sondern auch dessen Hauptthemen seiner späteren Werke: "eine durch die Psychoanalyse begründete neue Ethik, die Aufwertung der Frau und die Folgen einer lieblosen Erziehung und kindlichen Einsamkeit". "Über Verflossenes kann man berichten", schreibt Eveline Hassler am Ende dieses stillen, aber eindrücklichen und psychologisch feinfühligen Buches, "man erkennt die Vernetzungen, das System des Ablaufs, Ursache, Wirkung. Man findet einen Erzählton. Durch das Erzählen wird Vergangenes entschärft, es wird übersichtlich, griffiger." Eveline Hassler hat das Foto von Regine Ullmann und ihren beiden Töchtern zum Leben erweckt. Unter Zuhilfenahme dieses Buches erzählt es eine tragische Lebensgeschichte und macht vieles von dem sichtbar und einsehbar, was die Größe der am Leben gescheiterten Schriftstellerin ausmacht und was ihr immer wieder neue Leserinnen und Leser zuführen wird. Fazit: "Stein bedeutet Liebe" liest sich als "eindrückliches Psychogramm einer unglücklichen, in einem literarischen Sinn aber kreativ wirkenden Liebesbeziehung in einer turbulenten Zeit und in einer Epoche des geistigen und gesellschaftlichen Umbruchs, die einfühlsam-überzeugend, aber ganz unaufdringlich mit porträtiert ist", schreibt die Schweizer Tageszeitung. Es gibt dem nichts mehr hinzuzufügen.

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