Evelyn Grill Das römische Licht

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Inhaltsangabe zu „Das römische Licht“ von Evelyn Grill

Als sie ein Stipendium erhält und nach Rom eingeladen wird, sieht sie ihre Chance gekommen, als Künstlerin aus dem Schatten zu treten. Kaum ist Xenia in Rom angekommen, erreicht sie ein Anruf der Schwester aus der Heimat: ihre Mutter, eine gefeierte Schriftstellerin, sei bei einer Lesung zusammengebrochen, sie liege im Koma. Die Mutter, der ihre Geltung immer wichtiger war als die Familie, ihre Kunst wichtiger als die Kinder: Ihretwegen soll Xenia zurückkehren, auf die Chance verzichten, sich selbst Geltung zu verschaffen – nicht zuletzt gegenüber der Mutter? Deren Schweigen, deren Sterben und die eigene Distanz zwingen Xenia zur Auseinandersetzung mit der Kindheit, dem Egoismus der Mutter und nicht zuletzt mir ihrer eigenen Kunst – dem Egoismus der Tochter. Xenia bleibt: wegen der Mutter, die für ihre Vorwürfe unerreichbar ist, und wegen der Liebe zu Alma, der Fotografin, die auf mysteriöse Weise verschwindet; auch sie, ohne sich zu verabschieden. Evelyn Grill ist unverwechselbar: nüchtern, lapidar, ohne Sentimentalität.

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    Das römische Licht

    BarbaraDrucker

    07. July 2016 um 19:30

    Eine Malerin befindet sich endlich als Stipendiatin in Rom, als sie ein Anruf ihrer Schwester nach Hause ruft: Die Mutter liegt im Koma.Ihre anfängliche Blockade wird durch die Männer und Frauen gleichermaßen faszinierende Fotografin Alma gelöst, während ein larmoyanter Schriftsteller, der die Künstler-WG komplettiert, vor allem die Problematik und Egozentrik des Künstlerdaseins veranschaulicht. Doch immer wieder drängt sich der Zwiespalt zwischen dem familiären Druck, die Mutter während der letzten Stunden zu begleiten (wobei die Dauer dieser Stunden keineswegs gewiss ist), und der einmaligen Chance für die Malerin, etwas für sich selbst zu tun, in den Vordergrund.Es geht hier keineswegs nur um Selbstverwirklichung, sondern vielmehr um die Verantwortung für sich selbst. Erst vor diesem Konflikt kann die enttäuschende Mutter-Tochter-Beziehung aufgearbeitet werden. Grill zeigt sehr einfühlsam den Konflikt zweier Lebensentwürfe: die Schwester, die ihr Leben in den Dienst der Familie stellt, und die Malerin, die das Recht auf ihr eigenes Leben durchsetzt, leiden gleichermaßen. Trotz des Bemühens, das jeweils andere Konzept zu tolerieren, bleibt jeder irgendwie im Leid allein und muss seinen eigenen, individuellen Ausgang daraus finden.Ein hervorragendes Buch mit brisanter Thematik und ohne vorgefertigte Lösungen!

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  • Der Roman beschreibt auf eine unsentimentale Art die Suche einer Frau nach sich selbst

