Evelyn Grill

 3.9 Sterne bei 30 Bewertungen
Autor von Der Sammler, Das römische Licht und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Der Begabte

Erscheint am 12.02.2019 als Hardcover bei Residenz.

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Der Sammler

Der Sammler

 (7)
Erschienen am 07.05.2013
Das römische Licht

Das römische Licht

 (5)
Erschienen am 26.08.2008
Immer denk ich deinen Namen

Immer denk ich deinen Namen

 (4)
Erschienen am 10.08.2016
Der Sohn des Knochenzählers

Der Sohn des Knochenzählers

 (3)
Erschienen am 25.06.2013
Fünf Witwen

Fünf Witwen

 (2)
Erschienen am 06.05.2015
Wilma

Wilma

 (2)
Erschienen am 18.09.2007
Das Antwerpener Testament

Das Antwerpener Testament

 (2)
Erschienen am 15.01.2011
Vanitas

Vanitas

 (2)
Erschienen am 03.01.2005

Neue Rezensionen zu Evelyn Grill

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BarbaraDruckers avatar

Rezension zu "Immer denk ich deinen Namen" von Evelyn Grill

Verständliche Fluchtwelt
BarbaraDruckervor 2 Jahren

Wie viel muss man wirklich ertragen? "Immer denk ich deinen Namen" ist ein Beziehungs-Roman von Evelyn Grill. Leise, aber auf keinen Fall langweilig, denn wiederum legt sie zielsicher den Finger auf die Wunden in den Beziehungen.

Da ist zunächst der Germanistikprofessor Adrian Roth, der vor der häuslichen Misere in seine Arbeit flüchtet. Er ist auch so ziemlich mit allem gestraft, was in einem Durchschnittsleben noch irgendwie plausibel erscheint: Eine unheilbar krebskranke Frau, ein autistischer Sohn, der andere Sohn steht der Mutter nahe, liegt aber im Dauerclinch mit dem Vater. Die Tochter überlegt, sich trotz ihres Kindes scheiden zu lassen, doch finanzielle Überlegungen und der Zuspruch von Adrian halten sie davon ab. Im Pflegeheim wohnt seine demente Mutter, die einzige Person, mit der er offen reden kann. Zu allem Überfluss ist Adrian auch körperlich nicht unversehrt, er muss eine Beinprothese tragen. Für meinen Geschmack ist das zu viel auf einmal. Das Bemerkenswerte daran: Er jammert nicht, sondern richtet sein Leben nach den Umständen ein.

Dieses mangelnde Aufbäumen kann den Leser wahnsinnig machen. Die Ehe ist schon längst lieblos, sie ging bereits vor der Krebserkrankung den Bach runter. Die Frau reklamiert Adrians Anwesenheit ein und giftet ihn dennoch die meiste Zeit an. Es wäre verständlich, wenn er den nahen Tod als Erlösung auffasste, und doch macht ihm die Aussicht auf den Tod seiner Frau zu schaffen.

Bald entdeckt er eine zweite Fluchtwelt, den Briefkontakt mit der wesentlich jüngeren Vera, die offen Lyrik schreibt und heimlich Jus studiert. Auch sie steckt in einer unerquicklichen Ehe. Sie und die beiden Kinder atmen auf, sobald der Mann auf Dienstreise geht, und erstarren, sobald der selbstsüchtige Patriarch das Haus betritt.

Man versteht, dass sowohl Adrian als auch Vera sich in ihre briefliche Liebesbeziehung stürzen, man gönnt ihnen dieses Refugium und wünscht es ihnen. Und doch bleibt da dieses ständige Bangen, weil die brieflichen Beteuerungen unwirklich erscheinen, ein literarisch überhöhtes Konstrukt sind. Vor dem ersten Wiedersehen zittert man, zumindest ich hatte starke Zweifel, ob die Idee von Liebe der Realität gewachsen sei.

Der Autorin ist ein beklemmendes Bild eines selbstgeschaffenen Gefängnisses gelungen, ein ausgezeichnetes Psychogramm, dessen Sprengkraft sich nach innen wendet. Dass sie es nicht nur trist malt, sondern in eine helle Atmosphäre taucht und die Figuren und den Leser hoffen lässt, macht es umso böser und erst richtig gut.

Kommentare: 2
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Milagros avatar

Rezension zu "Immer denk ich deinen Namen" von Evelyn Grill

Die Liebe und der Alltag
Milagrovor 2 Jahren

Evelyn Grill zählt zu den wichtigsten österreichischen Autoren, ein guter Grund ,endlich mal eine Erzählung von ihr zu lesen. 

