Haben wir nicht alle Mal davon geträumt bei einem Zirkus anzuheuern und ein freies Artistenleben zu führen? Bertha hat es einfach gemacht...
Bertha, eine junge Frau aus gutem Hause, hat nur einen Wunsch: Als Schauspielerin die Bühnen ihrer Zeit erobern. Für ihren Vater ist dies nicht tragbar. Er möchte sie standesgemäß in der Stockholmer Gesellschaft verheiraten. Als Bertha den gefeierten Kunstreiter Baptiste kennenlernt, fasst sie einen Entschluss, der ihr Leben für immer verändert. Sie schließt sich ihm an und verliebt sich nicht nur in ihn - sondern auch in die faszinierende Welt des Zirkus. Doch als "Private" ist es schwer, in dieser Welt Fuß zu fassen...
Es gibt diese Bücher, die nimmt man in die Hand und hofft, dass sie gut sind. Und dann nimmt man welche zur Hand, bei denen weiß man es. So ging es mir mit dem Debüt von Evelyn Scala Schreiber. Besonders da es hier um ihre eigene Familie geht. Wer kann schon behaupten, aus einer angesehen Artistenfamilie abzustammen?
Gut gefallen hat mir, dass das Zirkusleben nicht verherrlicht wird. Es war auch ein hartes, karges und mitunter gefährliches Leben. Und trotzdem spürt man genau, warum Baptiste und Kollegen sich für dieses Leben entschieden haben. Interessant war das Verhältnis zwischen den Zirkusleuten und den normalen Bürgern. Diese werden im Zirkus als "Private" bezeichnet und eigentlich lebt man strikt getrennt voneinander. Bertha und Baptiste bilden da eine wirkliche Ausnahme und ihr Kampf um ihre Liebe gegen alle Widerstände war wirklich berührend. Im Endeffekt lebt Bertha fortan zwischen den Welten - zu keiner gehört sie komplett. Sie scheint eine wirklich starke und mutige Frau gewesen zu sein. Ihre Geschichte hat mich wirklich in ihren Bann gezogen, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Denn beim Lesen hört man den Tusch, hört die Pferde wiehern und riecht die Sägespäne und wie beim Zirkus weiß man nie was einem als nächstes erwartet.
Ich freue mich schon, wenn es im zweiten Teil der Familiensaga wieder heißt: "Manege frei".