    Das römische Licht

    WinfriedStanzick

    10. April 2013 um 08:43

    In ihrem Roman "Das römische Licht" erzählt die in Freiburg im Breisgau lebende Schriftstellerin Evelyn Grill die Geschichte von zwei Frauen, Schwestern, die sich mit dem bevorstehenden Tod ihrer Mutter konfrontiert sehen und in ihren Gesprächen, die sie während des Komas der Mutter führen, all die bislang unbearbeiteten Erinnerungen und Verletzungen hochkommen spüren, die sie, durchaus unterschiedlich, mit der Mutter verbinden, die sie aber auch in ihrer gemeinsamen Kindheitsgeschichte miteinander teilen. Xenia ist Malerin und zu Beginn des Romans hat sich ihr lang gehegter Traum endlich erfüllt. Nach mehreren erfolglosen Versuchen ist nun ein neuerlicher Antrag angenommen und ihr ein Stipendium in Rom gewährt worden. Jener Stadt, die mit ihrem auch schon von anderen Künstlern beschriebenen „römischen Licht" eine ganz besondere Anziehungskraft auf sie ausübte. Sie will sich während ihres Aufenthaltes ganz auf ihre Arbeit konzentrieren und hofft auf eine Ausstellung ihrer Werke in einer Galerie, zu der sie schon Verbindung aufgenommen hat. Doch sie ist kaum angekommen und hat erste Kontakte mit den beiden anderen Mitbewohnern der Stipendiatenwohnung geknüpft, da erreicht sie ein Anruf ihrer Schwester Lisa. Die Mutter, so teilt Lisa aufgeregt mit, sei ins Koma gefallen und liege im Krankenhaus. Xenia müsse sofort nach Hause kommen. Die Mutter, eine sehr bekannte Schriftstellerin, sei bei einer Lesung zusammengebrochen und es sei nach Anraten der Ärzte dringend wichtig, dass bekannte Stimmen zu ihr sprächen. Komapatienten bräuchten das, wenn sie wieder zurückkommen sollen. Mit diesem Anruf, dem noch viele weitere folgen werden in den nächsten Wochen, holt die Vergangenheit Xenia wieder ein, die sie doch hinter sich lassen wollte. Eine Vergangenheit mit ungeklärten Beziehungen zur Schwester und zur Mutter, die wohl ihr persönliches und berufliches Weiterkommen immer über das Wohlergehen der Kinder gestellt hatte. Xenia lehnt es ab zu kommen, begründet das auch umständlich und mit schlechtem Gewissen und fürchtet sich doch vor jedem weiteren Anruf ihrer Schwester. Erinnerungen und wichtige, lebensprägende Vorkommnisse aus Kindheit und Jugend tauschen sie da, meistens kontrovers, in den wenigen Minuten ihrer hastigen Telefongespräche aus. Xenia sieht sich immer mehr gezwungen, sich mit ihrer Mutter auseinander zu setzen, ihrem Egoismus, unter dem sie Kind und Jugendliche so gelitten hat. Sofort ist sie aber auch konfrontiert mit ihrem eigenen Weg als Künstlerin und als Tochter, den sie, mit schlechtem Gewissen kämpfend, als nicht weniger egoistisch einschätzt und darum ringt, positiv dazu zu stehen. Das ist der eine Grund, warum Xenia bleibt, und in den Wochen ihres Aufenthaltes doch einige erstaunliche Bilder zustande bringt. Der andere Grund ist Alma, eine Fotografin, der sie als Mitbewohnerin der Wohnung am ersten Tag schon begegnet und die eine enorme, wohl auch erotische Anziehungskraft auf sie ausübt. Als Alma nach einigen Tagen verschwindet und nicht mehr auftaucht, da scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Denn wie die Mutter damals verschwindet auch jetzt die für Xenia emotional wichtig gewordene Alma, ohne sich zu verabschieden. Der Roman beschreibt auf eine unsentimentale Art die Suche einer Frau nach sich selbst. Gleichzeitig gelingt es ihm, mit wunderbaren Ortsbeschreibungen von Rom dem Leser einen spürbaren und farbenfrohen Eindruck zu vermitteln von jenem ganz besonderen "römischen Licht". Ein Roman, der mit feinem psychologischen Spürsinn deutlich macht, dass ohne die schmerzhafte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, in diesem Fall die Mutter, eigenes gelingendes und glückliches Leben nicht möglich ist.  

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  • Rezension zu "Das römische Licht" von Evelyn Grill

