Evelyn Safian Rosafarbenes Morgenlicht draußen

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Inhaltsangabe zu „Rosafarbenes Morgenlicht draußen“ von Evelyn Safian

Im Roman "Rosafarbenes Morgenlicht draußen" geht es um die 28jährig Hanna, die in Zuge der 68er Revolte und des sich anschließenden RAF-Terrors, das Wagnis der Emanzipation auf sich nimmt, sich mit ihrer sexuellen Identität auseinandersetzt und schließlich nach einem schwierigen und schmerzhaften Prozess, den Weg zu sich selbst findet. Kurze Inhaltsangabe des Romans Deutschland 1967/68: Jeden Tag Demonstrationen, meist friedlich, aber auch gewaltsam, Pflastersteine fliegen, die Polizei reagiert mit Wasserwerfern. Hanna, unglücklich mit Martin verheiratet, möchte angestachelt durch ihre Freundin Brigitta ausbrechen. Aus der Ehe. Aus den alten Strukturen. Sie läuft bei Anti- Amerika- Demonstrationen mit, schließt sich, zusammen mit ihrem Sohn Ludwig (8)der Frauenkommune Brigittas an, beginnt eine Liebesbeziehung mit ihr. Doch Brigitta erscheint mit der Zeit radikaler und zeigt immer größeres Interesse für die Tätigkeiten der RAF. Hanna ist beunruhigt. Und da ist noch ihre große Liebe: Laszlo. Er ist einst als Flüchtling nach Deutschland gekommen, wohnte bei Hannas Eltern in Untermiete und ging in die USA, seiner Wahlheimat. Was wird er sagen, wenn er erfährt, dass Ludwig sein Sohn ist? Kann sich Hanna, nachdem sie Martin verlassen hat, zwischen ihm und Brigitta entscheiden? Wird sie sich über ihre sexuelle Orientierung klar werden? Kann sie ihre Freundin Brigitta von der Teilnahme an den Terrorakten der RAF abhalten? Und zu guter Letzt: Kann sie den Weg in ein selbstbestimmtes Leben finden? Jetzt zum Vorbestellpreis!

Ehedrama von historischer Dimension

— Gerhard_Ebert
Gerhard_Ebert

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    Rosafarbenes Morgenlicht draußen
    Gerhard_Ebert

    Gerhard_Ebert

    11. November 2015 um 12:26

    Zugriff auf Realität. Beherzt. Unerbittlich. Politisch souverän. Dies die ersten Eindrücke von Evelyn Safians Roman – Eindrücke, die sich über rund 300 Seiten immer wieder bestätigten. Die Autorin porträtiert soziale Widersprüche der wirtschaftswunderlichen Bundesrepublik in der Zeit der 68er-Revolte, als junge Linke das „Schweinesystem“ in Frage stellten. Mit gewisser Überraschung registrierte ich, dass sich darüber so spannend wie unterhaltsam schreiben lässt. Und welche Schicksale! Im Zentrum steht Hanna, eine junge Frau und Mutter, unglücklich verheiratet mit einem typischen Haustyrannen der bundesdeutschen Männergesellschaft. Sie sucht nach echter Emanzipation, die sie bei der Lesbe Brigitta nicht findet – wobei sie peu à peu ihre eigene lesbische Neigung entdeckt. Wirklich verliebt ist sie allerdings in den smarten ungarischen Aristokraten Laszlo, von dem sie ihr Kind hat, was ihr Ehemann Martin nicht weiß, der Ludwig für seinen Sohn hält. Die Konfliktkonstellation mutet zunächst unwahrscheinlich an, zumal bei einigen Personen Biographien hinzukommen, die zurückreichen in antifaschistische und in faschistische Aktivitäten. Weil aber alle Vorgänge in ihrer Ursächlichkeit erfasst und unaufdringlich geschildert sind, bin ich ihnen sehr gern gefolgt. Selbst an den Stellen, an denen die Autorin flüchtig zu sein scheint. Phasen situativ sehr präziser und äußerst empfindsamer Erzählung folgen Zeilen etwas hurtiger, stichwortartiger Mitteilung. Auch mag der eine oder andere Dialog etwas überzogen oder ein wenig plakativ geraten sein. Insgesamt pflegt die Autorin einen aufgeraut drastischen, assoziativ zerklüfteten Schreibstil, locker, unmittelbar, ohne Schnörkel, stets bildreich und der konkreten Realität verpflichtet. Das überzeugt. Hanna verlässt ihren Mann, flüchtet zu ihrem Geliebten, dem Vater ihres Kindes, fühlt sich in den USA aber nicht wohl und kehrt zurück. Ihr wird klar, dass wirkliche Emanzipation der Frau dann beginnt, wenn sie arbeitet und also wirtschaftlich frei und unabhängig sein kann. Sie will Psychologie studieren, will frei sein und nicht zurück in ein „Ehegefängnis“.  Dramaturgisch klug, geradezu raffiniert bündelt und verfolgt die Autorin mehrere, mit den historischen bundesdeutschen RAF-Aktivitäten verwobene Konfliktstränge - Hannas hartnäckiger Kampf um absolute Eigenständigkeit, deren quälendes Hin und Her zwischen zwei Männern, deren Ausgeliefertsein an ihre lesbische Veranlagung und damit Abhängigkeit und Hörigkeit gegenüber der Sexbombe Brigitta, deren politischer Widerstand gegen die revoluzzernde Freundin, deren stille Sehnsucht nach Geborgenheit, Zuverlässigkeit und heiler Familie. Das ist frappierend! Das ist einfach gut vor allem auch wegen der psychologisch subtil gezeichneten Charaktere. Kolportage – dies mein einziger Einwand – ist RAF-Brigittas geile lesbische Leidenschaft während eines tragisch endenden Banküberfalls.     Am Ende bleibt allein der Titel „Rosafarbenes Morgenlicht draußen“ Verheißung sozialer Erneuerung, ansonsten kehrt satte Konvention zurück. Ein ehrliches Ehe- und Familiendrama von wahrhaft historischer Dimension. Ich scheue nicht den Vergleich mit dem literarischen Format eines Heinrich oder eines Thomas Mann, wobei man dann allerdings situative und stilistische Ungereimtheiten anmerken muss. Dennoch: Absolut fünf Sterne.

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