Evelyn McDonnell

 3,8 Sterne bei 6 Bewertungen

Lebenslauf

EVELYN McDONNELL ist eine US-amerikanische Journalistin, Essayistin, Kritikerin, Feministin und Hochschullehrerin, die regelmäßig Joan Didions Werke unterrichtet. Sie hat bisher acht Bücher veröffentlicht, darunter »Women Who Rock. Bessie to Beyoncé, Girl Groups to Riot Grrrl« und »Queens of Noise. The Real Story of the Runaways«. Sie arbeitete als Popkulturjournalistin für den Miami Herald und war leitende Redakteurin der Village Voice. McDonnell lehrt Journalismus an der Loyola Marymount University und lebt in San Pedro, einem Stadtteil von Los Angeles.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Evelyn McDonnell

Cover des Buches Joan Didion und wie sie die Welt sah (ISBN: 9783365006207)

Joan Didion und wie sie die Welt sah

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Erschienen am 23.04.2024

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Cover des Buches Joan Didion und wie sie die Welt sah (ISBN: 9783365006207)
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Rezension zu "Joan Didion und wie sie die Welt sah" von Evelyn McDonnell

Furbaby_Mom
Viele interessante Fakten, doch (für meinen Geschmack) zu wenig Emotion

"Worte überdauern."

Der Klappentext dieser Biografie las sich so mitreißend und interessant, dass ich unbedingt mehr über die mir bis dato unbekannte Journalistin, Chronistin und (Drehbuch-)Autorin mit dem klangvollen Namen Joan Didion erfahren wollte, zumal ich in den vergangenen Monaten wahre Glückstreffer mit biografischen Werken gelandet hatte.

"Wir wissen viel über Joan Didion, die Intellektuelle, die Ironikerin, den Goth, die trauernde Witwe und Mutter. Weniger bekannt ist uns dagegen von dieser anderen Joan, der Frau, die gepresste Blumen verschenkte, warmherzige Dankeskarten an alte und neue Freunde schrieb. Herzen berührte."

Die Literaturwissenschaftlerin Evelyn McDonnell zeichnet ein gleichermaßen ansprechendes wie mystisches Portrait dieser faszinierenden Persönlichkeit und lässt dabei sowohl die Ergebnisse ihrer akribischen Recherche sowie ihre persönlichen Empfindungen mit einfließen. Insbesondere Joans Gespür für Worte, ihre ansprechenden, aufrüttelnden journalistische Texte beeindruckten mich.

"Für ihren ersten Kriminalbericht wählte Didion interessanterweise den Fall einer Frau, die ihren Ehemann umbringt. [...] Tatsächlich sind auch die Hauptfiguren in Didions Romanen allesamt weiblich. [...] diese Frauen sind keineswegs heldenhaft oder auch nur liebenswert. Sie sind vielmehr Antiheldinnen, Menschen mit Fehlern, die weder vergöttert noch verleumdet werden - weder Madonnen noch Huren. Joan beschrieb Frauen so, wie sie sie sah und wie sie sich selbst sah [...]."

Oftmals kryptisch in ihren Formulierungen und von einer geheimnisvollen Aura umgeben, blieb Joan selbst für die Menschen in ihrem direkten Umfeld irgendwie ein Rätsel. Fest steht: Sie verachtete Schubladendenken und stereotypische Ansichten und Darstellungen, und ging mit einem bemerkenswerten Kampfgeist durchs Leben, der mich schwer beeindruckte. 

"Didion mochte aussehen wie ein Mäuschen, doch sie hatte den Mut eines Löwen und war nie jemand, der sich bei Gefahr verkriecht.Sie ging durch die Welt wie eine Frau vom zweifachen ihrer Größe, reiste alleine, besuchte Kriegsgebiete, interviewte Rockstars, stellte sich Politikern."

Sie ließ sich durch nichts und niemanden von ihrer Mission abschrecken. "Als Frau ist man immer Zielscheibe für Gewalt, das ist einer der wesentlichen Punkte des Feminismus."

Auch nach der Lektüre des vorliegenden Werkes hatte ich das Gefühl, nur einen Bruchteil von Joan kennengelernt zu haben, so vielschichtig war ihr Wesen. Vielleicht ist genau das meine abschließende Erkenntnis. - "Man sieht in ihr, was man sehen will; sie ist eine Leinwand, auf die wir uns selbst projizieren können."

Fazit: Solide recherchiert und voller Fakten zu Didions Schaffen, doch der menschliche Aspekt - die emotionale Ebene - kam mir einen Hauch zu kurz. Ich hätte gerne noch mehr gefühlt statt 'nur' erfahren. Für alle, die sich erstmals über Joans Leben informieren möchten, stellt das Buch gewiss einen guten Einstieg in die Thematik dar.



Ein kompromissloser Geist

Evelyn McDonnells Biografie über Joan Didion ist ein gelungenes Porträt der weltberühmte Joan Didion. Jeder meint zu wissen wer diese Frau war und was sie auszeichnete, aber wissen wir wirklich genug über sie? Mit diesem Buch hat Evelyn McDonnell DIE Autorinnen und Essayistinnen des 20. Jahrhunderts gut in Szene gesetzt. Mit tiefem Einfühlungsvermögen und akribischer Recherche zeichnet McDonnell das Leben einer Frau nach, die eine Chronistin ihrer Zeit war und auch eine Pionierin der Selbstbestimmung. In einer Ära, in der Frauen oft noch auf vorgegebene Rollen reduziert wurden, lebte und schrieb Didion mit einer kompromisslosen Authentizität. McDonnell beleuchtet, wie Didion ihre Essays, Romane und Reportagen als Werkzeuge nutzte, um sich selbst zu definieren – nicht durch gesellschaftliche Erwartungen, sondern durch ihre eigenen Wahrheiten und aus tiefster Überzeugung.

Das Buch umfasst 14 Kapitel, die alle einen prägnant kurzen Titel haben, wie beispielsweise Kapitel 6: Mann. Darin wird ihre Ehe mit John Gregory Dunne, der nicht nur ihr kreativer Partner, sondern auch eine Quelle der Stabilität war, beleuchtet. Gemeinsam arbeiteten sie an Drehbüchern und unterstützten sich gegenseitig in ihren literarischen Projekten.

Es ist eine chronologische Ordnung ihres Lebens, aber kapitelweise thematische Schwerpunktbeleuchtungen. Alles ist drin, Höhen und Tiefen, Stärke und Verletzlichkeit. Die Gegensätze, die Joan Didion vereinte, werden von der Autorin gut herausgearbeitet.

Didion war keine Ikone des Feminismus im klassischen Sinn, aber sie lebte feministische Prinzipien, indem sie zeigte, dass Frauen ihre Geschichten auf ihre eigene Art und Weise erzählen können – ehrlich, komplex und ohne Rücksicht auf Konventionen. McDonnells Buch ist mehr als eine Biografie; es ist eine Liebeserklärung an eine Frau, die mit ihrer Kunst die Welt veränderte.

Für wen? Fans von der guten Dame oder die, die es noch werden wollen. Aber ich rate in der Tat dazu, wenigstens schon mal einen Text von ihr gelesen zu haben, bevor dieses hier zur Hand genommen wird.

Gut übersetzt ins Deutsche von Andrea Schmittmann.

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