    Das römische Licht

    HeikeG

    08. September 2008 um 20:55

    "In Rom muss man glauben!" Evelyn Grill spielt in ihrem neuen Roman "Das römische Licht" meisterhaft mit literarischen Perspektiven. "Mir geht’s darum, wie Menschen von anderen umgeformt und umfunktioniert werden, damit sie ins Schema passen.", erzählt die Autorin in einem Interview. Ihre bisher erschienen Romane offenbaren meist die dunklen und bizarren Seiten menschlicher Existenz, beschäftigen sich oft mit den Außenseitern der Gesellschaft, mit Menschen, die von ihr abgelehnt werden oder sich selbst von ihr fernhalten. So zeichnete sie in "Der Sammler" (erschienen 2006) das Bild eines Mannes mit "Messie-Syndrom" und in ihrem beachtenswerten Roman "Wilma" (1994, neu aufgelegt 2007) das Leben und Sterben eines geistig behinderten 15-jährigen Mädchens. Aber auch in die Kunstszene hat Grill bereits literarisch "hineingerochen". "Schöne Künste" (2007) zum Beispiel offenbarte sich als Kriminalroman und gleichzeitige Satire auf den modernen Kunstbetrieb. Der Blick in die Abgründe der menschlichen Seele war aber auch hier deutlich spürbar. Nun hat die österreichische Schriftstellerin, die in Freiburg im Breisgau lebt und arbeitet, einen neuen Roman vorgelegt. Dieser scheint eine Melange aus ihren vergangen Werken zu sein: ein Buch, das zwischen Künstler-, Familien- und Kriminalroman changiert. Subtil hat sie ihre Protagonisten dieses Mal gezeichnet, ihr Ausgegrenztsein, ihre Isoliertheit ist nicht vordergründig spürbar. Doch Abgründe, verkrüppelte Kommunikationsformen, Bösartigkeiten und Ungerechtigkeiten sind unterschwellig vorhanden. Einsame Wesen sind sie mehr oder weniger allesamt. Derweil beginnt alles so vielversprechend. Xenia hat ein Stipendium bekommen. Im vielgerühmten römischen Licht erhofft sich die 34-jährige abstrakt-expressionistische Malerin den ersehnten Durchbruch in der Künstlerszene. Gemeinsam mit ihrem Mitstipendiaten, einem hässlich-unscheinbaren Schriftsteller, teilt sie sich ein Atelier. "Ich war selbst drei Mal als Stipendiatin dort. Also habe ich das 'Atelier Austria' benutzt, um die Handlung dort anzusiedeln.", berichtet Grill in einem Interview. Obwohl sich durch die Anwesendheit des von Selbstzweifeln und einer Schreibblockade geplagten Schriftstellers die erhoffte Ruhe nicht einzustellen scheint, bleibt immer noch die unglaubliche Sphäre, die Ausstrahlung der Ewigen Stadt. "Da kannst du die Augen aufreißen, durch die Via di Tor Millina gehen und auf die Piazza Navona, kannst dich hinstellen auf diesen Platz und glücklich sein wollen beim Anblick der Brunnen, der Farben, des Lichts. [...] Ein Licht ist das, das römische Licht!" Jeder, der schon einmal diese "imperiale barocke Schönheit" besucht hat, kann sich in Xenias Empfindungen hineinfühlen. "Das römische Licht war eine große Täuscherin, es verstärkte das Schöne und betonte das Hässliche." Doch kaum angekommen, senkt sich eine schwarze Wolke über die glitzernden Wellen des Tibers. Ein Anruf zerstört die malerische Aura. Xenias ältere Schwester Lisa teilt ihr mit, dass die Mutter - eine erfolgreiche Schriftstellerin - im Koma liegt. Sie bittet Xenia, nach Hause zu kommen. Doch diese weigert sich, ihren Romaufenthalt abzubrechen. Zu tief sitzt der Stachel eines Kindheitstraumas: "Ich wundere mich, daß du sagst, wir sollten zur Stelle sein, wir, ihre beiden Töchter, die sie verlassen hat, seinerzeit, weißt du noch, das weißt du doch noch, wegen eines anderen Mannes. Wir hätten sie noch gebraucht, weiß Gott, wie wir sie gebraucht hätten, aber immer ist sie auf und davon, wenn wir sie gebraucht hätten." Xenia bleibt. Doch fortan schleichen sich unschöne Erinnerungen in ihr Bewusstsein und lähmen ihren schöpferischen Geist. "Rom, dieses verdammte römische Licht. Es erdrückt mich." Doch da betritt Alma - im wahrsten Sinne des Wortes - die Bühne. Die faszinierend attraktive Starfotografin, die eine unglaublich selbstsichere Aura umgibt, ist die Dritte im Stipendiatenbunde. Eine tiefe Verbundenheit scheint sich bei beiden zu entwickeln. Sie planen gar eine gemeinsame Ausstellung. Alma macht Xenia mit dem Bestsellerautor Nico Voglio bekannt, dessen Gesicht sie abstößt, aber auch fasziniert. Eine mysteriöse Aura scheint ihn zu umgeben: "Grausamkeit, Wollust, Liebe, Gier, Ekel und Verzweiflung las ich in seinen Zügen." Auch als Alma anderntags spurlos verschwindet und verschollen bleibt, scheint ein beinahe verzweifelter Kreativitätsschub von Alma Besitz zu ergreifen. Doch ihre Schwester in Österreich lässt nicht locker... Evelyn Grill versteht es wiederum meisterhaft, mit sparsamen Strichen die Spannung langsam und kontinuierlich zu steigern. Dabei hat sie eine unnachahmliche Gabe, die Charaktere ihrer Figuren messerscharf zu sezieren, wobei oft Monströses und Abscheuliches bloßgelegt wird, obwohl dieses Mal ein leiserer, subtilerer Ton vorherrscht. "Es stimmt schon, ich habe große Lust daran und Spaß dabei, Grausliches zu erfinden. Normale Menschen interessieren mich nicht. Deshalb erschaffe ich mir diese kriminalistisch oszillierenden Menschen eben selbst.", sagt die Autorin selbst. Eine vorgefertigte Lösung wird letztendlich nicht präsentiert. Hier ist es am Leser, zu werten und zu hinterfragen. Aber gerade das macht diesen Roman zu einem anspruchsvoll, feinen Lesegenuss, bei dem die scheinbar einfach wirkende Handlung erst bei genauerer Betrachtung eine erstaunliche Bedeutungsdichte aufweist. Fazit: "Das römische Licht" ist ein spannender und subtil hintergründiger Entwicklungsroman über Vergangenheit und Gegenwart, Erinnern und Vergessen und über die Kraft des Alleinseins und den Fluch des Alleingelassenwerdens - ein stilles, nachhaltiges und sehr lesenswertes Werk.

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