Eveline Hasler Und werde immer Ihr Freund sein

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Inhaltsangabe zu „Und werde immer Ihr Freund sein“ von Eveline Hasler

Schweiz im Dezember 1920: Im Tessiner Dörfchen Cassarate lernen Emmy und Hugo Ball den Schriftsteller Hermann Hesse kennen. Jeder von ihnen hat eine schwierige Zeit hinter sich. Hesse befindet sich mitten in der Arbeit an "Siddhartha". Hugo Ball verlor auf tragische Weise seinen geliebten Freund Hans Leybold. Und Emmy Hennings, frisch mit Ball verheiratet, hat eine unruhige Zeit voller Liebhaber und Drogen durchlebt. Wie eine Fügung erscheint den dreien ihre Freundschaft, die immer enger wird - bis zu Balls Tod nach der Fertigstellung seiner Hesse-Biographie 1927. In ihrem mitreißenden Roman erzählt Eveline Hasler von der Begegnung dieser drei schöpferischen Menschen und von den Jahren davor, der wilden Zeit der Avantgarde in München und Zürich.

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    Und werde immer Ihr Freund sein
    Bri

    Bri

    1920 beginnt im Tessin ein wertvolles Pflänzchen zu sprießen. Es wird unter dem Namen "lebenlange Freundschaft" gehegt und gepflegt von drei Künstlern, deren Zusammentreffen für jeden einzelnen von ihnen ein Geschenk ist: Hugo Ball, Emmy Hennings-Ball und Hermann Hesse. Ist Hesse damals schon ein höchst angesehener Schriftsteller, der sein Auskommen hat, so kämpfen Hugo und Emmy zu dieser Zeit hart darum, mit ihrer Kunst nicht nur als wegweisend, avantgardistisch und wichtig angesehen zu werden. Ein Auskommen mit dem Einkommen ist schier unmöglich. Hugo hat sich in der Tessiner Zeit schon weg von DADA und hin zum Katholizismus und seinem Studium byzantinischer Heiliger gewandt. Emmy versucht als Schriftstellerin Tritt zu fassen - ein schwieriges Unterfangen, gelingt es ihr noch nicht einmal abends am Kamin, den neuen Freund Hesse darauf aufmerksam zu machen, dass auch sie schreibt. Zu stark verbunden fühlen sich Hesse und Ball bereits zu Beginn ihrer Freundschaft in Fühlen und Denken, als dass Raum für Emmys Einwürfe bliebe. Dennoch wird es nicht bei einer reinen Männerfreundschaft bleiben, der Hesse in seinem "Narziß und Goldmund" ein Denkmal setzen wird. Die Einnahmen aus der Kunst fließen bei den Balls nur spärlich, sie tröpfeln zuweilen nicht einmal und dies wird sich bis zu Hugos zu frühem Tod für das Paar nicht gravierend ändern. Hesses Versuche, den Freunden finanzielle Unterstützung zu vermitteln, fruchten hin und wieder, verschaffen aber keinen konstanten Geldeingang. So wird gehungert und gefroren während wahre Kunst entsteht. Hugo Ball war DER Pionier des Lautgedichts, Emmy Hennings - Ball war eine Attraktion im Cabarat Voltaire und dennoch erinnert sich heute eher selten jemand an die beiden Künstler. Doch durch Evelin Haslers wundervolle Romanbiographie "... und werde immer Ihr Freund sein." werden diese beiden aussergewöhnlichen Menschen dem drohenden Vergessen entrissen. Ganz nah dran ist Hasler an den täglichen Kämpfen um körperliches und seelisches (Über-)Leben. So nah, dass man erschüttert inne hält, als bei Hugo genau an Hesses 50. Geburtstag ein tödliches Krebsleiden diagnostiziert wird. Ein halbes Jahr lang schrieb Hugo die Biographie des großen Schriftstellers, die eben auch zu seinem 50 . Geburtstag erscheinen sollte. Der Termin wurde gehalten, in Nachhinein war es niemandem erklärlich, wie Ball diese Aufgabe trotz seines Magenkarzinoms meistern konnte. Die Biographie gilt auch heute noch als Standardwerk - hatte doch Hesse selbst in vielen freundschaftlichen und sehr persönlichen Gesprächen zu ihrem Gelingen beigetragen. Als Hugo Ball dann am 14. September 1927 stirbt, kommt es einem vor, als hätte man selbst einen guten Freund verloren. Wie sehr müssen die beiden Verbliebenen des Kleeblattes gelitten haben. Eveline Hasler gelingt es auf eindringlichste Weise, diesen Verlust spürbar zu machen. Die Künstler, die sie hier begleitet, zeigt sie in all ihrer Menschlichkeit - ohne zu werten. Es gelingt ihr mit Leichtigkeit, dem Leser Zutritt zu deren Leben zu verschaffen. Hesses Seelenlage beschreibt sie in all ihren Facetten, als hätte sie ihn persönlich gekannt. Kein Wunder, hatte sie doch in seinem Sohn selbst jahrelang einen guten Freund und Nachbarn. Trotz der Nähe, die Hasler schafft, wirkt die Romanbiographie nie voyeuristisch oder unangemessen. Vielmehr ist ihr eine sehr warmherzige und völlig wertfreie Darstellung drei manchmal einsamer Menschen gelungen. Ihr schöner Sprachstil lässt einen das Buch nicht aus der Hand legen. Aber der größte Verdienst Haslers ist es tatsächlich, Hugo Ball und Emmy Hennings - Ball wieder mehr Aufmerksamheit zukommen zu lassen. Beide begegnen Hesse hier als Künstler auf Augenhöhe. "... und werde immer ihr Freund sein." - glücklich schätzen darf sich jeder, der an der Pflege einer solchen Pflanze beteiligt sein darf. Weitere Informationen zu diesem für jede ernst gemeinte Privatbibliothek unabdingbarem Kleinod findet ihr wie immer auf der Verlagsseite. Das Buch hoffentlich beim Buchhändler eures Vertrauens. Um die Freundschaften müsst ihr euch allerdings selbst kümmern. In diesem Sinn - bis bald Freunde!

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