Der Titel gab ehrlich gesagt den Ausschlag, allein schon dieser Klang, romantisch, ungewöhnlich in heutiger Zeit. Ich hatte gleich Liebesgedichte vor Augen.
Der Titel verspricht nicht zu viel. Wir finden uns in der jüngeren Vergangenheit wieder, in der Uni, Gedichte lesend. Adrian, Germanistikprofessor, trifft während einer kurzen Reise nach Prag auf die deutlich jüngere Vera, sie schreibt Lyrik und studiert daneben Jura, beide sind voneinander angezogen, reden aber in Prag  gar nicht so viel miteinander, die Anziehungskraft besteht trotzdem. Sie bleiben in Briefkontakt.  Adrian und Vera sind jedoch nicht ungebunden, beide  haben Familien zu Hause, Vera hat zwei kleine Kinder, verheimlicht ihrem Mann ihr Studium und das Treffen in Prag. Adrians Frau ist schwer krebskrank, die beiden Söhne sind schon fast erwachsen, einer macht gerade Abitur, der andere Sohn ist Autist und bedarf Adrians Zuwendung. Auch er verschweigt, dass er eine Frau kennen gelernt hat. Adrian lebt sein eigenes Leben, emotional fern von der Familie verbringt er viele Stunden in der Uni, beantwortet Briefe, bereitet Vorträge vor und überlässt die Pflege der Ehefrau den Söhnen und einer Nachbarin. Er hat aber eine liebevolle Beziehung zu seiner Mutter, die im Pflegeheim lebt und die er besucht, dort scheint er zur Ruhe zu kommen und seine Gedanken ordnen zu können. Es wird sehr  viel geschwiegen in beiden Familien, bei Vera und bei Adrian, vieles bleibt ungesagt, unterdrückt. Das kann man als Leser manchmal gar nicht gut aushalten und muss das Buch weglegen. Beide beginnen eine Beziehung in Gedanken, in ihren Briefen. Beide lügen oder lassen den Partner im Unklaren. Beide hintergehen den Partner und die Kinder in ihren Gedanken, denn ein Treffen zwischen beiden wird zunächst nur geplant. Und während man diese Seite von beiden abstoßend und sogar erbärmlich findet, schreiben sich die Protagonisten Briefe, wunderbare Zeilen, die voller Sehnsucht sind und eine andere Seite der beiden zeigen. Zitierte Gedichte, herrliche Sprache. Man ist geneigt, ihren Betrug zu verzeihen, wären da nicht die Partner, die Veränderungen bemerken und leiden. Ich war hin- und hergerissen zwischen Verständnis und Unverständnis. Eine schöne Geschichte, die nachhallt und ein gelungenes Ende bietet.

Kommentare: 3
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BarbaraDruckers avatar

Rezension zu "Das römische Licht" von Evelyn Grill

Recht auf das eigene Leben
BarbaraDruckervor 2 Jahren

Eine Malerin befindet sich endlich als Stipendiatin in Rom, als sie ein Anruf ihrer Schwester nach Hause ruft: Die Mutter liegt im Koma.
Ihre anfängliche Blockade wird durch die Männer und Frauen gleichermaßen faszinierende Fotografin Alma gelöst, während ein larmoyanter Schriftsteller, der die Künstler-WG komplettiert, vor allem die Problematik und Egozentrik des Künstlerdaseins veranschaulicht. Doch immer wieder drängt sich der Zwiespalt zwischen dem familiären Druck, die Mutter während der letzten Stunden zu begleiten (wobei die Dauer dieser Stunden keineswegs gewiss ist), und der einmaligen Chance für die Malerin, etwas für sich selbst zu tun, in den Vordergrund.

Es geht hier keineswegs nur um Selbstverwirklichung, sondern vielmehr um die Verantwortung für sich selbst. Erst vor diesem Konflikt kann die enttäuschende Mutter-Tochter-Beziehung aufgearbeitet werden. Grill zeigt sehr einfühlsam den Konflikt zweier Lebensentwürfe: die Schwester, die ihr Leben in den Dienst der Familie stellt, und die Malerin, die das Recht auf ihr eigenes Leben durchsetzt, leiden gleichermaßen. Trotz des Bemühens, das jeweils andere Konzept zu tolerieren, bleibt jeder irgendwie im Leid allein und muss seinen eigenen, individuellen Ausgang daraus finden.

Ein hervorragendes Buch mit brisanter Thematik und ohne vorgefertigte Lösungen!

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